Leider nicht ganz überzeugend
Fürchte mich nichtIch habe mich riesig auf den ersten Teil der Dämonentrilogie gefreut, weil mir schon die Mitternachtstrilogie der Autorin so unglaublich gut gefallen hat.
Hier geht es um Raysiel, welcher
der Heerführer ...
Ich habe mich riesig auf den ersten Teil der Dämonentrilogie gefreut, weil mir schon die Mitternachtstrilogie der Autorin so unglaublich gut gefallen hat.
Hier geht es um Raysiel, welcher
der Heerführer der Dämonen ist und anfangs als die Verkörperung des Bösen scheint. Jedoch wird im Laufe des Buches klar, dass er weitaus vielschichtiger ist. Einfluss hat da vor allem Jeanne, die Raysiels genauer Gegenpol zu sein scheint. Trotzdem berührt sie ihn auf eine Art, die er selbst noch nie zuvor erlebt hat.
Diese Tiefe der Charaktere ist mir schon bei den anderen Büchern der Autorin aufgefallen und schon da hat sie mich beeindruckt. Es gibt keine klare Abtrennung zwischen Gut & Böse, sondern so viele Grauzonen dazwischen – das wird super realistisch rübergebracht. Ray ist nicht einfach nur böse oder grausam, das hat er hier ganz deutlich in bestimmten Situationen gezeigt. Jedoch habe ich – vor allem am Anfang – wirklich große Probleme mit seinem Charakter gehabt. Ich finde es wichtig und großartig, dass unperfekte Charaktere, die nicht einem bestimmten Stereotyp entsprechen, gezeigt werden.
Es hat jedoch dazu geführt, dass ich mit Ray leider absolut nicht warm geworden bin und keine wirkliche Sympathie empfinden konnte, da seine Handlungen auf mich nicht immer schlüssig wirkten.
[im nächsten Abschnitt könnten ein paar kleinere Spoiler versteckt sein]
Anfangs noch völlig unberührt und emotionskalt erschüttert eine einzige kurze Begegnung mit Jeanne scheinbar sein gesamtes Weltbild. Das war faszinierend zu sehen, aber wirkte auf mich nicht sehr realitätsnah. Ich bin ehrlich gesagt generell kein Fan von Liebe-auf-den-ersten-Blick-Geschichten, das lag also nicht am Buch, sondern meiner eigenen Meinung. Außerdem störte mich die darauffolgende Phase, in der sich Ray in meinen Augen absolut respektlos und besitzergreifend Jeanne gegenüber benahm, völlig verblendet von seinen eigenen Gefühlen. Das ist ebenfalls absolut nicht meins, weswegen ich an dieser Stelle wirklich überlegt habe, ob ich das Buch überhaupt noch weiterlesen möchte. Das zog sich leider auch bis über die Hälfte des Buches. Letztendlich wollte ich aber trotzdem wissen, wie es weitergeht und habe es auch absolut nicht bereut, das Buch beendet zu haben.
Das Konzept hinter der Geschichte war wirklich interessant, die moralischen Gegensätze wurden sehr gut in Szene gesetzt durch den Einfluss der Kirche und des Glaubens. Bis zum Ende des Buches hatte ich aber immer wieder das Gefühl, den kompletten Weltenaufbau dahinter nicht ganz durchschaut zu haben.
Der Schreibstil der Autorin ist wirklich außergewöhnlich und hebt sich durch detailreiche Schilderungen von anderen ab.
Insgesamt hat mir das Tempo im gesamten Buch sehr gut gefallen, es war genau richtig, nicht langweilig, aber auch nicht auf jeder Seite Action. Auch die Geschichte an sich gefiel mir mit jeder Seite mehr, am Ende fand ich es sogar richtig gut. Schön war auch das Wiedersehen mit Casper und Adriana!
Im Endeffekt möchte ich dem zweiten Band trotzdem eine Chance geben und hoffe, dass ich dort Ray noch ein bisschen besser verstehen lerne und auch mehr Jeannes Sicht zum Vorschein kommt. Ich fand es super schade, dass mich der erste Band nicht hundertprozentig von sich überzeugen konnte.
Trotzdem möchte ich euch ermutigen, dieses Buch nicht wegen meiner persönlichen Meinung abzuschreiben. :)