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Veröffentlicht am 02.03.2021

Tief berührend und wunderschön erzählt

Die Mitternachtsbibliothek
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Eines Tages beschließt Nora sich das Leben zu nehmen, da sie ihrer Meinung nach alle Chancen vermasselt hat und allen Menschen in ihrem Umfeld schadet. Als dann noch mehrere Schicksalsschläge hintereinander ...

Eines Tages beschließt Nora sich das Leben zu nehmen, da sie ihrer Meinung nach alle Chancen vermasselt hat und allen Menschen in ihrem Umfeld schadet. Als dann noch mehrere Schicksalsschläge hintereinander passieren, sieht sie keinen Sinn mehr. Doch anstatt Tod zu sein findet sich Nora in einer riesigen Bibliothek wieder (ein Ort zwischen Leben und Tod), wo die Uhren immer auf 12 Uhr, also Mitternacht stehen. Jedes der Bücher in der Bibliothek erzählt eine andere Variante von Noras Leben, das sich bei jeder kleinsten Entscheidung verändert und es zu dem Leben macht, was man gerade lebt. Nach und nach taucht sie in verschiedene Leben ein, die möglich gewesen wären, hätte sie in der Vergangenheit nur eine andere Entscheidung getroffen.

Ich glaube zum Cover muss ich kaum etwas sagen, es ist einfach fantastisch und passt perfekt zur Geschichte. Es lässt einen sich sofort in die Mitternachtsbibliothek träumen.

Die ganze Geschichte hat mich unglaublich berührt und wurde auf eine wunderschön einfühlende Art und Weise erzählt. Gleichzeitig hat es der Autor aber auch geschafft, dass die Spannung nicht verloren geht. Man wollte immer wissen, wie das nächste Leben von Nora hätte aussehen können.

Nora als Protagonistin war mir zunächst etwas suspekt, im Laufe der Geschichte wurde sie, als immer mehr über ihre Vergangenheit bekannt wurde, mir immer sympathischer, bis ich sie am Ende richtig ins Herz geschlossen habe.

Wie die Geschichte ausgeht, ob oder für welches Leben sich Nora am Ende entscheidet, verrate ich natürlich nicht. Denn das soll jeder selbst herausfinden. Ich kann die Mitternachtsbibliothek wirklich jedem ans Herz legen. Sie zeigt auf großartige Weise, wie Entscheidungen unser Leben beeinflussen und stellt die Frage, ob diese Entscheidungen, wie schwer und falsch sie auch scheinen mögen, wie sehr man sie auch bereut, nicht doch genau richtig und vor allem wichtig für das eigene Leben sind. Schließlich machen sie uns zu dem Menschen, der wir sind.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.02.2021

Zwischen den Fronten

Die Experten
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Die 1960er Jahre: Die siebzehnjährige Rita muss mit ihrer Familie nach Kairo umziehen, da ihr Vater, ein Ingenieur, dort einen Job als Flugzeugbauer annimmt. Wie viele andere Deutschen, die allgemein "Experten" ...

Die 1960er Jahre: Die siebzehnjährige Rita muss mit ihrer Familie nach Kairo umziehen, da ihr Vater, ein Ingenieur, dort einen Job als Flugzeugbauer annimmt. Wie viele andere Deutschen, die allgemein "Experten" genannt werden, soll er Ägypten und Präsident Nasser helfen, sich gegen Israel aufzurüsten. Was zunächst mit harmlosen Flugzeugbau beginnt, endet im Bau von Raketen, Anschlägen, Konflikten... Zwischen den Fronten steht Rita, die sich entscheiden muss, auf welcher Seite sie steht.
Merle Kröger beschreibt auf sehr einfühlsame Weise den Konflikt aus Ritas Sicht. Man kann die Verzweiflung, Angst und Unsicherheit der Protagonistin förmlich spüren. Des Weiteren merkt man außerdem, dass die Autorin wirklich sehr viel Mühe in das Buch hineingesteckt hat und genaue Nachforschungen betrieben hat. Das Buch ist vollgepackt mit vielen Informationen über die damalige Zeit und Situation. Durch echte Zeitungsartikel und Ausschnitten aus Akten fühlt man sich in die damalige Zeit zurückversetzt und erfährt zusätzlich einige sehr spannende Informationen, welche zumindest ich noch nicht kannte. Man kann also definitiv sagen, dass das Buch wie eine kleine Geschichtsstunde für mich war.
Allerdings sind diese vielen Informationen auch ein Kritikpunkt. Für mich ist das Buch dadurch nämlich kein Thriller, sondern vielmehr ein politisch/historischer Familienroman, da einfach die Spannung zu einem Thriller fehlt. Auch zieht sich das Buch dadurch an einigen Stellen.
Mit den Protagonisten konnte ich ebenfalls nicht ganz warm werden. Alle hatten so ihre Eigenarten und vor allem Ingrid, Ritas Mutter, hat mich einfach nur aufgeregt. Außerdem haben die Sichtweisen teilweise sogar auf einer Seite mehrfach gewechselt bzw. es gab unangekündigte Zeit-und Ortssprünge. Das hat das Lesen zusätzlich erschwert.
Insgesamt kann ich aber sagen, dass mir "Die Experten" trotz aller Kritik gut gefallen hat. Es werden einem spannende Einblicke in die damalige Zeit und die politische Lage gewährt. Alles ist außerdem super gründlich recherchiert und man merkt, dass die Autorin Merle Kröger viel Arbeit, Zeit und Liebe in das Buch gesteckt hat. Trotzdem ist es leider kein Thriller, wie zunächst angenommen. Wer also einen spannenden und packenden Thriller erwartet, der ist bei diesem Buch an der falschen Adresse!!! Es ist eine politisch brisante Familiengeschichte, die ihre Längen und Macken hat, die ich aber trotz alle dem jedem ans Herz legen möchte, der sich für die Konflikte der 60er Jahre interessiert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2021

