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Veröffentlicht am 17.06.2022

Wenn die Gegenwart stärker als die Gegenwart ist

Blue – Wo immer du mich findest
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Blue ist der zweite Band der Paper-Love Reihe und handelt von Jane, Davids jüngerer Schwester, und Alex, der Polohemd-Idiot, die wir bereits in Band 1 als Nebencharaktere kennenlernen. Beide Protagonisten ...

Blue ist der zweite Band der Paper-Love Reihe und handelt von Jane, Davids jüngerer Schwester, und Alex, der Polohemd-Idiot, die wir bereits in Band 1 als Nebencharaktere kennenlernen. Beide Protagonisten haben es nicht einfach im Leben gehabt und versuchen, ein halbwegs normales Leben zu führen. Während Alex‘ Leben seit der Kindheit zerschmettert wurde, wird Janes zusammengesetzte Welt auseinandergenommen. Denn sie erfährt etwas, das alles, woran sie bisher glaubte, zerstört. Und obwohl beide das Gefühl von Schmerz teilen, geraten sie aneinander und liefern sich einen Schlagabtausch nach dem anderen. Doch gleichzeitig nähern sie sich langsam an und können das Knistern zwischen sich nicht leugnen.

Wie immer ist Nikolas Schreibstil sehr bildhaft, flüssig und wortgewandt. Es lässt einen durch die Seiten und die Geschichte fliegen und träumen.

Die Geschichte ist gut aufgebaut und behandelt Stück für Stück ein schweres Thema nach dem anderen. Nicht nur die Probleme der Gegenwart, sondern auch die aus der Vergangenheit sind zu bekämpfen. Ich fand die Thematik um die Neuentdeckung Janes Lebensumstände (möchte nicht Spoilern, deswegen umschreibe ich’s so) richtig interessant und emotional. Jedes Mal, wenn das Thema aufkam, hatte ich so Gänsehaut und konnte die Wut, Verzweiflung und Unverständnis so deutlich spüren, als würde ich diese Emotionen wortwörtlich durchleben. Leider kommt das Thema für meinen Geschmack aber etwas zu kurz. Ich habe damit gerechnet, dass es eine viel größere Rolle im Buch spielen würde. Allerdings kommt es zu Beginn des Buchs auf, dann nach circa 200 Seiten und dann gegen Ende. Und die Auflösung am Ende konnte mich nicht ganz so überzeugen, da Jane sich vehement dagegen gewehrt und alles in die Schranken gewiesen hat. Dann auf einmal aber sich dem hingibt und eine Chance gibt. Dies ist allerdings ein kleiner Kritikpunkt. Besonders gut hat mir die Annäherung Janes und Alex‘ gefallen. Obwohl sie immer wieder aneinandergeraten, ohne dass groß was passieren muss - ja, eine einfache Limo kann der Grund dafür sein :D -, beginnt Jane langsam, Alex zu verstehen. Dadurch, dass das Buch aus beiden Perspektiven ist, lernen wir auch Alex‘ Gedanken kennen und ahnen, warum er so verbissen reagiert. Eigentlich ist er nicht wirklich kalt, er ist so geworden. Und sein ständiger innerer Kampf - all das konnten wir lesen und nachempfinden. Und auch wenn er Jane von sich schiebt, bleibt sie bei ihm und kämpft um ihn. Und das ist einer der schönsten Kämpfe, die ich gelesen habe. Besonders ihre Strähne „ich wünsche dir [etwas schlechtes wie lange Ärmel beim Händewaschen]“ waren meine Highlights. Es war so lustig und erfrischend, sie zu lesen! Und wenn keine kam, wusste man, dass die Lage ernst war.
Blue ist eine Geschichte über zwei junge Erwachsene, die ihren Weg im Leben suchen, der nicht von ihrer Familie vorbestimmt und vorgegeben ist. Alex und Jane lernen, wachsen, vertrauen sich an, machen Fehler und lernen dazu. Aber sie laufen immer weiter und geben nicht auf. Ihre Geschichte ist wirklich sehr schön, auch wenn sie von einem dunklen Mantel umgeben ist. Alex‘ Kindheit war nun leider nicht prickelnd. Von mir aus könnte die Autorin weiter ins Detail gehen - vielleicht bin ich etwas zu sehr abgehärtet -, aber so, wie sie die Thematik dargestellt hat, mit viel Liebe, Sanftmut und Sensibilität ist es genau richtig. Positiv empfand ich zudem, dass es kein unnötiges Drama gibt. Es werden wirklich viele verschiedene und wichtige Themen angesprochen, bei dem ein oder anderen sogar der Spieß umgedreht - soll heißen, dass man zum Beispiel ein Thema oft in Verbindung mit dem einen Geschlecht bringt, es aber andersherum beim anderen Geschlecht eher weniger beachtet wird, obwohl es ebenso wichtig ist, anzusprechen -, es wird respektvoll miteinander umgegangen und die Grenzen des anderen respektiert und eingehalten, man akzeptiert Verschiedenheiten und andere Meinungen. Einfach gesagt: Jane und Alex harmonieren und suchen ihren gemeinsamen Weg. So, wie es im Leben sein sollte. Blue ist eine schöne Geschichte über Eigenständigkeit und Unabhängigkeit, das Leben und die Liebe und vieles mehr.
Bis auf die einzige Kleinigkeit, die ich mir gewünscht habe, bin ich wunschlos glücklich.

