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Veröffentlicht am 29.09.2025

atmosphärisch stark, emotional geht so

Unbeugsam wie die See
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Nach "Die Unbändigen" (Weyward), das mich absolut begeistert hat, war meine Vorfreude auf Unbeugsam wie die See (The Sirens) riesig. Emilia Hart bleibt sich in vielem treu: Wieder erzählt sie die Geschichten ...

Nach "Die Unbändigen" (Weyward), das mich absolut begeistert hat, war meine Vorfreude auf Unbeugsam wie die See (The Sirens) riesig. Emilia Hart bleibt sich in vielem treu: Wieder erzählt sie die Geschichten mehrerer Frauen in unterschiedlichen Zeitebenen, wieder verwebt sie weibliche Traumaerfahrungen, Familiengeheimnisse und Naturmystik zu einer dichten Atmosphäre. Und auch diesmal gelingt es ihr, eine ganz eigene Welt zu erschaffen; düster, melancholisch, geheimnisvoll.

Besonders stark fand ich die Atmosphäre. Das abgelegene australische Küstendorf, die stürmische See, das verfallene Haus - das alles wurde so stimmungsvoll beschrieben, dass ich wirklich das Gefühl hatte, selbst dort zu sein. Auch die mythologischen Elemente, besonders die feministisch neu interpretierten Sirenen, fand ich originell. Dass die Meerwesen in dieser Geschichte nicht einfach nur Verführerinnen sind, sondern eine Art archaische, beschützende Kraft, hat mich sehr angesprochen.

Inhaltlich begleitet man zwei Schwestern in der Gegenwart, Lucy und Jess, die mit seltsamen Träumen, Schlafwandel und einer Familiengeschichte voller Lücken konfrontiert werden. Parallel dazu erleben wir die Geschichte von Eliza und Mary, Zwillingsschwestern auf einem britischen Gefangenenschiff im Jahr 1800 - ebenfalls auf dem Weg nach Australien. Beide Zeitstränge spiegeln sich gut ineinander, auch wenn das ständige Wechseln der Perspektiven und Zeiten manchmal den Lesefluss gestört hat.

Was für mich leider nicht ganz funktioniert hat, war die emotionale Verbindung zu den Figuren. Besonders mit Lucy hatte ich Schwierigkeiten - ihre Entscheidungen wirkten für mich oft unnachvollziehbar, ihre Entwicklung blieb trotz vieler innerer Monologe recht flach. Auch andere Figuren blieben eher blass oder zu konstruiert. Die Grundidee (Trauma, das über Generationen hinweg wirkt) ist stark, aber ich hätte mir mehr emotionale Tiefe und weniger erklärende Tagebucheinträge gewünscht. Einige Elemente wie die seltene Hautkrankheit wirkten eher wie Symbolik als als organischer Teil der Geschichte - spannend, aber nicht ganz zu Ende gedacht.

Dadurch wurde das Buch leider sehr sehr lang und anstrengend zu lesen. Schade! Ich hatte große Hoffnung. Ich bleibe trotzdem Fan des Aufbaus und verfolge die Autorin weiter - ich wette, da kommt noch viel Gutes.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Akademisch sehr gut, emotional eher flach

Katabasis
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Ich habe mich vorab sehr auf Katabasis gefreut. Kuang ist eine meiner Lieblingsautoren und Babel fand ich in der Dark Academia Schiene schon großartig.

Was ich bekam, war ein Buch, das mich in vielerlei ...

Ich habe mich vorab sehr auf Katabasis gefreut. Kuang ist eine meiner Lieblingsautoren und Babel fand ich in der Dark Academia Schiene schon großartig.

Was ich bekam, war ein Buch, das mich in vielerlei Hinsicht beeindruckt, aber auch frustriert hat. Kuang entwirft eine faszinierende Version der Hölle: eine Art akademisches Unterreich, das sich wie ein grotesker Campus anfühlt - übervoll mit Symbolik, philosophischen Konzepten und literarischen Anspielungen. Schon allein die Idee, zwei verfeindete Postgraduierte auf eine Reise durch die acht Höfe der Hölle zu schicken, um ihren toten Doktorvater zurückzuholen, wirkt auf mich sehr unterhaltsam. Und ja, die Namenswahl Alice und Peter weckt ganz bewusst Assoziationen zu Alice im Wunderland und Peter Pan – auch das fand ich clever und gelungen.

Stilistisch merkt man Kuang wieder einmal ihre Brillanz und Belesenheit an. Es steckt unglaublich viel drin: von mathematischen Modellen über theologische Gedanken bis hin zu antiker Mythologie. Das ist faszinierend und hat mich persönlich gar nicht gestört - ich mag anspruchsvolle Fiction-Wissenschaft und ich mag es auch, beim ersten Lesen vielleicht nicht immer alles zu verstehen. Ich verstehe jedoch die Gegenstimmen, die genau dieses "Belehrende" kritisieren. In meinen Augen macht das jedoch ein bisschen den aktuellen Schreibstil von Kuang aus...

Was mich leider auch gestört hat, waren die Figuren. Alice blieb mir lange Zeit fremd und ungreifbar, und Peter - so viel Raum seine Hintergrundgeschichte auch bekommt - wirkte auf mich eher blass. Die emotionale Ebene blieb insgesamt auf der Strecke. Zwar gibt es interessante Spannungen zwischen den beiden, aber diese Beziehung hat mich nie wirklich mitgerissen. Auch der Plot war stellenweise zäh - besonders nach den ersten zwei Höfen der Hölle verlor das Ganze für mich deutlich an Energie. Die Struktur an sich (eine Reise durch klar abgegrenzte Ebenen) hätte eigentlich für ein gutes Erzähltempo sorgen können, aber die Dichte der Sprache und die ständigen Exkurse haben das oft ausgebremst. Auch der direkte Wurf in die Hölle am Anfang hat mich etwas überrumpelt.



Trotz all dieser Kritikpunkte erkenne ich Kuangs handwerkliches Können absolut an. Die Welt ist atmosphärisch dicht, die Themen sind mutig gewählt, und das Buch hat definitiv Tiefe. Das sind für mich auch die klaren Stärken des Buches: die Komplexität, die kluge Symbolik, den intellektuellen Anspruch. Für mich kommt die emotionale Verbindung trotzdem zu kurz. Zu den Figuren, zur Handlung, zur Geschichte als Ganzes. Ich war selten wirklich berührt oder gepackt, sondern eher neugierig auf die nächste Idee, das nächste Konzept. Am Ende hatte ich das Gefühl, ein sehr durchdachtes, gut konstruiertes Werk gelesen zu haben - aber kein Buch, das mich nachhaltig bewegt hat.

Insgesamt würde ich sagen: Katabasis ist ein Buch für Menschen, die gerne gefordert werden, die Spaß an komplexen, vielschichtigen Texten haben und denen eine gewisse emotionale Distanz nichts ausmacht. Für alle anderen - besonders für diejenigen, die sich eher von Charakteren und zwischenmenschlichen Entwicklungen mitreißen lassen wollen - könnte das Ganze schnell anstrengend wirken. Ich bin froh, es gelesen zu haben, Kuang bleibt trotzdem ein Auto-Buy-Author für mich. Trotzdem wackelt meine Grenzenlose Liebe ein kleines bisschen.



Kuang erwähnte auf einer Lesung, dass sie vielleicht einen zweiten Teil von Babel schreiben möchte (nachdem sie fließend französisch gelernt und den amerikanischen Bürgerkrieg studiert hat) und im Moment viel zu Künster*innen und deren Arbeiten recherchiert...Außerdem deutete sie an, dass sich ihr Schreibstil nochmal stark ändern wird, weil sie zur Zeit viel Posie liest und mehr auf Sprachrhythmen achtet. Ich bin gespannt, was sie uns als nächstes serviert.

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Cover-Kauf diesmal nicht geklappt

Don't Let The Forest In
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Ich wollte dieses Buch so sehr mögen. Allein das Cover - düster, schön, ein bisschen morbide - hat mich sofort angesprochen. Auch das Setting mit einem Internat, makabren Märchen und einem Hauch von psychologischem ...

