Ein verwirrendes Debüt über Identität, Exil und Zugehörigkeit
GalgenmannDie kafkaeske Erzählung beginnt mit einem morgendlichen Anruf anlässlich seines sterbenden Bruders in der afrikanischen Heimat. Der Ich-Erzähler, 55 Jahre alt, sitzt wie angeordnet nach 26 Jahren im Flugzeug ...
Die kafkaeske Erzählung beginnt mit einem morgendlichen Anruf anlässlich seines sterbenden Bruders in der afrikanischen Heimat. Der Ich-Erzähler, 55 Jahre alt, sitzt wie angeordnet nach 26 Jahren im Flugzeug von den USA nach Afrika, ohne sein wichtiges Blutdruckmedikament. Auf der folgenden odysseehaften Reise tauchen Erinnerungen sowohl über die Umstände seines Exils auf als auch über die ihm sehr fremd gewordene Heimat mit unzähligen, fremd gewordenen Familienmitgliedern. Wie ein hilfloser Beobachter, gebeutelt durch die hohe Erwartungshaltung seiner Familie hinsichtlich ihrer finanziellen und bürokratischen Wünsche, erlebt er neben hemmungsloser Übervorteilung auch seltsame, rätselhafte Begegnungen mit zunehmendem Verlust seiner Identität. Nach und nach ist er ohne Geld, ohne Gepäck, ohne seine saubere Bekleidung, ohne seinen Pass und sein Portemonnaie unterwegs - vielleicht in Analogie zum Galgenmann-Spiel. Zeitlich verwirrend sind die TV-Nachrichten aus den USA wie auch seine blockierten Emails an Ehefrau und Bruder. Der Schreibstil mit einigen wiederholten, umständlichen Formulierungen wirkt langweilig, lenkt einfach zu sehr ab von Rassismus, von der politischen und gesellschaftlichen Realität in beiden Ländern.
Kein leicht zu deutendes Debüt.