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Veröffentlicht am 09.06.2022

Jahreshighlight mit Suchtfaktor

Ever – Wann immer du mich berührst
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Ever - Wann immer du mich berührst ist ein Titel, der nicht nur perfekt den Inhalt der Geschichte einfängt, sondern den Lesenden tatsächlich berührt. Ein Roman, der unter die Haut geht. Ein Roman, der ...

Ever - Wann immer du mich berührst ist ein Titel, der nicht nur perfekt den Inhalt der Geschichte einfängt, sondern den Lesenden tatsächlich berührt. Ein Roman, der unter die Haut geht. Ein Roman, der die Seele berührt. Ein Roman, der das Herz ergreift. So ehrlich, verzweifelnd und bitter. Ganz die Realität.

In diesem Buch geht es um David und Abbie. Abbie, die wohlhabend ist, ein schwieriges Verhältnis zu ihrer mom hat und sich gerade in der Reha befindet, da sie einen Unfall hinter sich hatte. Nichts will sie lieber, als wieder nach Hause gehen und wieder laufen zu können, vor allem aber diese verdammten Schmerzen loszuwerden. Und dann ist da David. David, der es nie leicht hatte. Nicht nur finanziell, sondern auch im allgemeinen im Leben. Ziemlich früh lernt er, Verantwortung zu tragen. David, der einfühlsam, fürsorglich, verdammt weise und liebenswürdig ist. Doch er hat ein Geheimnis und möchte unter keinen Umständen Abbies Physiotherapeut werden. Aber das Schicksal und die Sterne haben einen anderen Plan. Ob es gut läuft?

Ach herrje. Es ist schon ein paar Wochen her, als ich dieses wunderbare Buch gelesen habe. Aber die Gefühle, die es in mir ausgelöst hat, sind genauso präsent wie die Figuren in meinem Kopf. Abbie und David wollen mich nicht loslassen. Ihre Geschichte ist, finde ich, sehr - hmm, wie beschreibe ich die Geschichte? Sie ist ehrlich, rau, lieb, mit Kanten und Ecken, aber auch bitter und voller Verzweiflung. Und traurig und grau. Zwischendurch scheint auch die Sonne, aber die Gewitterwolken sind uns jederzeit dicht auf den Fersen und sitzen uns wirklich wortwörtlich im Nacken. Und dieses Wissen verursacht eine unangenehme Anspannung in uns, die uns nie loslässt. David erzählt uns von seinem Leben, das mich so berührt hat. Und dennoch ist aus den Scherben ein wundervoller und einzigartiger Mann herangewachsen. Und Abbie ist so menschlich. So Abbie einfach. Ich habe keinen einzigen Kritikpunkt. Die Geschichte ist von Seite eins bis zum Ende einfach nur krass, spannend und hat mich mit jedem weiteren Buchstaben in ihren Bann gezogen. Meine Augen klebten förmlich an die Worte. Nicht zuletzt dank des Schreibstils der Autorin, der der Geschichte den letzen Touch an Magie und Zauber verleiht. Alles ist stimmig, es gibt kein unnötiges Drama, nur Ehrlichkeit, ausgesprochene Worte und so viele süße Momente. Vor allem das Ende raubt einen den letzten Nerv, den man noch hat. Boah, ich glaube, noch nie habe ich so sehr geflucht wie am Ende, weil David und Abbie mich echt kirre gemacht haben. Eine sehr nervenaufreibende Geschichte, die mich durch Himmel und Hölle gehen ließ, die mich hat leiden lassen, aber auch Liebe geschenkt und mir gezeigt, was es wirklich bedeutet, zu lieben und leben. Es gibt so viele wahre Worte, Weisheiten und Messages in ihrer Geschichte. Ich bin einfach nur begeistert und angetan von David und Abbie. Vor allem aber habe ich einen Riesen Respekt an die Autorin, was die Recherche betrifft. Ich bin zwar keine Physiotherapeutin, aber Medizinstudentin, und weiß, wie viele Wälzer man durchblättern muss, um die Thematik zu verstehen. Und dieser Aspekt - also der medizinische - ist Nikola so gut gelungen, dass ich einfach nur baff war. So detailgetreu, aber ohne dass es langweilig wurde, durften wir David über die Schulter blicken und mit ihm Physiotherapie machen. Und natürlich finden wir einige bekannte Gesichter aus der Blakeley Love Reihe wieder. Besonders Noah, hach, da habe ich gemerkt, wie sehr ich ihn vermisst habe. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich immer David nehmen. Also lest dieses Buch und wählt David!

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Veröffentlicht am 01.06.2022

Intensiv mit Dauerzustand Gänsehaut

It was always love
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In diesem Buch geht es um Noah und Aubree. Noah ist der jüngere Bruder von Asher und Aubree die beste Freundin von Ivy. Nach einem Vorfall auf ihrer Uni steht Aubree vor den Scherben ihres Lebens. Sie ...


In diesem Buch geht es um Noah und Aubree. Noah ist der jüngere Bruder von Asher und Aubree die beste Freundin von Ivy. Nach einem Vorfall auf ihrer Uni steht Aubree vor den Scherben ihres Lebens. Sie versteckt sich eine Weile bei Ivy und möchte nicht reden, denken, sprechen und leben. Sondern einfach nur existieren. Doch Noah macht ihr einen Strich durch die Rechnung …

Wo fange ich nur an? Bereits in Band 1 habe ich Noah ins Herz geschlossen und nach diesem Buch? Der Typ hat sich sowas von in meinem Herzen gemeißelt! Die Geschichte lässt sich zwar sehr schön und leicht lesen, liegt jedoch etwas schwerer im Magen, da es wichtige Themen anspricht.

Nikolas Schreibstil ist wie immer einfach nur perfekt. Nie stolpert man über einen Satz, muss ihn zweimal lesen oder die Stirn runzeln. Sie schreibt so wundervoll, greift die Gefühle der Protagonisten einwandfrei auf und verformt sie in Worten. Worten, die uns dann auf der Seele brennen. Weil sie so ehrlich, authentisch, tiefgreifend und erfrischend sind.

