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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.06.2017

Tiefe Gefühle, Verwirrung, Ausgrenzung...

Lord of Shadows
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Wer meine Rezension zu "Lady Midnight" gelesen hat, weiß, dass ich skeptisch an diesen zweiten Band herangetreten bin. Um es kurz vorweg zunehmen: ich liebe die Welt der Schattenjäger, die Cassandra Clare ...

Wer meine Rezension zu "Lady Midnight" gelesen hat, weiß, dass ich skeptisch an diesen zweiten Band herangetreten bin. Um es kurz vorweg zunehmen: ich liebe die Welt der Schattenjäger, die Cassandra Clare erschaffen hat. Die Originalreihe "The Mortal Instruments" gehörte lange zu meinen Lieblingen - allerdings nur mit den ersten drei Bänden. Die Prequelreihe "Infernal Devices" schaffte es, die Schattenjäger wieder zurück in mein Bücherherz zu bringen, und "Lady Midnight" (Band 1 von "The Dark Artifices") hat mich erneut zweifeln lassen, ob ich es nicht doch sein lassen sollte...

Umso bewegter bin ich nach "Lord of Shadows"!

Inhalt:
Die Geschichte setzt einige Tage nach den Ereignissen des 1. Bandes ein und stellt uns relativ zügig die neuen Paarungen vor: Emma und Mark, Cristina und Diego. Aber der Tod des Hexenmeisters Malcolm Fade war nicht das Ende aller Probleme, sondern erst der Anfang: Ozeandämonen fallen über die Westküste der Staaten her. Das Institut von LA bekommt hierbei Unterstützung durch die Centurions unter der Führung der extremistischen Zara Dearborn. Und dann steht auch noch Gwyn app Nyd vor den Toren des Institutes und appelliert an Marks Gefühle für Kieran, den Feenprinzen, der für den Mord an Iarlath, dem Verräter aus Band 1, hingerichtet werden soll. Als der wiederauferstandene Malcolm Fade mit einer Horde Dämonen vor dem Institut auftaucht, überschlagen sich die Ereignisse, Beziehungen werden auf die Probe gestellt und die Wahrheit über die Beweggründe der verschiedenen Charaktere rückt langsam ans Tageslicht...

Schreibstil:
Da ist sie wieder, die Cassie Clare wie ich sie am liebsten mag. Eine Handlung, die nicht ständig stockt, die zügig voranschreitet, und während der dennoch Zeit bleibt, sich auf die Charaktere einzulassen. Im Gegensatz zu "Lady Midnight" werden die Charakterporträts diesmal mit echtem Leben erfüllt, so dass man sich immer wieder von neuem in sie verliebt.
Thematisch hat Cassie Clare mit der Hasspropaganda der Centurions durchaus den nerv der heutigen Zeit getroffen und stellt dabei ein zeitloses, politisches Problem da: die lauten Rufe eine extremistischen Minderheit, die glaubt, die die Mehrheit zu sprechen, und dabei eine Bevölkerungsgruppe ausgrenzen möchte.

Charaktere:
Mit Emma werde ich einfach nicht warm. Sie soll zu sehr Jace sein, habe ich manchmal das Gefühl. Aber ich bin mir sicher, dass sie vielen von euch gefällt.
Julian, oh Julian. Seid ihr bereit für einen Hauptcharakter, der nur noch Schritte vom Wahnsinn entfernt ist? Zerrissen von der Liebe für seine Familie und für Emma. Gezwungen, harte Entscheidungen zu treffen. "Julian, du machst mir ein bisschen Angst" (Emma).
Mark, Cristina und Kieran. Mehr Leidenschaft und Aufopferung kann in einem Blick, einer Berührung, einem Wort kaum liegen. Vergesset Perfect Diego. Willkommen in einer verwirrenden Gefühlswelt, in der es sich darum dreht, Zuneigung zu verdienen. Außerdem hat Cassie Clare mit den dreien starke Supportcharaktere gezeichnet, die den Hauptcharakteren in nichts nachstehen und sie, meineserachtens, auch öfter mal übertreffen.
Livvy, Kit und Ty. Oh well, gotta lov'em! Anders als bei MCK geht es hier nicht um die Verwirrungen der Liebe, sondern um die Freundschaft und geschwisterliche Liebe. Auch hier hat Cassie Clare ganze Arbeit geleistet!
Arthur - ihr werdet es selbst sehen!
Diana und Gwyn. Gab es jemals einen Charakter, der wilder und gleichzeitig verständnisvoller war als Gwyn, der Anführer der Wilden Jagd? Und Dianas Geheimnis wird endlich gelüftet. Ich mag sie immer mehr, nicht nur deswegen.
Zara Dearborn - macht euch bereit auf Hass und jede Menge falsche Wahrheiten!
Bekannte Charaktere aus TMI und TID: Es ist schön, alle wieder zu sehen, aber für Leser, die neu bei Cassie Clare sind, könnte es etwas verwirrend sein. Aber mein Herz schlägt laut und kräftig, wenn ich Alec und Magnus und Max und Rafe zum Leben erwachen sehe!

