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Veröffentlicht am 03.06.2018

Temporeiche, packende Fortsetzung

In den Fängen des Löwen
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INHALT
Der letzte Fall hat bei Zack Spuren hinterlassen. Wochenlang saß er am Krankenbett seines besten Freundes Abdula, bis dieser schließlich aus dem Koma erwachte. Doch zum Grübeln bleibt keine Zeit, ...

INHALT
Der letzte Fall hat bei Zack Spuren hinterlassen. Wochenlang saß er am Krankenbett seines besten Freundes Abdula, bis dieser schließlich aus dem Koma erwachte. Doch zum Grübeln bleibt keine Zeit, denn sein Job verlangt erneut seine ganze Konzentration. Auf einem alten Fabrikgelände in Stockholm wurde die Leiche eines elfjährigen Jungen entdeckt. Festgebunden auf einem Schornstein in grausigen Höhen. Niemand kann sich erklären, wie das Kind dorthin gekommen ist, doch dann spüren Zack und seine Partnerin Deniz einen wichtigen Zeugen auf. Ein alter Mann hat beobachtet, wie Ismail aus dem Asylbewerberheim geflohen ist, in dem er untergebracht war. Die Spur führt zu einem Mann namens Lejonet, der Löwe, der unter falscher Identität in Schweden lebt. Deniz und Zack sind sich sicher, dass er an der Entführung mehrerer Kinder beteiligt ist, doch als sie bei seiner Wohnung ankommen, eröffnet jemand das Feuer auf die Polizisten. Die Jagd hat begonnen.
(Quelle: Klappentext Klett Cotta Verlag)
MEINE MEINUNG
„In den Fängen des Löwen“ aus der Feder des schwedischen Autorenduos Mons Kallentoft und Markus Lutteman ist bereits der 2. Band der Krimi-Reihe um den Stockholmer Ermittler Zack Herry. Auch ohne den Auftakt der Reihe zu kennen, kann man den neuesten Fall problemlos lesen, denn wichtige Hinweise zur Vorgeschichte von Zack und seiner Kollegin Deniz wurden geschickt in die Handlung eingebaut.
Den Autoren ist erneut ein solider, zum Ende hin unglaublich packender Thriller gelungen, der alle typischen Komponenten für gute skandinavische Spannungsliteratur in sich vereint und in dem auch gesellschaftskritische Themen angesprochen werden.
Der gelungene Einstieg mit einem rätselhaften Prolog zu Zack Herrys neuestem Fall hat mich sehr gefesselt und mit vielen Fragen zurückgelassen. Ein Mann mit messerscharfen Krallen in einem Löwenkostüm, ein verängstigter Junge in einem Käfig und Zack, der mal wieder ziemlich neben der Spur zu sein scheint, beim Russisch Roulette-Spiel – wie mag dies nur alles zusammenhängen?
