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Veröffentlicht am 12.01.2026

Packend, spannend und schockierend

Tödliche Tiefen
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Damon droht im Meer zu ertrinken und sieht im Sterben Bilder seines Lebens vor seinen Augen ablaufen, darunter ist auch ein toter Junge. Damon wird im letzten Moment wiederbelebt und fragt sich fortan, ...

Damon droht im Meer zu ertrinken und sieht im Sterben Bilder seines Lebens vor seinen Augen ablaufen, darunter ist auch ein toter Junge. Damon wird im letzten Moment wiederbelebt und fragt sich fortan, wer der Tote war. Er entwickelt eine seinen Alltag überlagernde Obsession und geht mehr als einmal bis zum Äußersten, um die Wahrheit über den toten Jungen herauszufinden, der ihm auch in Halluzinationen erscheint.

Erzählt wird aus Damons Ich-Perspektive und von einem personalen Erzähler aus Sicht von Melissa, Helena und Laura: die eine seine geschiedene Frau, die ihm freundschaftlich verbunden ist, die andere seine kurzzeitige Pflegemutter als Jugendlicher und Laura ist eine verstörende Figur aus einen früheren Buch John Marrs, die er hier wieder auftauchen lässt. Melissa und Helena bittet Damon um Hilfe und je mehr er unternimmt, um seine Erinnerungslücken hinsichtlich seiner Kindheit zu füllen, je mehr er herausfindet, desto spannender wird die Geschichte, dazu tragen auch häufige Cliffhanger am Kapitelende und Perspektivwechsel bei. Bis zum Ende schwanke ich zwischen Mitgefühl und Entsetzen.

John Marrs schreibt bildhaft, lebendig und fesselnd, seine Figurenzeichnung überzeugt. Die Charaktere sind komplex und glaubhaft, ihre Dialoge erscheinen mir realistisch und geschilderte Gewissenskonflikte leuchten ein und sind nachvollziehbar, genau so wie die Gefühle der Protagonisten Damon, Melissa und Helena, die mich betroffen machen.

Die temporeiche Geschichte ist düster und bedrückend, es gibt auch schockierende Szenen, trotzdem war es schwierig für mich, eine Lesepause einzulegen. John Marrs ist ein psychologisch tiefgründiger, spannender und packender Thriller gelungen, der bis zum Ende überrascht und mir sehr gut gefallen hat.

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Spannend und unterhaltsam

The Final Act
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Vor zwanzig Jahren schien Madison James eine glänzende Filmkarriere bevor zu stehen, doch dann geriet sie in Vergessenheit und arbeitet schon seit Jahren als Kellnerin. Als Madisons Handtasche versteckt ...

Vor zwanzig Jahren schien Madison James eine glänzende Filmkarriere bevor zu stehen, doch dann geriet sie in Vergessenheit und arbeitet schon seit Jahren als Kellnerin. Als Madisons Handtasche versteckt in einem Park am Fuß des Hollywood-Schriftzugs gefunden wird, gerät sie wieder ins Rampenlicht der Berichterstattung, besonders auf Social Media. Sarah Delaney und Rob Moreno vom LAPD, Abteilung für vermisste Personen, versuchen, Madisons Verschwinden aufzuklären.

Erzählt wird auf zwei Zeitebenen und aus den wechselnden Perspektiven Madisons und Sarahs. Von Beginn an lerne ich Madisons Hintergrund und ihre Hoffnungen kennen, und ihr Talent wird durch Filmkritiken deutlich, die, wie auch andere Medienberichte, eingestreut sind und meinen Blickwinkel erweitern wie auch für eine kurzweilige Lektüre sorgen. Madison ist ein nahbarer und berührender Charakter.