Fazit:
Bitte, bitte, bettet mein Herz zur Ruhe! Es war eine emotionale Reise, wie ich sie mir von Cassie Clare erhofft habe! Aber auch die Action um Annabel Blackthorn und die Dearborns war sehr spannend und mitreißend erzählt.
Bitte enttäusche meine Hoffnungen für den 3. Band nicht!

Veröffentlicht am 06.05.2018

Das Alkoholproblem

Zum Teufel mit der Liebe
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Versteht mich nicht falsch, dieses Buch ist sehr unterhaltsam. Aber ich kann und will es nicht besser bewerten, da es, meiner Ansicht nach, Alkohol als die Lösung sehr vieler Probleme verherrlicht. Beziehungsweise, ...

Versteht mich nicht falsch, dieses Buch ist sehr unterhaltsam. Aber ich kann und will es nicht besser bewerten, da es, meiner Ansicht nach, Alkohol als die Lösung sehr vieler Probleme verherrlicht. Beziehungsweise, Chardonnay.


Den ersten Band von Catalea Morgensterns Geschichte hab ich dank der Lesejury in einer Leserunde kennengerlernt. Auch damals habe ich das Alkoholproblem bereits angemerkt, aber die meisten anderen Teilnehmer haben es mit "das gehört nun mal als Sünde zu der ganzen Höllen-Geschichte dazu" abgetan. Und ich dachte mir: "Okay, ja, soooo schlimm war es auch gar nicht." Die Kombination aus Markennamen und Cataleas Unfähigkeit, trotz Schmerzen und Unpraktikabilität auf High Heels zu verzichten, waren damals noch nervtötender.

Nun hat es sich aber umgekehrt.


Catalea Morgenstern hält sich im ersten Kapitel eine Pistole an den Kopf, weil es nun mal nicht anders geht, ihren Vater Luzifer als Vorstand der Firma zu ersetzen: sie muss sich erstmal ins Jenseits katapultieren. [Hier bitte schweren Seufzer einbauen.] Ja, ja, es macht Sinn mit der Geschichte, aber ist es nicht auch eine Verherrlichung des Selbstmordes? Ich bin zu kritisch, oder?

Ich liebe Cataleas und Timurs Humor, ihre Beziehung, und auch die ganze Konzeption der Firma ist genial. Sogar die Hauptstory um die Revolten im neunten Kreis, die Attentate auch Catalea und Jans nervende Auftritte finde ich, für einen Liebesroman, gar nicht mal so übel.

Wäre da nicht Cataleas unablässiges Lechzen nach Chardonnay. Ja, sie ist die Teufelin. Und ja, normales Wasser tut's dann nicht mehr. Das kann ich alles verstehen. Aber es muss nicht in jedem einzelnen Kapitel als Lösung für einen Streit mit Timur, für Jans Auftauchen, für ein Treffen mit den Sieben, für einen Anschlag auf ihre Person... etc. als Lösung dienen. Nein!

Veröffentlicht am 06.05.2018

Von leuchtenden Pilzen und Moosen, die wie Steak schmecken...

Magisterium
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Vielleicht bin ich schon zu alt für dieses Buch, vielleicht auch nicht... Nein, man ist nie zu alt für so phantasievolle Geschichten, wie sie uns von Holly Black und Cassandra Clare geboten werden!

Vorneweg: ...

