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Veröffentlicht am 03.10.2022

Ein Auftragsmörder, der keiner sein will

Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens
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Am Sterbebett seines Vaters muss Lucien schwören, die Tradition der Familie fortzusetzen. Daran wäre nichts ungewöhnlich, wenn diese Tradition nicht bedeuten würde, Auftragsmorde zu begehen und sein Vater ...

Am Sterbebett seines Vaters muss Lucien schwören, die Tradition der Familie fortzusetzen. Daran wäre nichts ungewöhnlich, wenn diese Tradition nicht bedeuten würde, Auftragsmorde zu begehen und sein Vater nicht bei einem dieser Aufträge tödlich verletzt worden wäre. Die Adelsfamilie de Chacarasse entstammt einer Reihe von Assassinen, die bereits im Dienste der Medici und des Vatikans standen. Jetzt also soll Lucien diese Tradition fortsetzen. Der Lebensstil des jungen Mannes sieht jedoch ganz anders aus. Er betreibt ein Restaurant, das P'tit Bouchon, ist gutem Essen, Wein und auch den Frauen nicht abgeneigt, kurzum: Lucien genießt das Leben. Nach dem Tod seines Vaters sieht Lucien sich mit Herausforderungen konfrontiert, die er gerne vermieden hätte, aber kann er sich seiner Bestimmung einfach so entziehen?
Ein ausgebildeter Auftragsmörder, der sich weigert zu töten. Was ist das bitte für eine Grundlage für einen Kriminalroman? Eine unglaublich faszinierende, muss ich sagen. Schon nach wenigen Seiten hat mich nicht nur das südfranzösische Flair in seinen Bann gezogen, auch Lucien war mir direkt sympathisch. Ja, er ist jemand, den man durchaus als Frauenheld bezeichnen könnte, aber er ist grundsätzlich ein anständiger junger Mann, dem die Familie sehr viel bedeutet und der sehr viel Humor besitzt. Mit der Haushälterin Rosalie verbindet ihn eine enge Freundschaft. Die alte Dame weigert sich partout ein Hörgerät zu tragen und ist einem Gläschen Hochprozentigem nie abgeneigt.
Hier stimmt einfach das Gesamtpaket: eine Story mit viel Potential, sehr unterhaltsamer Umsetzung und vielschichtigen Charakteren.
Ich freue mich sehr, dass dies der erste Teil einer neuen Serie ist. Hoffentlich lässt der zweite Teil nicht lange auf sich warten. Womit Lucien sich dann beschäftigen könnte, wurde am Ende dieses Buches bereits angedeutet.

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Veröffentlicht am 30.09.2022

Eindrucksvoll

Miss Kim weiß Bescheid
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Das Cover der angenehm handlich gebundenen Ausgabe zeigt das Porträt einer jungen südkoreanischen Frau ohne Gesicht. Statt Augen, Mund und Nase ist der Titel in weißen Buchstaben abgedruckt. Die Frau steht ...

Das Cover der angenehm handlich gebundenen Ausgabe zeigt das Porträt einer jungen südkoreanischen Frau ohne Gesicht. Statt Augen, Mund und Nase ist der Titel in weißen Buchstaben abgedruckt. Die Frau steht meiner Interpretation nach stellvertretend für die (Lebens-)Geschichten von Frauen, denen Cho Nam-Joo in ihrem neuen Roman Aufmerksamkeit schenkt.

In acht Kapiteln werden acht Geschichten erzählt, in denen jeweils eine Protagonistin im Mittelpunkt steht. Ob Ehefrau, Mutter, Tochter oder Großmutter, sie alle vereint die Suche nach dem eigenen Ich, nach Zufriedenheit und Selbstverwirklichung. Cho Nam-Joo beschreibt einen Alltag, der für die Frauen sehr bedrückend ist. Sie wollen ihrer Familie, ihrem Arbeitgeber und ihren Freunden gegenüber gerecht werden. Dabei lassen sie ihr eigenes Wohlergehen meist außer acht und erkennen erst spät oder sogar nie, dass sie Glück ebenso verdienen wie alle anderen.