Durch sehr kurze Kapitel und schnelle Wechsel der temporeichen Handlungsstränge baut sich schon bald enorme Spannung auf. Extrem beunruhigend sind auch die eingeschobenen, kurzen Textpassagen aus Tätersicht, die Schlimmstes ahnen lassen. Die Autoren haben ihren düsteren und teilweise recht blutigen Thriller äußerst abwechslungsreich, nervenaufreibend und mit sehr hohem Tempo gestaltet, so dass für den Leser kaum Zeit zum Verschnaufen bleibt. Perfekt passt hierzu auch der kurze, knackige Schreibstil der Autoren.
Neben den fesselnden Ermittlungen nehmen Einblicke in Zacks problematische Vergangenheit und seine persönlichen Probleme großen Raum in der Geschichte ein. Der junge, ziemlich durchgeknallte Protagonist ist als ein sehr hochkomplexer Charakter angelegt, der sich durch seinen Drogenkonsum auf einer stetigen Abwärtsspirale befindet, die auch seine Arbeitsfähigkeit zunehmend zu beeinträchtigen scheint. Sehr glaubwürdig präsentieren die Autor uns einen psychisch angeschlagenen, traumatisierten Ermittler, der seine inneren Dämonen nur noch zeitweise im Griff hat, stets am Limit ist und durch Stress schnell in alte Muster zurückfällt. Bisweilen ist es nicht ganz klar, auf welcher Seite des Gesetzes er eigentlich steht. Mit seiner Loyalität zu seinem Jugendfreund und Dealer Abdula, seiner Fürsorglichkeit für das kleine Nachbarmädchen Ester und sein großes Engagement im Job wirkt er darüber hinaus aber sehr sympathisch und authentisch. Auch die übrigen Charaktere vor allem die Figuren des recht außergewöhnlichen, recht schrägen Ermittlerteams sind mit ihren Ecken und Kanten interessant ausgearbeitet, so dass ihre Handlungen für mich größtenteils nachvollziehbar waren.
Das Spezialteam wird bei ihren unter Hochdruck laufenden Ermittlungen auf so manche falsche Fährte geschickt und gerät in lebensbedrohliche Situationen, bis sich schließlich eine heiße Spur aufzutun scheint.
Richtig packend wird die Handlung, als man zu ahnen beginnt, wie die vielen verwirrenden Details und neuen Entwicklungen mit dem Fall zusammenhängen und welches Motiv sich dahinter verbergen könnte. Nach einigen unvorhersehbaren Wendungen inklusive einiger riskanter Alleingänge gipfelt die Jagd nach dem Täter in einem sehr rasanten Showdown, der an Dramatik kaum zu überbieten ist. Die Aufklärung des komplizierten Falls war insgesamt schlüssig und nachvollziehbar. Dennoch bleiben einige offene Aspekte aus der Nebenhandlung und aus Zacks rätselhafter Vergangenheit, die einen neugierig machen und viel Raum für Spekulationen lassen. Nach diesem mysteriösen Ausklang bin ich schon sehr gespannt, wie es im neuen Band weitergehen wird.
FAZIT
Eine temporeiche, packende Fortsetzung der Thriller-Reihe rund um Stockholms jungen, durchgeknallten Ermittler Zack Herry!

