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Veröffentlicht am 08.12.2019

Ermittlungen im australischen Sumpf

Crimson Lake
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Worum geht’s?
Es brauchte nur sechs Minuten und ein paar Zeugen, um das Leben von Streifenpolizist Ted Conkaffey zu zerstören. Er soll ein kleines Mädchen vergewaltigt haben, die Anklage wird aber nach ...

Worum geht’s?
Es brauchte nur sechs Minuten und ein paar Zeugen, um das Leben von Streifenpolizist Ted Conkaffey zu zerstören. Er soll ein kleines Mädchen vergewaltigt haben, die Anklage wird aber nach knapp acht Monaten Haft aus Mangel an Beweisen fallen gelassen. Um der Horde wütender Menschen zu entgehen, die es fortan auf ihn abgesehen haben, lässt er sich in dem kleinen Örtchen Crimson Lake nieder. Dort trifft er auf Amanda Pharrell, eine verurteilte Mörderin, die nach ihrer Haftentlassung eine Privatdetektei eröffnet hat. Gemeinsam ermitteln die beiden im Fall eines verschwundenen Autors, dessen geheimes Doppelleben zunächst der Grund für sein Verschwinden zu sein scheint.


Meine Meinung
Das Cover ist ehrlich gesagt nicht so wirklich mein Fall, auch wenn es theoretisch zu meiner Vorstellung von der Gegend um Crimson Lake passen würde.

Der Schreibstil ist manchmal etwas trocken und verfängt sich an einigen Stellen in Details, aber im Großen und Ganzen kann man die Geschichte trotzdem noch relativ gut runter lesen. Gerade zu Anfang läuft die Geschichte nur relativ schleppend an und beleuchtet zunächst mehr Ted und seinen Fall, was zum Kennenlernen des Charakters hilfreich, aber meiner Meinung nach nicht besonders elegant gelöst ist. Die Details seines Falles hätte man eventuell ähnlich wie bei Amanda nur stückchenweise in die Geschichte mit einfließen lassen können, um so mehr Spannung zu erzeugen.

Ted wirkt wie der nette Kerl von nebenan, dessen Leben zerstört wurde, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war. Was mir an der Gestaltung seines Charakters wirklich gut gefallen hat war, dass er nicht völlig unberührt von den Ereignissen und seiner Inhaftierung geblieben ist. Er hat immer wieder mit Panikattacken zu kämpfen und hält sich mit der Hoffnung aufrecht, seine Tochter Lillian irgendwann wiedersehen zu dürfen. Dadurch wirkt er authentischer und hat mir als Leser wirklich Leid getan.

Amanda ist ein eher schwieriger Charakter mit sehr spezielle Ansichten und Verhaltensweisen, die so gut wie jeden vor den Kopf stößt. Ihr Auftreten wirkt auch auf den Leser sehr befremdlich, da sie alles mit übertriebenem Humor nimmt und in jedem zweiten Satz reimt. Auf Dauer war mir das etwas zu viel und ich konnte nicht so wirklich warm mit ihr werden.

Was mir insgesamt nicht ganz so gut gefallen hat, war der Aufbau der Geschichte. Der erste Teil fokussiert sich fast ausschließlich auf Teds Hintergrundgeschichte und behandelt den von mir eigentlich an dieser Stelle erwarteten Fall so gut wie gar nicht. Erst in der zweiten Hälfte wurden dann die Ermittlungen zum Thema, wobei ich auch hier teilweise das Gefühl hatte, dass man als Leser nicht wirklich mit Erkenntnissen gefüttert wird und die Handlung eine ganze Weile lang nur sehr schleppend voran kommt.

Die finale Auflösung wirkte auf mich zwar schon sehr überraschend, gleichzeitig aber irgendwie auch ein bisschen zu gewollt. Ich wäre im Leben nicht auf den Täter gekommen, und das Motiv erscheint mir dann doch etwas fragwürdig.

