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Veröffentlicht am 08.10.2022

Licht und Schatten

Kinderklinik Weißensee – Tage des Lichts (Die Kinderärztin 3)
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Mit dem dritten Band "Kinderklinik Weißensee - Tage des Lichts (Die Kinderärztin 3) zeigt Antonia Blum uns Licht und Schatten in der Weimarer Republik, am Beispiel eines längst verlassenen und vergessenen ...

Mit dem dritten Band "Kinderklinik Weißensee - Tage des Lichts (Die Kinderärztin 3) zeigt Antonia Blum uns Licht und Schatten in der Weimarer Republik, am Beispiel eines längst verlassenen und vergessenen Kinderkrankenhauses , das von 1911 - 1997 in Berlin-Weißensee ansässig war.

Berlin 1929: Marlene von Weilert genießt ihren Erfolg als Ärztin an der Kinderklinik Weißensee, privat aber leidet sie, weil ihre Ehe mit Maximilian bisher kinderlos geblieben ist. Marlene entscheidet sich schließlich, für die Familienplanung beruflich kürzer zu treten. Doch dann wird das Antibiotikum Penicillin entdeckt, und Marlene brennt darauf, das Wundermittel zu erforschen. Es könnte Tausenden Kindern das Leben retten. Marlene ist hin und hergerissen zwischen beruflicher Pflicht und persönlichem Glück. Ihre Schwester Emma, inzwischen Oberschwester der Kinderklinik, hat Sorgen ganz anderer Art: Ihr Sohn Theodor verbringt immer mehr Zeit mit Freunden, die sich politisch radikalisieren. Theodor droht ihr zu entgleiten, doch Emma ist fest entschlossen, um ihren Sohn und gegen die neuen politischen Kräfte zu kämpfen.

Das hübsche Cover passt sich den bereits erschienenen Bänden an und besitzt einen hohen Wiedererkennungswert; es zeigt zwei Kinder, die sinnend auf ein weitläufiges Gebäude inmitten eines weitläufigen Grundstücks blicken. Schützend hat der Junge seinen Arm um das zierliche Mädchen gelegt; gewisse Assoziationen zu Anton und Gertrud, zwei kindlichen Protagonisten aus diesem dritten Band, sind durchaus gewünscht. Der aussagekräftige Titel verbreitet einen gewissen Optimismus; hier geht es nicht nur um die dunklen, sondern auch um die hellen Stunden des Lebens.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich um dritten Band einer Reihe; die Handlung ist in sich abgeschlossen, die Lektüre ist ohne Kenntnisse der bereits erschienenen zwei Bände möglich. Wiederum stehen die zwei Schwestern Marlene und Emma im Mittelpunkt dieser beliebten Saga, die in den vergangenen Bänden eine staunenswerte Entwicklung durchgemacht haben. Beruflich gesehen, läuft alles bestens. Während Emma als Oberschwester eine wichtige Stellung in der Kinderklinik Weißensee bekleidet, ist Marlene eine erfahrene Kinderärztin, die für die wissenschaftliche Forschung brennt. Auch im privaten Leben, haben Emma und Marlene ihr Glück gefunden. Marlene ist durch ihre (ungewollt kinderlose) Ehe mit dem vermögenden Arzt Maximilian von Weilert in der sozialen Hierarchie aufgestiegen; sie lebt in privilegierten Verhältnissen, hat aber ihre Bodenständigkeit nicht verloren. Emma ist mit dem sozialdemokratischen Journalisten Kurt glücklich verheiratet und stolze Mutter von zwei Kindern, Theodor und Elisabeth, die ihren Weg finden müssen. Ihr Lebens- und LIebesglück wird in diesem dritten Band durch viele Schicksalsschläge auf eine harte Probe gestellt; die politischen und wirtschaftlichen Ereignisse gegen Ende der Weimarer Repubilk werfen einen dunklen Schatten auf die alteingesessene Kinderklinik Weißensee.

Es hat mir große Freude bereitet, Emma und Marlene auf ihrem Weg weiterbegleiten zu dürfen. Sie sind zwei sympathische Heldinnen, die aus kleinen Verhältnissen stammen, unbeirrt ihren Weg gehen, zur (ungeliebten) Demokratie in der Weimarer Republik stehen, sich für ihre Mitmenschen, vor allem für die Kinder, engagieren und aufgrund ihrer Ehrlichkeit und Mitmenschlichkeit allen Leser*innen ans Herz wachsen.

