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Veröffentlicht am 31.07.2025

In der Kürze liegt die Würze.

Reichlich spät
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Die Erzählung über den Büroangestellten Cathal spielt in Dublin. Seine bevorstehende Heirat mit Sabine, einer Halbfranzösin, nimmt auf nur 60 Seiten eine unerwartete Richtung an. Als fatale Ursache fallen ...

Die Erzählung über den Büroangestellten Cathal spielt in Dublin. Seine bevorstehende Heirat mit Sabine, einer Halbfranzösin, nimmt auf nur 60 Seiten eine unerwartete Richtung an. Als fatale Ursache fallen in dieser labilen Liebesbeziehung negative Äußerungen und Handlungsweisen von Seiten Cathal`s auf, die als frauenfeindlich eingestuft werden können. Sabine deckt misogyne Strukturen und überkommene Geschlechterklischees in dieser Beziehung auf. Reichlich spät erkennt Cathal schmerzhaft seine Prägung durch seinen frauenverachtenden Vater. In der verhaltenen Aufdeckung und Auslassung liegt die besondere Art des Schreibstils.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Johanna (Jo) van Gogh-Bonger – eine interessante Frau

Die Entflammten
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In zwei Erzählsträngen geht es um zwei Frauen, nämlich um die junge Kunsthistorikerin Gina, die das Leben von Johanna (Jo) van Gogh-Bonger als Schwägerin von Vincent van Gogh, dem erfolglosen Maler skizziert. ...

In zwei Erzählsträngen geht es um zwei Frauen, nämlich um die junge Kunsthistorikerin Gina, die das Leben von Johanna (Jo) van Gogh-Bonger als Schwägerin von Vincent van Gogh, dem erfolglosen Maler skizziert. Während Ginas Geschichte über ihre Familie mit ihrem als Schriftsteller erfolglosen Vater aus Entfremdeten besteht und in ihrer Beschreibung eher langatmig wirkt, sind die zusammengetragenen Informationen über die junge Jo um 1900 interessanter. Eine Kunstwelt voller Bohème in Frankreich und Holland bilden den Rahmen für diese kultivierte Frau mit Sprachkenntnissen. Nach nur kurzer Ehe muss sie als Frau auf dem Kunstmarkt in Amsterdam hart verhandeln mit Käufern und Museen in Europa, wenn es um den künstlerischen Nachlass von Vincent van Gogh geht. Über die großartige Entwicklung zur Kuratorin von Vincents Gemälden erfährt man wenig, dagegen mehr über die kurze, glückliche Ehe mit Theo van Gogh, seiner Erkrankung an Syphilis und über seinen erfolglosen Bruder Vincent. Historische Events wie die Weltausstellung in Paris oder weitere Impressionisten dieser Epoche sind eingeflochten. Das traurige Los der jungen Ballerinen an der Pariser Oper, das Leben der Prostituierten und die vielen Erkrankungen mit Todesfolge rütteln auf. Während Jo’s Leben als Muse oder Geschäftsfrau ruhig hätte ausgeweitet werden können, wirken die fiktiven Begegnungen zwischen Jo und Gina blass und unrealistisch. Nur eine ausführlichere Erzählebene über Johanna (Jo) van Gogh-Bonger hätte gereicht.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Ohne Punkt und Komma geht es in eine surreale Welt – gewöhnungsbedürftig.

requiem
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Der Schreibstil in ungeordneter Versform ist sehr auffällig, erschwert er doch den Lesefluss ohne gliedernde Zeichensetzung. Inhaltlich befindet man sich scheinbar auf einer surrealen Traumreise mit Natur- ...