Auch wenn man sich meiner Meinung nach deutlich mehr mit dem Vermisstenfall hätte beschäftigen sollen, wollte ich irgendwie trotzdem wissen, wie sich der Fall auflösen würde. Insgesamt fehlte mir für einen Thriller aber eindeutig die Spannung, und da Crimson Lake als mehrteilige Reihe geplant ist, hätte man die Details der Hintergrundgeschichten der beiden Ermittler auch gut und gerne deutlich reduzieren bzw. auf die Folgebände verschieben können.


Fazit
Mit Crimson Lake hat Candice Fox einen eigentlich ganz nett zu lesenden Krimi geschrieben, der mich als Leser jedoch nicht durchgehend fesseln konnte. Der Fokus der Geschichte liegt zunächst vor allem auf den Hintergrundgeschichten der beiden Hauptfiguren und beschäftigt sich erst spät mit dem eigentlich zu behandelnden Fall.

Im Großen und Ganzen war die Geschichte eigentlich doch ganz interessant zu lesen und auch die Lösung des Falls hat mich schon interessiert. Wer hier aber einen packenden Thriller erwartet, wird mit Sicherheit enttäuscht sein.

Dafür gibt es von mir drei Bücherstapel

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.11.2019

Eine schöne Mischung aus Thriller und Romantik

Er wird dich jagen
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Worum geht’s?
Journalistin und Bestsellerautorin Carmen Jacobs zieht sich über Weihnachten in eine einsame Hütte im Wald zurück, um sich nach der Veröffentlichung ihres Buches von dem damit einhergehenden ...

Worum geht’s?
Journalistin und Bestsellerautorin Carmen Jacobs zieht sich über Weihnachten in eine einsame Hütte im Wald zurück, um sich nach der Veröffentlichung ihres Buches von dem damit einhergehenden Stress zu erholen. Soweit zumindest der Plan, denn als sie auf ihrer Veranda über einen Umschlag mit Fotos von ermordeten Frauen stolpert, ist es ganz schnell vorbei mit der Winteridylle. Die Polizei hält die Fotos lediglich für einen Trick, um den Verkauf ihrer Bücher anzukurbeln und sieht keine Veranlassung dazu, Ermittlungen anzustellen. Völlig verzweifelt bittet Carmen den IT-Experten Griffin Archer um Hilfe, der zunächst gar nicht begeistert von ihrem Auftauchen ist, da Carmen in der Vergangenheit nicht gerade ehrlich zu ihm war. Trotz aller verletzten Gefühle erkennt er jedoch bald, dass er der einzige ist, der Carmen dabei helfen kann den Killer aufzuhalten.

Er wird dich jagen ist der zweite und bisher letzte ins Deutsche übersetzte Teil der Romantic-Suspence-Reihe von Alexandra Ivy. Die Handlung ist auch ohne Vorkenntnisse aus dem ersten Teil Er wird dich finden problemlos zu verstehen, empfehlenswert wäre es aber trotzdem, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen.


Meine Meinung
Das Genre Romantic-Suspence hat mir vorher tatsächlich noch nichts gesagt, weshalb ich auf jeden Fall gespannt war, was mich bei dieser Art der Geschichte erwarten würde.

Das Cover konnte ich im ersten Moment nicht wirklich mit der Handlung in Verbindung bringen und jetzt nach dem Lesen des Buches bin ich mir ziemlich sicher, dass man da auch problemlos ein anderes Motiv mit mehr Bedeutung hätte wählen können.

Der Schreibstil hat mir überwiegend gut gefallen, lediglich an einigen Stellen hätte man sich wirklich kürzer fassen können um unnötige Längen zu vermeiden. Das galt besonders für das ganze Hin und Her zwischen Carmen und Griffin, dessen Ende jetzt nicht gerade unvorhersehbar war, und leider auch für die Parts, in denen der Mörder im Vordergrund stand.

Was mich leider auch immer mal wieder gestört hat, waren die ewigen und sich ständig wiederholenden Beschreibungen von Carmens Äußerem. Sie soll ja eigentlich eine selbstbestimmt und taffe Persönlichkeit darstellen, doch wenn man mir dreißig Mal erzählt, dass die Protagonistin ja ach so engelsgleich und blondgelockt ist, dann kann ich das ehrlich gesagt nicht mehr wirklich ernst nehmen.

Die Thriller-Aspekte wurden spannend umgesetzt und der Leser wird durch mehrere Wendungen auf der Suche nach dem Mörder immer wieder in die Irre geführt. Besonders mit der Endszene und der Demaskierung des Täters hat die Autorin ein packendes Finale geschaffen, das mich atemlos zurück gelassen hat. Wirklich rund wäre der Schluss dann allerdings nur gewesen, wenn man sich einen realistischen Grund ausgedacht hätte, durch den Carmen in die Gewalt des Täters gekommen ist. Ignoriert man diese kleinen Schwächen jedoch, war diese Geschichte durchaus spannend zu lesen und verbindet zwei sehr gegensätzliche Genres ganz passend miteinander.


Fazit
Mit Er wird dich jagen hat Alexandra Ivy eine schöne Mischung aus Thriller und Romanze kreiert. Abgesehen von kleinen Schwächen beim Schreibstil ist die Geschichte gelungen und hat mir beim Lesen Spaß gemacht. Die Verbindung von zwei so gegensätzlichen Genres wie Romantik und Thriller ist eventuell nicht für jeden etwas, aber mir persönlich gefällt diese Idee wirklich gut und ich bin auf jeden Fall gespannt, ob die Folgebände dieser Reihe bald ins Deutsche übersetzt werden.

Dafür gibt es vier Bücherstapel von mir

  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 28.11.2019

Ein Kurzurlaub in der Provence

Verhängnisvolle Provence
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Worum geht’s?
Für Kommissarin Hannah Richter endet der wohlverdiente Urlaub bei ihrem Lebensgefährten Serge abrupt, als in Köln die Leiche eines Franzosen gefunden wird. Der Mann war Mitarbeiter in einer ...

Worum geht’s?
Für Kommissarin Hannah Richter endet der wohlverdiente Urlaub bei ihrem Lebensgefährten Serge abrupt, als in Köln die Leiche eines Franzosen gefunden wird. Der Mann war Mitarbeiter in einer kleinen, familiengeführten Kosmetikfabrik bei Vaison-la-Romaine, welche kurz vor dem Release einer erfolgversprechenden Produktlinie steht. Hannah, die schon einmal in der Gegend gearbeitet hat, wird zu Ermittlungen vor Ort abgestellt. Kaum taucht sie tiefer in den Fall ein, wird auch schon eine weitere Leiche gefunden. Auch diesmal handelt es sich um eine Angestellte von COSVINECO, und schon bald wird den ermittelnden Beamten klar, dass ihnen für die Aufklärung des Falles nicht mehr viel Zeit bleibt.

Verhängnisvolle Provence ist nach Mord in der Provence und Tödliche Provence bereits der dritte Teil der Reihe um Hannah Richter.


Meine Meinung
Schon das Cover versprüht einen ganz typischen Provence-Flair und wirkt dabei gleichzeitig sehr gemütlich. Der Schreibstil ist oftmals sehr detailliert, aber angenehm zu lesen und erzeugt direkt tolle Landschaftsbilder im Kopf.

Je mehr der Handlung in Frankreich spielt, desto netter wird auch die Gesamtatmosphäre der Geschichte. Obwohl die beiden Mordfälle und auch die Ermittlungen fast durchgehend Thema der Erzählung sind, hatte ich als Leser nicht wirklich das Gefühl, einen Krimi zu lesen. Das lag noch nicht einmal so sehr daran, dass auch immer mal wieder Hannahs Privatleben und das Leben in der Provence ganz allgemein in den Vordergrund rückt, als vielmehr an der Wohlfühlatmosphäre, die sich relativ schnell aufgebaut hat.

Der Spannungsbogen verläuft relativ linear, bleibt aber zumeist eher flach. Die Ermittlungen tröpfeln so vor sich hin, es wird viel gekocht und dann taucht irgendwann noch eine zweite Leiche auf. Obwohl man die Arbeit der Ermittler direkt verfolgen konnte, hatte ich irgendwie das Gefühl, dass immer eine gewisse Distanz zwischen Fall und Leser bestand und man nicht wirklich in die menschlichen Abgründe eintauchen konnte, die sich eigentlich hätten auftun können. Für mich war es da tatsächlich irgendwie spannender herauszufinden, wie die weitere Zukunftsplanung von Hannah und ihrem Freund Serge aussieht.

Mir als absolutem Frankreich – Fan haben die besonders in Gesprächen immer wieder auftauchenden französischen Ausdrücke gut gefallen, weil sie das Geschehen ein wenig lebensnaher gemacht haben und das Gesamtbild der Geschichte gut ergänzen. Am Ende wurden diese auch noch mal übersetzt, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass jemand, der kein Französisch spricht sich eventuell ein wenig in seinem Lesefluss gestört fühlen könnte.

Ein wenig gestört hat mich dann die Auflösung der beiden Mordfälle. Mit dem Täter im zweiten Mordfall, der gleichzeitig auch verantwortlich für den Betrugsversuch bei der neuen Produktlinie von COSVINECO ist, habe ich überhaupt nicht gerechnet. Normalerweise sind überraschende Wendungen ja eigentlich etwas absolut Positives, nur hier wirkten Täter und Motiv leider ein wenig an den Haaren herbei gezogen und sehr willkürlich gewählt. Hätte es zuvor ein oder zwei Hinweise gegeben, die wenigstens ansatzweise in diese Richtung gedeutet hätten werden können, wäre mir das Ende vielleicht nicht ganz so urplötzlich vorgekommen. Fast das selbe gilt auch für den ersten Mord, denn dessen Aufklärung wird im Epilog mit wenigen Sätzen abgehandelt. Zu meinem Gesamteindruck vom Buch passt diese Herangehensweise sogar irgendwie, aber ein richtiges Krimi – Feeling kam bei mir deshalb einfach nicht auf.


Fazit
Mit Verhängnisvolle Provence hat Sandra Åslund vor allem einen Wohlfühlkrimi geschaffen, der den Leser auf einen Kurzurlaub nach Südfrankreich entführt. Mit übermäßiger Spannung darf man hierbei jetzt nicht rechnen, und auch die Aufklärung der beiden Mordfälle wird auf passionierte Krimileser eher etwas befremdlich und sehr hektisch wirken.

Wer sich aber gerne mit der Zusammensetzung von Naturkosmetik und dem Lebensgefühl der Provence beschäftigt, dem wird dieses Buch auf jeden Fall gefallen. Ich persönlich habe mich beim Lesen dieses Buches sehr wohl gefühlt, auch wenn ich gegen etwas mehr Spannung nichts einzuwenden gehabt hätte.

Dafür gibt es vier Bücherstapel von mir

Veröffentlicht am 24.11.2019

Eine spannungsgeladene Zeitreise

Die Schuld jenes Sommers
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Worum geht’s?
Im April 1942 fallen Bomben auf die englische Stadt Bath. Mitten im Chaos verschwindet der kleine Davy, auf den Frances eigentlich hätte aufpassen sollen. Verzweifelt macht sie sich auf eine ...

Worum geht’s?
Im April 1942 fallen Bomben auf die englische Stadt Bath. Mitten im Chaos verschwindet der kleine Davy, auf den Frances eigentlich hätte aufpassen sollen. Verzweifelt macht sie sich auf eine aussichtslos erscheinende Suche, denn Davy war schon immer ein wenig anders als die meisten Kinder und auch die deutschen Bomber fliegen noch immer Angriffe auf ihre Heimatstadt. Kurz darauf wird das Skelett eines kleinen Mädchens gefunden, verscharrt im Garten ihrer eigenen Familie. Für Frances ist das ein Schock, denn das tote Mädchen ist ihre beste Freundin Wyn, die vor 24 Jahren verschwand und nie wieder aufgetaucht ist. Während sie die Stadt auf der Suche nach Davy durchkämmt, taucht Frances auch in ihre Vergangenheit ein und will unbedingt herausfinden, was wirklich im Sommer 1918 geschah.