Vielleicht bin ich schon zu alt für dieses Buch, vielleicht auch nicht... Nein, man ist nie zu alt für so phantasievolle Geschichten, wie sie uns von Holly Black und Cassandra Clare geboten werden!

Vorneweg: bravo! Bravo für eine Geschichte, die es geschafft hat, mich selbst auf Französisch in ihren Bann zu ziehen. Meine zweite Muttersprache, aber keine Sprache, die ich jemals lernen wollte. Dementsprechend habe ich bisher nur Schullektüren auf Französisch gelesen. Aber nun war ich doch am Dürsten nach neuem Lesestoff und betrat voller Tatendrang in Straßburg die Internationale Buchhandlung, in der Hoffnung, ein Buch auf Englisch zu finden, das mich durch die langweilige Woche tragen würde. Nun, "international" scheint nicht zwangsweise "mehrsprachig" zu bedeuten, wie ich mit Horror feststellen musste. Aber nun gut. Ich brauchte Lesestoff, und immerhin gab es eine Fantasy-Abteilung. Mit dem 4. Band von Magisterium. Ja, und der erste? Im hintersten Eck, ganz unten vergraben fand ich ihn dann - und er war alle Mühe Wert!


Cal ist ein zwölfjähriger Junge, der hinkt und nicht sonderlich beliebt ist bei seinen Klassenkameraden. Er hat eine Einladung bekommen, am Aufnahmetest für das Magisterium teilzunehmen, und sein Vater macht keinen Hehl daraus, dass er nicht will, dass sein Sohn eine Schule für Zauberei besucht. Warum, weiß Cal nicht, aber er tut sein bestes, um den Test so richtig in den Sand zu setzen. Was ihm auch gelingt. Dennoch geht der Schuss nach hinten los und Cal muss zusammen mit Tamara und Aaron bleiben, um sich von Meister Rufus unterrichten zu lassen.

Das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Charakteren ist, wie wir es von Cassie und Holly kennen, auf den Punkt gebracht. Man lernt sofort, die einen zu lieben, und die anderen etwas skeptischer zu betrachten. Jasper zum Beispiel. Und die Meister natürlich, die mich sehr an die Magier aus Kathleen Dueys "Skin Hunger" erinnern (absolute Leseempfehlung!).

Auch die Welt von Magisterium ist wundervoll durchdacht. Der Kontakt zu unserer Welt besteht und doch ist die Welt von den Höhlengänge eine ganz andere, die an jeder Ecke ihre Geheimnisse birgt.

Langsam beginnt Cal, sich im Magisterium einzuleben, und denkt immer mehr, dass sich sein Vater vielleicht doch geirrt hat. Oder etwa nicht? Was hat es mit dem Armband eines Schülers aus dem 4. auf sich, das sein Vater Meister Rufus zur Warnung geschickt hat? Und wird es den Meistern gelingen, einen neuen Makar - Magier des Chaos' - und den neuen Lehrlingen zu finden, der sich gegen den Feind des Todes erwehren kann?


Ich kann es kaum erwarten, am Montag den zweiten Band in dieser seltsamen, internationalen Buchhandlung in Straßburg zu erwerben!

Veröffentlicht am 06.05.2018

"Bitte Beipackzettel beachten: Für lange Zugfahrten bestens geeignet."

Hörbestseller MP3-Ausgabe / Ein ganzes halbes Jahr
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[Lou & Will Rezension Teil 1]

Ich warne euch wohl besser einmal vor: das hier wird eine Rezension der etwas anderen Art. Nicht so strukturiert mit Abschnitten und detaillierten Sternen, wie ihr es von ...

[Lou & Will Rezension Teil 1]

Ich warne euch wohl besser einmal vor: das hier wird eine Rezension der etwas anderen Art. Nicht so strukturiert mit Abschnitten und detaillierten Sternen, wie ihr es von mir gewöhnt seid. Ich verbinde mit diesem Buch (und seinen Nachfolgern) nämlich eine besondere Geschichte... Also legt die Beine hoch und lest einfach mit.


