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Veröffentlicht am 25.09.2020

Wer entscheidet über den Tod?

GOTT
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ALLGEMEINES

In Ferdinand von Schirachs Theaterstück „GOTT“ geht es um eine brandaktuelle Debatte, nämlich die Frage, wer letztlich entscheiden darf, wann und wie wir sterben.

Hintergrund ist die Aufhebung ...

ALLGEMEINES

In Ferdinand von Schirachs Theaterstück „GOTT“ geht es um eine brandaktuelle Debatte, nämlich die Frage, wer letztlich entscheiden darf, wann und wie wir sterben.

Hintergrund ist die Aufhebung des §217 StGB im Februar 2020 durch das Bundesverfassungsgericht. Seither sind die rechtlichen Restriktionen für die freiwillige Hilfe bei freiverantwortlichen Suiziden annulliert worden, was bedeutet, dass man sich nicht mehr strafbar macht, wenn man (vorrangig todkranken) Menschen beim Suizid hilft. Die sich stellende Frage ist nun, wie weit man dies dehnen kann, wenn man die Klammer aufhebt.

ZUM INHALT

Im Mittelpunkt der Verhandlung vor dem Ethikrat steht der kerngesunde 78jährige Architekt Richard Gärtner, der eine tödliche Dosis an Natrium-Pentobarbitol beantragt, um sein Leben, das ihm seit dem Tod seiner Frau drei Jahre zuvor nicht mehr lebenswert erscheint, vorzeitig zu beenden. Es will mit seinem Antrag ein Exempel statuieren.

Schirach hat in seinem kleinen Theaterstück in zwei Akten die drei großen Instanzen zusammengebracht, die jeweils einen recht klaren Standpunkt zu dem brisanten Thema vertreten: Das Gesetz, die Medizin und die Kirche.

Die Diskussion wird durch Sachverständige dieser Instanzen sowie den Ethikrat, Gärtners Anwalt und Freund sowie seine Ärztin angefacht und am Ende bleiben das große Fragezeichen und die bedeutungsschwangeren Pünktchen zurück, mit denen Schirach den Leser aus dem Stück entlässt und zum eigenen Denken anregt, wie es so typisch für ihn ist.

MEINE MEINUNG

Ich habe das Buch als Sachbuch mit Unterhaltungs- und Aufklärungswert empfunden und sehr aufmerksam und mit großem Interesse gelesen. Für mich war es eine echte Bereicherung.
Die drei Essays namhafter Wissenschaftler im Anhang ergänzen das kurzweilige Theaterstück zu einem gelungenen Sachbuch, das einem alles Wissenswerte zum aktuellen Stand beim Thema Suizidbeihilfe vermittelt, damit man sich selbst ein Urteil bilden und bei der öffentlichen Debatte mitreden kann.
Ich glaube, dass sich jeder Leser gut in die Situation des Antragstellers hineinversetzen kann und versteht, wo die Grauzone beginnt, die durch die Aufhebung von §217 StGB erneut entstanden ist. Wir müssen und alle fragen, wie es in absehbarer Zeit für uns selbst aussehen soll – subjektiv sieht die ganze Sache nämlich mitunter ganz anders aus!

FAZIT

Ein wirklich lesenswertes Buch zu einem hochbrisanten Thema unserer Zeit, das die Meinungsfindung erheblich erleichtert!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.09.2020

Nichts für junge Mädchen!

Very First Time
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COVER

Das Cover ist farblich sehr mädchenhaft und liebevoll gestaltet auf weißem Hintergrund mit Farbübergängen von Lila über Rosa zu Rot, vielen kleinen Herzen und dem Einsatz eines Handschriftfonts. ...

COVER

Das Cover ist farblich sehr mädchenhaft und liebevoll gestaltet auf weißem Hintergrund mit Farbübergängen von Lila über Rosa zu Rot, vielen kleinen Herzen und dem Einsatz eines Handschriftfonts. Es hat mich gleich angesprochen, weil es so fröhlich und herzlich wirkt. Es passt sehr gut speziell zum Klappentext und allgemein zum Thema, wie ich finde.

