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Veröffentlicht am 09.04.2021

Spannend von der ersten bis zur (fast) letzten Seite - definitiv ein Jahreshighlight!

The Passengers
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Acht Passagiere steigen morgens nichtsahnend in ihr selbstfahrendes Auto. Doch schon bald ändert sich ihr Leben schlagartig, denn sie verlieren nicht nur jede Kontrolle über ihr Auto, sondern sie werden ...

Acht Passagiere steigen morgens nichtsahnend in ihr selbstfahrendes Auto. Doch schon bald ändert sich ihr Leben schlagartig, denn sie verlieren nicht nur jede Kontrolle über ihr Auto, sondern sie werden auch alle in Richtung desselben Zieles gelenkt. Schnell wird daraus ein Massenevent, denn der Hacker streamt das ganze live im Internet und lässt die Zuschauer entscheiden, wer am Ende überleben darf..

Zugegebenermaßen war ich bei diesem Buch erst einmal unsicher, ob die Geschichte überhaupt etwas für mich ist, weil sie eigentlich nicht ganz meinen sonstigen Lesegewohnheiten entspricht. Aber erst einmal mit The Passengers angefangen, habe ich schnell gemerkt, dass diese Sorge unbegründet ist, denn die Geschichte konnte mich von der ersten Seite an komplett in den Bann ziehen. Der Schreibstil von John Marrs fällt zwar eher etwas nüchtern aus, ist aber trotzdem absolut fesselnd, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Das Buch gliedert sich dabei insgesamt in vier Teile. Während die ersten drei Teile absolut spannend waren und ich nur so auf die Auflösung hin gefiebert habe, hat sich der vierte und letzte Teil, der zwei Jahre nach der eigentlichen Handlung spielt, dann leider etwas gezogen. Meiner Meinung nach hat dieser leider auch nicht ganz zur Geschichte gepasst und wirkte doch etwas sehr konstruiert, aber das ist definitiv meckern auf hohem Niveau.

"'Wir schätzen unser Leben so gering, dass wir uns freiwillig der künstlichen Intelligenz unterwerfen, einer von Menschen geschaffenen Kraft, die weder Mitgefühl noch Sympathie kennt und zu keinem moralischen Urteil fähig ist, Wir haben der Menschheit ihre Menschlichkeit geraubt.'" (S. 173)

The Passengers wird abwechselnd aus der Sicht mehrerer Charaktere erzählt, was ich eigentlich nicht ganz so gerne mag, aber hier hat es mich überhaupt nicht gestört. Eher hat es noch die Spannung erhöht und der Geschichte so einige unvorhersehbare Wendungen beschert. Dadurch das man einige Charaktere schon von den frühen Morgenstunden an begleitet, erhält man nicht nur einen guten Überblick über diese, sondern ist auch von Beginn an in das Geschehen involviert. So bekommt man einen guten Einblick in ihr Leben, baut eine gewisse Bindung auf und rätselt mit, was die Charaktere wohl für ein Geheimnis haben. Denn genau diese Geheimnisse bekommt man stückweise von dem "Hacker", der im Hintergrund die Fäden zieht, übermittelt. Zudem werden diese erst im Nachhinein von den einzelnen Charakteren vervollständigt, sodass sich ständig ein neues Bild ergibt und man doch die ein oder andere Entscheidung überdenkt. So bekommt nicht nur jeder Charakter seine eigene Geschichte, sondern durch diese ständigen Wechsel entstehen auch immer wieder Mini Cliffhanger am Ende eines jeden Kapitels, sodass man einfach nur weiterlesen muss!

Auch das Thema rund um die autonomen Autos und künstliche Intelligenz fand ich nicht nur interessant und spannend, sondern auch irgendwie schockierend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass dieses Thema in unserer Zukunft noch eine viel größere Rolle spielen wird als jetzt. Dadurch wurde man teilweise auch selbst zum Nachdenken angeregt, denn ich habe mich öfters ertappt, wie ich in so einer Situation reagieren und entscheiden würde.

"'Wenn man das Leben Dutzender Menschen in die Hände von künstlicher Intelligenz legt, geht das früher oder später schief.'" (S. 65)

Das Cover des Buches ist eher schlecht gehalten, aber wirkt trotzdem sehr edel. Auch der farblich passende Buchschnitt in blau gefällt mir sehr gut und macht das Buch zu etwas besonderem. Ebenfalls hat mir die Innengestaltung des Buches gefallen, denn jedes Kapitel wird mit einem kleinen Nachrichtenausschnitt begonnen.