Ich habe "Me before you" damals am Bahnhof in Frankfurt gekauft, als ich meinen Zug nach Würzburg verpasst habe, weil der Zug von Krefeld nach Frankfurt gecancelt worden war. Es war mein erstes Buch von Jojo Moyes und, damals, die erste Liebesgeschichte seit Langem. Während der Wartezeit und der anschließenden Zugfahrt, habe ich das Buch regelrecht verschlungen. Ich weiß noch genau, wie mir damals in der Schwüle des Bahnsteiges die ersten Tränen über die Wangen gelaufen sind. Das war die Stelle, an der Lou Wills Fall aufgeben wollte - falls ihr euch wundern solltet: ja, ich habe 5 Stunden warten müssen.


Einige Wochen später kam dann der Film mit Emilia Clark und Sam Claflin in die Kinos. Ich kannte das Buch inzwischen auswendig und sprach die Dialoge in meinem Kopf mit. Ich sah jedes Detail, das übernommen oder weggelassen wurde – und weinte abermals. Im Kino saßen damals hauptsächlich Frauen, allen Alters, aber auch der eine oder andere männliche Begleiter. Um meine Freundin und mich fing es schon sehr früh herzhaft zu schniefen an und am Ende reichten alle Taschentücher nicht mehr aus. Selten habe ich einen Film gesehen, der alle Zuschauer im Kino dermaßen miteinander verbunden hat. Als die Leinwand wieder schwarz wurde, haben wir alle gelacht über unsere Emotionen. Die Geschichte um Lou und Will war einfach so perfekt… herzzerreißend ehrlich, aufrichtig und keineswegs weichzeichnend.


Im Moment höre ich das Hörbuch. Die Leserin des englischen Hörbuchs scheint nicht dieselbe zu sein, wie beim dritten Band, aber sie macht ihren Job sehr, sehr gut. Es scheint mir fast, als würde Lou neben mir im Auto sitzen und mir ihre und Wills Geschichte erzählen.

Ich muss immer wieder schmunzeln und lächle stumm vor mich hin. Zum Beispiel, als Lou, die immerhin 27 ist, sich mit ihrer kleinen Schwester um die Zimmerverteilung im Elternhaus streiten muss. Oder als Will das erste Mal von Lou und ihrem "Running Man" Patrick hört. Oder wenn Lou Patrick mal wieder beim Training hinterher keucht, der Busen nicht so recht im BH halten will... Ich spüre regelrecht Lous Seitenstechen und bin ganz bei ihr, in ihrem kleinen Örtchen mit der Burg.

Und dann gibt es stellen, bei denen mir Tränen in den Augenwinkeln kitzeln, und ich mich ermahnen muss, dass es keine gute Idee ist, jetzt zu weinen, da gerade rechts von mir ein Motorrad zwischen der linken und der mittleren Spur um den Arc de Triomphe vorbeizischt. Zum Beispiel, als Lou von Wills Vorhaben erfährt - ein umstrittenes Thema, ja, aber Für extrem selbst bestimmte Menschen scheint es fast der einzige Ausweg ab einem bestimmten Punkt im Leben. Meine Mutter hat schon sehr früh mit mir darüber geredet. Oder als Will Lou die Challenge stellt, den Weg in und aus dem Labyrinth bei der Burg zu finden, und Lou zusammenbricht und nur ihm erzählen kann, warum sie ihr langweiliges Leben so lebt, wie sie es tut.


Seid also vorsichtig, wann ihr euch das Hörbuch gönnt. Für Pariser Straßenverkehr ist es nicht unbedingt geeignet!

Und lest auf keinen Fall den 2. Band. Künstliche Happyends sind das schlimmste, was es gibt.

Veröffentlicht am 06.05.2018

"Bitte beachten Sie den Beipackzettel: Nicht für längere Autofahrten geeignet."

Mein Herz in zwei Welten
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[Lou & Will Rezension Teil 2]

"Still me" von Jojo Moyes


... und dann kam irgendwann "After you" heraus. In mir kämpften zwei Seiten : die eine, die eine Reihe unmöglich nicht fertiglesen konnte, und ...