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Veröffentlicht am 02.10.2022

Barnsteenhus

Wintermeer und Bernsteinherzen
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Mit ihrem neuen Roman "Wintermeer und Bernsteinherzen" legt Tanja Janz bereits den 13. Band ihrer erfolgreichen Reihe vor, die in St. Peter-Ording, der kleinen Gemeinde auf der Halbinsel Eiderstedt, im ...

Mit ihrem neuen Roman "Wintermeer und Bernsteinherzen" legt Tanja Janz bereits den 13. Band ihrer erfolgreichen Reihe vor, die in St. Peter-Ording, der kleinen Gemeinde auf der Halbinsel Eiderstedt, im Nationalpark Wattenmeer in Schleswig-Holstein spielen. Für mich sind ihre Bücher wie ein wohltuender Urlaub am weiten Nordseestrand. Mitten in diesen kalten Tagen schenkt sie uns eine anrührende, herzerwärmende Geschichte, die auf eine zauberhafte Weise den wahren Geist von Weihnachten spiegelt:

Ein nordfriesischer Winter voll Herz und Hoffnung
Als Finja vor dem alten Barnsteenhus in St. Peter-Ording steht und tief einatmet, spürt sie es deutlich: Über diesem Ort liegt ein besonderer Zauber. Zu gern möchte Finja mehr über das schneebedeckte Reetdachhaus herausfinden. Denn es ist die perfekte Immobilie für ihren Auftraggeber. Doch während sie in die Geschichten und Legenden des Hauses eintaucht, lernt sie den geheimnisvollen Jesper kennen. Und schon bald wünscht Finja sich, dieser nordfriesische Winter möge niemals enden. Aber sie muss zurück nach Hamburg und ihren Maklervertrag erfüllen.

Das wunderschöne Cover fasziniert durch den zarten Glitter, der an Eiskristalle in der Winterzeit erinnert. Man sieht ein altes, reetgedecktes Friesenhaus, mitten in den Dünen, im Hintergrund ist ein Leuchturm zu erkennen. Das klassische friesische Gebäude strahlt eine mit Worten schwer zu beschreibende Wärme aus, eder Besucher fühlt sich beschützt und geborgen vor den unberechenbaren Stürmen des Lebens.

Die Geschichte spielt auf mehreren zeitlichen Ebenen, sie wird aus verschiedenen Perspektiven vermittelt. Vom Prolog an gelingt es Tanja Janz, ihre Leser*innen in ihren Bann zu ziehen. Tief erschüttert von der dargestellten physischen und psychischen Gewalt gegenüber einer schwangeren jungen Frau, die im November 1985 ihre kleine Tochter und das ungeborene Kind vor ihrem alkoholkranken, gewalttätigen Mann beschützen muss, freut man sich über Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit einer alteingesessenen friesischen Pfarrersfamlie, die Nächstenliebe nicht nur predigen, sondern leben. In der aktuellen Gegenwart steht Finja im Mittelpunkt des Geschehens, eine in Hamburg lebende geschiedene sympathische Naturheilpraktikerin, die ihre angespannte finanzielle Situation durch eine gelegentliche nebenberufliche Tätigkeit als Immobilienmaklerin ausgleicht, die sie im Dezember ins winterliche St. Peter-Ording führt. Alle Charaktere sind liebevoll ausgestaltet worden, sie haben Ecken und Kanten und agieren authentisch. Auch die romantische Liebesgeschichte wirkt sehr natürlich und wie aus dem echten Leben gegriffen.

Für mich ist dieses anrührende, leise Buch mein absolutes Lese-Highlight. Denn es atmet den Geist der Weihnacht und zeigt allen Lesern, was wirklich wichtig ist im Leben: Mitmenschlichkeit. Genießt es in einem Ohrensessel,, eingekuschelt in eine warme Decke, mit einer Katze auf dem Schoß oder einem Hund zu euren Füßen, zur Musik von Mariah Carey, mit einem Weihnachtspunsch und köstlichen Nusshörnchen nach dem Rezept von Pütti. Wir sehen uns am schönsten Strand der Welt...

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Veröffentlicht am 01.10.2022

Winter Wonderland

Der kleine Wintermarkt am Meer
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Habt ihr Lust, das Fest der LIebe auf der schönsten Insel der Welt zu verbringen? Dann solltet ihr die Einladung von Julia Rogasch annehmen. Ihr neues Buch "Der klene Wintermarkt am Meer" erzählt von den ...

Habt ihr Lust, das Fest der LIebe auf der schönsten Insel der Welt zu verbringen? Dann solltet ihr die Einladung von Julia Rogasch annehmen. Ihr neues Buch "Der klene Wintermarkt am Meer" erzählt von den Vorbereitungen auf einen gemütlichen Weihnachtsmarkt, friesischen Traditionen, hausgemachten Spezialitäten - und einer romantischen Liebesgeschichte.