Veröffentlicht am 03.06.2018

Nichts als Lügen

Fake
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INHALT
Während im Nahen Osten Friedensverhandlungen laufen, wird in Syrien ein hochrangiger IS-Kämpfer per Drohnenangriff ausgeschaltet. Als bekannt wird, dass auch die IS- Geisel Catherine Finch zu den ...

INHALT
Während im Nahen Osten Friedensverhandlungen laufen, wird in Syrien ein hochrangiger IS-Kämpfer per Drohnenangriff ausgeschaltet. Als bekannt wird, dass auch die IS- Geisel Catherine Finch zu den Opfern des Anschlags gehört, beginnt für die US-Regierung ein Wettlauf gegen die Zeit. Für eine geheime Vertuschungsaktion wird CIA-Agent Pete Town zurück ins Agentengeschäft beordert. Sein Auftrag: Catherine Finch in den Medien so lange am Leben zu erhalten, bis die Friedensverhandlungen abgeschlossen sind. Ein nahezu unmögliches Unterfangen. Doch das ist nicht sein einziges Problem. Berüchtigte Warlords, die vom Krieg in Syrien profitieren, wollen Catherine Finch tot sehen. Und Town steht ihnen dabei im Weg….
(Quelle: Klappentext Tropen Verlag)
MEINE MEINUNG
Dem unter dem Pseudonym „James Rayburn“ schreibenden, südafrikanischen Autor Roger Smith ist mit „Fake“ ein äußerst action- und temporeicher Geheimdienst-Thriller gelungen, der mich durch seine Realitätsnähe von Beginn an fesseln konnte.
Der Autor hat sich für seinen Page Turner eine rasante und sehr packende Hintergrundstory zu den sehr aktuellen Themen Terrorismus, undurchsichtige Geheimdienstaktivitäten, Manipulation durch Fake-News und skrupellosem Waffenhandel im Nahen Osten ausgedacht. Mit seiner sehr angenehm zu lesenden Geschichte entwirft er ein beklemmendes Machtspiel zwischen unkontrollierbaren Geheimdiensten, geldgierigen Waffenhändlern und scheinheiliger Politik, das keineswegs so weit hergeholt oder unrealistisch erscheint.
Der Autor versteht es hervorragend, so abwechslungsreich und fesselnd zu schreiben, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann. Hierbei geizt er auch nicht mit recht brutalen, schonungslos beschriebenen Szenen. Schon der rasante, schockierende Einstieg, kurz gehaltene Kapitel mit geschickt gesetzten Cliffhangern und rasche Perspektivwechsel sorgen für eine enorme Spannung. Das extrem hohe Tempo und einige filmreife Actionszenen lassen das Kopfkino schnell anspringen. Darüber hinaus garantieren im Hintergrund agierende finstere Bösewichte und einige unerwartete Wendungen einen packenden, unterhaltsamen Lesespaß mit viel Raum zum Spekulieren. Natürlich bedient sich der Autor bisweilen auch einiger Klischees, die in diesem Genre recht verbreitet sind, sich aber nicht negativ auf die Glaubwürdigkeit seiner Geschichte auswirken.
Der Autor hat mit seinem Protagonisten Pete Town einen faszinierenden, recht glaubwürdigen Charakter geschaffen. Der ehemalige CIA-Agent, der wegen einer Verletzung seinen vorzeitigen Ruhestand genießt, ist eine faszinierende, vielschichtig angelegte Figur, die sehr sympathisch wirkt. Allmählich gibt der Autor aber auch sehr stimmige Einblicke in seine professionelle, recht abgebrühte Vorgehensweise und lässt seine dunkle, skrupellose Seite zum Vorschein kommen. So dauert es auch gar nicht lange, bis Town bei seiner geheimen Mission zwischen alle Fronten gerät und in einem undurchsichtigen Interessenskonflikt seinen eigenen Weg gehen muss. Ein atemberaubendes Verwirrspiel beginnt, bei dem die Grenzen zwischen Gut und Böse oftmals verwischen und Ethik und Moral dem Machtspiel um das große Ganze zum Opfer zu fallen drohen. Zum Ende hin gewährt uns der Autor bei der überraschenden Enthüllung seines clever konstruierten Verwirrspiels einige sehr schockierende Einblicke in die Abgründe der menschlichen Existenz und zugleich in die üblen Maschenschaften der Geheimdienste, die angesichts aktueller Vorfälle sogar sehr realistisch erscheinen.
FAZIT
Ein äußerst packender und unterhaltsamer Geheimdienstthriller mit einer glaubwürdigen Hintergrundstory, hohem Tempo, filmreifen Actionszenen sowie unerwartete Wendungen!

Veröffentlicht am 03.06.2018

Die verhängnisvolle Grillparty

Truly Madly Guilty
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INHALT
In der Familie ihrer Freundin Clementine fand Erika stets Halt und Geborgenheit, in ihrem eigenen Zuhause nicht. Auch heute ist Clementine ihr Zufluchtsort, und nun hofft Erika in einem delikaten ...

INHALT
In der Familie ihrer Freundin Clementine fand Erika stets Halt und Geborgenheit, in ihrem eigenen Zuhause nicht. Auch heute ist Clementine ihr Zufluchtsort, und nun hofft Erika in einem delikaten Fall auf Hilfe: Sie und ihr Mann Oliver sind ungewollt kinderlos, und sie möchte die Freundin um einen mehr als großen Gefallen bitten. Als Erika das Thema bei einem gemütlichen Barbecue anspricht, nehmen Ereignisse ihren Lauf, die in eine Katastrophe münden. Ist ihre Freundschaft stark genug, um diese zu überstehen?
(Quelle: Klappentext Bastei Lübbe)