[Lou & Will Rezension Teil 2]

"Still me" von Jojo Moyes


... und dann kam irgendwann "After you" heraus. In mir kämpften zwei Seiten : die eine, die eine Reihe unmöglich nicht fertiglesen konnte, und die andere, die die wundervolle Erinnerung an Lou und Will nicht mit einem Buch zerstören wollte, das weiter nichts als Fanservice war, wenn man denn en Kritiken glaubte. Natürlich gewann der Bücherverschlinger in mir und ich las das Buch. Skeptisch zwar, aber ich habe schon so machen schlecht bewertete Buch gemocht, und hoffte bis zum Schluss. Nur, um es unbefriedigt zuzuschlagen und in den hintersten Winkel meines Bücherregals zu verbannen. Und, um zu weinen. Nicht, weil mich die Geschichte so berührt hätte, im Gegenteil : weil sie meine Lou zerstört hat.


Warum sollte ich mir dann "Still me" antun ?

Ich kann euch eines sagen : Autofahrten können manchmal ganz schön lang sein. Fahrt mal alleine von Paris 6 Stunden nach Straßburg. Viel Spaß. Französischen Radio kann ich jedenfalls nicht empfehlen. Also habe ich noch schnell, bevor ich losgefahren bin, mein liebes Audible gefragt, was es mir denn empfehlen könnte. Neben lauter seltsamen Vorschlägen stand da "Still me" einfach in der Liste und ich habe es mir kurzerhand, ganz spontan, gegen jegliches besseres Wissen, heruntergeladen.

Im Auto stelle ich routinemäßig erst mein Navi an, montiere es an der Fensterscheibe und hoffe, dass es nicht wieder herunterfällt, weil der Gummi zu weich wird. Es hat 30 Grad. Dann schließe ich mein Handy an und öffne die App. Auf geht’s…

Ich denke, ihr versteht meinen mangelnden Enthusiasmus. Ich hatte schon ganz verdrängt, was am Ende des 2. Buches aus Lou geworden war. Ah, die Erzählerin faselt etwas von New York… Jetzt dämmerte es wieder… Die englische Leserin hat übrigens eine sehr angenehme Stimme, gut verständlich, und vor allem bringt sie gut Lous Ausflipper rüber.

Der erste Teil - sei es nun dem nervenaufreibendem Pariser Verkehr geschuldet oder nicht - hat mich nicht sonderlich in die Geschichte hineingezogen. Lou wird, das ist nicht zu viel verraten, Personal Assistent von einer polnischen Masseuse, die einen reichen New Yorker geheiratet hat. So weit so gut. Auch das Auftauchen - dies provozierte übrigens zu Beginn einen herzhaften, genervten Seufzer meinerseits, untermalt von heftigem Gehupe der Pariser Autofahrer - eines Will-Clons änderte nichts an der Tatsache. Nathan, von dem ich gerne mehr gehört hätte, blieb ebenfalls recht schweigsam.

Ich war kurz davor, das Hörbuch abzubrechen und stattdessen auf "Das Wolkenschloss" von Kerstin Gier zu wechseln - oder, wahlweise, eine Runde Nickelback bei voller Lautstärke. Lous beständige Unentschlossenheit, die mich schon in "After you" an den Abgrund der Geduld gebracht hatte, war fast noch schlimmer als Pariser Nachmittagsverkehr.

"Nein, du beißt dich da durch!", sagte ich mir dann.

Nun, was soll ich sagen ? Ich habe irgendwann mal wieder zum Weinen angefangen, das war dann aber erst auf der Rückfahrt. Als Mrs Dewitt und Dean Martin näher in den Fokus rückten. Die alte Frau kam mir vor, als säße sie direkt neben mir im Auto und würde vor sich hin schimpfen. Für die, die das Buch gelesen haben, wird es etwas bedeuten, wenn ich sage, dass ich mich kaum noch halten konnte, als Lou diesen einen Brief bekam.


"Still me" hat für mich einiges gerettet, was "After you" zerstören wollte. Vielleicht scheiden sich in diesem Punkt auch die Geister, aber ich habe in "Still me "mehr Seele gespürt, die Charaktere so klar vor Augen gehabt, wie zuletzt in "Me before you". Es war natürlicher als sein Vorgänger, fühlte sich weniger gezwungen an, eine neue Geschichte zu erzählen.

Und dennoch : wenn ihr "Me before you" wirklich liebt, lasst bitte die Finger von den Nachfolgern. Sie werden euer Herz nicht wieder zusammenflicken, im Gegenteil. "After you" wird es nur noch mehr zerfleddern, aber nicht im selben, positiven Sinn. Da reicht das Pflaster on "Still me" kaum aus.