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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.05.2023

Amüsantes Lesevergnügen

Prost, auf die Feinschmecker
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Nach einem gemeinsamen Essen im Gourmet-Zirkel bricht der pensionierte Lehrer Klaus Busch tot vor seiner Haustür zusammen. Schon bald stellt sich heraus, dass er vergiftet wurde. Entweder hat die Köchin ...


Nach einem gemeinsamen Essen im Gourmet-Zirkel bricht der pensionierte Lehrer Klaus Busch tot vor seiner Haustür zusammen. Schon bald stellt sich heraus, dass er vergiftet wurde. Entweder hat die Köchin das Bärlauch-Pesto aus Versehen aus den sehr ähnlich aussehenden, aber hochgiftigen Maiglöckchen hergestellt. Doch warum haben dann die übrigen Gourmets der Runde keine Vergiftungserscheinungen. Oder hat es jemand gezielt auf Klaus Busch abgesehen? Besonders beliebt war er wohl nicht, auch nicht in seiner Koch-Runde.
Hauptkommissar Tischler und sein Team ermittelt. Dummerweise befinden sich in dem Gourmet-Zirkel auch Polizeioberrat Schwenk und der Bürgermeister von Brunngries, Max Gmeinwieser, die Tischler natürlich nicht wie alle anderen Verdächtigen behandeln soll.
Ein amüsantes und spannendes Lesevergnügen mit überraschenden Wendungen.

Veröffentlicht am 29.04.2023

Gute Idee – schlechte Umsetzung

Erinnere dich!
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Vor 20 Jahren verschwand die Abiturientin Maja spurlos bei einer Bergwanderung mit ihren Schulkameraden. Ihr damaliger Freund Arno Seitz hat seitdem jede Erinnerung daran erfolgreich verdrängt.
Inzwischen ...


Vor 20 Jahren verschwand die Abiturientin Maja spurlos bei einer Bergwanderung mit ihren Schulkameraden. Ihr damaliger Freund Arno Seitz hat seitdem jede Erinnerung daran erfolgreich verdrängt.
Inzwischen ist er als Dozent an der Uni Berlin tätig. Dort unterrichtet er Literatur. Bei einem Kurs über die Erzählungen Edgar Allan Poes fällt ihm ein junger Stundet auf, der ihm eine selbst verfasst Geschichte über eine verschwundene junge Frau zu lesen gibt. Diese erinnert Arno Seitz unangenehm an die damaligen Geschehnisse. Nun kommt auch noch eine Einladung zu einem Abiturtreffen in der Heimatstadt, zu dem Arno zunächst auf keinen Fall gehen will. Doch dann lässt er sich doch darauf ein, obwohl er mit den alten Schulkameraden und den damaligen Geschehnissen eigentlich nichts mehr zu tun haben möchte. Ein ihm zugespieltes Handy sendet ihm mehr oder weniger kryptische Botschaften, die mit Maja und ihrem wahrscheinlichen Tod zu tun haben. Und immer lautet der Appell an Arno: Erinnere dich!
Beim Abiturtreffen kommen dann natürlich viele verdrängte Gefühle und längst vergessene Geschichten wieder hoch. Zudem besucht Anja, die kleine Schwester Majas, die ihr zudem sehr ähnlichsieht, das Abitreffen. Auf ihren Wunsch hin beschließen die ehemaligen Freunde, die Wanderung von damals und die Übernachtung auf der Hütte, bei der Maja damals verschwand, zu wiederholen. Für Arno beginnt eine Reise in die Vergangenheit und eine Reise in seine verdrängte Erinnerung. Doch zunehmend weiß er, und damit auch der Leser, nicht mehr, was tatsächlich passiert ist. Realität und Fiktion verschwimmen.
Die Idee klingt spannend, die Verknüpfung mit E.A. Poe wirkt zunächst auch originell. Allerdings ist die Umsetzung stellenweise recht holprig und nicht immer überzeugend. Arnos Seitz so wie auch die meisten anderen Figuren wirken blass, teilweise klischeehaft. Die Dialoge wirken oft hölzern und wenig authentisch. Die Geschichte zieht sich ziemlich in die Länge, einige Wendungen tragen leider auch nicht zur Spannungssteigerung bei.
Schade. Von dieser Geschichte hatte ich mir deutlich mehr versprochen.

Veröffentlicht am 29.04.2023

Wirklich gut!

Nachtjagd
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Normalerweise bin ich vorsichtig, wenn ein Buch als ,,Spitzentitel“ und der Verfasser als ,,Bestsellerautor“ angekündigt werden. Doch in diesem Fall hat sich das absolut bestätigt. ,,Nachtjagd“ ist ein ...

