atmosphärisch stark, emotional geht so
Unbeugsam wie die SeeNach "Die Unbändigen" (Weyward), das mich absolut begeistert hat, war meine Vorfreude auf Unbeugsam wie die See (The Sirens) riesig. Emilia Hart bleibt sich in vielem treu: Wieder erzählt sie die Geschichten ...
Nach "Die Unbändigen" (Weyward), das mich absolut begeistert hat, war meine Vorfreude auf Unbeugsam wie die See (The Sirens) riesig. Emilia Hart bleibt sich in vielem treu: Wieder erzählt sie die Geschichten mehrerer Frauen in unterschiedlichen Zeitebenen, wieder verwebt sie weibliche Traumaerfahrungen, Familiengeheimnisse und Naturmystik zu einer dichten Atmosphäre. Und auch diesmal gelingt es ihr, eine ganz eigene Welt zu erschaffen; düster, melancholisch, geheimnisvoll.
Besonders stark fand ich die Atmosphäre. Das abgelegene australische Küstendorf, die stürmische See, das verfallene Haus - das alles wurde so stimmungsvoll beschrieben, dass ich wirklich das Gefühl hatte, selbst dort zu sein. Auch die mythologischen Elemente, besonders die feministisch neu interpretierten Sirenen, fand ich originell. Dass die Meerwesen in dieser Geschichte nicht einfach nur Verführerinnen sind, sondern eine Art archaische, beschützende Kraft, hat mich sehr angesprochen.
Inhaltlich begleitet man zwei Schwestern in der Gegenwart, Lucy und Jess, die mit seltsamen Träumen, Schlafwandel und einer Familiengeschichte voller Lücken konfrontiert werden. Parallel dazu erleben wir die Geschichte von Eliza und Mary, Zwillingsschwestern auf einem britischen Gefangenenschiff im Jahr 1800 - ebenfalls auf dem Weg nach Australien. Beide Zeitstränge spiegeln sich gut ineinander, auch wenn das ständige Wechseln der Perspektiven und Zeiten manchmal den Lesefluss gestört hat.
Was für mich leider nicht ganz funktioniert hat, war die emotionale Verbindung zu den Figuren. Besonders mit Lucy hatte ich Schwierigkeiten - ihre Entscheidungen wirkten für mich oft unnachvollziehbar, ihre Entwicklung blieb trotz vieler innerer Monologe recht flach. Auch andere Figuren blieben eher blass oder zu konstruiert. Die Grundidee (Trauma, das über Generationen hinweg wirkt) ist stark, aber ich hätte mir mehr emotionale Tiefe und weniger erklärende Tagebucheinträge gewünscht. Einige Elemente wie die seltene Hautkrankheit wirkten eher wie Symbolik als als organischer Teil der Geschichte - spannend, aber nicht ganz zu Ende gedacht.
Dadurch wurde das Buch leider sehr sehr lang und anstrengend zu lesen. Schade! Ich hatte große Hoffnung. Ich bleibe trotzdem Fan des Aufbaus und verfolge die Autorin weiter - ich wette, da kommt noch viel Gutes.