It was always love ist mein liebster Teil der Blakely Brüder Reihe. Was nicht nur an Noah liegt - ja, Noah als Grund ist ausreichend - sondern auch an Aubree und wie tapfer sie sich schlägt. Sie macht so eine starke Entwicklung durch und das beste an all dem ist, dass nicht Noah sie rettet, sondern Aubree sich selbst. Es ist keine der weiße Ritter kommt und rettet mich Geschichte. Es ist eine der weiße Ritter gibt mir noch mehr Ansporn und Reiz, mich selbst zu retten, während ich auch ihn zur Rettung verhelfe. Es ist ein nehmen und geben, sich gegenseitig unterstützen, fordern und helfen. Das schönste an all dem war zudem, dass es so viele Noah und Aubree Momente gab, so viele Szenen zwischen ihnen, die alle die Handlung, den Verlauf der Geschichte und die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden förderte und fortbrachte. Schade fand ich, dass das Buch nur aus Aubrees Perspektive ist. Ich hätte mir tatsächlich gewünscht, auch in Noahs Kopf sein zu dürfen. Denn da ist eine dicke Diskrepanz zwischen Noah, wie wir ihn durch Aubree kennenlernen - respektvoll, einfühlsam, liebevoll und feinfühlig - und wie wir ihn in Anwesenheit seiner Familie zu Gesicht bekommen - respektlos, laut, rebellisch und einfach nur ein Idiot. Aubree ist zu Beginn verschlossen, erzählt uns häppchenweise, was passiert ist. Zwar haben wir eine Vermutung und Vorahnung, zappeln aber lange im Dunkeln, was genau wirklich passiert ist. Was uns nicht verschwiegen wird, sind die Gefühle. Nikola hat diese so atmosphärisch eingefangen und so prägnant beschrieben, dass Aubrees Verzweiflung, Wut und Hilflosigkeit förmlich auf mich rübergesprungen ist. Ich habe wirklich mit ihr mit gezittert und wusste nicht mehr, wo oben und unten war. hat, merkt man, wie sehr es uns psychisch einnimmt. Die ganze Geschichte hinweg habe ich meinen Atem angehalten, mich in Noah und Aubree Hals über Kopf verliebt, mit ihnen gelernt, gezittert, geweint und gelebt, vor allem gefühlt. Und dann kamen glücklicherweise Szenen mit Noah, die mein Herz schneller schlagen lassen haben. Mit ihm war alles einfacher und unbeschwerter und Nikola ist es gelungen, diese komplett anderen Gefühle ebenfalls zu meiner Seele durchdringen zu lassen. Es gibt einfach so viele Sätze, die ich markieren könnte, so viele intensive Szenen zwischen Noah und Aubree. Das beste war, dass sie sich emotional genähert haben und eine emotionale Intimität entstand. Und ich bin ein großer Fan davon, wenn die Bindung auf emotionaler Ebene aufgebaut wird. Eine Szene nach der anderen war noch intensiver und vereinnahmender, dass ich Dauergänsehaut hatte. Zwischendurch kommen auch mal Szenen mit anderen Menschen und wo Noah nicht auftaucht. Aber glücklicherweise sind sie nicht so lang und viele und außerdem wichtig für Aubree.
Schließlich wird das nicht so geheime Geheimnis aufgelöst, wie und was genau passiert und nicht passiert ist. Ich fand es wundervoll gemacht und Hut ab für Nikola, dass sie ein so sensibles Thema so feinfühlig eingebaut hat. Es war alles so stimmig und harmonisch gemacht. Nichts überspitzt oder zu wenig, zu schnell. Das einzige, wo ich mir mehr Erklärung gewünscht hätte, ist tatsächlich Noahs Geschichte. Auch wenn das Buch nur aus Aubrees POV beschrieben ist, geht es auch um Noah und dass Aubree ihm hilft, zu sich zu finden. Ich konnte Noahs Gründe für sein Verhalten teilweise nachvollziehen, teilweise hatte ich das Gefühl, dass etwas noch fehlte. Ein letzter Puzzleteil, damit ich das Gesamtbild hätte. Aber dieser Punkt ist echt minimal und sehr wahrscheinlich nur subjektiv, weil ich mehr Drama oder Spektakuläres erwartet habe. Sonst ist das Buch echt sehr schön mit so vielen krassen Szenen. Erst nachdem man das Buch beendet hat, merkt man, wie sehr psychisch das Buch einen mitnimmt. Und es ist so süchtig machend, dass man wie ein Junkie mehr und mehr möchte. Bis schließlich das Ende da ist. Und es ist einer der schönsten Enden, die ich je gelesen habe. Wer bis hierhin meine Liebe für das tolle Buch nicht gespürt und gemerkt hat, hier noch mal: lest dieses wundervoll perfekte Buch und lasst euch verzaubern, Gefühle fühlen lassen, die ihr nicht kanntet, und eintauchen in einer sehr intensiven Welt.

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Veröffentlicht am 29.05.2022

Mutige Protagonistin trifft auf grumpy cat

It was always you
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Dies ist der erste Band einer unabhängig lesbaren Dilogie, in der es um Ivy und Asher geht. Ivy ist Asher’s und Noah‘s Stiefschwester und wird nach dem Tod ihrer Mutter nach einigen Jahren von ihrem ...



Dies ist der erste Band einer unabhängig lesbaren Dilogie, in der es um Ivy und Asher geht. Ivy ist Asher’s und Noah‘s Stiefschwester und wird nach dem Tod ihrer Mutter nach einigen Jahren von ihrem Stiefvater zurück nach Hause gebeten. Unwillig kommt Ivy dieser bitte nach. Was ein kurzfristiger Aufenthalt werden sollte, entpuppt sich zu einer Überraschung und längerem Aufenthalt. Denn nicht nur ihr Stiefvater hat etwas zu Beichten, auch die Begegnung mit Asher bleibt nicht ohne.