Ich wollte dieses Buch so sehr mögen. Allein das Cover - düster, schön, ein bisschen morbide - hat mich sofort angesprochen. Auch das Setting mit einem Internat, makabren Märchen und einem Hauch von psychologischem Horror klang nach genau meinem Ding. Aber am Ende war ich leider eher ernüchtert.

Was gut funktioniert hat: Die Atmosphäre. Die düsteren Bilder, die blutgetränkten Illustrationen, das surreale Gefühl, dass etwas nicht stimmt – das alles war teilweise wirklich gelungen. Die Prosa ist extrem poetisch, manchmal wunderschön formuliert, manchmal allerdings auch einfach zu viel. Der Schreibstil will oft mehr sein, als er ist, und hat mich mehr als einmal aus dem Lesefluss gerissen. Wortwiederholungen (vor allem rund um „Verfall“ und „Fäulnis“) und absichtlich zerstückelte Sätze wirken eher bemüht dramatisch als wirklich bedeutungsvoll.

Die Figuren (vor allem Andrew) waren für mich ein Problem. Ich verstehe, dass er ein komplexer Charakter mit psychischen Problemen sein soll, aber statt Tiefe kam bei mir oft nur Selbstmitleid an. Seine Essstörung und Angstzustände werden erwähnt, aber nie wirklich konsequent erzählt oder ernsthaft behandelt. Vieles wirkte wie reingeschoben, um den Charakter „traumatischer“ zu machen, aber nicht wie etwas, das die Geschichte oder ihn selbst wirklich formt.
Die Beziehung zwischen Andrew und Thomas, die eigentlich das emotionale Herz der Geschichte sein soll, hat mich ebenfalls nicht gepackt. Es gibt eine intensive Abhängigkeit zwischen ihnen, teilweise sogar toxisch - und das wäre interessant gewesen, wenn es glaubhafter entwickelt worden wäre. Stattdessen blieb es für mich oft eher oberflächlich und voller leerer, dramatischer Phrasen, ohne echtes emotionales Gewicht oder Tiefe.
Inhaltlich schwankt das Buch zwischen psychologischem Horror, Coming-of-Age, queerer Selbstfindung und Märchenmetapher – alles spannende Themen, aber nichts davon wird wirklich konsequent erzählt. Der Horror bleibt meist angedeutet, der Plot teilweise verworren, und das große „Twist“-Finale hat bei mir nur ein Schulterzucken ausgelöst. Auch hier: gute Ansätze, aber das Gesamtbild bleibt vage und löst zu wenig ein.

Was ich dem Buch aber zugutehalten muss: Es ist mutig, wenn auch nicht immer erfolgreich. Die queere Repräsentation, insbesondere im Bereich Asexualität, ist wichtig und schön umgesetzt. Und ich sehe definitiv, dass dieses Buch für viele (gerade jüngere) Leser:innen sehr viel bedeuten kann – es trifft nur einfach nicht meinen Nerv.

Fazit:
Ein atmosphärisches, ambitioniertes Debüt mit toller Bildsprache, aber erzählerischen Schwächen. Wer auf poetisch-düstere Coming-of-Age-Geschichten mit queerer Repräsentation steht, könnte hier fündig werden - solange man nicht zu viel Substanz im Horror oder in der Figurenzeichnung erwartet.

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Veröffentlicht am 19.05.2025

Grumpy X Sunshine von Emily Henry

Great Big Beautiful Life
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Wir begleiten wir die Journalistin Alice Scott, die gemeinsam mit ihrem Konkurrenten Hayden Anderson auf die abgelegene Insel Little Crescent Island reist. Ihr Ziel: die Biografie der berühmten, aber ...