INHALT

In „VERY FIRST TIME – Mein Masterplan in Sachen Liebe“ von Cameron Lund geht es um die 18-jährige Keely aus Vermont, die kurz vor dem High-School-Abschluss steht und deren größtes Problem zu sein scheint, noch Jungfrau zu sein. Dies will sie unbedingt ändern, bevor sie aufs College nach Kalifornien geht. Und dazu hat sie sich ihren BFF Andrew ausgesucht, mit dem sie von klein auf zusammen aufgewachsen ist, dem sie uneingeschränkt vertraut und den sie für erfahren hält. Ist das eine gute Idee?

ALLGEMEINES

Der Schreibstil ist sehr flüssig. Die Sprache ist an den heute üblichen Teenie-Jargon angepasst worden. Da dies die Zielgruppe ist, fand ich das nicht störend. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass die Jugendlichen so, wie sie in dem Buch dargestellt wurden, deutlich jünger waren - eher 14 als 18. Sie sind durchweg sehr unerfahren, naiv und unreflektiert in Verhalten und Gedankengängen. Auch das Selbstbild ist nicht nur bei Keely gestört. Es mag in diesem Alter große Unterschiede geben, was die körperliche und geistige Entwicklung angeht, aber mit 18 und kurz vor dem Wechsel aufs College sollte man dann doch schon einen gewissen Stand erreicht haben, den die Protagonistin dieses Romans, aus deren Perspektive alles geschildert wird, ganz klar nicht hat.

MEINE MEINUNG

Ich bin nach dem Beenden des Buches bei weitem nicht mehr so begeistert, wie ich es nach dem Lesen der Leseprobe war. Das Buch hat viele nette und unterhaltsame Szenen, aber auch genauso viele, wo ich nur den Kopf schütteln konnte und mich über die Protagonistin aufgeregt habe. Natürlich bin ich mit fast 50 Jahren nicht die Zielgruppe, aber ich lese sehr gerne Kinder- und Jugendbücher, Young Adult und ähnliches und bin sehr offen und aufgeschlossen diesem jungen Genre gegenüber. Ich war ja schließlich auch mal in dem Alter und erinnere mich sehr gerne an diese unbeschwerte Zeit mit den vielen teils verirrten Schmetterlingen zurück.

Aber wie hier in dem Buch mit dem Thema Sex und Jungfräulichkeit umgegangen wird, stößt mir echt bitter auf. Das geht so gar nicht. Es wird der Eindruck vermittelt, dass man das erste Mal so schnell wie möglich hinter sich bringen sollte, am besten noch auf der High-School, denn auf dem College sind keine unerfahrenen Jungfrauen mehr zu finden und man ist automatisch ein Außenseiter, wenn man bewusst gewartet hat oder noch nicht so weit ist. Der erste Sex wird komplett von Freundschaft, Beziehung und Liebe getrennt. Es ist zwar förderlich, wenn man denjenigen mag, aber das steht definitiv nicht im Vordergrund. Erst am Ende des Buches werden diese Thesen etwas aufgeweicht – zu spät und ineffizient, wie ich finde, denn der erste Eindruck bleibt bestehen. Und der ist fatal!

Auch sind die Charaktere nicht wirklich klar gezeichnet und einem Wandel unterworfen. Es sind Stereotypen, die wie im Film aufeinander losgelassen werden und von einem Extrem ins andere verfallen und dabei kein Klischee auslassen. Am Ende fragt man sich, was man nun glauben soll im Hinblick darauf, was das wahre Ich der einzelnen Beteiligten ist. Diese Zickenkriege der Dramaqueens und das ambivalente Verhalten generell sind typisch für die Pubertät, aber mit 18 sollte man da stabiler sein, finde ich.

FAZIT

Ich würde das Buch jungen Lesern ab 20 empfehlen, die ihre sexuelle Orientierungsphase bereits hinter sich haben und sich eine eigene Meinung gebildet haben. Für sie ist das Buch (mit der nötigen emotionalen Distanz) durchaus unterhaltsam und amüsant – nicht mehr und nicht weniger.

Jüngeren Leserinnen rate ich ganz klar ab!

  • Cover
  • Gefühl
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Handlung
Veröffentlicht am 18.02.2020

Achterbahnfahrt der Gefühle

New Beginnings
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Die 20jährige Berlinerin Lena schmeißt ihr Studium und geht für ein Jahr als Au-Pair nach Green Valley (Colorado), wo sie die Amy, eine junge schwangere Mutter, und ihren Mann Jake unterstützen und sich ...

Die 20jährige Berlinerin Lena schmeißt ihr Studium und geht für ein Jahr als Au-Pair nach Green Valley (Colorado), wo sie die Amy, eine junge schwangere Mutter, und ihren Mann Jake unterstützen und sich um den kleinen Liam kümmern soll. Als sie ankommt, weiß sie nicht, dass dort auch der gefallene Sportstar Ryan wohnt und seine Depressionen wegen der missglückten Karriere kultiviert.

Die beiden nähern sich an und stoßen sich ab und merken dabei gar nicht, was sie aneinander haben, bis Ryan erneut seiner Vergangenheit hinterherläuft und glaubt, sie einholen zu können...

Ein schönes Hörbuch, toll gelesen und zum Wohlfühlen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.02.2020

Mitnichten eine Liebesgeschichte

Sweet Sorrow
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Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde bei „Was liest du?“ vom Verlag zur Verfügung gestellt bekommen – vielen Dank dafür!

Zum Inhalt:

In „Sweet Sorrow“ von David Nicholls geht es um einen Mann ...

Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde bei „Was liest du?“ vom Verlag zur Verfügung gestellt bekommen – vielen Dank dafür!

Zum Inhalt:

In „Sweet Sorrow“ von David Nicholls geht es um einen Mann namens Charlie, der in den 40ern kurz vor seiner Hochzeit ein Ehemaligentreffen zum Anlass nimmt, seine Vergangenheit Revue passieren zu lassen, beginnend beim 16jährigen Charlie, der gerade den Abschlussjahrgang der Highschool hinter sich gebracht hat und sich zum ersten Mal richtig verliebt.

Meine Meinung:

Wenn man dem Klappentext sowie dem Sticker auf dem sehr schön gestalteten Cover mit dem Hinweis auf ein weiteres Buch des Autors („Zwei an einem Tag“) Glauben schenkt, dann erwartet man eine Liebesgeschichte. Diese bekommt man beim Lesen allerdings mitnichten geboten.
Wie der Titel schon vermuten lässt, geht es auch tatsächlich um Kummer und Schmerz, aber nicht direkt um Liebes-, sondern vielmehr um Lebenskummer, von daher frage ich mich, wo die Süße abgeblieben ist. Das Buch ist eine Dokumentation von Charlies Jugend, die sehr problematisch war. Diese wird sehr detailgetreu geschildert. Über dem Geschehen hängt durchweg etwas Unheilvolles, ein negativer Touch. Die Verliebtheit dem Mädchen gegenüber bleibt dabei leider auf der Strecke, Gefühle kommen kaum beim Leser an. Zudem wird die Liebesgeschichte der beiden – sofern man sie so nennen kann, sagen wir lieber erste Erfahrungen – mit Shakespeares „Romeo und Julia“ verwoben. Zu diesem Stück würde der Titel „Sweet Sorrow“ deutlich besser passen. Man erhält eine umfangreiche Textananalyse, die zu übertragen mir wirklich schwerfiel. Ich hatte das Gefühl, man will mir etwas aufdrängen, was einfach nicht passt – das hat den Lesegenuss für mich deutlich geschmälert und ich habe mich durch die ersten zwei Drittel des Buches regelrecht geschoben. Das letzte Drittel war dann etwas besser, vielleicht weil alles in Richtung Gegenwart gezogen wird, sich auflöst und an Schwere verliert. Aber ich war froh, als ich das Buch zuklappen konnte und das finde ich schade.

Fazit:

Wenn man Shakespeare-Fan ist und es einem nichts ausmacht, sich im Rahmen einer Sozialstudie in den Problemen eines Jugendlichen zu wälzen, der es echt nicht leicht hat, dann ist dieses Buch vielleicht eine Bereicherung. Was dieses Buch jedenfalls nicht ist, ist eine gefühlvoll erzählte locker-leichte Liebesgeschichte.