Der Schreibstil in ungeordneter Versform ist sehr auffällig, erschwert er doch den Lesefluss ohne gliedernde Zeichensetzung. Inhaltlich befindet man sich scheinbar auf einer surrealen Traumreise mit Natur- und Umweltkatastrophen, quer durch Brandenburg, Berlin, N.Y., Kanada oder in Kalifornien. Sogar die Unterwelt und das Leben nach dem Tod werden nicht ausgeblendet, gefüttert durch weltweite Katastrophenszenarien aus den Medien. Lateinische und englische Satzfetzen sind eingeflochten. Sollte hier ein Requiem, eine Totenmesse, die letzte Messe für Mensch und Natur, für Ruhe und Frieden sorgen oder eher durch den besonderen Schreibstil der grammatikalischen Veränderung aufrütteln, immer auf der Suche nach dem ewigen Licht, das allem leuchten solle in dunkler Finsternis? Teile eines Gebets in Latein wie z. B. "Libera nos, Domine", das oft in liturgischen Kontexten verwendet wird, besonders in der katholischen Kirche, ist ein Ausdruck der Bitte um Befreiung von Not, Bedrängnis oder Übel. Andersgläubige mögen wenig mit dieser Liturgie anfangen können. Was übrig bleibt von den schönen Erinnerungen an unsere intakte Umwelt, möge bald nur noch in Schutt und Asche liegen, so könnte man diesen „Appell“ interpretieren.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Eine kaum greifbare Romanfigur.

Beteigeuze
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Der Buchtitel verrät, dass diese rote Supernova im Sternbild Orion nicht nur für die Romanfigur Theresa Neges von Bedeutung ist. Schon die Araber folgten diesem hellen Stern, zur Milchstraße gehörend. ...

Der Buchtitel verrät, dass diese rote Supernova im Sternbild Orion nicht nur für die Romanfigur Theresa Neges von Bedeutung ist. Schon die Araber folgten diesem hellen Stern, zur Milchstraße gehörend. Diese Protagonistin wandert als Außenseiterin durch Wien, im Kampf mit ihrer Medikation Zyprexa und ihren Nebenwirkungen, zwischen Depressionen und Therapie. Beleuchtet wird ihre Beziehung zum Freund Josef und zur Familie ohne zusammenhängende Erzählstränge. Eigenwillig in Inhalt und Schreibstil, dazu wenig Handlung, jedoch mit kreativen Wortbildern wie z.B. „faltiges Wasser“ und "knochenklopfendes Geraschel" – so schwirrt die Sprache dahin in einem sich nicht immer leicht zu erschließenden Auf und Ab je nach Theresas Stimmungen.

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Psychoanalyse mit besonderem Kick

Auf gefährlich sanfte Art
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Zwei Hauptfiguren, nämlich Patientin Nathalia Guitry, Fotografin, und Doktor Faber, Psychoanalytiker, Ich-Erzähler in seiner Praxis, bewältigen gemeinsam den Voyeurismus von Nathalie, der sich erst entwickelte ...

Zwei Hauptfiguren, nämlich Patientin Nathalia Guitry, Fotografin, und Doktor Faber, Psychoanalytiker, Ich-Erzähler in seiner Praxis, bewältigen gemeinsam den Voyeurismus von Nathalie, der sich erst entwickelte nach fotographischer Dokumentation eines Mordes. Nun unter Antriebsarmut bzw. Fotografie-Blockade leidend und statt über sich selbst zu reden, fabuliert sie schriftlich sehr kreativ über ihre Nachbarn, auf der gegenüber liegenden Nordseite des fünf-stöckigen Gebäudes wohnend. Entlang jedem Stockwerk als Strukturgeber in diesem Roman hangeln sich Leser wie Analytiker entlang dieser wahren oder erfundenen Einblicke in fremde, nachbarliche Leben. Auch Fabers Leben wird näher beleuchtet. Dieses fesselnde Psychospiel mit überraschender Pointe beschert auch dem Leser interessante Einblicke in Vorgehensweisen und Überlegungen eines Psychoanalytikers. Diese Patientin Nathalia fasziniert auf ihre gefährlich sanfte Art.

Sehr unterhaltend!

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