Wir begleiten wir die Journalistin Alice Scott, die gemeinsam mit ihrem Konkurrenten Hayden Anderson auf die abgelegene Insel Little Crescent Island reist. Ihr Ziel: die Biografie der berühmten, aber zurückgezogen lebenden Margaret Ives zu schreiben. Margaret, die seit Jahren ein Geheimnis aus ihrem Leben macht, ist nun bereit, über ihre Vergangenheit zu sprechen – allerdings nur mit einer Person. Um herauszufinden, wem sie ihr Vertrauen schenken möchte, setzt sie beide Journalisten einem einmonatigen „Auswahlverfahren“ aus. Alice und Hayden dürfen sich nicht über ihre Gespräche mit Margaret austauschen, da sie Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnen mussten. So entwickelt sich nicht nur ein spannender Recherche-Wettstreit, sondern auch eine persönliche Annäherung zwischen den beiden, die jedoch unter komplexen Bedingungen steht.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Alice erzählt. Ihre Unsicherheit und ihr Wunsch, sich beruflich zu beweisen, machen sie zu einer nahbaren, sympathischen Figur. Im Gegensatz dazu wirkt Hayden, obwohl er als Pulitzerpreisträger ein beeindruckender Journalist ist, eher verschlossen und distanziert. Das grundlegende Grumpy x Sunshine Prinzip führt einer interessanten Dynamik zwischen den beiden, auch wenn diese nicht immer die emotionale Tiefe erreicht, die man aus anderen Werken von Emily Henry kennt.

Ein gelungenes Element des Romans ist die Erzählstruktur auf zwei Zeitebenen: Während Alice in der Gegenwart um Margarets Vertrauen kämpft, erzählt Margaret in Rückblenden aus ihrem bewegten Leben – von ihrer Beziehung zu einem berühmten Sänger, von familiären Höhen und Tiefen und vom Leben unter ständiger Beobachtung der Öffentlichkeit. Diese Passagen sind teils fesselnd, teils jedoch ausufernd erzählt, sodass die Haupthandlung gelegentlich ins Stocken gerät.

Mir hat vor allem der leichte Schreibstil und die Grundidee des Romans gefallen - zwei konkurrierende Biografen, eine geheimnisvolle Berühmtheit und eine abgeschiedene Insel – bietet viel Potenzial für Spannung, Intrigen und emotionale Entwicklungen. Besonders das Finale wartet mit einer überraschenden Wendung auf, die einen neuen Blick auf Margarets Erzählungen wirft und das Ende emotional abrundet.

Leider bleibt die Liebesgeschichte zwischen Alice und Hayden weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Was als potenziell spannende Gegensätzlichkeit beginnt - Grumpy x Sunshine, wie gesagt - verliert sich in flachen Dialogen und einer zu schnellen, wenig glaubwürdigen Entwicklung ihrer Gefühle. Statt knisternder Chemie oder unterhaltsamem Schlagabtausch bleibt nur ein solides Miteinander, das wenig mitreißend wirkt.

Der Fokus auf Margarets Vergangenheit führt dazu, dass die Entwicklung der Hauptfiguren nicht genügend Raum erhält. Ihre emotionale Reise wirkt gehetzt, während Margarets Erinnerungen vergleichsweise langatmig erscheinen. Ich habe ihre Geschichte sehr gerne gelesen: Diesen Raum hätte ich mir bei der Liebesgeschichte auch gewünscht. Mehr Ausgeglichenheit.

Der Roman erinnert in vielen Aspekten an „Die sieben Ehemänner der Evelyn Hugo“ von Taylor Jenkins Reid - insbesondere in der Struktur mit zwei Zeitebenen, einer glamourösen, aber geheimnisvollen Frau im Zentrum und dem Motiv einer Biografie, die mehr verbirgt als preisgibt. Wer dieses Buch mochte, könnte auch hieran Gefallen finden.

Gesamt:
Ein atmosphärisch dichter Roman mit einer interessanten Grundidee, einer starken Protagonistin und einer gut konstruierten doppelten Erzählstruktur. Die Rückblicke in Margarets Leben sind spannend, wenn auch manchmal zu langatmig. Die emotionale Verbindung der beiden Hauptfiguren bleibt dagegen schwach ausgearbeitet. Insgesamt ein unterhaltsames Buch mit Potenzial – besonders für Leser:innen, die biografisch inspirierte Romane mit geheimnisvollen Frauenfiguren mögen, sich aber an einer etwas blass geratenen Liebesgeschichte nicht stören. Ein guter Emily Henry-Roman, der aber leide nicht an ihre anderen Werke herankommt.

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Veröffentlicht am 06.05.2025

Wow. 6 Sterne.

The will of the many
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TWOTM entführt die Lesenden in eine faszinierend konstruierte, römisch inspirierte Fantasywelt, in der die sogenannte "Catenische Republic" über ein streng hierarchisches System herrscht. Im Zentrum dieses ...

TWOTM entführt die Lesenden in eine faszinierend konstruierte, römisch inspirierte Fantasywelt, in der die sogenannte "Catenische Republic" über ein streng hierarchisches System herrscht. Im Zentrum dieses Systems steht eine einzigartige Form magischer Energie "Willen“, die von den unteren Gesellschaftsschichten an die Eliten abgegeben wird – ein Konzept, das nicht nur als super spannender Magieansatz, sondern auch als Spiegel für Machtstrukturen dient.

Die Handlung folgt dem jungen Vis, der nach einem persönlichen Schicksalsschlag unter falschem Namen an der angesehenen "Catenische Akademie" aufgenommen wird. Offiziell will er sich dem System unterwerfen – in Wahrheit jedoch führt ihn ein geheimer Auftrag: Er sucht Gerechtigkeit für seine ermordete Familie, verfolgt Hinweise auf ein uraltes Artefakt und plant, die Grundfesten der Republik zu erschüttern. Dabei muss er seine wahre Identität ebenso geheim halten wie seinen unbeugsamen Willen, denn jede Enthüllung könnte sein Leben kosten.

Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Vis – dadurch haben wir eine ganz besondere Nähe zu Vis und seiner Gefühäswelt. Er ist kein makelloser Held, sondern ein komplexer Charakter: intelligent, ausgebildet, aber von Wut und inneren Konflikten getrieben. Seine emotionale Entwicklung, insbesondere in den Beziehungen zu Figuren wie Callidus und Eidhin, macht ihn umso greifbarer. Beeindruckend ist dabei, wie auch die Nebenfiguren trotz des eingeschränkten Erzählfokus Tiefe und eigene Motivationen erhalten. Mich hat wirklich auf jeder Seite interessiert, was grade passiert und wie es weitergeht.

Strukturell gliedert sich der Roman in drei klar umrissene Abschnitte: eine Einleitung mit intensivem Training außerhalb der Akademie, den Aufenthalt an der Schule selbst – mit klassischen, aber gekonnt eingesetzten Elementen des magischen Schul-Genres – und einen finalen, düsteren Teil, der mit Enthüllungen aufwartet, die das Weltgefüge nachhaltig erschüttern. Islington zeigt dabei seine Stärken als sorgfältig planender Autor: Die Erzählung ist dicht, durchdacht und überrascht mit klug platzierten Wendungen.

Besonders hervorzuheben ist die Weltgestaltung: Sie ist tiefgehend, atmosphärisch und stark von antiker römischer Kultur beeinflusst – von Kleidung und Architektur über Sprache bis hin zu politischen Strukturen. Das Magiesystem rund um den „Willen“ wird dabei großartig in diese Welt eingebettet und spielt eine zentrale Rolle für Handlung und Gesellschaftskritik. Trotz der Tiefe wirkt die Einführung dieser Welt nie überladen, bei Zweifeln hilft das Glossar im Anhang.

TWOTM bewahrt sich durch Setting, Sprache und Struktur eine klare Eigenständigkeit im Vergleich zu anderen Akademie-Büchern. Islingtons Schreibstil ist seit der Licanius-Trilogie wahnsinnig gereift, seine Sprache nuanciert und die emotionale Wirkung vieler Szenen stark. Das Finale des Romans beeindruckt mit einem explosiven Höhepunkt und lässt Großes für die Fortsetzung erhoffen.

Fazit: The Will of the Many ist ein außergewöhnlicher Auftakt, der Fantasy-Elemente mit römisch inspirierter Welt, politischem Tiefgang und emotional starker Charakterzeichnung kombiniert. Für Fans von epischer Fantasy, durchdachter Welten und dem magischen Schul-Setting ist dieses Buch ein absolutes Muss!

Mein jetzt schon absolutes Buch des Jahres und definitiv unter meinen TOP5 of all time!

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