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Veröffentlicht am 03.01.2026

Zwischen Sturm und Schatten – Ein packender Agententhriller

Kälter
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MEINE MEINUNG

Mit seinem neuen herausragenden Thriller „Kälter“ ist dem vielseitigen Autor Andreas Pflüger ein packender, vielschichtiger Roman gelungen, der uns in die faszinierende Welt der Geheimdienste, ...

MEINE MEINUNG

Mit seinem neuen herausragenden Thriller „Kälter“ ist dem vielseitigen Autor Andreas Pflüger ein packender, vielschichtiger Roman gelungen, der uns in die faszinierende Welt der Geheimdienste, Spionage und Terrorismusbekämpfung zum Ausgang des Kalten Krieges entführt.

Erneut beweist er sein besonderes Talent, psychologische Spannung, hervorragend recherchierte historische Hintergründe und politische Verwicklungen zu einem atmosphärisch und erzählerisch anspruchsvollen Drama zu verweben und äußerst filmreif zu inszenieren.

Im Mittelpunkt steht die 50-jährige Provinzpolizistin Luzy Morgenroth, die sich nach einem schiefgelaufenen Spezialeinsatz bei einer verdeckten Operation in Tel Aviv vor 8 Jahren auf Amrum zurückgezogen hat. Als im Herbst 1989 ein Killerkommando während eines Sturms auf der Insel auftaucht, wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Einiges deutet darauf hin, dass ihr tot geglaubter Widersacher von damals, ein ehemaliger RAF-Terrorist und Doppelagent, der ihr Leben damals zerstörte, noch am Leben ist. Die ehemalige Kampfmaschine Luzy erwacht aus ihrem Dornröschenschlaf, tritt eine erbarmungslose Jagd nach ihrem Todfeind Babel an und muss sich dabei einem undurchsichtigen Geheimdienstimperium stellen, das diesen offenbar mit allen Mitteln schützen will.

Gekonnt nimmt uns Pflüger mit auf eine actionreiche, spannungsgeladene Reise, die von der Gegenwart des Mauerfalls 1989 in vielschichtigen Rückblenden in die Zeit der Spionageaktivitäten der Achtzigerjahre zurückreicht, und uns von Amrum, über Berlin zu Schauplätzen rund um die halbe Welt wie Israel, Schweiz, Südfrankreich, Moskau und bis schließlich nach Wien führt. Mit seinem ausdrucksstarken und nuancenreichen Schreibstil gelingt es Pflüger hervorragend, neben temporeichen Actionszenen auch eindringliche Sprachbilder von leiser Metaphorik heraufzubeschwören und eine eindringliche Atmosphäre von intensiver Sogwirkung entstehen zu lassen.

Die mitreißende und hochdramatische Handlung ist von biblischen Motiven und moralischen Reflexionen durchzogen, in deren Zentrum der uralte Kampf zwischen Gut und Böse als endloser Kreislauf aus Rache, Vergeltung, Erlösung und Selbstbehauptung erscheint.

Mit Feingefühl und psychologischer Tiefe entwirft Pflüger das facettenreiche Porträt seiner faszinierenden Protagonistin Luzy. Er zeichnet sie als einen entschlossenen, komplexen aber auch widersprüchlichen Charakter, dessen innere Stärke gleichermaßen aus Schuld, Verletzlichkeit und dem unbeirrbaren Willen zur Gerechtigkeit erwächst. Sie ist keine makellose Heldin, sondern eine von Erfahrung und Selbstzweifeln gezeichnete, innerlich gebrochene Figur, die gelernt hat, Misstrauen als Schutz zu begreifen und mit den Narben ihrer Vergangenheit weiterzuleben. Mit ihrer Vergangenheit als kampferprobte BKA-Agentin sie ist zugleich Symbol und Opfer der politischen Verstrickungen der 1980er Jahre.

Pflüger ist mit seiner spannungsgeladenen Geschichte erneut ein beeindruckendes Zeitdokument gelungen, das historische Wahrheiten und Fiktion gekonnt verwebt und Geschichte lebendig und greifbar macht.


FAZIT

Ein temporeicher, packender Spionage-Thriller und interessantes Zeitdokument, der vielschichtige moralische Fragen zu über Schuld, Identität und die Abgründe menschlicher Loyalität aufwirft!