The Passengers ist definitiv ein Jahreshighlight von mir! Es war spannend von der ersten bis zur (fast) letzten Seite, hat mich mit einigen unvorhersehbaren Wendungen überrascht und konnte mich mit seiner interessanten Thematik überzeugen. Auch die vielschichtigen Charaktere haben sich super in die Geschichte eingefügt und zur Spannung des Buches beigetragen. Definitiv eine Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2021

Emotional, aber doch locker leicht - eine klare Leseempfehlung

Veilchensturm
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Stargeiger Maddox Madness eröffnet ein Sommercamp in den Hamptons für Kinder, die keine Chance auf eine musikalische Ausbildung haben. Unter anderem bekommt er dort Unterstützung von Violet, die dank einem ...

Stargeiger Maddox Madness eröffnet ein Sommercamp in den Hamptons für Kinder, die keine Chance auf eine musikalische Ausbildung haben. Unter anderem bekommt er dort Unterstützung von Violet, die dank einem Deal zwischen Maddox und ihrer Schwester im Camp arbeiten darf. Als hätte Maddox mit der Verantwortung für zahlreiche Kinder nicht schon genug zu tun, sprühen die Funken zwischen Violet und ihm nur so..

Violet White ist einfach ein Charakter, den man ins Herz schließen muss. Sie ist etwas verpeilt und tollpatschig, aber kann dabei auch über sich selbst lachen, denn sie ist sehr humorvoll. Vor allem zu Beginn wirkt sie etwas verloren, denn nach drei abgebrochenen Ausbildungen ist sie sich unsicher, wo sie im Leben steht und was sie damit anstellen soll. Meiner Meinung nach macht Violet eine wirklich tolle Entwicklung durch, denn sie findet immer mehr zu sich selbst und strahlt so eine Stärke aus, als könnte man ihr gar nichts anhaben. Dabei ist sie mit ihrer einfühlsamen Art auch immer für ihre Mitmenschen da und bietet ihre Unterstützung an, wo sie nur kann.
Maddox Madness konnte ich zu Beginn ehrlich gesagt nicht so ganz einschätzen, denn obwohl er immer wieder einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, wirkt der Stargeiger doch sehr verschlossen. Nach und nach zeigt sich aber, was für ein toller Mensch hinter dieser Fassade steckt. Maddox handelt sehr selbstlos, ist sehr charmant und vor allem loyal. Wenn er erstmal jemandem genügend Vertrauen schenkt, lässt er seinen Gefühlen freien Lauf. So merkt man ziemlich schnell, dass er keine leichte Vergangenheit hatte und auch das Leben im Lampenlicht alles andere als spurlos an ihm vorbeigeht. Maddox ist teilweise ein so gebrochener Charakter, der immer wieder durch seine Vergangenheit eingeholt wird und dem man einfach nur das ganze Leid abnehmen möchte.
Zwischen Violet und Maddox war von Beginn an eine gewisse Anziehung spürbar und doch hat sich die Beziehung in einem langsamen und authentischen Tempo entwickelt. Denn es wurde sehr viel Wert auf das Kennenlernen der beiden gelegt, was mir sehr gut gefallen hat. Sie unterstützen sich gegenseitig, wo sie nur können und dabei zeigt sich auch immer wieder, was für eine unfassbar tolle Chemie zwischen den beiden herrscht.

Ich will ihr die Narben zeigen, die Dunkelheit, die mich zu diesem Leben geführt hat. Aber gleichzeitig habe ich Angst, dass es zu viel für sie ist. Zu viel Dunkelheit für ihr Licht. (Seite 178)

Aber Violet und Maddox sind nicht die einzigen tollen Charaktere, die man in diesem Buch kennenlernen darf. Everly und Scarlett, Violets Schwestern mochte ich von Beginn an sehr gerne, denn sie unterstützen Violet, wo sie nur können. Das gleiche gilt auch für Serena, Tim und Tristan, die immer für Maddox da sind. Auch die anderen Mitarbeiter des Camps waren mir total sympathisch und irgendwie hoffe ich ja auf die Geschichte von dem ein oder anderen Charakter.