Lisa Gray schreibt bildhaft und lebendig, und mir gefällt besonders der Aufbau der Geschichte: Kapitel aus Madisons Perspektive haben Bezug zu Sarahs Ermittlungsschritten, hier wie da rücken die gleichen Figuren in den Focus.
Thematisiert werden auch die dunklen Seiten der Filmindustrie und die anfangs ahnungslose Madison macht verletzende Erfahrungen, die erst sehr viel später zur #MeToo-Bewegung führten oder ein Beispiel für die sogenannte 'Cancel Culture' sind.

Madisons Figurenzeichnung und die Darstellung einiger Nebenfiguren ist gelungen, während Sarah erst in Verlauf der Ermittlungen greifbarer wird. Es hat mir Spaß gemacht, Vermutungen über Madisons Verbleib anzustellen. Ich habe 'The Final Act' gern gelesen, der spannende Thriller mit seinen überraschenden Wendungen und aktuellem Bezug hat mich gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 09.01.2026

Spannend und packend, zeitgeschichtlich authentischer Krimi im Hungerwinter 1946/47

Die weiße Nacht
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Im Hungerwinter 1946/47 findet die arbeitslose Fotografin Lou Faber auf ihrem täglichen Streifzug durch die Trümmer Berlins die Leiche einer Frau im Schnee. Obwohl es Lou anfangs widerstrebt, helfen ihre ...

Im Hungerwinter 1946/47 findet die arbeitslose Fotografin Lou Faber auf ihrem täglichen Streifzug durch die Trümmer Berlins die Leiche einer Frau im Schnee. Obwohl es Lou anfangs widerstrebt, helfen ihre Fotos und ihr genauer Blick Kommissar König bei seinen Ermittlungen.

Anne Stern beschreibt das in Trümmern liegende eiskalte Berlin bildhaft und sehr atmosphärisch, mir wird selber kalt bei ihrer anschaulichen Erzählung angesichts des allgemeinen Mangels auch an warmer Kleidung und Brennholz im schneereichen Winter anderthalb Jahre nach Kriegsende.

Neben Lous und Königs abwechselnde Perspektive wird auch aus der Sicht des Jugendlichen Justus erzählt, der auf dem blühenden Schwarzmarkt aktiv ist und aus der von Gregor, der Rachepläne schmiedet.
Anne Stern schreibt klar und nüchtern, dennoch eindringlich, gut gelungen ist auch die Figurenzeichnung: die Menschen sind unsicher und von ihren Erlebnissen und Verlusten im Krieg beschädigt, sie haben kein Vertrauen und bleiben für sich. Lou und König ist bewusst, dass viele Nazis unbehelligt geblieben sind und jetzt wieder Führungspositionen einnehmen. Die Vergangenheit der beiden wird zuerst nur angedeutet und durch Erinnerungen allmählich deutlicher, die Protagonisten werden dadurch greifbarer und berührender.

Die Autorin hat bereits erfolgreiche historische Romane geschrieben und hat auch diesmal gut recherchiert, 'Die weiße Nacht' ist ein zeitgeschichtlich authentischer und spannender Krimi mit glaubhaften Charakteren und schlüssiger Auflösung.
Königs Ermittlungen werden neben Obduktions-Erkenntnissen und Lous Fotos und Ideen lediglich durch Befragungen von Angehörigen, Nachbarn oder Kollegen vorangetrieben und auch der Zufall hilft. König ist ein guter Ermittler, der sich Überblick verschafft und seine Schlüsse zieht. Eine Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen ist schwierig und langwierig durch die Aufteilung Berlins in vier Sektoren, alles ist nur provisorisch organisiert und untergebracht, der Mangel wird verwaltet...

Erwähnen möchte ich das schwarzweiße Cover, das ich sehr gelungen finde mit dem Blick durch ein Objektiv auf ein historischen Foto von Henry Ries und der abgebildeten Perforation am linken Rand, wie bei einem Rollfilm.
Mir hat Anne Sterns fesselndes neues Buch sowohl auf zeitgeschichtlicher als auch auf Krimi-Ebene sehr gut gefallen und ich freue mich auf den zweiten Fall für Lou und König.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Düster und hart

The Puppet Master
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Nach vier Suiziden innerhalb von drei Tagen in der gleichen Gegend ist Cara Elliott, Leiterin der Einheit für Schwerverbrechen, sicher, dass nicht mehr von Zufall auszugehen ist. Jemand manipuliert die ...

