Wenn plötzlich das Leben aus den Fugen gerät … 3,5 ⭐️
Laute NächteIch mag Anne Freytags Romane sehr, besonders ihr Jugendroman „Das Gegenteil von Hasen“ und ihr letzter Roman „Blaues Wunder“ waren echte Highlights – daher hatte ich mich sehr auf ihr neues Buch „Laute ...
Ich mag Anne Freytags Romane sehr, besonders ihr Jugendroman „Das Gegenteil von Hasen“ und ihr letzter Roman „Blaues Wunder“ waren echte Highlights – daher hatte ich mich sehr auf ihr neues Buch „Laute Nächte“ gefreut.
Die Autorin erzählt hier aus der Perspektive von Kenni: Als seine Freundin Jasmin mit nur 19 Jahren bei einem Autounfall stirbt - einen Tag, bevor sie eine große Reise nach Frankreich machen wollten - bricht Kennis Welt auseinander. Der Camper steht unbenutzt in der Garage, trotz Therapie geht es Kenni schlecht. Er flüchtet sich in eine andere Stadt. In einer WG in Wien geht sein Leben irgendwie weiter. Finanziert von seinem liebevollen Vater, jobbt Kenni in einem Kino. Doch hauptsächlich wird sein Leben reicher durch seine WG-Mitbewoher*innen: Die ruhige, sympathische Julia; Ex-Tennisprofi Pau, dem die Wohnung gehört; Erasmus-Student Harry, in den Paul heimlich verliebt ist – und die lebensfrohe Elif, die unerwartete (und ungewollte) Gefühle in Kenni weckt …
Die Reise nach Frankreich macht Kenni dann doch, obwohl er nicht wollte – mit Elif zusammen, doch das endet nicht wie erwartet …
Auf mehreren Zeitebenen, über einen Zeitraum von fast zwanzig Jahren, fügt sich Kennis Geschichte und seine Trauerbewältigung sowie sein Weg zu einem Neubeginn zusammen.
Erst Jahre später, als Kenni zu einem erfolgreichen Künstler geworden ist, stellt er sich endgültig seiner Vergangenheit, um seine Trauer zu überwinden. Kann er, wieder zurück in Wien, endlich ein neues Leben und die Liebe zulassen?
Anne Freytags Schreibstil war, auch aus der (zu Beginn) etwas ungewohnten, männlichen Perspektive heraus, gut wie immer. Ihre Charaktere mochte ich allesamt sehr, ganz besonders Elif, Julia, Paul und Kenni, doch auch alle anderen.
Dennoch hat mir irgendwie etwas gefehlt, was ich nicht genau benennen kann – es kam mir so vor, als hätte die Autorin „mit angezogener Handbremse“ geschrieben. Obwohl die Geschichte thematisch bedingt natürlich eher leise Töne erfordert, konnten meine Erwartungen leider nicht ganz erfüllt werden.
Insgesamt war „Laute Nächte“ ein feinfühliger, ruhiger Roman über Liebe, Verlust und Trauer, der mir weitgehend gut gefallen hat - an das letzte Highlight kam er leider nicht heran.
Ich vergebe hier 4 von 5 Sternen und hoffe, Anne Freytags nächster Roman kann mich wieder stärker begeistern.