Als ich den Klappentext zum ersten Mal gelesen habe, war ich schon hin und weg, aber ich hätte trotzdem niemals erwartet, dass mich die Geschichte von Violet und Maddox so umhaut. Der Schreibstil von Kim Leopold ist nicht nur locker leicht, sondern auch sehr detailreich und bildhaft. Vor allem lässt er sich sehr angenehm lesen, sodass ich die ersten 100 Seiten förmlich eingeatmet habe. Die Geschichte wird dabei abwechselnd aus Violets und Maddox' Sicht erzählt, wodurch man einen guten Einblick in deren Gefühls- und Gedankenwelt hat und die Emotionen hautnah miterleben kann. Denn die Geschichte lebt vor allem von diesen Emotionen: von Trauer über Wut bis hin zur wahren Liebe ist gefühlt alles dabei, sodass der Leser eine wahre Achterbahn der Gefühle erlebt. Dabei werden vor allem auch ernste und tiefgründige Themen angesprochen, die sich harmonisch in die Geschichte einfügen, ohne, dass es erdrückend wirkt. Denn das Buch besitzt trotz allem eine gewisse Leichtigkeit, was vor allem auch an Kim Leopolds genialem Humor liegt, der die Geschichte immer wieder auflockert.
Neben dem Schreibstil und den Charakteren konnte Kim Leopold auch mit dem gewählten Setting punkten, denn das Setting mit dem Sommercamp in den Hamptons hat mir unglaublich gut gefallen. Ich konnte die Sonnenaufgänge am Strand förmlich vor mir sehen und die Leidenschaft der einzelnen Camp Mitarbeiter war fast schon ansteckend. Hier hätte ich mir vielleicht noch die ein oder andere Szene mehr gewünscht, aber das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau.

Sie klatschen in die Hände, trommeln auf ihre Oberschenkeln, summen, singen.. Ich liebe es. Ich liebe dieses Gefühl von Musik in jedem Atemzug, von Leidenschaft und Zusammenhalt. (Seite 106)

Das Cover des Buches gefällt mir richtig gut. Es ist eher schlicht gehalten, aber doch ein echter Hingucker und ich kann mir vorstellen, dass die gesamte How to be Happy-Reihe nebeneinander richtig schön aussieht! Aber nicht nur außen ist das Cover richtig schön, sondern auch die Innengestaltung ist absolut gelungen. Es ist nicht nur nach den unterschiedlichen Monaten gegliedert, sondern es gibt über jedem Kapitel auch eine Schlagzeile eines Zeitungsartikels, die mal mehr oder weniger mit dem Inhalt des Kapitels zu tun hat.

Insgesamt ist der fünfte Band der How to be happy-Reihe eine wirklich tolle Liebesgeschichte, die sehr emotional ist, aber auch eine gewisse Leichtigkeit versprüht. Vor allem aber konnten mich auch die Charaktere und das Setting überzeugen, sodass ich das Buch nur von Herzen weiterempfehlen kann!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.12.2020

Das Buch hat alles, was ich an den Büchern von Karen M. McManus so liebe!

The Cousins
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Milly, Aubrey und Jonah sind erstaunt, als sie einen Brief von ihrer Großmutter Mildred Margaret Story erhalten und diese sie auf Cape Cod einlädt. Denn sie haben Mildred nie kennengelernt und die Familienverhältnisse ...

Milly, Aubrey und Jonah sind erstaunt, als sie einen Brief von ihrer Großmutter Mildred Margaret Story erhalten und diese sie auf Cape Cod einlädt. Denn sie haben Mildred nie kennengelernt und die Familienverhältnisse der Storys sind alles andere als rosig. Dennoch nehmen sie die Einladung an den Sommer auf der Insel zu verbringen und decken dabei jede Menge Familiengeheimnisse auf..