Kein Geld, kein Job, kein Mann – Weihnachtsstimmung will sich bei Josi dieses Jahr so gar nicht einstellen. Zum Glück bittet ihre Freundin Linnea sie, nach Sylt zu kommen, um ihr mit dem Wintermarkt zu helfen! Josi kann es kaum erwarten, Heißgetränke in dem kleinen Foodtruck zu verkaufen. Der muss allerdings erst einmal restauriert werden. Unterstützung erhält Josi dabei von Erik. Zwischen den Weihnachtsgirlanden kommen die beiden sich bald näher – doch da beginnt Linnea, sich immer mehr zurückzuziehen ... Ist ein Weihnachtswunder noch möglich?

Das stimmungsvolle Cover lädt zum Träumen ein. Wenige Meter vom schneebedeckten Sandstrand entfernt, ist ein roter Food-Truck platziert worden, der dank der weihnachtlichen Dekoration alle Blicke auf sich lenkt. Im Vordergrund lädt eine kleine Tafel zum Wintermarkt ein, im Hintergrund ist das blauschimmernde Meer zu erahnen.

Wie alle Bücher von Julia Rogasch, spielt der neue Roman "Der kleine Wintermarkt am Meer" auf Sylt, genauer gesagt: in Keitum, der einstigen Hauptstadt von Sylt. Wer schon einmal einen Urlaub in dem gemütlichen ehemaligen Kapitänsdorf mit seinen hübschen reetgedeckten Häuschen verbracht hat, wird viele lokale Sehenswürdigkeiten wiedererkennen, die von Julia Rogasch anschaulich beschrieben werden. Auch das winterliche Setting ist sehr schön wiedergegeben worden; man staunt über die köstlichen Rezepte und freut sich wie ein Kind auf den bunten Wintermarkt, der mit seinen verschiedenen Attraktionen große und kleine Gäste ansprechen wird.

Die (recht vorhersehbare) Handlung wird aus zwei Perspektiven vermittelt; aus der Sicht der Ich-Erzählerin Josi, einer handwerklich geschickten Frau, die ihre beste Freundin Linnea in einem kleinen Cafe unterstützt, und aus der Sicht des Ich-Erzählers Erik, einem erfolgreichen Geschäftsmann, der sich nach einer tiefen Enttäuschung auf sein gutgehendes Restaurant in Keitum konzentriert. Es ist eine emotional bewegende, hin und wieder sehr dramatisch angehauchte (Liebes-)Geschichte, die sich trotz einiger Längen (aufgrund von inhaltlichen Wiederholungen) gut lesen lässt und für angenehme Unterhaltung an kalten (Winter-) Tagen sorgt. Von mir gibt es eine klare Empfehlung. Genießt diese schöne Lektüre mit einigen selbstgebackenen Plätzchen und einer Tasse Honigmilch!

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Veröffentlicht am 19.09.2022

Geheimnisse

Enid Blyton. Geheimnis hinter grünen Hecken
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Mitten in der Pandemie konnten junge deutsche Zuschauerinnen (und ihre nostalgischen Eltern) sich über die von der BBC produzierte Serie "Malory Towers" freuen, welche auf der gleichnamigen Reihe von Büchern ...

Mitten in der Pandemie konnten junge deutsche Zuschauerinnen (und ihre nostalgischen Eltern) sich über die von der BBC produzierte Serie "Malory Towers" freuen, welche auf der gleichnamigen Reihe von Büchern der britischen Schriftstellerin Enid Blyton (1897 - 1968) beruhrt. Auch wenn sie seinerzeit die kommerziell erfolgreichste Kinderbuch-Autorin war, werden ihre literarischen Werke in der aktuellen Gegenwart aufgrund von Rassismus, Sexismus und Homophobie angeprangert; ihre literarische Bedeutung wird wegen der schlichten Sprache als gering eingeschätzt. Auch der Film "Enid" mit Helena Bonham-Carter zeichnet ein negatives Bild von Enid Blyton, die großen Wert auf ein makelloses Image in der Öffentlichkeit legte und sich selbst als eine Meisterin der Selbstinszenierung und -vermarktung entpuppte, in dem sie ihre eigene "Marke" kreierte.

In der öffentlichen Wahrnehmung verschwimmen Fakten und Fiktion. Nach mehreren Werken, die in der englischen Sprache erschienen sind, legt Maria Regina Kaiser die erste deutschsprachige Romanbiographie "Enid Blyton. Geheimnis hinter grünen Hecken" vor, in dem Leben und Werk der britischen Autorin unter Berücksichtigung der jeweiligen politischen sozialen Kontexte näher beleuchtet werden. Für mein Empfinden achtet Maria Regina Kaiser auf sachliche Distanz; sie enthält sich jeglicher Idolisierung noch Kritik und überlässt es ihren Leser
innen, ihr eigenes Urteil zu fällen.

Das in Sepia-Tönen gehaltene Cover zeigt ein authentisches, zeitgenössisches Portrait. Für meinen Geschmack strahlt es Selbstbewusstsein und Würde aus; es ist eine attraktive, erfolgreiche Frau mittleren Alters, die voller Stolz auf ihr literarisches Werk zurückblicken kann.

Aufgewachsen in privilegierten Verhältnissen, wirken Kindheit und Jugend von Enid sehr bedrückend; als Liebling ihres Vaters muss sie sehr unter der Trennung und Scheidung ihrer Eltern gelitten haben. Die Ehe war von Lieblosigkeit geprägt; Vater und Mutter waren konträre Charaktere, die langsam, aber unaufhaltsam auseinanderdrifteten. In der Erziehung ihrer KInder vertraten sie gegensätzliche Ansichten. Während ihr Vater seine Zuneigung offen zeigte und sich nach Kräften bemühte, seine einzige Tochter zu fördern, war das Verhältnis zur Mutter unterkühlt, was den völligen Kontaktabbruch in späteren Jahren erklärt.

Nach dem frühen Tod ihres Vater schien Enid Blyton nach einer Vater-Figur zu suchen; ihre Wahl fiel auf Hugh Pollock, einen wesentlich älteren ( getrennt lebenden, aber noch nicht geschiedenen) Mann, der sich als Cheflektor in der Buchszene auskannte und ihr wertvolle Tipps erteilte. Hugh hielt nichts von Gleichberechtigung, er hing verstaubten Idealen nach und wollte in ihrer Beziehung das Sagen haben (auch wenn Enid Blyton sich durchaus durchsetzen konnte). Dabei schien er nicht aufrichtig zu ihr zu sein; auch wenn er die Scheidung von seiner ersten Frau durchzog, um die geplante Hochzeit mit Enid realisieren zu können, verschwieg er seinen Sohn aus erster Ehe. Ihre Verbindung verlief unglücklich; die erlittenen Kriegs-Traumata von Hugh Pollock schimmerten im Laufe der Ehe mehr und mehr durch. Er suchte keinen ärztlichen Rat (eine psychotherapeutische Behandlung passte nicht in sein Weltbild, vermute ich), sondern betäubte sie mit Alkohol, tröstete sich mit einer Affäre - und verlor seine Frau an einen anderen Mann.

Auch wenn die einzelnen literarischen Werke von Enid Blyton etwas zu kurz kommen, war der Einblick in ihr Familienleben sehr spannend. Nach der Scheidung von Hugh Pollock setzte sie einen völligen Kontaktabbruch ihrer Töchter Gillian und Imogen zu ihrem Vater durch; sie erhielten den Familiennamen ihres zweiten Mannes, des Arztes Kenneth Darrell Waters. In der Presse verschwieg sie ihre erste Ehe; aus Sorge um ihren guten Ruf wurde die unliebsame Vergangenheit gleichsam "ausradiert" und eine geschönte Version (heiles Familienleben) in der Öffentlichkeit präsentiert. Ihre zweite Ehe hielt bis zu ihrem Lebensende; sie achtete auf ihren persönlichen Freiraum, arbeitete unermüdlich an neuen Texten und konnte ihre eigene "Marke" kreieren, mit der sie sich ein hohes Einkommen auf dem Buchmarkt sichern konnte.

Ihre Beziehung zu ihren zwei Töchtern war schwierig; sie beschäftigte sich wenig mit ihren Kindern, sondern überließ sie lieber der Obhut von Nannys, um sich auf das Schreiben von Kinderbüchern konzentrieren zu können. Als "schlechte Mutter" möchte ich Enid Blyton nicht bezeichnen; sie achtete auf eine gute Ausbildung und hielt sich an die gängigen Konventionen, welche den Besuch von (exklusiven) Internaten und Universitäten beinhalteten. Wie ihre Mutter erkrankte Enid Blyton an Demenz; das unaufhaltsame Fortschreiten der Krankheit setzte ihrer literarischen Produktion ein Ende.

Für mein Empfinden war Enid Blyton eine kompliziert gestrickte Persönlichkeit, sie scheute klare Konfrontationen und neigte dazu, unliebsame Begegebenheiten "auszuradieren" und "störende" Menschen aus ihrem Leben zu streichen. In der Presse präsentierte sie eine gefilterte Version, die sie im positiven Licht zeigte; sie liebte die "heile Welt", alles Unangenehme blieb ausgeklammert.

,Alles in allem hat mir diese Lektüre sehr gefallen. Für mich ist dieses einfühlsam geschriebene und angenehm zu lesende Buch eine wahre Fundgrube an wertvollen Informationen, das in jeden Bücherschrank gehört.

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Veröffentlicht am 17.09.2022

Pionierin der modernen Informatik

Ada und die Gleichung des Glücks
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Der biographische Roman "Ada und die Gleichung des Glücks" von Sienna David bildet den zweiten Band der neuen Reihe "Mutige Frauen, die Geschichte schrieben". Im Mittelpunkt steht eine lange Zeit vergessene ...

Der biographische Roman "Ada und die Gleichung des Glücks" von Sienna David bildet den zweiten Band der neuen Reihe "Mutige Frauen, die Geschichte schrieben". Im Mittelpunkt steht eine lange Zeit vergessene Aristokratin, die sich in ihrem kurzen Leben der wissenschaftlichen Forschung verschrieben hatte:


Das in Sepia-Tönen gehaltene Cover zeigt eine junge Frau mit dunklen Haaren, die sie zu einer komplizierten Frisur gesteckt trägt. Ihre Kleidung ist der Mode entsprechend konservativ geschnitten, im HIntergrund ist ein klassischer Landsitz zu erkennen, wie er für alle Mitglieder der englischen Oberschicht angemessen ist. Eine große Ähnlichkeit mit Ada Lovelace kann ich nicht entdecken, dafür trifft der Titel des Buches ins Schwarze. Ada Lovelace war eine Suchende, nicht nur in der Forschung, sondern auch in der LIebe.

Auch wenn der vorliegende biographische Roman sich einige literarische Freiheiten erlaubt, zeichnet er ein einfühlsames Portrait einer sensiblen, hochbegabten jungen Frau, zerrissen zwischen ihren eigenen Ansprüchen und den gängigen Konventionen des 18. Jahrhunderts. Ada Lovelace war eine vielseitig talentierte Persönlichkeit, deren viel zu kurzes Leben von den heftigen Auseinandersetzungen und der skandalösen Scheidung ihrer Eltern geprägt worden ist. Ihr früh verstorbener, exzentrischer Vater George Gordon Noel, 6. Baron Byron, war ein britischer Dichter, der sich bewusst über alle Konventionen hinwegsetzte, seine bisexuellen Neigungen auslebte und einen extravanganten Lebensstil pflegte. Dahingegen war ihre vermögende Mutter Anne Isabella Noel-Byron, 11. Baroness Wentworth, eine konservative Aristokratin, die sich ihrem sozialen Stand verpflichtet fühlte und großen Wert auf eine breit angelegte naturwissenschaftliche Ausbildung ihrer einzigen Tochter legte, auch wenn sie sie (ihrem scharfen Verstand zum Trotz) zeitlebens bewusst kleinhielt und dominierte.

Sienna David zeichnet behutsam wichtige Phasen im Leben von Ada Lovelace nach; ihr einfühlsam geschriebener biographischer Roman spielt auf verschiedenen zeitlichen Ebenen. Im Laufe des Geschehens wächst ihre Protagonistin allen Leser*innen ans Herz, man empfindet großes Mitleid mit der sensiblen jungen Frau, die niemals ein freies, selbstbestimmtes Leben führen konnte. Die Gleichung des Glücks hat Ada Lovelace nicht finden können. Auch wenn ihr Mann Baron William King sie in ihren mathematischen Studien unterstützte, verlief ihre einem Zweck-Bündnis gleichende Beziehung unglücklich; die rasch aufeinander folgende Geburt von drei Kindern in vier Jahren dürfte die labile phyische und psychische Konstitution von Ada Lovelace erschöpft haben. Ihren tiefen Schmerz betäubte sie mit Affären, Drogen und Alkohol; sie starb im Alter von 36 Jahren an einem Zervixkarzinom

Zu ihren Lebzeiten ist das wissenschaftliche Werk von Ada Lovelace nicht gewürdigt worden; ihr Name geriet in Vergessenheit, bis sie Mitte des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt und als Pionierin der modernen Informatik gewürdigt worden ist. Wir sollten ihr Andenken ehren!

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