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Veröffentlicht am 24.05.2019

Kollaps mal anders

Der Wal und das Ende der Welt
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Wieder ein Buch über den großen Finanzkollaps, aber nicht wieder „so ein Buch“, diese Dystopie ist eher eine „Nicetobe“, Menschen fallen nicht schlachtend, mordend und nur noch sich selbst verpflichtet ...

Wieder ein Buch über den großen Finanzkollaps, aber nicht wieder „so ein Buch“, diese Dystopie ist eher eine „Nicetobe“, Menschen fallen nicht schlachtend, mordend und nur noch sich selbst verpflichtet übereinander her, sondern schließen sich zusammen, harren gemeinsam der Dinge und versuchen gemeinsam am Überlebensstrang zu ziehen – das ist mal was anderes, sehr unterhaltsam und wohltuend!
Doch was so gut und vielversprechend begann, endet dann leider in einem hundertseitigen Kitsch-Schmalz-Märchen-Finale alla Hollywood in dem sich alles auf wundersame Art fügt, und nicht nur das dritte und vierte Wunder geschieht, nein auch noch das zehnte und zwanzigste – ach, was wäre das für ein tolles Buch geworden, hätte man es zu einem vernünftigen Ende geführt!
Oder musste das Ende so übertrieben und unglaubwürdig werden, weil der Autor selbst nicht recht an seine Version eines friedlichen Zusammenlebens nach dem Kollaps glauben kann?
Von mir leider nur drei Sterne, auch wenn ich den Autor weiter im Auge behalten werde.

Veröffentlicht am 08.03.2019

Von Blut und Wasser und was die beiden verbindet.

Rückwärtswalzer
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Hach, knapp 500 Seiten und ich hätte doch so gerne weitergelesen! Habe jetzt Augenringe, aber die durchgelesene Nacht hat sich gelohnt!
Vea Kaiser versteht sich darauf, die Zwischenmenschlichen Abstufungen ...

Hach, knapp 500 Seiten und ich hätte doch so gerne weitergelesen! Habe jetzt Augenringe, aber die durchgelesene Nacht hat sich gelohnt!
Vea Kaiser versteht sich darauf, die Zwischenmenschlichen Abstufungen von Grau gekonnt, poentiert und manchmal auch poetisch zu umschreiben. Denn in Familien ist selten etwas schwarz oder weiß, jeder ergibt in der Menge irgendwie grau – dieses setzt sie aber meisterhaft farbenfroh und unterhaltsam in Szene!
Wie auch schon in ihren anderen beiden Büchern werden auch im „Rückwärtswalzer“ viele kleine Päckchen geschnürt um zu guter Letzt das Bild einer Familie zu malen, die mit all ihren Verfehlungen, Geheimnissen, Macken und Unzulänglichkeiten doch stets weiß, dass sie für immer zusammengehört, komme da was wolle, nicht einmal der Tod vermag es jemand aus dieser Gemeinschaft zu entreißen und doch muss man es sich verdienen, dort auch dazu gehören zu dürfen! Wie das Leben spielt und ein ganzes Stück darüber hinaus, wer gute Unterhaltung sucht, wird mit diesem Buch sicher nicht viel falsch machen!

Veröffentlicht am 06.02.2019

Beängstigende, greifbare Dystopie

Die Mauer
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Wer sich hier eine zynische Analyse der Folgen des Brexits erwartet, wird endtäuscht werden. Denn dieses Buch spielt zwar in Großbritannien nach der „Wende“, doch hier geht es vielmehr um das Leben in ...

Wer sich hier eine zynische Analyse der Folgen des Brexits erwartet, wird endtäuscht werden. Denn dieses Buch spielt zwar in Großbritannien nach der „Wende“, doch hier geht es vielmehr um das Leben in einer Welt, die von den Generationen zuvor zerstört wurde, in der der gestiegene Meeresspiegel das Leben auf der Erde zum großen Teil unmöglich gemacht hat, und in der sich Großbritannien durch eine fünf Meter hohe Mauer vor den Fluten und vor „den Anderen“ schützt.
Es wird wenig auf die Umstände eingegangen, wie es so weit kam, auch das jetzige Leben wird nur kurz und knapp umrissen und lässt in beiden Fällen viel Spielraum für die eigene Phantasie und Interpretationen. Es wird genau so viel geschrieben, wie es benötigt um eine düstere Ahnung zu haben, um zu spüren, dass wir eventuell genau auf diese „Wende“ zusteuern, sie genauso kommen lassen, wie es die Elterngeneration in „die Mauer“ getan hat.
Ein sehr kluges, gut geschriebenes Buch, das sich nicht in Details verliert, sondern eindringlich den „Istzustand“ vor, auf und hinter der Mauer beschreibt.
Nüchtern, gut, unbedingt lesenswert!

Veröffentlicht am 22.01.2019

"Wahre Schönheit gibt's selten. Beim Holz und bei den Menschen."

Fünf Tage im Mai
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Zunächst einmal den Schutzumschlag abstreifen und fühlen: Denn das Buch ist in „Holz“ gebunden, Holz lebt, ist störrisch und man kann es nur mit viel Gefühl und vor allem Geduld in die angestrebte Form ...

Zunächst einmal den Schutzumschlag abstreifen und fühlen: Denn das Buch ist in „Holz“ gebunden, Holz lebt, ist störrisch und man kann es nur mit viel Gefühl und vor allem Geduld in die angestrebte Form bringen. Ähnlich verhält es sich wohl mit den Figuren in diesem Buch. Was dieses Buch besonders macht, ist die sehr bildhafte, präsente Erzählweise von Elisabeth Hager. Fast hat man das Gefühl, dass sie die beschriebenen Dinge so gekonnt beschreiben kann, weil sie’s selbst einmal gespürt, erlebt hat: Man sieht, was ihre Protagonistin sieht, riecht, was sie riecht, fühlt, was sie fühlt – man erlebt fünf Tage ihres Lebens (und auch ein wenig die Geschichte drumherum) mit. Sie beschreibt die innige, tiefgehende Bindung zwischen Illy und ihrem Urgroßvater, einem Uhrgestein der Alpen, Fassbinder und der letzte seiner Art, hat er doch auch schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel. Mit Rat und Tat und uneingeschränkter Loyalität begleitet er das Erwachsenwerden seiner Urenkelin, die in ihm einen Mentor, einen Zuhörer und einen Fels in der Brandung hat, wie es wohl jedes Kind einen haben sollte.
Ich habe gelacht, geweint, unterstrichen, gezittert und über das Leben sinniert - was will man mehr von einem Buch erwarten?

Veröffentlicht am 07.01.2019

Traumhaft schönes Weihnachtsmärchen

Die Schneeschwester
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Es ist schon sehr lange her, dass ich ein solch schönes Buch in den Händen gehalten habe. Abgesehen von der weihnachtlichzauberhaften Geschichte bin ich hingerissen von den unglaublich ausdrucksstarken, ...

Es ist schon sehr lange her, dass ich ein solch schönes Buch in den Händen gehalten habe. Abgesehen von der weihnachtlichzauberhaften Geschichte bin ich hingerissen von den unglaublich ausdrucksstarken, grandiosen Zeichnungen von Lisa Aisato - diesen Namen werde ich mir merken!
Zur Geschichte, die passenderweise in 24 Kapitel untergliedert ist, möchte ich gar nicht viel sagen, denn sie ist nicht sehr lang und hat trotzdem alles, was es bracht: Sie ist traurig, weihnachtlich, zum vor dem Kamin lesen allemal bestens geeignet, selbst lesen, verschenken, Weihnachten kommen lassen!
Aber schon das Durchblättern dieses Werkes, das vom Einband über die Kapitelgestaltung bis hin zu den wunderbar charakteristisch gezeichneten Figuren entführt ein in das weihnachtliche Oslo, lässt einen Mitfühlen, trauern und träumen. Wunderschön!