Meine Meinung
Die Schuld jenes Sommers spielt vor einer sehr bedrückenden Kulisse. Der Zweite Weltkrieg ist in vollem Gange, die Stadt Bath wird bombardiert und die Umgebung wird größtenteils von Zerstörung geprägt. Dazu kommen noch Frances erdrückende Schuldgefühle, die man als Leser sehr deutlich zu fühlen bekommt.

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm zu lesen und wirklich sehr detailreich. An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, die Landschaft besser zu kennen als den Ausblick von meinem Bürofenster und hätte nichts dagegen gehabt, wenn es da ein bisschen schneller mit der eigentlichen Geschichte hätte weiter gehen können.

Besonders spannend fand ich auch die Zeitsprünge zwischen 1942 und 1918, dem Jahr in dem Wyn verschwand. So konnte man neben der eigentlichen Handlung auch die Geschehnisse in der Vergangenheit nachvollziehen und Informationen aus diesen Perspektivwechseln mit Ereignissen aus der „Gegenwart“ verknüpfen. Den einzigen Nachteil dieser Darstellungsform sehe ich leider darin, dass man als Leser relativ häufig aus der aktuellen Handlung herausgerissen wird und der Lesefluss nie von besonders langer Dauer ist. Darüber hinaus hatte ich bei den meist sehr unterschiedlich langen Kapiteln teilweise Probleme, mich nach einem Zeitsprung wieder in der Handlung zu orientieren und nicht den Überblick zu verlieren.

Mit Frances als Protagonistin konnte ich einfach nur Mitleid haben. Sie musste schon sehr früh in ihrem Leben einige traumatische Erlebnisse wegstecken und schützt sich selbst durch Verdrängung. Ein großer Teil des Spannungsbogens wird auch dadurch aufrecht erhalten, dass sich Frances an wichtige Schlüsselerlebnisse aus dem Sommer 1918 nicht mehr erinnern kann und sie sich dessen auch voll bewusst ist. In beiden erzählten Zeiten werden immer nur gerade genug neue Details und Informationen eingestreut, dass man als Leser nur Vermutungen über die Geschehnisse und mögliche Täter anstellen kann.

Die finale Auflösung hat mich schlussendlich erschüttert und wirklich überrascht. Ich hatte zeitweise zwar tatsächlich einen Verdacht, wer eventuell der Täter sein könnte, aber gerechnet habe ich damit definitiv nicht. Das Ende zeigt damit aber auch, wie das Leben manchmal eben ist – brutal, hässlich und nicht immer mit einem Happy End versehen. Dadurch, dass man als Leser mit einem relativ offenen Ende da steht und sich selbst überlegen kann, wie es wohl mit Frances und den übrigen Charakteren weiter gehen könnte, hatte ich ehrlich gesagt noch nicht wirklich das Gefühl, mit der Geschichte abgeschlossen zu haben. Trotzdem ist diese Lösung in erzählerischer Hinsicht nicht unbedingt unbefriedigend für den Leser, weil eben alle wesentlichen Handlungsstränge der beiden Kriminalfälle sinnvoll zum Abschluss gebracht wurden.


Fazit
Geschichten mit bedeutenden historischen Elementen sind sicherlich eine Herausforderung in der Recherche, die hier hervorragend gemeistert wurde. Mir sind keine offensichtlichen Fehler aufgefallen und ich konnte das Lesen dieses Buches wirklich genießen.

Hin und wieder hätte man sicherlich auf die ein oder andere Landschaftsbeschreibung verzichten und sich stattdessen auf die Auflösung der beiden Fälle konzentrieren können, aber im Großen und Ganzen langweilt man sich bei dieser Geschichte nicht, sondern wird von dem flüssigen Schreibstil der Autorin durch das gesamte Buch getragen.

