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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.07.2018

Zwischen den Zeilen

Guten Morgen, Genosse Elefant
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Die kindlich-naive Sicht auf ein Regime, das keinen Individualismus, keine Phantasie, keine eigenen Gedanken duldet. Genau daraus aber schöpft der Protagonist seine Geschichten. Er malt sich die Welt um ...

Die kindlich-naive Sicht auf ein Regime, das keinen Individualismus, keine Phantasie, keine eigenen Gedanken duldet. Genau daraus aber schöpft der Protagonist seine Geschichten. Er malt sich die Welt um sich herum in den Bunten Propagandafarben, die ihm tagtäglich als Werkzeug gereicht werden, stößt ab und an auf Widersprüche, die er aber mit eigenen Erklärungen zu meistern weiß. Zwischen den Zeilen wird ein groteskes Bild von Stalins Imperium gemalt, zynisch, intelligent, humorvoll, leider jedoch stellenweise recht langatmig und gekünstelt. Ein gutes Buch, aber leider keines, das mir nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Christopher Wilson hat sich lange Jahre mit der Psychologie des Humors beschäftigt, meinen hat er leider nur stellenweise getroffen, denn auch wenn man oft gemerkt hat, dass dies nun der lustige Moment sein soll, hat es leider nicht für mehr als ein Schmunzeln gereicht.

Veröffentlicht am 31.07.2018

Wenn ein Meister erzählt

Der Sprengmeister
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Dies hier ist das Erstlingswerk von Henning Mankell aus dem Jahr 1973. Da ich kein Großer Krimi-Fan bin, habe ich bis dato noch nichts von ihm gelesen und war neugierig auf seinen „Roman“. Was soll ich ...

Dies hier ist das Erstlingswerk von Henning Mankell aus dem Jahr 1973. Da ich kein Großer Krimi-Fan bin, habe ich bis dato noch nichts von ihm gelesen und war neugierig auf seinen „Roman“. Was soll ich sagen? Dieser großartige Erzähler gehört zurecht zu den bekanntesten Autoren, ich bin begeistert. Mankell schafft mit einfachen aber sehr treffenden Worten das Leben in Stockholm in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zeichnen, der schwedischen Arbeiterschaft und Oskar ein Gesicht zu geben. In Bruchstücken und mit ständigen Zeitsprüngen werden kleine Fragmente aus Oskars Leben widergegeben, teilweise verwirrend und doch eindrücklich, vollkommen. Ich habe gestaunt, geschmunzelt und geweint. Chapeau!

Veröffentlicht am 17.07.2018

Leider schon sehr früh vorhersehbar

Helle Tage, helle Nächte
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Dieses Buch könnte alles haben, was es zu einem guten Urlaubsschmöker braucht. Frederike, die mit einem ellenlangen Brief ihrer Tante nach Lappland aufbricht, um diesen einem Mann zu überreichen, über ...

Dieses Buch könnte alles haben, was es zu einem guten Urlaubsschmöker braucht. Frederike, die mit einem ellenlangen Brief ihrer Tante nach Lappland aufbricht, um diesen einem Mann zu überreichen, über den sie scheinbar nichts weiß, außer seinem Namen. Ihr Trip gen Norden wird bilderreich beschrieben und weckt Fernweh. Gleichzeitig kämpft ihre Tante Anna in ihrem kleinen idyllischen Heimatdorf auf der schwäbischen Alb gegen den Krebs, die Einsamkeit und gegen vergangene Verfehlungen – der Brief, den sie ihrer Nichte mitgegeben hat, soll endlich reinen Tisch machen und wird das Leben aller Betroffenen nachhaltig und für immer verändern.
Leider werden so viele und häufige Andeutungen über das große Geheimnis gemacht, dass man bereits ab Seite 100 recht genau weiß, was wohl in dem Brief stehen wird. Dass das Ganze ständig mit der von hoch emotionaler Ahnungslosigkeit und mit fehlender Kombinationsgabe geschlagenen Frederike untermalt wird, macht die Geschichte eher zäh als spannend, Annas Selbstmitleid und Gejammer über ihr Leben machen es nicht besser.
Schade, der Roman hat vielversprechend begonnen, dann werden aber zu schnell zu viele Andeutungen über das mögliche Ende fallen gelassen, so dass gut die Hälfte der Erzählung eigentlich überflüssig wird. Dennoch ein sehr schöner Schreibstil, der mit einem etwas anders gewählten Fokus sicher begeistert hätte!