Nach vier Suiziden innerhalb von drei Tagen in der gleichen Gegend ist Cara Elliott, Leiterin der Einheit für Schwerverbrechen, sicher, dass nicht mehr von Zufall auszugehen ist. Jemand manipuliert die Opfer und treibt sie zum Selbstmord.
Caras kleines Ermittlerteam steht mit der steigenden Zahl von Suiziden zunehmend unter Zeitdruck. Die Abteilung tut sich sehr schwer, Anhaltspunkte zum Wie und Warum und überhaupt eine Verbindung zwischen den Toten zu finden und es gibt zu wenig Kollegen, die in dieser gefährlichen Einheit arbeiten wollen. Immer wieder werden die verlustreichen Ereignisse der Vergangenheit erwähnt, von denen die Vorgängerbände handeln. Wobei der erste Band der Reihe, The Echo-Man, erst im Herbst 2026 auf deutsch erscheinen wird. Und auch zu The Twenty, bei uns erschienen im Dezember 2024, gibt es mehrere Spoiler, was ich sehr schade finde.

Der psychische Zustand der Selbstmörder wird glaubhaft geschildert und auch die Emotionen der in der Vergangenheit traumatisierten Ermittler machen die Charaktere nahbar und menschlich. Ich habe sehr gern die Entwicklung der Protagonisten verfolgt, die mir aus The Twenty bereits bekannt waren und interessante neue Charaktere kennengelernt. Auch Nebenfiguren überzeugen, selbst wenn sie nur einen kurzen Auftritt haben. Die Figurenzeichnung profitiert offensichtlich vom Psychologiestudium der Autorin. Mir war allerdings die Einbindung des familiären Hintergrunds Caras und Griffins zu viel, mir hätten die berufsbedingten schmerzhaften Erfahrungen gereicht.

Sam Holland schreibt klar, bildhaft und fesselnd, schockt gelegentlich auch mit grausamen Szenen. Erzählt wird der spannende Thriller aus verschiedenen, auch überraschenden, Perspektiven.
The Puppet Master hat mich mit einer makabren Geschichte und unerwarteten Wendungen gut unterhalten und ich freue mich auf das Finale der Reihe, das Sam Holland im Nachwort ankündigt.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Vielfältige Anthologie böser Kurzgeschichten rund um Weihnachten

Arsen und Butterplätzchen
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Der aufschlussreiche Titel und das unmissverständliche Cover deuten bereits an, was mich erwartet: ungewöhnliche Geschichten von 17 bekannten Autoren und Autorinnen rund um Weihnachten. Sie sind bitterböse, ...

Der aufschlussreiche Titel und das unmissverständliche Cover deuten bereits an, was mich erwartet: ungewöhnliche Geschichten von 17 bekannten Autoren und Autorinnen rund um Weihnachten. Sie sind bitterböse, skurril, makaber, haben viel schwarzen Humor und sind größtenteils spannend.
Jede Kurzgeschichte hat ihren eigenen Charme, es geht um Beziehungsprobleme, Komplotte, Missverständnisse und einmal geht es im 17. Jahrhundert auf einen Markt, diese außergewöhnliche Geschichte fand ich besonders atmosphärisch geschrieben. Einige Texte haben mich nachdenklich gemacht oder überlegen lassen, wie die Geschichte sich über das Ende hinaus weiter entwickeln könnte.

Die einfallsreichen Kurzgeschichten sind gut geschrieben und angenehm zu lesen und fast alle haben mir gefallen. Eine gute Idee finde ich die Kurzvorstellung der Autoren und Autorinnen samt Angabe ihrer Homepages, so dass es mir leicht gemacht wird, mich ausführlicher zu informieren.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen, es hat mir einige unterhaltsame Adventsstunden beschert.