Wer jetzt die Augen verdreht und sich fragt, ob man denn noch einen Roman braucht, der während des Zweiten Weltkrieges spielt – Ja, den hier braucht man. Denn der Krieg ist hier zwar präsent, bildet aber nicht die Haupthandlung und lenkt auch nicht zwangsläufig von der Frage ab, was damals mit Wyn und „heute“ mit Davy passiert ist. Das Setting passt einfach hervorragend zur eh schon bedrückten Grundstimmung und macht das Ganze zu einer sehr bewegenden Geschichte, über die ich sicherlich noch einige Zeit lang nachdenken werden muss.

Dafür vergebe ich insgesamt vier Bücherstapel

Veröffentlicht am 24.11.2019

Eine Geschichte mit Potenzial, die als Hörbuch hinter meinen Erwartungen zurück bleibt

Burning Bridges
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Worum geht’s?
Ella, eine eher unauffällige Literaturstudentin, muss an einem Abend gleich zwei bittere Pillen schlucken. Erst offenbart ihr ihr Freund, dass er sie schon seit Monaten betrügt, und dann ...

Worum geht’s?
Ella, eine eher unauffällige Literaturstudentin, muss an einem Abend gleich zwei bittere Pillen schlucken. Erst offenbart ihr ihr Freund, dass er sie schon seit Monaten betrügt, und dann erhält sie auch noch Hausverbot in ihrem Lieblingsrestaurant. Um das Ganze noch zu toppen, wird sie auf dem Heimweg von einer Gruppe zwielichtiger Typen bedrängt und durch Zufall von einem Unbekannten gerettet. Als sie ihren Retter zufällig wieder trifft, möchte sie sich bei ihm revanchieren und lädt ihn zum Frühstück bei sich ein. Und obwohl die beiden die zwischen ihnen herrschende Anziehungskraft irgendwann nicht mehr leugnen können, steht noch immer ein großes Geheimnis zwischen ihnen, welches zunächst verhindert, dass sie sich wirklich näher kommen können.


Meine Meinung
Das Cover ist eigentlich ganz hübsch und gefällt mir deshalb, auch wenn es meiner Meinung nach auf dem Buch ein wenig besser zur Geltung kommt, als auf der CD.

Den Einstieg in die Geschichte fand ich ehrlich gesagt ein wenig holprig, und ich hatte eine ganze Zeit lang Probleme dabei, der Handlung nur durch's Zuhören zu folgen. Mit der Zeit hat sich das dann halbwegs gelegt und ich kam wesentlich besser mit, als zu Beginn.

Die Szene im Restaurant war mir als Leser schon ziemlich unangenehm, und ich war mir erst nicht wirklich sicher, ob ich mich danach überhaupt noch mit den Charakteren bzw. mit Ella anfreunden können würde. Bei ihr ist es mir zeitweise tatsächlich ziemlich schwer gefallen, nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen zu wollen. Besonders ihre konstante Naivität, von der sie sich durch kein einziges Ereignis abbringen lassen konnte ging mir irgendwann ganz schön auf die Nerven. Sie ist zwar ein nettes Mädchen und mag die selben Fandoms wie ich, aber wer mit Drogen versetzte Getränke von einem Fremden annimmt oder einfach einen Typen bei sich einziehen lässt, den man gerade mal ein paar Wochen kennt und dann trotzdem immer noch so lebt, als wäre die Welt eine rosa Seifenblase, dem ist glaube ich auch nicht mehr wirklich zu helfen.

Darüber hinaus hatte ich auch ein wenig den Eindruck, dass sie und ihre Freundinnen sich stellenweise einfach gar nicht ihres Alters entsprechend verhalten, sondern irgendwie um einiges jünger wirken. Das hat mir jetzt nicht das ganze Buch verdorben oder so, aber auffällig war es halt schon.

Ches dagegen mochte ich wirklich gerne, er ist trotz seines mysteriösen Auftretens ein sympathischer Kerl mit viel Feingefühl. Stellenweise hat mich sein ewiges „Ich bin nicht gut genug und habe nur das Schlimmste im Leben verdient“- Gehabe schon sehr genervt, vor allem, da das ja eigentlich gar nicht stimmt und er sich selbst eigentlich völlig unnötig bestraft. Für seine Opferbereitschaft kann man ihn nun aber wirklich nicht hassen, nur bei dem ewigen Hin und Her zwischen ihm und Ella wurde es dann irgendwann etwas zu viel des Guten.

Der Aufbau der Geschichte war soweit eigentlich ganz gut gemacht, und besonders so alltäglich Szenen wie der Spielenachmittag mit der ganzen Gruppe oder der Kurs mit Ellas Tante waren sehr liebevoll gestaltet. Dann gab es jedoch auch wieder Phasen, in denen ewig auf ein und dem selben Ereignis herumgeritten wurde und sich die Handlung gefühlt gar nicht mehr vorwärts bewegen wollte. Genau diesen Eindruck hatte ich leider auch von der abschließenden Kampfszene zwischen Ella und Rory, die darüber hinaus ja auch wie schon erwähnt ein wenig erzwungen gefährlich auf mich gewirkt hat. Mit ein wenig mehr Nachdenken hätte man das halt irgendwie vermeiden oder einfach nur anders aufbauen können, dann wäre der dramatische Effekt vielleicht auch nicht ganz so unglaubwürdig geworden.

Beim Lesen wäre mir das eventuell nicht ganz so langatmig vorgekommen, da ich definitiv schneller lese als die Sprecherin vorliest. Das Vorlesetempo und leider auch die Betonung war nämlich ehrlich gesagt so gar nicht meins. Stellenweise klang es einfach nur mechanisch und unnatürlich, und besonders die Stimme von Teddy fand ich sehr unangenehm beim Hören und auch so gar nicht passend.

Die Stimme von Ches im Epilog dagegen war wirklich angenehm, und ich fand es sehr süß, ihn ein wenig aus der Zukunft der beiden erzählen zu lassen. Klar, ein Happy End kam jetzt nicht unbedingt unerwartet. Die Umsetzung finde ich aber sehr gelungen, besonders, da beide noch immer ihr eigenen Leben und auch jeweils ihre eigene Wohnung haben, um sich noch ein wenig Unabhängigkeit zu bewahren. Hätte mir der Epilog dagegen direkt was von einer gemeinsamen Wohnung, der anstehenden Hochzeit und der ersten Schwangerschaft erzählt, hätte ich vermutlich nur mit dem Kopf schütteln können.

Fazit
Auch wenn ich mit der Sprecherin und ihrer Vertonung der Geschichte mal mehr und mal weniger große Probleme hatte, ist mein Gesamteindruck durchaus in Ordnung. Manche Dinge hätte man eindeutig schneller und vor allem wesentlich logischer aufbauen können. So schwankte ich stellenweise zwischen Langeweile und ungläubigem Lachen, wobei ich stark davon ausgehe, dass diese Eindrücke durch das Hören einfach noch mal ein wenig verstärkt wurden. Beim Lesen hätte sich zumindest die Langeweile nicht so schnell eingestellt, weil ich einfach schneller vorwärts gekommen wäre als mit der CD und dementsprechend auch die langatmigen Stellen schneller hinter mich gebracht hätte.

Nichtsdestotrotz sind Ella und Ches ein süßes Paar mit einem gruppendynamisch toll aufgestelltem Freundeskreis, was besonders die Gruppenszenen zu meinen Lieblingsszenen gemacht hat. Ihre gemeinsame Entwicklung geht teilweise etwas zackig vonstatten, aber im Endeffekt haben auch sie eine tolle Dynamik und viel chemistry, womit man mich als Leser meistens doch noch irgendwie kriegt.

Insgesamt würde ich der Geschichte so ungefähr dreieinhalb, vielleicht auch vier Bücherstapel geben. Da mir die Betonung aber leider ein bisschen die Freude am Zuhören genommen hat, werde ich das Buch noch mal eigenständig betrachten und vergebe für das Hörbuch alleine drei großzügige Bücherstapel