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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.11.2025

Sprachgewaltig

Mammut
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„Ich hatte Angst davor, dass die Einsamkeit sich vor mir nackt ausziehen und ihre Leere offenbaren würde.“

„Meine Verzweiflung stinkt noch übler als der Dreck auf seiner Haut und der gesamte Dreck auf ...

„Ich hatte Angst davor, dass die Einsamkeit sich vor mir nackt ausziehen und ihre Leere offenbaren würde.“

„Meine Verzweiflung stinkt noch übler als der Dreck auf seiner Haut und der gesamte Dreck auf diesem Planeten.“

Die Ich-Erzählerin wünscht sich ein unkonventionelles Leben, abseits der existierenden Rollenbilder. Sie erträgt die Menschen um sich kaum noch, flüchtet in die Stille. In einem abgelegenen Bergdorf findet sie genau das. Spartanisch lebt sie dort. Die Ruhe und die Natur tun ihr gut. Sie lernt harte, körperliche Arbeit kennen, muss sich ihren Ängsten stellen. Doch auch dort kann sie nicht vor ihrer traumatischen Vergangenheit entkommen. Sie ist innerlich zerrissen, weiß manchmal nicht wohin mit sich. Zarte Annäherungen an die anderen Dorfbewohner gibt es auch, doch eins bleibt. Die Suche nach einem Platz im Leben, einem echten Zuhause.

Anfangs war ich sehr verwirrt und wusste nicht so richtig wo die Reise hingeht. Die Erzählerin möchte unbedingt ein Kind, einen Vater braucht sie nicht, ein Erzeuger reicht. Es gab ein paar Zeitsprünge, die mich zusätzlich etwas verwirrt haben. Als ich aber einmal drin war, offenbarte sich ein sprachgewaltiger, wütender und schonungsloser Roman. Die Sprache ist einfach nur großartig, intensiv und poetisch. Die Erzählerin wirkt authentisch, das Leben hat sie hart gemacht. Das wird mit jedem Satz immer klarer. Schicht für Schicht wird abgetragen, bekommen wir einen immer tieferen Blick in ihre Gefühle. Die Story ist hart, es gibt viele recht heftige Abschnitte. Passt für mich aber wunderbar.

Ein sprachlich herausragender, harter Roman, der mich sehr überrascht hat. Empfehle ich sehr gern weiter.

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Toll

Mama & Sam
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„Unbeweglich sitze ich in einer Pfütze aus Wut, Angst, Verletzung. Ich möchte auf irgendwas einschlagen, so voll bin ich.“

„Stattdessen bin ich ein Stehaufmännchen geworden. Eine, die einfach immer weiterkämpft. ...

„Unbeweglich sitze ich in einer Pfütze aus Wut, Angst, Verletzung. Ich möchte auf irgendwas einschlagen, so voll bin ich.“

„Stattdessen bin ich ein Stehaufmännchen geworden. Eine, die einfach immer weiterkämpft. Eine, die durchzieht. Die hart im Nehmen ist. Die aufpassen muss, denn die anderen tun es nicht.“

Die Mutter ist verstorben. Kontakt gab es in den letzten Monaten nicht mehr. Mama war verliebt in Sam, einen berühmten Schauspieler. Schwester und Tochter haben sie gewarnt aber sie fühlte sich endlich geliebt. Ihr ganzes Leben lang versuchte die Mutter liebenswert und begehrenswert für Männer zu sein. Einsam war sie, hatte selbst zu wenig Liebe für sich übrig. Dann der tolle Schauspieler, mit dem sie über Social Media schrieb. Alle roten Flaggen wurden übersehen. Nun ist sie tot. Ihre Tochter, die „Kinderkommissarin“ versucht anhand der Chatverläufe raus zu finden was passiert ist. Dabei arbeitet sie auf, was genau eigentlich zwischen ihr und ihrer Mutter stand und wie viele schöne Erinnerungen es an ihre Kindheit eigentlich noch gibt.

Ich bin ein großer Fan von Sarah Kuttners Romanen und musste natürlich auch diesen hier lesen. Der letzte Roman ist ein paar Jahre her und ich war sehr neugierig auf diesen hier. Das Thema ist ja sehr präsent und sicher allen bekannt. Aber warum passiert sowas? Warum fallen intelligente Frauen auf diese Art Nachrichten rein? Sarah Kuttner schreibt wieder klar, auf den Punkt. Sie scheut sich nicht davor ihre Gefühle zu beschreiben. Das macht sie für mich ganz großartig. Schmerzhaft sind die Erinnerungen an ihre Kindheit und daran was Mama passiert ist ist. Hätte sie ihr helfen können? Kuttner arbeitet auf, klug und einfühlsam. Sie legt den Finger tief in die Wunde. Es tut weh beim Lesen, regt an zum nachdenken. Definitiv ein Buch, das einen nicht mehr loslässt. Ich hab es an einem Tag gelesen. Modern, intelligent und einfach großartig. Manche Sätze sprachen mir tief aus dem Herzen. Danke, Danke, Danke für dieses Leseerlebnis.

Ich brauch bestimmt nicht mehr erwähnen, dass es eine ganz große Empfehlung bekommt.

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Spicy Christmas

Under the Mistletoe – Die zwangsläufige Zeit der Liebe
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Fünf Kurzgeschichten rund um die schöne, gemütliche Weihnachtszeit finden wir hier. Jamie steckt mit dem Bruder ihrer besten Freundin in einem Wintersturm fest. Er mochte sie schon immer und ist zu einem ...