Ich kann daher leider nur 2 Sterne geben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.12.2019

Moderner Märchenprinz trifft auf Enthüllungsjournalistin - kann das gut gehen?

Mister Romance
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„Mister Romance“ ist der erste Teil der Masters-of-Love-Reihe, eines Liebesroman-Duos von Leisa Rayven, die man vielleicht bereits durch ihren Bestseller „Bad Romeo & Broken Juliet“ kennt.

ZUM INHALT:

Die ...

„Mister Romance“ ist der erste Teil der Masters-of-Love-Reihe, eines Liebesroman-Duos von Leisa Rayven, die man vielleicht bereits durch ihren Bestseller „Bad Romeo & Broken Juliet“ kennt.

ZUM INHALT:

Die junge Journalistin Eden Tate hält sich in der Redaktion der New Yorker Nachrichten- und Entertainment-Website Pulse mit Memes und Clickbait-Artikeln mehr schlecht als recht über Wasser und steht kurz vor dem Rausschmiss. Da kommt der Hinweis ihrer Schwester Asha über den sagenumwobenen „Mister Romance“, der in Big Apple sein Unwesen treibt und für viel Geld die Bedürfnisse zahlreicher Frauen befriedigt, indem er Träume wahr werden lässt, wie gerufen. Eden beginnt zu recherchieren, aber ganz so einfach ist es nicht, Kontakt zu der Person herzustellen, die sich hinter dem Pseudonym verbirgt, da er in den höheren Kreisen der Gesellschaft verkehrt, zu denen Leuten wie Eden der Zutritt gerne mal verwehrt wird. Aber Eden, die in Männern per se nur Sexobjekte zur anonymen Befriedigung sieht und der Romantik abgeschworen hat, ist hartnäckig und stur. Sie will ihre Story, koste es was es wolle. Doch schon bald wendet sich das Blatt, denn ihr Zielobjekt scheut weder Mittel noch Wege, die zunächst lästige Reporterin davon zu überzeugen, dass der Schein trügt. Die beiden gehen einen Deal ein. Ein Verwirrspiel beginnt. Nur eines haben beide nicht bedacht, dass eine neue Variable - nämlich bis dato unbekannte Gefühle - ins Spiel kommen könnten…


MEINE MEINUNG:

Leisa Rayven schreibt sehr flüssig und bildhaft, so dass die Geschichte wie ein Film an einem vorbei zieht, ohne dass man dafür viel tun müsste. Dies ist in dem vorliegenden Roman nicht anders, so dass ein gewisser Unterhaltungsfaktor gesichert ist. Allerdings weist der Roman inhaltlich ein paar Schwachstellen auf, die mich gestört haben. Es ist, als wäre der Einfachheit halbe nochmal über alles drüber gebügelt worden, damit es rund wird. Beide Protagonisten sind vom Charakter her eher schwammig dargestellt bzw. die anfängliche Charakterisierung wird im Laufe des Buches peu a peu aufgelöst, teilweise sogar ins Gegenteil verkehrt. Vor allem der Charakter von Max aka „Mister Romance“ ist abgesehen von den vielen vorgefertigten Rollen, die er annimmt, sehr schwach und wenig greifbar. So war es natürlich vorhersehbar, dass eins ins andere greift und alles passt wie die Faust aufs Auge. Selbst eingebaute Hürden lösen sich auf oder werden geschickt umschifft. Eine Eier legende Wollmilchsau als Lektüre sozusagen.

Als modernes Märchen mit Happy End taugt die Geschichte sicher etwas, aber für mehr fehlt definitiv der Clou und der Tiefgang. Auch wenn ich zugeben muss, dass mir die Grundidee des „Mister Romance“-Geschäftsmodells durchaus gefallen hat.

Ein Liebesroman im Mittelfeld - ich hatte aufgrund der Leseprobe und generell von der Autorin mehr erwartet, schade!

  • Atmosphäre
  • Gefühl
  • Cover
  • Charaktere
  • Handlung