Milly ist ein wahres It-Girl aus New York. Sie ist sehr selbstbewusst und teilweise auch humorvoll. Mit ihren Aussagen und ihrem Verhalten schlägt sie gerne mal über die Stränge und verletzt dabei ihre Mitmenschen, aber trotzdem muss man sie einfach gerne haben. Vor allem hat es mir gefallen, dass sie sich selbst treu bleibt.
Aubrey ist das komplette Gegenteil von Milly. Die Schülerin aus Oregon schwimmt für ihr Leben gerne, ist eher zurückhaltend und hat mit jeder Menge Familienproblemen zu kämpfen. Auch mit ihrem Freund läuft es nicht so ganz rund, worüber sich Aubrey jede Menge Gedanken macht. Sie wirkt manchmal einfach so sehr unsicher und man möchte sie am liebsten in den Arm nehmen. Trotzdem hat sie eine richtig tolle Entwicklung durchgemacht und immer selbstsicherer geworden.
Jonah wirkt auf den ersten Blick sehr mysteriös und auch irgendwie seltsam. Er hält sich eher im Hintergrund und will am liebsten gar nichts mit den anderen beiden zu tun haben. Dennoch blüht er nach und nach auf und fördert das ein oder andere Geheimnis zu Tage. Je mehr man ihn kennenlernt, desto besser kann man ihn und sein Verhalten verstehen.
Schnell wird klar, dass die drei unterschiedlicher nicht sein könnten und obwohl sie sich seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen haben, entwickeln sie sich doch zu einem unschlagbaren Team. Ich mochte die Dynamik zwischen Milly, Aubrey und Jonah einfach total gerne und das machen für mich die Bücher von Karen M. McManus auch ein Stück weit aus.

Noch während ich es ausspreche, wird mir klar, dass ich Aubrey, Jonah und mich tatsächlich als Einheit betrachte; eine seltsame kleine Schicksalsgemeinschaft, die in eine Sache verwickelt ist, die nur wir drei verstehen können. (Seite 227)

Neben Milly, Aubrey und Jonah gibt es natürlich noch einige andere Charaktere. Unter anderem lernt man die Millys Mutter Allisson, Aubreys Vater Adam, Jonahs Vater Anders und Onkel Archer kennen, aber auch Mildred. Ich muss sagen, dass ich die Familie Story die ganze Zeit nicht so einschätzen konnte.

Dem Erscheinungstermin von The Cousins habe ich wochenlang entgegen gefiebert, denn ich habe die Jugendthriller von Karen M. McManus zwar erst dieses Jahr für mich entdeckt, aber es konnte mich bisher jedes ihrer Bücher überzeugen. Der Einstieg in die Geschichte rund um Milly, Aubrey und Jonah ist mir sehr leicht gefallen, denn der Schreibstil von der Autorin ist nicht nur locker leicht, sondern auch sehr bildhaft. Dabei wird die Geschichte, wie man es von Karen M. McManus gewohnt ist, wieder abwechselnd aus der Perspektive der drei Hauptprotagonisten erzählt. So ist man nicht nur dem Familiengeheimnis gemeinsam mit Aubrey, Milly und Jonah auf die Schliche gekommen, sondern konnte die Protagonisten auch nochmal besser kennenlernen. Mir hat dabei das Setting auf Cape Cod richtig gut gefallen und ich habe nur so mit den drei mit gefiebert. Nach und nach werden immer mehr Geheimnisse oder Intrigen aufgedeckt, es kommt zu der ein oder anderen unvorhersehbaren Wendung und der Spannungsbogen bleibt auf einem konstant hohen Niveau. Besonders ist dabei, dass es auch immer wieder Kapitel gibt, die die Geschehnisse auf der Insel aus dem Jahr 1996 aus Sicht von Millys Mutter Allisson erzählen. So erhält man nochmal ganz andere Einblicke in die Familiengeschichte von den Storys und ich habe bis zum Ende mit gerätselt. Die Auflösung gegen Ende fand ich sehr gelungen und vor allem eins: spannend. Ich habe einfach so sehr mit gefiebert und wusste gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Danach wurde es zum Glück etwas ruhiger, aber wer glaubt, dass die Geschichte damit ihren runden Abschluss gefunden hat, hat weit gefehlt. Irgendwie hoffe ich ja auf eine Fortsetzung rund um die Story-Familie!

Die Geheimnisse der Storys haben etwas an sich, das sie für ihre Träger gefährlich macht. Sie schleichen sich ins Herz und in die Seele und graben sich dort so tief ein, dass die Vorstellung, sie ans Tageslicht zu holen, sich anfühlt, als würde man dadurch einen Teil von sich selbst verlieren. (Seite 331)

Das Cover des Buches gefällt mir wieder richtig gut. Es ist zwar schlicht gestaltet, aber trotzdem ein richtiger Hingucker. Vor allem finde ich es toll, dass alle Cover von Karen M. McManus in einem ähnlichen Stil gestaltet sind und man diese sofort mit diesen tollen Geschichten in Verbindung bringt.

Insgesamt konnte mich Karen M. McManus mit The Cousins wieder total überzeugen. Das Buch hatte alles, was ich an ihren Büchern so liebe: einen spannenden Plot mit jeder Menge Geheimnisse und Wendungen, aber auch einzigartige Charaktere, die trotzdem perfekt harmonieren. Dafür gibt es von mir 5/5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.11.2020

Berührend und absolut wichtig!

Wenn ich die Augen schließe
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Norah ist ein typischer Teenager. Doch dann verändert ein schwerer Autounfall ihr alltägliches Leben komplett. Zwar kann sie sich an die Meisten Erlebnisse erinnern, aber nicht, was sie in diesen Momenten ...

Norah ist ein typischer Teenager. Doch dann verändert ein schwerer Autounfall ihr alltägliches Leben komplett. Zwar kann sie sich an die Meisten Erlebnisse erinnern, aber nicht, was sie in diesen Momenten gefühlt hat. Nur noch mit Sam, ihrem Freund aus der Kindheit, verbindet sie noch etwas und möchte ihn unbedingt wiedersehen. Doch eigentlich haben die beiden keinen Kontakt mehr, nachdem Norah beliebt wurde und Sam nicht. Trotzdem möchte Sam sie auf dem Weg zurück ins Leben unterstützen..

Mit Norah hatte ich am Anfang so meine Probleme, denn irgendwie wirkte sie unglaublich arrogant, aber auch gleichzeitig etwas naiv und ich konnte mich überhaupt nicht mit ihr identifizieren. Nach dem Unfall war sie dann wie ausgewechselt und sie wurde mir immer sympathischer. Trotzdem habe ich mich oftmals gefragt, wie sie vor dem Unfall wirklich war, wenn alle so überrascht von ihrer Entwicklung waren. Oftmals tat mir Norah einfach unglaublich leid, denn sie hat teilweise so verloren gewirkt. Nach und nach findet sie allerdings wieder zu ihrer alten Stärke zurück, probiert alte und neue Dinge aus und steht vor allem auch für sich selbst ein. Diese Entwicklung mochte ich unglaublich gerne, denn im Grunde genommen ist Norah ein freundlicher, lebensfroher und humorvoller Charakter, den man einfach gern haben muss.
Sam mochte ich von Beginn an, denn er ist ein sehr liebevoller und hilfsbereiter Charakter. Er ist eher ruhig und zurückhaltend und liebt die Musik. Vor allem unterstützt er Norah, wo er nur kann und handelt dabei sehr selbstlos. Man merkt ihm aber auch immer wieder an, dass er in den vergangenen Jahren einiges durch machen musste und dies nicht spurlos an ihm vorbei gegangen ist. Trotzdem möchte er nach vorne schauen und vor allem keine Schwäche zeigen. Auch er macht eine wirklich tolle Entwicklung durch.
Ich mochte es vor allem auch, wie die beiden miteinander umgegangen sind. Man hat vom ersten erneuten Aufeinandertreffen an eine gewisse Vertrautheit und Verbundenheit zwischen den beiden gespürt, obwohl auch jede Menge verletzte Gefühle mit im Spiel waren. Dennoch haben die beiden immer mehr zueinander gefunden und es war einfach so schön mitzuerleben, wie Sam Norah bei ihrer Liste unterstützt und sie sich dafür auch revanchieren konnte.

Ich bin freiwillig zurück in den Sturm, der mich zerriss, und es gibt nur zwei Wege, wie das Ganze ausgehen wird: mit Norah an meiner Seite oder ohne sie. (Seite 201)

Nebencharaktere gibt es in diesem Buch auch einige, die sich nahtlos in die Geschichte einfügen und diese mitgestalten. Vor allem Norahs Eltern und ihre kleine Schwester Lu mochte ich total gerne. Sie sind sehr fürsorglich und unterstützen Norah mit allen Kräften, aber geben ihr auch den Freiraum, den sie braucht. Meiner Meinung nach hat vor allem Lu die Geschichte mit ihren besserwisserischen Sprüchen immer wieder aufgelockert. Auch Sams Mutter war mir sympathisch. Auch wenn sie manchmal etwas distanziert gewirkt hat, konnte man doch erkennen, dass sie immer für ihren Sohn da ist. Ganz anders sah es da mit Norahs Freunden Ella und Tim sowie ihrem festen Freund Jonas aus. Die drei Freunde waren mir von Beginn an unsympathisch und ich hatte einfach kein gutes Gefühl bei ihnen, denn irgendwie war die Beziehung untereinander so toxisch. Das ungute Gefühl wuchs gefühlt von Seite zu Seite und ich war überrascht, als sich am Ende zumindest bei einer Person noch etwas getan hat.

