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Veröffentlicht am 11.08.2020

Gute alte Zeiten, oder?

Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens
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bblubber vor ein paar Sekunden


„Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens“ so lautet der vielversprechende Titel dieses Buches und man bekommt genau das, was er verspricht.

Erzählt ...



bblubber vor ein paar Sekunden


„Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens“ so lautet der vielversprechende Titel dieses Buches und man bekommt genau das, was er verspricht.

Erzählt wird aus der Perspektive von Anton, einem jungen Mann, der Ende der 70ger Jahre versucht, einen Lebensplan für sich zu entwerfen und herausfinden, was er im Leben wirklich erreichen möchte. Er weiß nur, dass er vor allem aus dem Schatten seines Vaters, einem ehemals sehr angesagten Fernsehstar, heraustreten möchte. Bei seinem Versuch, dem Vater zu einem Comeback zu verhelfen, erkennt er, dass auch sein Vater jede Menge Schwächen und Probleme hat.

Gefüllt wird die Story mit dem prallen Leben der Metropole New York, in der es damals heftig brodelte. Die Emanzipation der Frau, der Ruf nach Gleichberechtigung in der afroamerikanischen Bevölkerung, steigende Kriminalität aber auch sämtliche Facetten des brodelnden Showbusiness bilden die Rahmenhandlung. Wer im passenden Alter ist, wird das ein oder andere erkennen, wird sich an Erlebnisse aus der eigenen Jugend, an Lieder und Fernsehsendungen erinnern. Dass John Lennon höchselbst eine wichtige Rolle spielt, ist interessant und etwas schräg. Obwohl ich eigentlich zu jung für diese Geschichte bin, fühlte ich mich wohl und an Erzählungen meiner Eltern und deren Lieblingsserien erinnert.

Besonders gut gefallen haben mir die bissigen Dialoge und der Erzählstil, der teilweise lakonisch-bitter aber auch ironisch und sehr gut zu lesen war. Ja, das Ende kommt etwas überraschend aber mir war klar, dass hier nur ein kurzer Blick in dieses Leben gedacht war. Eine Momentaufnahme, ein Jahr, ein Rückblick auf eine Zeit, die uns fremd und vertraut ist und die den Grundstein für viele Entwicklungen gelegt hat, die uns auch heute wie damals noch beschäftigen. Irgendwie war alles ein wenig anders und doch hat sich nicht so viel verändert wie wir alle glauben.

Veröffentlicht am 27.07.2020

zwei fremde Leben

Zwei fremde Leben
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70ger Jahre in der DDR. Ricarda ist von ihrem Freund schwanger. Der Vater, Oberarzt in der Gynäkologie eines Krankenhauses, ist wenig von dieser Beziehung begeistert und macht daraus auch kein Hehl. Aber ...

70ger Jahre in der DDR. Ricarda ist von ihrem Freund schwanger. Der Vater, Oberarzt in der Gynäkologie eines Krankenhauses, ist wenig von dieser Beziehung begeistert und macht daraus auch kein Hehl. Aber hat er wirklich die Hände im Spiel, als bei der Geburt etwas schief läuft? Angeblich ist das Kind bei der Geburt gestorben. Aber Ricarda kann das nicht glauben. Bald verdächtigt sie ihren Vater, die Hände im Spiel zu haben. Aber niemand weiß etwas Genaues, es gibt keine Beweise nur haltlose Vermutungen. Sogar eine Exhumierung bringt kein Licht ins Dunkel. Über all dem Suchen und all dem Schmerz des Verlustes zerbricht Ricardas Ehe und er Jahrzehnte später kann sie scheinbar mit allem abschließen. Bis eine junge Frau vor ihrer Türe steht und behauptet, sie könnte ihre Tochter sein. Jetzt ist Ricarda skeptisch aber sie forscht erneut mit der Frau nach der Wahrheit.

Der Verlust eines Kindes ist immer tragisch und sicher schwer zu verkraften. In Ricardas Fall ist dem Leser natürlich schnell klar, dass sie durchaus Gründe dazu hat, am Tod des Kindes zu zweifeln. Über weite Strecken ist es ein deprimierend-trauriges Buch, denn keiner glaubt ihr, keiner kann oder will ihr helfen. Auch der Zusammenbruch der DDR ist nicht hilfreich. Das sich das Blatt schließlich doch noch wendet und Ricarda die Wahrheit erfährt, war dringend nötig und so findet die Geschichte doch noch ein versöhnliches Ende. Ob sie ihre Tochter wirklich gefunden hat, verrate ich nicht.

Frank Goldammer ist mal wieder nah dran an seinen Personen und erzählt eindringlich und glaubwürdig.

Das Cover finde ich persönlich toll. Es wird das passende Gefühl im Leser wachgerufen.

Veröffentlicht am 25.05.2020

Psychothriller

Marta schläft
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Marta schläft ist der zweite Thriller aus der Feder von Romy Hausmann.
Die Hauptdarstellerin ist eine Frau mit einer schwierigen Persönlichkeit. Sie musste wegen eines Verbrechens eine Strafe absitzen. ...

Marta schläft ist der zweite Thriller aus der Feder von Romy Hausmann.
Die Hauptdarstellerin ist eine Frau mit einer schwierigen Persönlichkeit. Sie musste wegen eines Verbrechens eine Strafe absitzen. Sie hat ein Trauma und ist psychisch angeknackst. Sie hat keine Menschen denen sie vertraut und verhält sich oft seltsam. Ein neuer Mord geschieht und jetzt ist die Frage, was hat Marta damit zu tun? Will jemand Marta die Schuld in die Schuhe schieben? Was ist vor Jahren passiert, dass sie so labil geworden ist?
Romy Hausmann schreibt verschachtelte und komplexe Psychothriller. Sie lässt sich viel Zeit für die Charakterzeichnung, legt falsche Fährten, streut dem Leser Sand in die Augen, damit er möglichst lange rätselt, was die Wahrheit ist und was Lüge.
Da ich das Buch in einer Leserunde gelesen habe und dort viele Ideen und Möglichkeiten besprochen wurden, hatte ich relativ schnell eine Idee, in welche Richtung die Story läuft. Am Ende hat sich diese auch bewahrheitet, auch wenn versucht wird, zu verwirren.
Was mir gefallen hat: Die psychologischen Untiefen der Akteure sind Tief und dafür lässt die Autorin sich auch Zeit. Sie wechselt oft die Perspektive und will das Tempo damit hochhalten. Der Schreibstil ist gut lesbar.
Nicht gefallen hat mir diesmal, dass ich die Hauptdarstellerin nicht mochte und ihr Verhalten auch nicht wirklich nachvollziehen konnte. Einiges war etwas zu undurchsichtig beschrieben. Das las sich absichtlich unklar und etwas verwirrend. Und es war mir einfach zu wenig Handlung und zu viele Menschen mit schweren Psychosen.

Veröffentlicht am 17.03.2020

Volle Punktzahl

Serafin. Das Kalte Feuer
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Kai Meyer hat es wirklich getan. Er hat sich erneut in den Merle-Kosmos begeben und für alle Fans und die, die es vielleicht noch werden wollen, eine Fortsetzung geschrieben. Serafin – Das kalte Feuer ...

Kai Meyer hat es wirklich getan. Er hat sich erneut in den Merle-Kosmos begeben und für alle Fans und die, die es vielleicht noch werden wollen, eine Fortsetzung geschrieben. Serafin – Das kalte Feuer lockt mit einem schönen vielversprechenden Cover. Und der Autor lässt uns nicht viel Zeit, sondern schmeißt den geneigten Leser sofort in ein rasantes Abenteuer, in welchem ein fremdes Venedig und ein Multiuniversum voll ähnlicher Welten eine zentrale Rolle spielen.

Merle und Junipa können durch die Spiegel zwischen den Welten reisen und sind auf der Suche nach Merles Vater. Doch überall lauern Gefahren und Verfolger und als die zwei Mädchen getrennt werden, muss Serafin, ein junger Schlammsammler, Junipa zur Seite springen, um sie zu retten. Derweilen wird Merle von ihrer Doppelgängerin gefangen genommen.

Natürlich lässt sich das Buch auch ohne Vorkenntnisse lesen. Kai Meyer erzählt immer wieder ein bisschen etwas zur Vorgeschichte und gibt die ein oder andere hilfreiche Erklärung. So kommt man problemlos durch den vierten Band auch wenn ich behaupten möchte, dass einem schon etwas vom Feeling entgeht, wenn man die ersten drei Bände nicht genauer kennt. Und da man sehr viel darüber erfährt, wird man sie wohl eher nicht hinterher noch lesen.

Wer ein magisches Jungendbuch mit Anspruch und unterhaltsamen Charakteren sucht, der ist hier genau richtig. Neben den menschlichen Helden sind es vor allem die diversen Katzentiere – von der vorlauten fliegenden Katze Cagliostra bis hin zur göttlichen Katze Bastet, die für die nötige Würze der Geschichte sorgen. Ein abwechslungsreicher Plot, eine schöne Liebesgeschichte und ein Venedig voller Phantasie und Fantasy runden das Leseerlebnis ab.
Volle Punktzahl.

Veröffentlicht am 09.03.2020

Palast der Frauen

Das Haus der Frauen
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„Das Haus der Frauen“ war mein zweites Buch dieser Autorin. Wieder ein schönes Cover, stilistisch an „Der Zopf“ angelehnt.

Erzählt wird von Soléne, einer erfolgreichen Anwältin in Paris, die nach dem ...

„Das Haus der Frauen“ war mein zweites Buch dieser Autorin. Wieder ein schönes Cover, stilistisch an „Der Zopf“ angelehnt.

Erzählt wird von Soléne, einer erfolgreichen Anwältin in Paris, die nach dem dramatischen Selbstmord eines ihrer Klienten in eine Burn-out-Phase geschliddert ist und die versucht, durch gemeinnützige Arbeit wieder einen Sinn fürs Leben zu finden und ihre Depressionen zu überwinden.

Sie arbeitete also im „Palast der Frauen“ einem Haus, welches Blanche Peyron gemeinsam mit ihrem Mann vor 100 Jahren ins Leben gerufen hat. Dort finden Frauen auf jede nur erdenkliche Art und Weise Rat und Unterstützung.

Das Buch liest sich schnell und unkompliziert. Die Geschichte plätschert, meiner Meinung nach, etwas vor sich hin. Es gibt keinen richtigen Spannungsbogen, sondern viele Einzelschicksale – auch in der Vergangenheit – die hier gestreift werden. Es ist eine Art Panoptikum und auch wenn Soléne mit ihren Problemen im Zentrum steht, so geht es doch eher um das Haus an sich und um eine humanitäre Einrichtung, die seit 100 Jahren für Frauen und mit Frauen existiert. Ein angenehmes aber unspektakuläres Buch.