Das Buch wird in der Ich-Perspektive aus Ivy’s Sicht geschrieben. So können wir nicht in Asher’s Kopf reinkommen, was ich unglaublich gefunden hätte, aber Ivy erzählt uns detailgetreu ihre Geschichte.

Nikolas Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm zu lesen, an den richtigen Stellen poetisch und tiefgründig.

Die Geschichte beginnt mitten im Geschehen, als Ivy nach Hause fliegt. Direkt im Flugzeug trifft man auf Asher. Die Autorin lässt uns also nicht lange zappeln, bis wir den Loveinterest treffen. An sich ist die Handlung ruhig, es passiert nicht viel. Man weiß jedoch, dass die Spannung und die Auflösung rund um die Geschehnisse vor vier Jahren, Asher’s Narben und Ivy’s hastiges Verlassen sich in einem Höhepunkt anbahnen. Auch ahnt man durch die Hinweise der Autorin, dass ein großes Missverständnis all dem zugrunde liegt und möchte dieses nur noch aufheben. Was allerdings nicht so schnell geht. Obwohl die Geschichte sich gut lesen lässt und der Schreibstil echt toll ist, hat es mir an manchen Stellen an Gefühlen oder Bauchkribbeln gefehlt. Auch wenn Asher ein grumpy cat ist, stört mich das nicht. Aber irgendwie hat er keine Gefühle in mir auslösen können. Auch Ivy’s direkte und mutige Art habe ich sehr genossen und geliebt, aber leider keine 100%ige Bindung zu ihr aufbauen können. Zudem hätte ich mir mehr Szenen und Geschehnisse zwischen Asher und Ivy gewünscht. Bei beiden sind die Gefühle schon da und ich hatte das Gefühl, als Leser nicht ganz in ihre Geschichte eintauchen zu können. Dass da etwas fehlte, ein letzter Puzzleteil oder mehr, wo ich die Gefühle nachvollziehen könnte. Da hätte ich mir mehr tiefe gewünscht. Sonst gab es auch viele Szenen, wo Asher nicht auftauchte, mehr Ivy und Harper Momente oder mit anderen Leuten. Die Szenen mit Noah oder ihrem Stiefvater fand ich sehr schön und teilweise auch süß. Aber natürlich ist das mein Empfinden und nicht jeder muss es so auffassen.
Nichtsdestotrotz ist es ein schönes Buch mit viel Potenzial und Luft nach oben. Das Ende fand ich wiederum schön.

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Veröffentlicht am 20.05.2022

Dreiecksbeziehung Teenie Drama und wenig Dystopie

CHASING AFTER
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Chasing after ist der Auftakt einer Trilogie, das mit seinem Titel, Cover und Klappentext sehr vielversprechend erscheint. Vor allem durch den Klappentext war ich sehr neugierig. Das Buch beginnt auch ...

Chasing after ist der Auftakt einer Trilogie, das mit seinem Titel, Cover und Klappentext sehr vielversprechend erscheint. Vor allem durch den Klappentext war ich sehr neugierig. Das Buch beginnt auch sehr gut, nicht zu viel infodumping, nicht zu wenig Info, genau passend. Es ist ein dystopisches New Adult, das in einer Zeit abspielt, wo jedes System, das wir so kennen, in sich zusammengefallen ist. Alex lebt in einer Kolonie mit festen Regeln und Prinzipien, damit das Miteinander funktioniert. Als sie eines Tages in die Stadt geschickt wird, um etwas zu besorgen, geschehen unerwartete Dinge und so kommt sie mit einer Überraschung wieder zurück. Und da beginnt der Fokus sich auf die Liebesgeschichte zu setzen. Denn Alex ist eigentlich mit ihrem Freund Haze zusammen, doch fühlt sich zu Aiden, ihrem Jugendschwarm und der Typ, den sie mitgebracht hat, hingezogen. Chaos vorprogrammiert.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und angenehm, sodass das Buch sich wirklich gut und schnell lesen lässt.

Die Welt, die die Autorin aufgebaut hat, ist sehr interessant gestaltet und hört sich vielversprechend an. Doch leider bekommt man von dieser nicht viel mit. Tatsächlich hätte ich mir ab einem Zeitpunkt etwas mehr Informationen oder Details zum Hintergrund gewünscht. Wie kam es zu diesem Kollaps? Wie sieht die „Außenwelt“ aus? Denn Alex und ihre Kolonie leben ummauert und abgeschottet vom Rest, um sich schützen zu können. Hier und da erhält man die Info, dass außerhalb eher Krieg als Frieden herrscht und es gefährlich ist. Mehr leider nicht. Aber vielleicht kommt es ja im zweiten Band vor, wer weiß.

Da das Buch als dystopische New Adult vermarkt wird, habe ich mir einen Mix aus New Adult und Dystopie vorgestellt. In Wahrheit überwiegt der Part der Liebesgeschichte, bis in den letzten ~ 180 Seiten die Dystopie richtig zur Geltung kommt. Die Liebesgeschichte ist aber auch nicht wie eine klassische New Adult anzusehen - so zumindest habe ich sie nicht aufgefasst. Eigentlich beschreibt Alex sich selbst als kindisch und hormongesteuertes Teenie, als sie ihren Schwarm sieht. Und meiner Meinung nach trifft das genau auf sie und die Dreieckbeziehung zu. Es fühlt sich alles wie in einem Teenie Roman an, wenn die Protagonistin sich nicht entscheiden kann: bleibe ich mit meiner Vergangenheit zusammen oder doch mit der Zukunft? Für mich persönlich war das Hin und Her etwas zu viel mit zu großem Aufmerksamkeitsanteil. Ich hätte mir mehr dystopische Elemente gewünscht. Vor allem, weil sich alles wiederholte: Alex will sich von Aiden fernhalten, klappt aber nicht; Alex versichert ihrem Freund, dass nichts zwischen ihr und Aiden läuft, reagiert aber körperlich, sobald sie Aiden sieht; Alex im ständigen Streit mit ihrem Freund und Aiden, der weiß, dass sie einen Freund hat, aber nicht vom Flirten abhält. Alex ist kein Teenie mehr und sollte meinem Empfinden nach dementsprechend handeln. So ist sie sich selbst und den beiden Jungs gegenüber nur unfair. Zudem habe ich eine Sache nicht ganz verstanden, bis sie irgendwann später im Buch angeschnitten wird, aber noch nicht 100ig zu mir durchgedrungen ist: warum ist Aidens Vergangenheit Tabuthema? Und gefährlich für die Kolonie, dass Alex es sich für sich behält?

Alex - ja, sie war für mich ein etwas schwierig zu ergreifender Charakter. Sie selbst ist tough und wurde authentisch geschrieben, aber meine Sympathie hat sie leider nicht bekommen, weil ich mich nicht mit ihren Entscheidungen identifizieren konnte. Sie hätte mit Haze Schluss machen sollen, mehr sage ich nicht dazu.

Haze ist mit Abstand der beste und mir der liebste Charakter im ganzen Buch. Er hat es nicht verdient, so behandelt zu werden, wie er wird bzw. wurde.

Aiden - kompliziert. Er ist ein zu perfekter, zu glatter und zu gemachter Charakter. Die Frage ist jetzt, ist es sein wahres ich oder das, was er uns vorspielt und im Hinblick auf seine Vergangenheit passend ist? Man weiß es nicht. Die Fragen, die er jedoch Alex bezüglich der Kolonie und ihr Aufbau stellt, haben mich misstrauisch werden lassen. Ist die Welt doch anders? Ist Aiden nicht zufällig hier, sondern verfolgt seine Ziele? Fragen über Fragen.

Nachdem ganzen wen-will-ich kamen dann die ersten Überraschungen. Für meinen Geschmack viel zu spät, sodass die Vorfreude etwas verflogen ist und ich nicht mehr so viel Spaß hatte wie zu Beginn. Dann kamen die ersten Kämpfe und Probleme und endeten in einem sehr blöden Cliffhanger.

Abschließend kann ich sagen, dass mir das ganze um die Dreieckbeziehung den Spaß verdorben und mir die Lust beim dystopischen Teil eingedimmt hat. Eigentlich mag ich diesen Trope nicht und vermeide ihn. Leider wäre ich im Leben nie darauf gekommen, dass es eine Dreieckbeziehung herrschen würde, da weder KT noch sonst was es preisgeben. Aber genau dieser Punkt könntet ihr lieben. Deswegen bildet euch eure eigene Meinung.

Rezensionsexemplar

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