Seit ich letztes Jahr Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen. von Ava Reed gelesen habe, bin ich ein großer Fan von den realistischen Jugendbüchern der Autorin. Deswegen habe ich mich auch schon total auf Wenn ich die Augen schließe gefreut und wurde definitiv nicht enttäuscht. Der Schreibstil von Ava Reed ist gewohnt locker leicht und lässt sich angenehm lesen. Außerdem ist er von der ersten Seite an absolut fesselnd. Wenn ich das Buch nicht in einem Buddy Read gelesen hätte, hätte ich es wohl innerhalb weniger Stunden durch gehabt. Ava Reed nimmt den Leser dabei mit auf eine Achterbahn der Gefühle, denn diese stehen hier eindeutig im Vordergrund. Dadurch, dass die Geschichte zum Großteil aus Norahs Sicht erzählt wird, hat man einen guten Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt und kann ihre Emotionen hautnah miterleben. Hier gab es immer wieder einige Rückblenden in Norahs Vergangenheit, die manche Gedankengänge noch greifbarer gemacht haben. Ab und zu gab es auch Kapitel aus Sams Sicht, wodurch man ihn auch besser kennenlernen konnte und er seine ganz persönliche Geschichte erzählen konnte. Von diesen Kapiteln hätte ich mir noch mehr gewünscht. Trotzdem konnte ich mit beiden Charakteren mit hoffen, leiden, lachen und habe auch das ein oder andere Tränchen verdrückt. Denn obwohl die Geschichte eher ruhig ist, werden umso wichtigere Themen behandelt, die so ihre ganz eigene Stimme erhalten.

Das Leben hinterlässt bei uns allen Narben, gute und schlechte, tiefe und kleine. Die auf der Haut und die in uns drin. (Seite 98)

In diesem Buch nimmt Ava Reed das Thema Mobbing und Gruppenzwang auf und ich glaube jeder hat dies schon mal im wahren Leben erlebt - ob als Opfer, Täter oder Zuschauer. Man erhält nicht nur wichtige Informationen über das Thema, sondern sie zeigt auch, dass Mobbing keine Grenzen kennt, wenn man nichts dagegen unternimmt. Gleichzeitig macht sie mit der Geschichte von Norah und Sam aber auch Mut und ich hoffe, dass dieses Buch ganz viele Leute findet!

Mobbing bedeutet Kontrolle. Mobbing bedeutet, sich über jemanden zu stellen. (Seite 270)

Das Cover des Buches finde ich einfach wunderschön gestaltet und es ist durch die zarten Farben in Kombination mit dem goldenen Schriftzug ein echter Hingucker. Auch die Seitenklappe mit dem Schriftzug "Breathe. Feel. Trust." finde ich wirklich cool, obwohl sie beim Lesen auch manchmal etwas gestört hat und ich sie vor allem nicht kaputt machen wollte. Aber nicht nur äußerlich ist das Buch richtig schön, sondern die Gestaltung zieht sich auch durch das Innere, denn jedes Kapitel ist mit Schmetterlingen oder Ranken verziert.

Mit Wenn ich die Augen schließe hat Ava Reed wieder ein realistisches Jugendbuch geschaffen, dass mich nicht nur sehr berührt hat, sondern vor allem auch ein sehr wichtiges Thema unserer heutigen Gesellschaft aufgreift. Dieses Buch ist eine absolute Leseempfehlung meinerseits.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.10.2020

Spannend bis zur letzten Seite, aber teilweise auch sehr erschreckend!

Der Heimweg
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Es ist ein Samstagabend in Berlin. Jules Tannberg hat die Schicht seines Freundes beim Begleittelefon übernommen. Dort können Frauen anrufen, wenn sie nachts auf dem Heimweg Angst bekommen und jemandem ...

Es ist ein Samstagabend in Berlin. Jules Tannberg hat die Schicht seines Freundes beim Begleittelefon übernommen. Dort können Frauen anrufen, wenn sie nachts auf dem Heimweg Angst bekommen und jemandem zum Reden brauchen. So geht es auch Klara, die glaubt, dass sie verfolgt wird. Denn vor einigen Wochen wurde ein Datum auf ihre Schlafzimmerwand gemalt. Das Datum, an dem Klara sterben wird und genau dieser Tag steht in wenigen Stunden vor der Tür.

