Aufruf zum Widerstand: Veränderung ist nur durch ein NEIN möglich
Ich möchte lieber nicht„Ich möchte lieber nicht“ von Juliane Marie Schreiber ist so ein Buch, bei dem ich sehr froh bin, dass es seinen Weg zu mir gefunden hat – für mich war es ein echtes Highlight!
Das Sachbuch setzt sich ...
„Ich möchte lieber nicht“ von Juliane Marie Schreiber ist so ein Buch, bei dem ich sehr froh bin, dass es seinen Weg zu mir gefunden hat – für mich war es ein echtes Highlight!
Das Sachbuch setzt sich kritisch und kompromisslos mit dem zeitgenössischen Diktat der Selbstoptimierung und des „Dauerglücks“ auseinander:
„Die einzige sinnvolle Antwort auf einen Zeitgeist, der dem Terror des Positiven unterworfen ist, lautet Verweigerung. In einer Welt, in der man aus jedem Problem und jeder Krankheit etwas lernen muss, in der die exzessive Nabelschau alle in den Wahnsinn treibt, kann es nur eine richtige Haltung geben: die Haltung des nein. Nein, wir können nicht alles sein, wenn wir nur fest genug daran glauben. Und nein, nicht jeder ist seines Glückes Schmied. Es gibt viele Ungerechtigkeiten und Tragödien, für die der Einzelne nicht verantwortlich ist. Nur wer das erkennt, kann überhaupt die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern.“
Die Autorin nimmt den berühmten Satz „Ich möchte lieber nicht“ (von Herman Melvilles Figur Bartleby) als Leitmotiv für die bewusste Verweigerung einer toxischen Wohlfühlkultur.
Der „Terror des Positiven“ begegnet uns überall: Selbst Tee und Duschbäder fordern uns zu Fröhlichkeit und Selbstoptimierung auf.
„Wir leben in einer Kultur des Kommandos, die und sagt: Du musst glücklich sein! Selbst das Duschbad und der Tee im Supermarkt fordern uns getreu der Kultur des Kommandos auf, voll guter Laune spritzig in den Tag zu starten. Glück ist zum Statussymbol geworden, daher wollen wir uns selbst und allen anderen ständig unser hohes Glückprestige zeigen, am besten mit Fotos vom Traumurlaub und der Traumhochzeit. Wir wollen überall das Beste herausholen und gleichzeitig unser echtes, wahres, wirkliches Selbst finden. Mithilfe von Therapeuten und Coaches ändern wir unser "Mindset", um jede Niederlage als Chance zu begreifen und aus jedem Schnupfen etwas zu lernen. Doch man kann in unserer spätkapitalistischen Gesellschaft nicht alles schaffen, wenn man nur genug an sich glaubt.“
Die Ideologie der „Positiven Psychologie“ suggeriert, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Politische, wirtschaftliche oder strukturelle Krisen wie Jobverlust oder Krankheit werden dadurch oft zu einem persönlichen Versagen umgedeutet.
Der Druck der Positivität erzeugt eine dreifache Belastung. Man fühlt sich schlecht, schämt sich für die negativen Gefühle und muss gleichzeitig eine künstliche Glücksfassade für das Umfeld und soziale Medien aufrechterhalten.
Die Autorin plädiert für den „depressiven Realismus“ sowie das Schimpfen. Für sie sind negative Gefühle, Wut und schonungslose Ehrlichkeit keine Schwächen, sondern gesund und realistisch. Mehr noch: Nur mit dem Mut, „Nein“ zu sagen, ist es überhaupt möglich, ungerechte gesellschaftliche Strukturen aufzubrechen.
„Wer in dieser Zeit des sozialen Zwangs, des erdrückenden Überangebots von Konsumgütern und des ewigen Stroms von Ablenkungen ein selbstbestimmtes Leben führen will, muss viel öfter "Nein" als "Ja" sagen. Denn ohne "Nein" kann es keine individuelle Freiheit geben. Nein zu sagen und sich zu verweigern ist eine grundlegende Voraussetzung für unsere menschliche Autonomie und Unabhängigkeit.
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Wir brauchen viel mehr Akzeptanz für Negativität statt kuscheligen Neobiedermeier, bei dem man sich selbst Harmonie vorgaukelt, ins Private zurückzieht und einfach wartet, bis alles vorbei ist. Zum authentischen Leben gehört Negativität immer dazu. Die dunkle Seite der menschlichen Existenz ist wichtig. Sie macht uns autonom und selbstbestimmt. Die Dunkelheit bildet uns.“
„Ich möchte lieber nicht“ ist ein Buch, das mir direkt aus der Seele gesprochen hat; ich habe unendlich viele Stellen markiert und habe mich SO SEHR verstanden gefühlt!
Juliane Marie Schreiber schreibt einzigartig: Oft wirklich herrlich amüsant („Haben Sie sich auch schon etwas wegcoachen lassen, ihren Blinddarm oder ihre unpassende Meinung?“), dabei jedoch auch herzlich, mit viel Tiefgang und immer genau auf den Punkt.
„Zum Leben gehört Negativität immer dazu. Negatives ist der Motor der Geschichte. Den Fortschritt verdanken die Menschen den unzufriedenen. Ohne nein kann es keine Freiheit geben. In unserer Kultur des Ja ist das Nein eine wohltuende Entzauberung. Weil das Nein den berühmten Vorhang der Selbsttäuschung aufreißt und auch das dreckige Fenster ans Licht bringt. Und nur, wer einen unerschrockenen, klaren Blick hat, kann seine Lebenszeit selbst bestimmt nutzen, nach den eigenen Überzeugungen. In anderen Worten: Nein - oder Nichtsein.
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Am besten, indem man sich dabei in aller Ruhe sagt: Ich möchte lieber nicht!“
Von mir bekommt dieses Buch 5 Sterne & eine unbedingte Leseempfehlung, denn:
„Die Welt wurde nicht von den Glücklichen verändert, sondern von den Unzufriedenen.“