Fünf Kurzgeschichten rund um die schöne, gemütliche Weihnachtszeit finden wir hier. Jamie steckt mit dem Bruder ihrer besten Freundin in einem Wintersturm fest. Er mochte sie schon immer und ist zu einem tollen Mann geworden. Tessa ist alleinerziehend und trifft im Second Hand Laden auf den riesigen Farmer, an dem alles sehr riesig ist. Nina und William sind Kollegen und auch sie stecken unfreiwillig fest und können sich so näher kommen. Everleigh trifft auf einen (Achtung Klischee) heißen Feuerwehrmann und Evie ist heimlich in ihren Nachbarn verliebt.

Kalte Temperaturen, heiße Gedanken. Happy spicy Christmas. Die erste Geschichte von Ali Hazelwood war richtig süß und hat mir am besten gefallen. Die zweite Story wirkte auf mich unfreiwillig komisch. Hab so viel gelacht, herrlich. Der riesige Farmer Luke, an dem alles so groß ist, dass keine normale Hose passt, köstlich. Die anderen Geschichten waren ganz nett. Mal etwas weniger Spice, mal ganz schön viel. Ich brauch das eigentlich nicht. In jeder Geschichte gab es herrliche weihnachtliche Vibes und das hat mir richtig gut gefallen. Ja „Under the Mistletoe“ ist ordentlich was los. Mich hat das Buch, trotz meiner Abneigung bei so viel Spice, köstlich unterhalten. Hatte davor sehr ernste Bücher. Vielleicht brauchte ich genau das jetzt.

Für alle, die eine leichte Lektüre suchen und natürlich für die Spice Fans eine Empfehlung.

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Veröffentlicht am 12.11.2025

Spannend

Die letzte Fahrt des Zaren
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Februar 1917: in Russland überschlagen sich die Ereignisse. Auf den Straßen gibt es Proteste, die ein immer größeres Ausmaß annehmen. In den Geschäften gibt es nicht mehr viel zu kaufen, Menschen verhungern. ...

Februar 1917: in Russland überschlagen sich die Ereignisse. Auf den Straßen gibt es Proteste, die ein immer größeres Ausmaß annehmen. In den Geschäften gibt es nicht mehr viel zu kaufen, Menschen verhungern. Die Oberschicht lebt ihr ganz normales, luxuriöses Leben weiter, als ob nichts ist. Immer mehr Menschen protestieren, plündern Läden, rotten sich immer mehr zusammen. Irgendwann verlässt der Zar dann doch die Hauptstadt und wird nie wieder zurückkehren.

Das Herrschaft des Zaren in Russland fand ich immer schon interessant. Noch dazu diese Revolution, sehr spannend. Das Buch liest sich manchmal fast schon wie ein Roman. Ganz toll und spannend erzählt. Hauptsächlich geht es um die letzte Woche im Zarenreich. Die Gründe des Scheiterns wurden ordentlich reflektiert und analysiert. Meistens gibt es dafür ja auch mehrere Faktoren und ungünstige Zufälle. Manche Ausführungen waren sehr detailreich und es gab sehr viele Namen, die ich meistens erstmal nachschauen musste. Das machte das Lesen manchmal etwas anstrengender. Es ist aber auch kein gemütliches Buch für zwischendurch, sondern eine inhaltlich sehr anspruchsvolle Lektüre.

Insgesamt ein beeindruckendes Werk, spannend geschrieben und ganz viel Inhalt. Für alle Geschichts- und Russland Interessierten ein sehr lohnenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Außergewöhnlich

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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Die Ich Erzählerin begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Will wissen, warum es sie gibt. Ihre Geschichte reicht zurück bis zu ihrer Urgroßmutter. Sie muss schon zeitig allein zurechtkommen. ...

Die Ich Erzählerin begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Will wissen, warum es sie gibt. Ihre Geschichte reicht zurück bis zu ihrer Urgroßmutter. Sie muss schon zeitig allein zurechtkommen. Ihre Mutter starb, als sie noch sehr jung war. Von da an kümmert sie sich um den Haushalt und die kleineren Geschwister. Sie konnte kochen und den Hof in Ordnung halten. Die Mutter ersetzen konnte sie leider nicht. Und so geht in in den folgenden Generationen weiter. Es gibt gewollte und ungewollte Kinder, eine Schlafkrankheit, Anna, die die Toten abholte, harte Arbeit usw.

Sprach- und bildgewaltig erzählt uns Anna Maschik. Hier ist kein Wort zu viel, direkt und auf den Punkt. Oft recht sachlich, durchzogen mit feinem Humor. Die Story ist sehr abwechslungsreich und vielfältig trotz der wenigen Seiten. Manchmal wird nicht unbedingt chronologisch hin- und her gesprungen aber das war absolut unproblematisch. Liebevoll gezeichnete Protagonisten, die teilweise noch in einer Zeit lebten, die geprägt von Krieg und harter Arbeit waren. Ungeliebte Kinder, die sich trotzdem einen Platz im Leben erkämpft haben, geprägt von der Kindheit. Atmosphärisch dicht, manchmal recht derb . Ein außergewöhnlicher Roman, unkonventionell, manche Szenen fast skurril. Genau das macht ihn so besonders. Insgesamt ein großartiger Roman, den ich euch gern ans Herz legen möchte.

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