MEINE MEINUNG
Mit „Truly. Madly. Guilty. - Jede Familie hat Geheimnisse“ hat die australische Autorin Liane Moriarty einen mitreißenden, tiefgründigen Roman verfasst, der allerdings trotz ähnlicher Erzählstruktur nicht an ihren großen Erfolg „Tausend kleine Lügen“ heranreichen kann.
Mit unheilvollen Andeutungen führt die Autorin den Leser in ihre Geschichte ein, die um die katastrophalen Ereignisse auf einer Grillparty und die späteren, alles verändernden Auswirkungen für alle Beteiligten kreist und die der Leser aus einer gewissen Distanz miterlebt. Bereits von Anfang an ist Spannung vorhanden, die sich von Seite zu Seite mehr aufbaut. Geschickt erfolgt ein stetiger Wechsel zwischen der gegenwärtigen Handlung und Rückblicken zu Geschehnissen, die zu unterschiedlichen Erzählzeitpunkten vor dem verhängnisvollen Tag liegen, bis schließlich die unterschiedlichen Handlungsstränge zusammenlaufen und das Geheimnis gelüftet wird. Zu Anfang eines jeden Kapitels wird angegeben, wann die oftmals vor und zurückspringende Handlung stattfindet. Häppchenweise enthüllt die Autorin bedeutungsvolle, aber wenig konkrete Details über diese schicksalhafte Katastrophe, wodurch sich die Spannung bis ins Unendliche steigert. Hierdurch wird der Leser von einer inneren Unruhe erfasst und stellt allerlei wilde Spekulationen darüber an, was so Weltbewegendes geschehen sein könnte. Zudem führt die Autorin die Leser ganz langsam in das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen den beiden Freundinnen und den drei sehr unterschiedlichen Ehepaaren ein. Nach und nach werden eine Menge Geheimnisse über die einzelnen Figuren offen gelegt, so dass ziemlich schnell deutlich wird, dass jeder der Charaktere etwas zu verbergen hat.
Bis zur großen, überraschenden Enthüllung hat die Autorin allerdings durch etliche künstliche Verzögerungen ihren Spannungsbogen etwas zu sehr überspannt, denn der schon fast frustrierte Leser muss sich wirklich lange – bis zur Hälfte des Romans! – gedulden. Im nachfolgenden Teil ihres Romans widmet sich die Autorin ausführlich den schuldhaften Verstrickungen der einzelnen Charaktere und den verschiedenen Nachwirkungen dieses unheilvollen Tages für die Beteiligten. Gekonnt gibt uns Moriarty so manche aufschlussreiche Einblicke in die menschliche Natur, aber auch in die Abgründe der menschlichen Psyche. Insbesondere die letzte Wendung am Ende des Romans hat mit sehr gut gefallen, da die Autorin den Ereignissen hierdurch nochmals eine ganz spezielle, nachdenklich stimmende Note verliehen hat.
Obwohl der Fokus der facettenreichen, erstaunlich tiefgründigen Geschichte auf den zwei Freundinnen Clementine und Erika und ihrer besonderen Freundschaft liegt, spielen auch eine ganze Reihe weiterer Charaktere eine wichtige Rolle in der Story. Die Autorin hat interessante, vielschichtige Charaktere geschaffen, die mit ihren schrittweise enthüllten Unzulänglichkeiten und Schwächen sehr glaubwürdig ausgearbeitet sind und nachvollziehbare Hintergründe und Motive besitzen. Je tiefer man in die Vergangenheit der verschiedenen Charaktere eintaucht, desto deutlicher offenbart sich dem Leser eine bunte Mischung an Doppelmoral, Schuld, Verstrickungen, Neid, Intrigen und Falschheit.
Die verschiedenen Problemthemen, die Liane Moriarty in ihre Geschichte eingearbeitet hat, ergeben ein gelungenes Bild der vermeintlich glücklichen Familien in diesem idyllischen Vorstädtchen und stimmen nachdenklich.
FAZIT
Ein unterhaltsamer, tiefgründiger Roman über eine alles verändernde Katastrophe, der mich durch seine ungewöhnlich hinauszögernde Erzählweise allerdings nicht völlig überzeugen konnte!

Veröffentlicht am 24.05.2018

Backen ist Liebe

Weil es dir Glück bringt
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„Gib dir im Leben und beim Backen besondere Mühe.
Das Ergebnis wird es stets wert sein.“
(Grandma Viola Shipman)
INHALT
Samantha hat immer von der großen weiten Welt geträumt. Das Landleben auf dem Hof ...

„Gib dir im Leben und beim Backen besondere Mühe.
Das Ergebnis wird es stets wert sein.“
(Grandma Viola Shipman)
INHALT
Samantha hat immer von der großen weiten Welt geträumt. Das Landleben auf dem Hof ihrer Eltern nahe des Lake Michigan erschien ihr eintönig und beschwerlich. Doch ihr aktueller Job in einer angesagten Patisserie in New York ist nicht so toll, wie sie es erhofft hatte. »Chef Dimple«, wie sich ihr Boss nennen lässt, ist ein eitler Choleriker und aufgeblasener Angeber, der seine Mitarbeiter ausbeutet und keinen Respekt vor Sams Backkünsten hat. Ihm ist es egal, wie die Kuchen seines Ladens schmecken, Hauptsache er sieht im Fernsehen gut damit aus. Als ein Streit mit ihm eskaliert, wirft Sam das Nudelholz für immer hin und fährt nach Hause - sehr zum Bedauern des netten Lieferanten Angelo Morelli.
Sams Familie ist froh über den unerwarteten Besuch. Alle sind schon aufgeregt, denn das 100-jährige Jubiläum des Obsthofs steht bevor, das mit dem 75. Geburtstag von Sams Großmutter zusammenfällt und groß gefeiert werden soll. Sam hilft überall mit, backt mit Mutter und Großmutter Cider-Donuts, Kirschkuchen und Apfeltaschen für den Hofladen und versucht sich über ihre Zukunft klarzuwerden. Das wird nicht leichter, als sowohl Angelo als auch ein neues New Yorker Jobangebot in Michigan eintreffen. Ist sie eigentlich damals vor etwas davon gelaufen, als sie in die Großstadt zog? Wo fühlt sie sich wirklich zu Hause?
Während des Sommers, in dem sie mit den Frauen ihrer Familie zusammenarbeitet, erfährt sie viel über die Generationen vor ihr und findet Trost in den überlieferten alten Rezepten. Mit dreizehn hatte sie genau wie ihre Mutter und ihre Großmutter ein Holzkästchen für die besten geheimen Familienrezepte und den Schlüssel dazu geschenkt bekommen. Wird dieser Schlüssel ihr am Ende Glück bringen?
(Quelle: Klappentext FISCHER Krüger)
MEINE MEINUNG
Mit „Weil es dir Glück bringt“ hat die beliebte Bestseller-Autorin Viola Shipman erneut einen berührenden Roman vorgelegt, der mit seiner wundervollen Geschichte über Familie, Heimat, Beziehungen, Liebe und Identitätssuche sicherlich den Geschmack vieler Leserinnen treffen wird. Als besonderes Highlight stehen in diesem Roman vor allem köstliche Backwaren und ihre Rezepte im Mittelpunkt – ganz nach dem Leitsatz „Backen ist Liebe“.
Shipman hat mit ihrem einfühlsamen Familienroman eine wundervolle Hommage an ihre Großmutter verfasst und zugleich an all die bewundernswerten Frauen, die lebenslang mit ihrer Liebe, Hingabe und großen Erfahrungsschatz so viel Bedeutsames für ihre Familien leisten.
Als Ausgangspunkt für ihren Roman hat Shipman eine hölzerne Rezeptbox mit den besten geheimen Backrezepten gewählt, die Teil einer schönen Familientradition sind und mit liebevollen Erinnerungen verbunden sind. Der Roman ist in elf Teile unterteilt, wobei jeder einem bestimmten Familienrezept gewidmet ist und mit einer stimmungsvollen, thematisch passenden Schwarz-Weiß-Zeichnung eingeleitet wird. Vom Apple Crisp über Dreierlei-Beeren-Galettes bis hin zu Erdbeer-Shortcakes sind hier allerlei Köstlichkeiten vertreten. In Rückblenden erfahren wir Episoden aus dem Leben der Mullins oder bedeutsame Ereignisse rund um den seit Generationen geführten Hof, und allmählich wird jeweils die Bedeutung des Rezepts für die Familiengeschichte enthüllt. Die ausführlichen Rezepte finden sich direkt am Ende eines jeden Teils und regen sofort zum Nachbacken ein.
Geschickt verwebt die Autorin auf diese Weise die Vergangenheit mit der Handlung in der Gegenwart und ermöglicht dem Leser einen aufschlussreichen Einblick in die berührende Familiengeschichte, die interessanten Charaktere und deren Leben. Natürlich darf hierbei auch eine romantische Liebesgeschichte als Nebenhandlung nicht fehlen.
Die unterschiedlichen Figuren in diesem Roman werden von der Autorin zwar nicht ausführlich beschrieben, sind aber dennoch gut gelungen. Sie charakterisieren sich hauptsächlich durch ihr Handeln, so dass dem Leser Raum für seine eigene Fantasie bleibt. Die junge lebenslustige Sam erleben wir als eine sympathische junge Frau, die sich in einer kleinen Lebenskrise befindet, da ihre Lebensträume von einer großen Karriere als Konditorin in New York schwer enttäuscht wurden. Zurück auf dem Obsthof ihrer warmherzigen, liebenswerten Familie wird sie von allen mit offenen Armen aufgenommen. Sehr glaubwürdig wird geschildert, wie Sam beim gemeinsamen Arbeiten und Backen in ihrem wundervollen Familienverbund schrittweise lernt, sich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zurückzubesinnen und schließlich über einige Umwege auch den Schlüssel zu ihrem Glück findet. Sofort ins Herz geschlossen habe ich auch die liebenswerte, lebenskluge Grandma Willo, die mit ihren 75 Jahren immer noch die Geschicke der Familie mit großer Umsicht und Lebenserfahrung lenkt.
Viola Shipman hat einen angenehmen, einfach zu lesenden und bildhaften Schreibstil. Viele schön formulierte Lebensweisheiten und Ratschläge -vor allem von Grandma Willo- verleihen dem Roman eine Warmherzigkeit und Eindringlichkeit, die den Leser an so mancher Stelle sehr nachdenklich stimmt. Einige etwas arg kitschig geratene Stellen seien der Autorin verziehen und sind dem Genre geschuldet.
Der Epilog am Ende schlägt auf gelungene Weise den Bogen zum Prolog und lässt die Geschichte sehr berührend und stimmungsvoll ausklingen.
Die an den Roman angehängten „ Anmerkungen“ runden das Buch sehr schön ab. Hierin werden noch einmal sehr ausführlich interessante Hintergründe zu den verschiedenen Rezepten beschrieben, die aus Rezeptsammlungen der eigenen Familie aber auch von Freunden stammen.
FAZIT
Ein unterhaltsamer, feinfühlig erzählter, geradezu köstlicher Wohlfühlroman mit einer gelungenen Mischung aus Emotionen, Romantik und tollen Familienbackrezepten.

Veröffentlicht am 24.05.2018

Netter Historienschmöker zu Zeiten der Pest

Die letzte Stunde
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HANDLUNG
Südengland, Juli 1348: An der Küste ist die Pest ins Land gekrochen. Binnen kürzester Zeit entvölkert sie ganze Landstriche, Angst und Panik regieren. Allein Lady Anne, die Herrin von Develish, ...

HANDLUNG
Südengland, Juli 1348: An der Küste ist die Pest ins Land gekrochen. Binnen kürzester Zeit entvölkert sie ganze Landstriche, Angst und Panik regieren. Allein Lady Anne, die Herrin von Develish, nimmt das Heft in die Hand. Sie bringt all ihre Schutzbefohlenen auf ihrem Anwesen in Sicherheit und lässt die Zugangsbrücke verbrennen. In ihrem kleinen Reich zählen nicht mehr gesellschaftliche Konvention und Rang, sondern Einsatz für die anderen. Als neuen Verwalter setzt Anne Thaddeus ein, den niedrigsten, aber klügsten ihrer Diener. Doch kann sich die Schicksalsgemeinschaft gegen die schreckliche Krankheit behaupten, die vor ihren Toren tobt? Gegen die Verzweifelten und Raffgierigen, die Develish angreifen? Werden die kargen Vorräte reichen? Dann geschieht ein grausamer Mord und droht Lady Annes Gemeinschaft endgültig zu zerreißen …
(Quelle: Random House Audio)
MEINE MEINUNG
Nach 10jähriger Pause hat die britische Autorin Minette Walters, renommierte Krimi- und Psychothrillerautorin, mit „Die letzte Stunde“ nun den ersten Teil ihrer zweiteiligen Historiensaga veröffentlicht. Der Roman ist Mitte des 14. Jahrhunderts im südenglischen Dorset zur Zeit der Pest angesiedelt. Gekonnt lässt uns die Autorin in das bedrückende, mittelalterliche Leben einer Dorfgemeinschaft eintauchen, die Lebensverhältnisse der unter Fronarbeit und Leibeigenschaft leidenden bäuerlichen Bevölkerung hautnah miterleben aber auch sehr glaubwürdig die Ängste vor dem unheimlichen Schwarzen Tod. Durch den Pesttod ihres grausamen, unfähigen Gutsherrn Sir Richard beginnt sich das Schicksal für jeden einzelnen zu wenden, das jahrhundertealte Gefüge scheint in Wanken zu geraten und ein Ausbruch aus Unterdrückung und Ausbeutung möglich zu werden.
Minette Walters hat mit ihrem historischen Roman ein äußerst opulentes Werk geschaffen, das allerdings auch die eine oder andere Länge und eine zu starke Schwarz-Weiß-Zeichnung einiger Charaktere aufweist. Walters versteht es gut, Spannungsbögen aufzubauen und mit überraschenden Wendungen zu unterhalten, nicht überzeugen konnte mich allerdings ihre zu modern und emanzipiert geratene Hauptfigur Lady Anne.
Zum Hörbuch:
Mit Gabriele Blum wurde eine sehr versierte Sprecherin für dieses gekürzte Hörbuch ausgewählt. Man hat das Gefühl, von der weichen und überzeugenden Stimme der Sprecherin direkt ins Geschehen hineingezogen zu werden. Mit netten stimmlichen Variationen haucht die Sprecherin den Figuren viel Leben ein und lässt auch die unangenehmen Seiten der einzelnen Charaktere sehr gut zutage treten. So sind etwa die überheblich-pampige Stimme von Eleanor oder die stets ruhige, besonnene Ausdrucksweise von Lady Anne sehr gut getroffen. Besonders gelungen ist auch das Spiel mit der Lautstärke und dem Lesetempo. Da die Sprecherin durch ihre facettenreiche Lesung sehr viel Abwechslung ins Geschehen bringt, wirkt die Geschichte ausgesprochen lebendig und gerät trotz einiger Längen nie in Gefahr, sich über 14 Stunden 40 Minuten dahinzuschleppen.
FAZIT
Wer Historienschmöker mag und nicht so viel Wert auf historische Authentizität legt, wird sicher vom ersten Teil von Minette Walters historischem Roman bestens unterhalten. Auch wenn es einzelne Schwächen bei der Figurenzeichnung und einige Längen gibt, ist die Umsetzung zum Hörbuch durch die sehr angenehme Lesung von Gabriele Blum hervorragend gelungen.
Insgesamt also ein unterhaltsames Hörerlebnis!