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2026

Ein faszinierendes Portrait zwischen Glanz und Betrug

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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MEINE MEINUNG
Mit ihrem neuen Roman „Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels“ beweist Vea Kaiser einmal mehr ihr außergewöhnliches Talent als Erzählerin, das auf unverwechselbare Weise humorvolles ...

MEINE MEINUNG
Mit ihrem neuen Roman „Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels“ beweist Vea Kaiser einmal mehr ihr außergewöhnliches Talent als Erzählerin, das auf unverwechselbare Weise humorvolles Erzählen und tiefgründige Themen vereint.
Ihr ist ein beeindruckender Gesellschaftsroman gelungen, der von sozialem Aufstieg, existenzieller Sehnsucht nach Anerkennung, Wohlstand und Glück, aber auch von den vielfältigen Brüchen einer scheinbar glanzvollen Fassade erzählt.
Mit lebendigem, eindringlichem Schreibstil sowie dem unvergleichlichen Charme des Wiener Schmäh entwirft Kaiser das facettenreiche Bild der Protagonistin Angelika Moser - einer Frau, die nahezu schlafwandlerisch auf dem schmalen Grat zwischen sozialer Zugehörigkeit, familiären Bindungen und moralischen Prinzipien wandelt und dabei mit einer faszinierenden Leichtigkeit die Höhen und Tiefen des Lebens durchwandert stets getrieben von dem Traum nach einem besseren Leben.
Inspirieren ließ sich die Autorin von einem auf wahren Begebenheiten beruhenden Betrugsfall.
Geschickt hat Kaiser eine Rahmenhandlung gestaltet, in der die Autorin von ihren Recherchen zu dem Fall erzählt und im Gefängnis Gespräche mit der verurteilten Betrügerin Angelika führt. Diese verschiedenen Episoden verleihen dem Roman beinahe dokumentarische Züge, während die eigentliche Erzählung in eingeschobenen Rückblenden mit raffinierten Zeitsprüngen entfaltet und Angelika Mosers Lebensweg über die Jahrzehnte hinweg detailreich nachgezeichnet wird.
So folgen wir der jungen Buchhalterin Angelika, die sich in den späten 1980er Jahren ihren Platz im traditionsreichen Wiener Grandhotel Frohner mit bemerkenswerter Entschlossenheit erkämpft hat.
Aufgewachsen im Wiener Gemeindebau als Tochter einer Hausbesorgerin, führt Angelika ein bescheidenes wie auch turbulentes Leben zwischen nächtlichen Tanzvergnügen und den aufreibenden Herausforderungen ihres anspruchsvollen Jobs im Hotel und ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter. Früh wurde ihr durch die strenge, wenig liebevolle, aber dennoch fürsorgliche Mutter vermittelt, worauf es im Leben ankommt. Mit äußerster Cleverness und Durchsetzungsstärke behauptet Angelika sich in einer Welt, in der soziale Herkunft alles andere als nebensächlich ist. Rasch lernt sie, stets für sich und ihren geliebten Sohn Basti mit nicht immer ganz legalen Mitteln das Beste aus den gegebenen Umständen herauszuholen. Über Jahrzehnte hinweg gelingt es ihr durch geschickte Tricksereien einen Millionenbetrag zu ergaunern und Zugang zur besseren Gesellschaft zu erlangen, bis ihr raffinierter Schwindel schließlich doch ans Licht kommt.
Kaiser versteht es hervorragend, aus dieser Biografie ein fesselndes und facettenreiches Porträt einer unbeirrbar willensstarken Frau zu zeichnen, die sich auch unter widrigsten Umständen nicht unterkriegen lässt und ihr Schicksal entschlossen selbst gestaltet. Mit großer Eindringlichkeit lotet sie die moralischen Grauzonen und zutiefst menschlichen Beweggründe von Angelikas Betrug aus, denn nicht eigennützige Habgier, sondern der Wunsch nach sozialem Aufstieg und ein besseres Leben für ihr Kind standen im Mittelpunkt ihres Handelns.
Auf diese Weise entwirft Kaiser sehr eindrucksvoll eine nuancierte Charakterstudie, die tiefer reicht als vorschnelle Zuschreibungen und die Empathie sowie das Infragestellen eigener Sichtweisen ermöglicht.
Der Autorin ist es hervorragend gelungen, ihre Protagonistin mit all ihren Facetten und Eigenheiten vielschichtig und glaubwürdig zu gestalten und dabei ihre innere Wandlung psychologisch fundiert sowie mit großer Empathie nachzuzeichnen.
Besonders gefallen hat mir, wie detailreich, lebendig und voller Nuancen die Autorin die Atmosphäre von Angelikas Alltag und das Wiener Lebensmilieu jener Zeit einfängt.
Unterhaltsam und sehr anschaulich entfaltet Kaiser das Gesellschaftspanorama der vergangenen vierzig Jahre – vom glanzvollen Prunk hin zu den subtilen Machtgefügen hinter Fassaden eines traditionsreichen Hotelbetriebs werden auch die oftmals übersehenen Schwierigkeiten berufstätiger Mütter beleuchtet, die zwischen Verantwortungsgefühl, Solidarität, Stolz und einer tiefen Sehnsucht nach Anerkennung zerrieben werden.