Normalerweise bin ich vorsichtig, wenn ein Buch als ,,Spitzentitel“ und der Verfasser als ,,Bestsellerautor“ angekündigt werden. Doch in diesem Fall hat sich das absolut bestätigt. ,,Nachtjagd“ ist ein über 500 Seiten starker, extrem spannender und schlüssig konstruierter Krimi.
Als am Ufer eines Sees in Norwegen die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, fühlt sich Kriminalkommissar Anton Brekke von der Polizei Oslo stark an die Vorgehensweise des Serienmörders Stig Hellum erinnert. Hellum ist vor einiger bei einem Gefangenentransport die Flucht gelungen und seitdem spurlos verschwunden. Hat der Serienkiller womöglich das Morden wieder aufgenommen?
Für Anton Brekke und seinen jungen Kollegen Magnus Thorp beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
Parallel dazu wird ein zweiter Handlungsstrang erzählt. Der zum Tode verurteilter Mörder Nathan Sudlow sitzt seit Jahren in Texas im Gefängnis. Kurz vor seiner Hinrichtung erzählt er einem Priester seine Geschichte. Die beiden Handlungsstränge werden äußerst geschickt ineinander verwoben und es dauert geraume Zeit, bis man versteht, wie die Morde in Norwegen mit Nathan Sudlow verbunden sind. Dabei wird die Spannung stets gesteigert, zudem kommt es zu einigen überraschenden Wendungen.
Die Figuren sind charakterstark und authentisch. Selbst mit dem verurteilten Mörder Nathan Sudlow sympathisiert man, als man seine Geschichte allmählich erfährt. Besonders gelungen ist das Ermittlerduo Brekke und Thorp. Anton Brekke, stets missgelaunt und mürrisch, befürchtet, an einer tödlichen Krankheit zu leiden, weshalb er noch mürrischer und gereizter auftritt. Der elegante und gutaussehende Magnus Thorp dagegen muss sich an der neuen Arbeitsstelle und gegenüber dem erfahrenen Brekke erst noch beweisen. Sehr unterhaltsam sind die flapsigen Dialoge zwischen den beiden Ermittlern.
Beste Unterhaltung – gerne mehr davon!

Veröffentlicht am 19.04.2023

Witzig, philosophisch, gruselig!

Der Bojenmann
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Mitten in der Elbe wird von einem arglosen Paddler eine Leiche entdeckt. Anstelle der hölzerne Kunstfigur „Bojenmann“, die offenbar über Nacht abgesägt wurde, wurde eine Leiche gruselig in Szene gesetzt. ...


Mitten in der Elbe wird von einem arglosen Paddler eine Leiche entdeckt. Anstelle der hölzerne Kunstfigur „Bojenmann“, die offenbar über Nacht abgesägt wurde, wurde eine Leiche gruselig in Szene gesetzt. Besonders makaber: die Leiche ist plastiniert. Nur so konnte sie in dieser Position platziert werden.
Kommissar Thies Knudsen, leitender Ermittler des LKA in Hamburg Altona, hat so etwas noch nie gesehen. Auch seine Kolleginnen, Dörte Eichhorn, genannt das Eichhörnchen, und die Forensikerin Susi „Spusi“ Diercks, sind zunächst ratlos, was das bedeuten soll. Doch bald schon tauchen weitere, ähnlich schockierend in Szene gesetzte Leichen auf. Ein Serienmörder geht um in Hamburg, und er will seine plastinierten Opfer zur Schau stellen.
Glücklicherweise hat Kommissar Knudsen seinen guten alten Freund Oke Andersen, der direkt an der Elbe in Övelgönne lebt. Andersen ist sehr belesen und philosophisch bewandert, weshalb er, als ehemaliger Lotse, den Spitznamen La Lotse trägt. Ihn kann Kommissar Knudsen bei einem guten Essen und einer Flasche Bier immer um Rat fragen. La Lotse Andersen lässt der Fall der plastinierten Leichen nicht mehr los. Er recherchiert auf eigene Tour und findet schließlich eine Spur, die zum ,,Duckdalben“, einer internationalen Seemannsmission führt. Offensichtlich hat der Mörder sich dort seine Opfer ausgesucht.
,,Der Bojenmann“ ist ein spannender Krimi, mit einigen gruseligen Details (Gunther von Hagens lässt grüßen), aber auch vielen witzigen Dialogen und philosophischen Gedanken.
Toller Start einer neuen Serie – gerne mehr von Kommissar Knudsen und seinem Kumpel Oke La Lotse!

Veröffentlicht am 07.04.2023

Hamburg 1907

Tödlicher Schlaf
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Carl-Jakob Melcher arbeitet als Bakteriologe am Hamburger Tropeninstitut. Man schreibt das Jahr 1907.
Im Hafenkrankhaus begegnet Melcher einem alten Schulfreund, Ludolf Harberg. Dieser ist schwer krank ...

Carl-Jakob Melcher arbeitet als Bakteriologe am Hamburger Tropeninstitut. Man schreibt das Jahr 1907.
Im Hafenkrankhaus begegnet Melcher einem alten Schulfreund, Ludolf Harberg. Dieser ist schwer krank aus den ostafrikanischen Kolonien zurückgekehrt und leidet an der Schlafkrankheit.
In einem wachen Moment erzählt er Carl-Jakob Melcher von Experimenten, die er zusammen mit dem Mediziner Robert Koch an Einheimischen unternommen habe, bei denen es zu auffällig vielen Todesfällen kam. Darüber habe er auch Aufzeichnungen geführt, die er versteckt habe. Doch bevor er noch Genaueres erzählen kann, stirbt Ludolf Harberg. Während die Ärzte seinen Tod als eine natürliche Folge seiner Krankheit ansehen, glaubt Carl-Jacob Melcher, dass Harberg wegen seiner Informationen und wegen der versteckten Aufzeichnungen ermordet wurde. Zusammen mit seinem Schulfreund Kriminalsekretär Martin Bucher beginnt er zu ermitteln. Doch bald schon gibt es einen weiteren Todesfall, und dieses Mal gerät Melcher selbst unter Mordverdacht.
In diesem Kriminalroman werden fiktive und historische Elemente geschickt miteinander verknüpft. So erhält man neben der Krimihandlung viele Informationen über die koloniale Ausbeutung und die Einstellung der Deutschen zu Afrika, auch über die soziale Situation der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Hafenstadt oder z.B. über den beginnenden Kampf der Frauenrechtlerinnen. Die Figuren wirken authentisch und in ihrer historischen Befangenheit etwas angestaubt, aber unbedingt sympathisch.
,,Tödlicher Schlaf“ ist der 2. Band mit Carl-Jacob Melcher. Auf eine Fortsetzung darf man wohl hoffen.