Sehr gelungen, wenn auch nicht wirklich ein Thriller

Trauma - Kein Entkommen
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Wer ein fesselndes Buch erwartet, ist hier genau richtig.
Das Buch ist über die gesamten 350 Seiten hinweg spannend und (mit Ausnahme der persönlichen Eskapaden der Katja Sand) in der Handlung nicht unbedingt ...

Wer ein fesselndes Buch erwartet, ist hier genau richtig.
Das Buch ist über die gesamten 350 Seiten hinweg spannend und (mit Ausnahme der persönlichen Eskapaden der Katja Sand) in der Handlung nicht unbedingt vorhersehbar.
Es setzt sich aus zwei Erzählsträngen zusammen, die gut ineinander verwoben sind.
Zum einen das „Leben und Leiden“ der Kommissarin Katja Sand mit ganz erheblichen persönlichen Problemen, die sicher keiner der Leser haben möchte. Zum anderen die Arbeit der Kommissarin Sand, hier das Geschehen um mehrere Menschen, die unter recht ungewöhnlichen Umständen gestorben sind.
Ob des Klappentextes eher unerwartet, dauert es etwa 40 Seiten bis der ersten Tote auftaucht…man denkt sich, das das eigentliche Drama die Lebenssituation und das Verhalten der Kommissarin ist, die ausführlich beschrieben sind. Doch dann kommt es anders… Die Toten werden erst im Verlauf zum wichtigen Bestandteil, die Person Katja Sand macht von Anfang an Gänsehaut.
Alle drei Teile des Buches beginnen mit einer Beschreibung extremer häuslicher Gewalt eines dreijährigen Kindes durch seinen Vater und bilden die Klammer der gesamten Handlung. Nur diese Erzählungen sind in der dritten Person verfasst. Diese Seiten sind extrem anschaulich und der Leser ist zwangsläufig ganz nah in diesen furchtbaren Situationen. Man kann sich dem nicht entziehen. Der Beginn dieser Kapitel ist es, der den Leser zwingend emotional in die Thematik zieht und einbindet. Das muss man auch aushalten können.
Erlebnisse der Vergangenheit bestimmen das Handeln der Kommissarin sowohl im privaten Bereich als auch im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen. In beiden Bereichen nicht immer positiv und sie manövriert sich hierdurch nicht nur emotional ins AUS.
Wenig realistisch ermittelt sie dann im letzten Drittel auf eigene Faust, auch hier durch ihre eigene Vergangenheit getriggert. Gut, dass der Kollege sie so gut kennt und Schlimmeres verhindert…😉. An der Stelle aus meiner Sicht etwas schwach.
Daneben ist das Buch aber auch vollgepackt mit brisanten Themen
Die Kommissarin Sand, die ihre Stellung bei der Polizei massiv missbraucht, um ihre Tochter von einem in ihren Augen unwürdigen „Schwiegersohn“ fernzuhalten. Das geht hier bis hin zu einer „Erpressung“ und der Kollege macht das alles selbstverständlich mit. Ein sehr fragwürdiges Bild der polizeilichen Arbeit, dass hier wie selbstverständlich beschrieben wird…..
Gleiches gilt für die Bundeswehr: Hier das Thema Kameradschaft über alles, auch wenn ein Verbrechen gedeckt werden muss.
Insgesamt eine rundum spannende Lektüre mit interessanten Aspekten zum Thema Trauma. Auf jeden Fall lesenswert.
Ich freue mich auf TRAUMA- kein Vergessen -