Durch charmanten Sprachwitz, warmherziges Augenzwinkern und pointierte Dialoge in wienerischer Mundart versteht es die Autorin hervorragend, eine spielerische Leichtigkeit einzufangen - trotz einer gewissen tragischen, melancholischen Grundstimmung, die zwischen den Zeilen mitschwingt. Das gekonnte Gleichgewicht zwischen feiner Ironie, scharfsinniger Gesellschaftsbeobachtung und intensiven Emotionen verleiht dem Roman eine unvergleichliche Atmosphäre, gleichermaßen unterhält und berührt.

FAZIT
Ein vielschichtiger Gesellschaftsroman über Betrug, soziale Herkunft und weibliche Selbstbestimmung – humorvoll und warmherzig erzählt, mit einer beeindruckenden Protagonistin und zugleich eine grandiose Hommage an das schillernde Wien und das Leben.

  • Einzelne Kategorien
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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2026

Sehr stimmungsvoller Wohlfühlroman

Mr. Saitos reisendes Kino
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~MEINE MEINUNG~

Mit „Mr. Saitos reisendes Kino“ hat Annette Bjergfeldt einen wundervollen, tief berührenden Roman voller Herzenswärme, leiser Poesie und sanfter Melancholie geschaffen. Er lädt ein, über ...

~MEINE MEINUNG~

Mit „Mr. Saitos reisendes Kino“ hat Annette Bjergfeldt einen wundervollen, tief berührenden Roman voller Herzenswärme, leiser Poesie und sanfter Melancholie geschaffen. Er lädt ein, über die großen Lebensfragen wie Familie, Zugehörigkeit, Verlust, Sehnsüchte, Träume sowie die heilsame Magie des Erzählens nachzudenken.

Gekonnt verwebt die Autorin eine Coming-of-Age-Erzählung mit berührender Familiengeschichte und eine Prise Magie zu einem atmosphärisch dichten Panorama. Rasch tauchen wir ein in eine ungewöhnliche, sehr faszinierende Geschichte, die einen rasch mit seinem außerordentlich intensiven Erzählstil und märchenhaft magischen Momenten in den Bann zieht.

Im Mittelpunkt steht die junge Lita, die es mit ihrer exzentrischen Mutter Fabiola aus den revolutionären Wirren von Buenos Aires auf die entlegene, windumtoste Insel Upper Puffin vor Neufundland verschlägt. Diese neue Heimat wird für sie zu einer Art Zwischenwelt zwischen Vergangenheit und Zukunft, schmerzlichen Erinnerungen und Aufbruch voller mystischer Erlebnisse und zugleich eine Zuflucht auf der spannenden Reise zu sich selbst. Die lange ersehnte Ankunft des geheimnisvollen Mr. Saito auf der Insel mit seinem reisenden Kino markiert schließlich einen entscheidenden Wendepunkt. Seine bewegten Bilder eröffnen Lita eine neue Welt jenseits der Insel und werden zum Sinnbild für Sehnsucht, Hoffnung und die Kraft, über sich hinauszuwachsen.

Mit ihrem farbenprächtigen, bildgewaltigen Schreibstil verwebt Bjergfeldt historische Rückblenden, poetische Naturbeschreibungen und zarte mystische Episoden zu einer opulenten, ideenreichen Erzählung. Ihre Beschreibungen sind so bildhaft und detailreich, dass Meeresrauschen, tosender Wind und wilde Tangorhythmen förmlich spürbar werden und filmreife Szenen vor dem inneren Auge entstehen. Durch humorvolle Zwischentöne und leise Ironie versteht es die Autorin, der Geschichte trotz ernster Themen eine wundervolle Leichtigkeit u verleihen.

Im Mikrokosmos des alten Seemannsheims lernen wir ein ganzes Panoptikum an liebevoll gezeichneten, eigenwilligen Inselbewohnern mit ihren skurrilen Eigenheiten kennen. Die vielschichtigen Figuren sind liebevoll mit psychologischer Tiefe gezeichnet. Besonders Lita wächst als sensible Protagonistin ans Herz, ebenso wie ihre etwas amivalente Mutter Fabiola mit ihrer Passion für Tango und Schuhe wachsen sowie ihre gehörlose Freundin Oona. An Litas Seite entdeckt man die vielen Facetten des Lebens mit all seinen Verlusten, Enttäuschungen, Loyalitäten, Neuanfängen und dem Zauber des Augenblicks. Besonders beeindruckend zeigt Litas enge Freundschaft mit Oona, wie tiefes Verständnis und Verbundenheit tiefer reichen kann als die gesprochene Sprache und Zusammenhalt weit über Blutsbande hinausgeht. Besonders gut gefallen hat mir die Untergliederung des Romans in „Sieben Wellen“, die geschickt Litas Lebensphasen widerspiegeln, und ihm eine rhythmische Tiefe und musikalische Struktur verleihen.

Bjergfeldt nimmt sich viel Zeit für ihre Figurenentwicklung und die besondere atmosphärische Dichte im Stil des Magischen Realismus, wodurch leider Mr. Saito und sein Kino erst relativ spät in den Vordergrund der Handlung rücken.



Zum Hörbuch

Rebecca Madita Hundt erweist sich mit ihrer warmen, wandelbaren Stimme als ideale Besetzung für das Hrbuch. Sie versteht es, die verschiedenen Stimmungen aus sanfter Melancholie über feinem Humor bis hin zur zarten Magie des Romans einfühlsam und atmosphärisch dicht einzufangen. Mit ruhigem, präzise kontrollierten Tempo und gezielt gesetzten Pausen entfaltet sich der bildgewaltige Erzählstil optimal. Auch die lebendigen Naturbeschreibungen, die märchenhaft mystische Atmosphäre und die große Bandbreite an Emotionen werden von Hundt einfühlsam und nuanciert vermittelt. Besonders gelungen ist ihre natürliche, emotional überzeugende Interpretation der facettenreichen Ich-Erzählerin Lita, die sie mal neugierig quirlig und mal verletzlich-nachdenklich klingen lässt. Auch die Nebenfiguren mit ihren Eigenheiten erhalten klare stimmliche Konturen ohne dabei überzeichnet zu wirken.

Insbesondere die stillen, nachdenklich stimmenden Passagen und poetischen Momente entfalten eine einzigartige meditative Wirkung, die das Hörerlebnis zu etwas Einzigartigem machen.


FAZIT

Ein bewegender, stimmungsvoller Wohlfühlroman mit faszinierenden Charakteren, märchenhaft mystischen Momenten und feiner Melancholie - eine wundervolle Hommage an die Liebe, Freundschaft und Magie der kleinen Dinge.
Ein intensives, unvergessliches und sehr poetisches Hörerlebnis!

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Veröffentlicht am 27.12.2025

Zwischen Leichen, Liebe und Moral – Ein fesselnder historischer Roman

Wer die Toten stört
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MEINE MEINUNG

Mit ihrem Debüt „Wer die Toten stört“ hat A. Rae Dunlap einen vielschichtigen historischen Spannungsroman vorgelegt, in dem dunkle Aspekte der Medizingeschichte, True-Crime-Elemente und ...

MEINE MEINUNG

Mit ihrem Debüt „Wer die Toten stört“ hat A. Rae Dunlap einen vielschichtigen historischen Spannungsroman vorgelegt, in dem dunkle Aspekte der Medizingeschichte, True-Crime-Elemente und eine zarte queere Liebesgeschichte geschickt miteinander verwoben sind. Die Handlung ist im Edinburgh des frühen 19. Jahrhunderts angesiedelt, wo die intensiven Anatomiestudien der Medizinstudenten in privaten medizinischen Instituten ungewöhnliche Praktiken eines florierenden Leichendiebstahls nach sich ziehen, um den stetig wachsenden Bedarf an Präparaten zu decken. Es entfaltet sich eine faszinierend düstere, vielschichte Geschichte vor historischem Hintergrund, die mit morbiden Szenen, nachdenklich stimmenden Passagen und humorvollen Episoden zu unterhalten weiß.

Im Mittelpunkt steht der junge Medizinstudent James aus einer verarmten englischen Adelsfamilie, der rückblickend erzählt und sich immer wieder direkt an uns Leser wendet, sodass wir an seinen Erlebnissen in Edinburgh sehr unmittelbar teilhaben. Um seine ehrgeizigen Zukunftspläne voranzutreiben und sein Studium weiter finanzieren zu können, geht er eine gewagte Zweckgemeinschaft mit dem charismatischen Anatomieassistenten und Grabräuber Aneurin ein und beteiligt sich an dubiosen nächtlichen Ausgrabungen der für die anatomische Ausbildung dringend benötigten Leichen.
Was aus existenzieller Not heraus als nüchterne Geschäftsbeziehung beginnt, entwickelt sich im Verlauf der abwechslungsreichen Handlung zu einem gefahrvollen Unterfangen, das James moralische Grenzen immer starker ins Wanken bringt. Der von Misstrauen, ethischen Zweifeln und Schuldgefühlen geplagte James spürt zunehmend eine Anziehung zu dem unnahbaren Aneurin. Aus der pragmatischen Zusammenarbeit heraus entsteht eine komplexe, von unausgesprochenen Gefühlen aufgeladene Beziehung, die sich zwischen Nähe und Distanz, Vertrauen und Selbstschutz bewegt.
Mit ihrem pointierten, bildreichen Schreibstil versteht es Dunlap, uns ins düstere Edinburgh des 19. Jahrhunderts zu entführen. Trotz der oft morbiden Grundstimmung sorgt ihr trockener, bisweilen schwarzer Humor immer wieder für humorvolle Momente und wohltuende Leichtigkeit.
Vor farbenprächtigem historischen Setting verwebt sie reale historische Hintergründe mit ihrer fiktiven Handlung zu einer spannenden und nachdenklich stimmenden Geschichte. So geht es nicht nur um die skurrilen Praktiken erfindungsreicher Grabräuber und eine erschütternde, historisch verbürgte Mordserie, sondern auch um Standesdünkel, Korruption und die dunklen Machenschaften der medizinischen Zunft jener Epoche.
Hervorragend gelingt es ihr durch lebendige Milieubeschreibungen, detailreiche Einblicke ins Alltagsleben sowie anschauliche Schilderungen des gesellschaftlichen Klimas, ein facettenreiches, glaubwürdiges Bild dieser ambivalenten Zeit zu entwerfen, in der wissenschaftlicher Fortschritt und moralische Verrohung eng miteinander verflochten waren.
Sehr spannend ist der Einblick in die Welt der frühen Medizin und die Philosophie des Männerbunds der sogenannten Auferstehungsmacher, die den Leichen durch ihren vermeintlich verwerflichen Einsatz ein zweites sinnvolles Leben verschaffen wollten. Die historischen Hintergründe und True-Crime-Aspekte rund um das berüchtigte Verbrecherduo Burke und Hare sind sorgfältig recherchiert und anschaulich in die Handlung eingebunden. Ein ausführliches Nachwort mit weiteren Details zur Vertiefung ist sehr gelungen.
Ob nun die gruseligen Details nächtlicher Leichenbergungen auf dem Friedhof, die kollegialen Zusammenkünfte der jungen Medizinstudenten in den schäbigen Kneipen oder das harte Leben der einfachen Bevölkerung, die mit Armut, Hunger und sozialer Ungerechtigkeiten ringt – all diese Facetten verwebt Dunlap zu einem stimmigen, sehr atmosphärischen Portrait jener Zeit. Eindringlich beleuchtet die Autorin nicht nur ethische Fragen und moralische Graubereiche rund um das Grabräubertum, sondern auch Machtstrukturen des Adels und starre gesellschaftliche Konventionen, die das Leben ihrer Hauptfiguren einengen.
Besonders gelungen sind die vielschichtig gestalteten Charaktere, allen voran der sympathische Protagonist James, dessen persönliche Entwicklung einfühlsam und überzeugend gezeichnet wird. Mit seiner Mischung aus Unsicherheit, Naivität, Idealismus und bemerkenswertem Talent in der Anatomie wächst er einem rasch ans Herz, sodass man ihn fast vor all den Abgründen seiner Welt beschützen möchte. Glaubwürdig werden sowohl seine Stärken als auch seine Verletzlichkeit, inneren Konflikte und moralischen Bedenken ausgelotet. Im Ringen um Freiheit und Selbstbestimmung setzt er sich mit großer Widerstandskraft über gesellschaftliche Zwänge und familiäre Erwartungen hinweg und wächst trotz vielfältiger Gefahren und möglicher Folgen seines Handelns immer mehr über sich hinaus.

Auch der geheimnisvolle, etwas finster wirkende Aneurin überzeugt mit seiner charismatischen, komplexen Persönlichkeit und seiner problematischen Vergangenheit. Er sieht sich ganz  dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn und medizinischen Fortschritt verpflichtet, was ihn in heikle moralische Situationen treibt. Die Darstellung ihrer Gedanken- und Gefühlswelt ist nachvollziehbar und stimmig. Auch die Nebenfiguren sind entsprechend ihrer Funktion durchweg interessant und differenziert ausgestaltet und sorgen für Abwechslung.

Die komplexe Beziehung zwischen James und Aneurin bringt eine spannende Dynamik in die Handlung und ihre Wortgefechte sorgen selbst in makabren Szenen immer wieder für charmante, humorvolle Momente. Die sich langsam entwickelnde Zuneigung wird dabei aber durch gesellschaftliche Barrieren und Klassenunterschiede herausgefordert, sodass sie in der Öffentlichkeit auf einen rein kameradschaftlichen Umgang bedacht sein müssen. Nach einem eher gemächlichen Einstieg, in dem zunächst das Setting, der medizinische Hintergrund und die innere Konflikte des Erzählers James eingeführt werden, zieht das Tempo allmählich an und die Handlung gewinnt spürbar an Dynamik. Der eigentliche True-Crime-Anteil tritt leider hinter der queeren Liebesgeschichte lange Zeit zurück und rückt erst im späteren Verlauf in den Vordergrund. Auch das hochspannende, fast filmreife Finale wird relativ knapp erzählt und hätte noch deutlich breiter ausgestaltet werden können.

Dennoch überzeugt die gut recherchierte, vielschichtige Geschichte nicht nur als queere Coming of Age Erzählung, sondern auch als spannender, auf wahren Begebenheiten beruhender Kriminalfall mit einem lebendigen Zeitporträt und aufschlussreichen Einblicken in die Medizingeschichte. Mit dem etwas offenen Ausklang macht sie zudem neugierig auf mögliche weitere Abenteuer von James und Aneurin im historischen London.


FAZIT

Ein atmosphärisch dichter historischer Roman, der subtile Schauermomente und ein eindrucksvolles Zeitkolorit mit Gay Romance, facettenreichen Charakteren und einer moralisch komplexen Thematik der Medizingeschichte überzeugend verbindet.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Der perfekte Küchenbegleiter für schnelles Kochen

Hensslers Schnelle Nummer - morgens, mittags, abends
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MEINE MEINUNG
Mit seinem neuen Kochbuch “Hensslers Schnelle Nummer – morgens, mittags, abends“ aus dem GU-Verlag hat der bekannte TV-Koch und Bestsellerautor Steffen Henssler den perfekten Küchenbegleiter ...

MEINE MEINUNG
Mit seinem neuen Kochbuch “Hensslers Schnelle Nummer – morgens, mittags, abends“ aus dem GU-Verlag hat der bekannte TV-Koch und Bestsellerautor Steffen Henssler den perfekten Küchenbegleiter für alle Tageszeiten vorgelegt.
Es richtet sich an alle, die unkompliziert und schnell kochen möchten, und vor allem ganz ohne Kompromisse bei Geschmack und Vielfalt. Denn wer kennt es nicht, dass es im hektischen Alltag und bei knapper Zeit in der Küche oft schnell gehen muss, und man trotzdem ein leckeres und gesundes Gericht auf den Tisch bringen möchte.
Henssler präsentiert in seinem Buch eine abwechslungsreiche Mischung aus modernen Trendrezepten, saisonalen Klassikern, herzhaften mediterranen oder asiatisch angehauchten Gerichten und süßen Versuchungen, bei denen jeder etwas Köstliches finden wird. Abgestimmt auf die drei Tageszeiten gibt es eine Menge an kreativen Rezeptvorschlägen mit interessanten Geschmackskombinationen zu entdecken. Entsprechend ist das Buch in die folgenden drei Abschnitte unterteilt: MORGENS, MITTAGS, ABENDS.
Ob vom Power- oder Schlemmerfrühstück für einen energiereichen Start in den Tag, über leckere Salate, leichte One pot - oder originelle Pfannengerichte zur Mittagspause bis hin zu unkomplizierten Ofengerichten zum entspannten Abendessen – es findet sich vielseitige Rezeptauswahl mit tollen Gerichten für die Alltagsküche ohne großen Schnick-Schnack und mit wenigen Zutaten, die jeder zuhause hat oder leicht zu besorgen sind.
Über 100 abwechslungsreiche Rezepte hat Henssler für uns zusammengestellt, die alle seinem erfrischend unkomplizierten Konzept von minimalem Aufwand und maximalem Genuss folgen. Darunter findet sich auch eine große Auswahl vegetarischer Gerichte, die mit einem VEGGIE-Symbol entsprechend gekennzeichnet sind.
Die Rezepte in den einzelnen Kategorien sind übersichtlich und ansprechend gestaltet. Eine ganzseitige Farbfotografie des fertigen Gerichts begleitet die Anleitungen. Die Angaben zu Zubereitungszeit und Portionen fallen sofort ins Auge. Die Zutaten sind ebenfalls übersichtlich aufgelistet. Die durchnummerierten Zubereitungsschritte sind leicht verständlich formuliert und zudem auch für Anfänger in der Küche gut nachvollziehbar. Auf überflüssige Angaben wird hierbei zugunsten der präzisen Anleitungen verzichtet, sodass gerade Anfängern die Scheu genommen wird und der Spaß am Kochen im Vordergrund steht.
Ergänzt werden die Rezepte teilweise durch hilfreiche Tipps und kurze Anmerkungen, die das schnelle Kochen noch leichter machen oder raffinierte Variationen je nach Vorliebe oder Anlass vorschlagen. So sind alle Rezepte nicht nur problemlos nachkochbar, sondern lassen sich auch individuell variieren, so dass man nach Herzenslust aus den Basisideen ganz eigene Kreationen entwickeln kann.
Besonders hervorzuheben ist die hochwertige Gestaltung des Buches mit einem Lesebändchen, das den schnellen Zugriff auf das aktuelle Rezept erleichtert sowie die gelungenen, appetitanregenden Foodfotos von Fotograf Frank von Wieding, die sehr authentisch wirken und jedes Gericht perfekt in Szene setzen.
Abgerundet wird das Werk durch eine kurze sympathische Danksagung des Autors, einigen stimmungsvollen Schnappschüssen vom Making of sowie ein detailliertes alphabetisches Register der Rezepte.
FAZIT
Ein rundum gelungenes Kochbuch mit über 100 köstlichen Rezepten für jede Tageszeit und jeden Anlass – unkompliziert und schnell zuzubereiten, dabei jedoch stets mit dem unverwechselbaren Henssler-Kick. Perfekt für alle, die im Alltag wenig Zeit in der Küche verbringen möchten, aber trotzdem abwechslungsreich, frisch und genussvoll essen wollen.

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