Veröffentlicht am 26.06.2018

Bewusstes Genießen

Naturnahes Kochen – einfach, gut, gesund
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In diesem „gastrosophischen“ Buch geht es nicht nur, wie der Titel vermuten lässt, um naturnahes Kochen, sondern vor allem auch um einen guten und bewussten Umgang mit Lebensmitteln. Da man dieses Wissen ...

In diesem „gastrosophischen“ Buch geht es nicht nur, wie der Titel vermuten lässt, um naturnahes Kochen, sondern vor allem auch um einen guten und bewussten Umgang mit Lebensmitteln. Da man dieses Wissen leider nicht im Supermarkt aufs Kassenband legen und schnell mal eintüten kann, widmet sich Erwin Seitz im ersten Teil des Buches auf gut 80 Seiten zunächst der Warenkunde. Er räumt mit gängigen Ammenmärchen auf, mahnt zu einer größeren Wertschätzung der Produkte, stellt nicht selten gesellschaftskritische Fragen und erklärt wie nebenbei welche positiven Eigenschaften gewisse Nahrungsmittel haben können und wie man sie am wertigsten und geschmackvollsten einsetzt.
Auch im Rezeptteil bleibt er sich treu und verleiht jedem einzelnen Rezept durch einen ausführlichen Einleitungstext nicht nur geschmacklich mehr „Wertigkeit“. Die Rezepte orientieren sich an saisonal verfügbaren Produkten und variieren von simpel („Rührei mit Kräutern“) bis etwas aufwändiger („Saibling auf Buchweizenrisotto mit Bergkäse und Buttermilch“), die wunderschönen Fotos lassen einem bereits beim Durchblättern das Wasser im Mund zusammen laufen – und die Kochergebnisse überzeugen! Empfehlen kann ich vor allem „Buntes Gemüse aus dem Ofen mit Backpflaumen, Joghurt und Raz el Hanout“, „Meeresfrüchte in Safran-Curry mit Mango und Pistazie auf Pistazienreis“ und „Apfelspalten, Kartoffelstampf, Blutwurst, Haselnuss.“ Bewusst, durchdacht und lecker!

Veröffentlicht am 25.06.2018

Aberwitzig, liebens- und lesenswert!

Miss Gladys und ihr Astronaut
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Mayor Tom, also eigentlich Thomas Mayor, hat genug. Genug von seinen Mittmenschen, dem Leben, dass ihm immer nur die Tür vor der Nase zugeknallt hat, es selten gut mit ihm meinte. Der Zufall will es, dass ...

Mayor Tom, also eigentlich Thomas Mayor, hat genug. Genug von seinen Mittmenschen, dem Leben, dass ihm immer nur die Tür vor der Nase zugeknallt hat, es selten gut mit ihm meinte. Der Zufall will es, dass er als erster und einziger Mensch auf den Mars geschickt werden soll. Eine Reise in die Einsamkeit und ohne Widerkehr. Für viele unvorstellbar, einem Alptraum ähnlich, für ihn ein Befreiungsschlag, „endlich raus“.Doch als er bereits ein paar Tage unterwegs ist, überkommt es ihn doch noch. Er möchte ein letztes Mal mit seiner Ex sprechen, letzte Dinge klären – kurzerhand zweckendfremdet er das bordeigene Satellitentelefon. Doch am anderen Ende der Leitung nimmt nicht der einzige Mensch, mit dem er ein letztes Mal sprechen will, ab, sondern Miss Daisy, eine demente alte Dame, deren Leben momentan mächtig aus den Fugen gerät und auf eine Katastrophe zusteuert…Eine wunderbare aberwitzige Geschichte, über Schicksale, Einsamkeit und Miteinander. Denn auch mit tausenden von Kilometern Entfernung kann man sich näher sein als Tom das je für machbar gehalten hätte.