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.02.2021

Eine schonungslose Biographie über eine etwas andere Kindheit

Das achte Kind
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Der Autor des Buches Alem Grabovac wächst als Kind einer jugoslawischen Gastarbeiterin in Deutschland auf. Sie kommt aus sehr armen Verhältnissen und will in Deutschland ihr Glück versucht. Dort lernt ...

Der Autor des Buches Alem Grabovac wächst als Kind einer jugoslawischen Gastarbeiterin in Deutschland auf. Sie kommt aus sehr armen Verhältnissen und will in Deutschland ihr Glück versucht. Dort lernt sie Alems Vater Emir, einen Kleinkriminellen und Nichtsnutz kennen und kurz darauf wird Alem geboren. Da Smilja den ganzen Tag arbeitet und sich Emir auch nicht um Alem kümmern kann, kommt er als achtes Kind in einer deutschen Pflegefamilie auf und besucht seine Eltern nur am Wochenende. Er wächst fortan zwischen zwei ganz verschieden Kulturen auf und ist in seiner Identität zerrissen.
Die Biographie hat mich sehr berührt. Der Autor schreibt einfühlsam über seine Kindheit in Deutschland und Kroatien, die von Angst, Zweifeln. Zerrissenheit, aber auch Glück und Zufriedenheit geprägt ist. Oft konnte ich gar nicht glauben, was ihm alles passiert ist, und wie ein Kind die Zustände teilweise ertragen konnte, ohne daran kaputt zu gehen.
Das Buch hat mir definitiv einen großartigen Einblick in ein Aufwachsen gegeben, das so anders ist, als man es in Deutschland gewohnt ist. Es zeigt auf beeindruckende Weise, wie wichtig es ist, einen Blick hinter die Fassade eines Menschen zu werfen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.02.2021

Ein melancholischer Coming Of Age Roman in den Weiten Montanas

Big Sky Country
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August wächst als Sohn einer Farmerfamilie auf einem Hof mitten in Michigan auf. Er führt dort ein einfaches, zufriedenes und typisches Landleben, bis sich seine Eltern scheiden lassen. Daraufhin ...

August wächst als Sohn einer Farmerfamilie auf einem Hof mitten in Michigan auf. Er führt dort ein einfaches, zufriedenes und typisches Landleben, bis sich seine Eltern scheiden lassen. Daraufhin zieht er mit seiner Mutter nach Montana, wird in in diesem weiten und unendlichen Land groß und droht sich zu verlieren. Als Leser begleitet man Augusts ganzen Weg zum Erwachsenwerden, vom kleinen Kind bis hin zum jungen Mann. Der Großteil handelt aber von seinem Leben kurz nach der Schule, dass geprägt ist von Ungewissheit, Unbeständigkeit und Einsamkeit. August fällt es schwer sich zu binden, er findet wenn nur falsche Freunde und muss herbe Enttäuschungen einstecken.
Auch wenn er eigentlich so viele Chancen hat und Möglichkeiten hat, aus dem tristen Leben Montanas auszubrechen, nutzt er diese nicht und versteckt sich stattdessen hinter Arbeit.
Der Autor schreibt unglaublich gefühlvoll und detailreich und man kann die Triste des Lebens, welches August führt fast selber spüren. Man bekommt so einen ungeschönten Einblick über den Alltag und das Erwachsenwerden im Nordwesten der USA. Es gibt viele interessante Informationen über das raue Farmerleben und am Ende muss man erkennen, dass dieses Leben für manche Menschen der Lebensweg ist, für den sie sich bewusst entscheiden, auch wenn viele von uns niemals so eine Zukunft freiwillig wählen würden.
Mir hat der Roman die Augen geöffnet und eine ganz andere Perspektive aufs Leben offenbart.
Das Buch ist sehr melancholisch und ich musste es des Öfteren mal zu Seite legen und eine Pause machen. Aber grade deshalb ist es auch ein sehr wichtiger Roman, der mit großer Klarheit und Aufrichtigkeit von der Identitätssuche eines einzelnen Schicksals erzählt und nicht den typischen Coming Of Age Kitsch von vorne abspielt.


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere