Zwischen Faszination und Überforderung – meine Reise durch Alchemised
AlchemisedAls „Alchemised“ überall in aller Munde war, war für mich schnell klar, dass ich den Hype ebenfalls verstehen möchte. Und auch wenn das Buch für mich kein absolutes Lebenshighlight geworden ist, was es ...
Als „Alchemised“ überall in aller Munde war, war für mich schnell klar, dass ich den Hype ebenfalls verstehen möchte. Und auch wenn das Buch für mich kein absolutes Lebenshighlight geworden ist, was es für viele andere offenbar ist, hat es mir dennoch gut gefallen.
„Alchemised“ ist in drei unterschiedlich lange Teile gegliedert, wobei der zweite mit Abstand den größten Umfang einnimmt. Im ersten Teil erleben wir die Geschichte aus der Perspektive von Helena, einer Gefangenen, die ihr Gedächtnis verloren hat. Dadurch wirkt vieles zunächst sehr verwirrend, da wir die Ereignisse und Zusammenhänge gemeinsam mit ihr entdecken. Da sowohl das Worldbuilding als auch das Magiesystem äußerst komplex sind, fiel mir der Einstieg ziemlich schwer – um genau zu sein habe ich etwa die ersten 200 Seiten gebraucht, um wirklich in der Geschichte anzukommen. Gerade als ich mich richtig in Teil eins eingefunden hatte, wechselte die Handlung in den zweiten Teil, in den ich mich erst erneut einlesen musste. Doch das Durchhalten lohnt sich! Nichtsdestotrotz ist „Alchemised“ definitiv kein Buch für zwischendurch. Man sollte sich Zeit und Geduld nehmen, um vollständig in diese umfangreiche Story einzutauchen. Dabei empfiehlt es sich sehr, regelmäßig einen Blick in das ausführliche Glossar am Ende des Buches zu werfen.
Helena und Kaine sind spannende Charaktere und auch als Paar durchaus interessant, wenngleich ihre Beziehung stellenweise sehr toxisch ist. Die sogenannten „Freunde“ von Helena – die Mitglieder der Ewigen Flamme (die Anführungszeichen setze ich bewusst, da ich diese Freundschaften teilweise fragwürdig fand) – wirkten auf mich hingegen oft eher kindisch und dadurch gelegentlich auch nervig. Zudem hatte ich den Eindruck, dass Szenen mit ihnen einige Längen aufwiesen. Auch das Ende empfand ich nach der intensiven und mitreißenden Geschichte rund um Helena und Kaine als etwas underwhelming und zu langgezogen.
Trotzdem hat mich das Buch in vielen Momenten emotional berührt und stark gefesselt – so sehr, dass ich es tagelang kaum aus der Hand legen konnte. Die düstere Atmosphäre ist sehr anziehend, ohne dabei erdrückend zu wirken. Allerdings ist „Alchemised“ definitiv nichts für schwache Nerven: Die Gewalt wird häufig sehr detailliert und brutal dargestellt und ist somit sicher nicht für jede Person geeignet.
Empfehlen würde ich das Buch vor allem Fans von Dark Fantasy, die Slow-Burn- und Enemies-to-Lovers-Dynamiken mögen und bereit sind, sich auf eine große, komplexe Welt einzulassen.