Der Schreibstil ist sehr ruhig, die Geschichten sind dem Alltag entlehnt und wirken auf den ersten Blick ganz normal und undramatisch. Doch durch die Sichtweise der Protagonistinnen bekommt man ein ganz anderes Gefühl für diese Erzählungen. Vor allem zwischen den Zeilen lässt sich der erhobene Zeigefinger in Richtung Gesellschaft erkennen. Kulturell mag Südkorea etwas anders geprägt sein als Europa, die Geschichten der einzelnen Frauen konnte ich dennoch gut nachvollziehen. Einige haben mich sehr berührt, während ich in anderen den Sinn nicht so recht entdecken konnte. Bei acht Geschichten wird aber jede Leserin etwas entdecken, mit dem sie sich identifizieren kann. Eine klare Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 18.09.2022

Alles was das Back-Herz

Das große Brotbackbuch
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"Das große Brotbackbuch" macht seinem Namen alle Ehre. Auf 350 Seiten werden mehr als 120 Rezepte für Brot und Gebäck vorgestellt. Von klassischem Brot über süße und herzhafte Varianten, ist alles dabei ...

"Das große Brotbackbuch" macht seinem Namen alle Ehre. Auf 350 Seiten werden mehr als 120 Rezepte für Brot und Gebäck vorgestellt. Von klassischem Brot über süße und herzhafte Varianten, ist alles dabei was das Herz begehrt.

Auf den ersten Seiten gibt es eine kleine Einführung in die Welt des Brotbackens. Christina ermuntert dazu, direkt mit einem einfachen Rezept zu starten. Sie stellt verschiedene Zutaten, Mehlsorten, Hefe und Gewürze vor und veranschaulicht verschiedene Knet- und Formvarianten in Schritt-für-Schritt Anleitungen und Bilder-Serien.

Sowohl für Neulinge, was das Backen betrifft, als auch für bereits erprobte Bäcker*innen sind hier tolle Rezepte dabei, die nicht zuletzt Dank der appetitanregenden Bilder zum Backen und Ausprobieren einladen. Neben Broten sind in diesem Buch auch Rezepte für Snacks und süße Verführungen zu finden. Vielleicht traue ich mich demnächst auch endlich an meinen ersten Sauerteig. Das Rezept für den Laugenkranz habe ich sofort ausprobiert. Zuvor hatte ich noch nie mit Lauge gearbeitet, aber es war gar nicht so schwer wie befürchtet. Ich weiß gar nicht, welche Rezepte ich als nächstes ausprobieren werde, die Auswahl ist so groß! Ein Backbuch, an dem ich sicher noch einige Zeit meine Freude haben werde.

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Veröffentlicht am 12.09.2022

Leider nichts besonderes

Gut Erlensee - Margaretas Traum
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Die Familie Lamprecht lebt auf ihrem Gutshof in der Nähe von Kiel. Im Jahr 1919 liegt der Krieg noch nicht lange zurück und vielen fällt es schwer, den Weg zurück in einen gewohnten Alltag zu finden. Während ...

Die Familie Lamprecht lebt auf ihrem Gutshof in der Nähe von Kiel. Im Jahr 1919 liegt der Krieg noch nicht lange zurück und vielen fällt es schwer, den Weg zurück in einen gewohnten Alltag zu finden. Während der Kriegsjahre, haben die Frauen der Familie viel Verantwortung übernommen und das Familienunternehmen, eine Druckerei, am Laufen gehalten. Als Margaretas Vater Heinrich zurückkehrt, ist dem Patriarchen alles andere als daran gelegen, den Frauen ein selbstbestimmtes Leben zuzusprechen. Als die Druckerei und damit auch die Familie vor dem finanziellen Ruin steht, will Heinrich seine älteste Tochter Margareta schnellstmöglich unter die Haube bringen. Auf ihre Gefühle nimmt er dabei keinerlei Rücksicht.
Ein Roman, der in meiner Heimatregion spielt, da konnte ich nicht widerstehen. Außer ein paar Ortsnamen, habe ich aber leider nicht viel Heimat entdecken können. Keine schönen Naturbeschreibungen oder lokale Redewendungen. Nicht einmal das Cover passt nach Schleswig-Holstein. Schade. Was soll ich zum Inhalt sagen? Nun ja, ein weiterer Familienroman, in dem die Frauen gegen das Patriarchat aufbegehren und ihr Glück selbst in die Hand nehmen wollen. Bereits nach 75 Seiten war mir mehr oder weniger klar, wie die Geschichte endet. Wer aufmerksam liest, kann meist schon einige Kapitel im Voraus erahnen, worauf etwas hinaus läuft. Die Charaktere sind eher klischeehaft. Heinrich, das Familienoberhaupt, Adelheid, seine folgsame Frau und rebellische Töchter. Einzig und allein die Großmutter, Ilsegard, hat mich mit ihrer vehementen und doch liebenswerten Art zum Schmunzeln gebracht.
Ich möchte nicht zu sehr Kritik äußern, der Roman ist gut, aber leider in meinen Augen nichts besonderes. Wer gerne Herzschmerz-Groschenromane liest, wird auf seine Kosten kommen. Ich leider nicht.

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Veröffentlicht am 08.09.2022

Das erste Paar

Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Die Poesie der Liebe
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"Berühmte Paare - Große Geschichten": Im dritten Band der Reihe, widmet sich Bettina Storks dem Künstler-Paar Ingeborg Bachmann und Max Frisch. Ich muss gestehen, dass mir dieses Paar vor lesen des Romans ...

"Berühmte Paare - Große Geschichten": Im dritten Band der Reihe, widmet sich Bettina Storks dem Künstler-Paar Ingeborg Bachmann und Max Frisch. Ich muss gestehen, dass mir dieses Paar vor lesen des Romans völlig unbekannt war. Umso unvoreingenommener konnte ich den beiden begegnen.
Ingeborg Bachmann und Max Frisch sind beide begnadete und vielfach ausgezeichnete Schriftsteller. Beide sind quasi bereits mit der Literatur verheiratet, als sie in Paris aufeinandertreffen. Während Frisch sich augenblicklich in die jüngere Bachmann verliebt, hadert diese lange Zeit. Sie hat sich soeben erst von ihrem Liebhaber Paul Celan getrennt.
Das Paar lebt an verschiedenen Orten und versucht vor immer neu auftretenden und sich verschärfenden Problemen in ihrer Beziehung zu fliehen. Doch hat ihre Liebe eine Chance?
Unglaublich, wie viel Recherche, wie viel Leidenschaft Bettina Storks in diesen Roman gesteckt hat. Sie erweckt die beiden Protagonisten zu neuem Leben und das auf ganz besondere Weise. Ein Künstler-Paar ist nicht wie andere Paare. Auch wenn Max Frisch sich Bodenständigkeit wünscht, Ingeborg Bachmann kann ihre Freiheit unmöglich aufgeben. Diese zwei Individuen sind so unterschiedlich und doch in ihrer Leidenschaft zueinander vereint. Sie erleben Höhenflüge und letztendlich den unausweichlichen Absturz. Die Beziehung gleicht einem Drama, wie keiner der beiden es sich besser hätte ausdenken können. Für meinen Geschmack manchmal zu viel Drama, aber vermutlich sind diese beiden starken Persönlichkeiten prädestiniert für Drama und Sturheit.
Sehr beeindruckend und großes Kompliment an Bettina Storks, die sich mit diesem Roman einen Traum erfüllt, wie sie selbst schreibt.

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