Der Heimweg war nicht nur mein erster Thriller seit langer Zeit, sondern auch mein erstes Buch von Fitzek. Umso gespannter war ich natürlich, wie mir das Buch letztendlich gefallen wird. Erst einmal mit dem Buch angefangen, wurde ich sofort in den Bann gezogen. Der Schreibstil von Sebastian Fitzek lässt sich sehr angenehm lesen und ist absolut fesselnd! Mit vielen kurzen Kapiteln wird zu Beginn eine gewisse Spannung aufgebaut. Dabei liest man die Geschichte aus der Erzählerperspektive, die abwechselnd Jules am Begleittelefon und Klara, die Anruferin, beleuchtet. Dadurch konnte man sich ein gutes Bild von den beiden Charakteren machen und hatte ebenfalls einen guten Einblick in deren Gefühlswelt. Zu Beginn liegt der Fokus sehr auf dem Dialog zwischen den beiden Charakteren. Dieser wird immer wieder mit Rückblicken in die Vergangenheit unterbrochen, die sich thematisch gut in das Gespräch einfügen und dem Leser immer wieder neue Puzzleteile zu spielen. So bekommt der Leser auch einige Geschehnisse hautnah mit, die ich zum Teil als sehr erschreckend und auch manchmal als ekelhaft empfunden habe, sodass ich hin und wieder ungewollt eine Pause einlegen musste. Die eingebaute Thematik war an manchen Stellen brutal, aber trotzdem schonungslos ehrlich. Meiner Meinung nach wäre hier deshalb eine Triggerwarnung zu Beginn des Buches ratsam gewesen.
Dennoch wollte ich auch immer wieder wissen, wie es weiter geht, denn die einzelnen Erzählstränge haben mich nicht nur zunehmend verwirrt, sondern ich wollte auch unbedingt wissen, wie diese zusammen gehören. Vor allem die letzten 150-200 Seiten konnten mich nochmal richtig in den Bann ziehen, denn die Spannung steigerte sich gefühlt von Seite zu Seite. Es gab einige Wendungen, die ich definitiv nicht kommen gesehen habe und die sich doch problemlos in die Geschehnisse eingefügt haben. Ich habe mehrere Theorien aufgestellt, wieder verworfen und doch bin ich nicht auf die Lösung gekommen. Umso mehr hat mir die Auflösung gefallen, denn damit habe ich definitiv nicht gerechnet. Teilweise war selbst die Auflösung noch sehr verwirrend für mich und das Buch hat mich auch Stunden nach dem Beenden nicht so ganz losgelassen.

Jules wusste, die Mathematik des Schreckens stellte den menschlichen Geist manchmal vor ganz simple Rechenaufgaben, nur das Gehirn weigerte sich manchmal, das ebenso eindeutige wie schockierende Ergebnis zu akzeptieren. (Seite 66 ff.)

Aber nicht nur der Schreibstil von Fitzek ist absolut genial, sondern auch wie er die Charaktere gezeichnet hat. Zum einen Jules Tannberg, der einfühlsame Mann am Begleittelefon, der seinen Job in der Notrufzentrale nach einem schrecklichen Schicksalsschlag an den Nagel gehängt hat und genau die richtigen Fragen zu stellen scheint. Und zum anderen Klara, medizinische Fachangestellte und Mutter einer 7-jährigen Tochter, die kein einfaches Leben zu führen scheint und nun auch noch verfolgt wird. Diese Kombination hat mir absolut gefallen und ich habe so sehr mit den beiden mit gefiebert! Auch, dass sich die Szenen teilweise in den Wohnungen der beiden Protagonisten abgespielt haben, fand ich sehr authentisch, obwohl es mir zeitgleich auch Angst gemacht hat.

Die Limited Edition finde ich absolut gelungen. Durch die farbliche Gestaltung in einem tiefschwarz farblich passenden Buchschnitt und dem kleinen Fenster mit der Verspiegelung, wirkt es absolut edel.

Der Heimweg war mein erster Thriller von Fitzek und definitiv nicht mein letzter. Die Geschichte rund um Klara und Jules war absolut fesselnd, spannend bis zur letzten Seite und zum Teil sehr erschreckend. Dafür gibt es von mir 5/5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere