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Veröffentlicht am 15.06.2018

Beeindruckendes und zutiefst bewegendes Zeitdokument, das zur Pflichtlektüre werden sollte

Wofür es lohnte, das Leben zu wagen
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Der Augenarzt Helmut Machemer aus dem münsterländischen Stadtlohn heiratet im Jahr 1932 seine große Liebe, die Halbjüdin Erna und führt mit ihr eine äußerst harmonische Ehe, aus der insgesamt drei Kinder ...

Der Augenarzt Helmut Machemer aus dem münsterländischen Stadtlohn heiratet im Jahr 1932 seine große Liebe, die Halbjüdin Erna und führt mit ihr eine äußerst harmonische Ehe, aus der insgesamt drei Kinder hervorgehen.
Als die Familie nach der Machtergreifung durch die NSDAP immer mehr unter Druck gerät und zum Opfer der Rassenideologie und der später daraus resultuierenden Rassengesetze von 1935 zu werden droht, sieht Helmut nur noch einen Ausweg: Er meldet sich im Alter von 36 Jahren freiwillig zum Dienst in der Wehrmacht, um über Auszeichnungen und Beförderungen eine "Bescheinigung der Deutschblütigkeit" für seine Familie auf dem Gnadenweg zu erhalten.
Und so nimmt er als Truppenarzt einer Panzer-Aufklärungs-Einheit auch an dem im Juni 1941 beginnenden Deutsch-Sowjetischen-Krieg teil.
Um diese Zeit zu dokumentieren, pfegt er über die gesamten Jahre in der Wehrmacht einen ausführlichen Schriftverkehr mit seiner Frau und den Kindern. Dort beschreibt er in einer fast schon schonungslosen Offenheit und weitestgehend fernab der sonst so üblichen Kriegspropaganda den Alltag an der Front.

Helmut Machemers Sohn Hans hat nun nach über 75 Jahren zusammen mit dem Historiker Christian Hardinghaus den umfangreichen Briefwechel und die zahlreichen Bilder, Filme und Dokumente gesichtet und die Briefe und Fotos aus dem Zeitraum zwischen Oktober 1941 und Mai 1942 zu einem einzigartigen und beeindruckenden Zeitdokument zusammengestellt, das mich beim Lesen zutiefst bewegt hat.

Wir erleben hier einen Mann, der auf der einen Seite ständig bemüht ist, sich seine Menschlichkeit in all dem Grauen um ihn herum zu bewahren, und auf der anderen Seite aber auch immer wieder eine ziemliche Entschlossenheit an den Tag legt, sein selbst gestecktes Ziel mit (fast) allen Mitteln zu erreichen.
Der Wandel, den Helmut Machemer in den Jahren an der Front durchläuft, lässt sich dabei auch ziemlich gut an den Änderungen in seinem Schreibstil und seiner Ausdrucksweise ablesen.

Ein wichtiges und sehr bewegendes Buch, das gerade in der heutigen Zeit eigentlich zur Pflichtlektüre werden sollte.


Die Geschichte von Helmut Machemer liefert auch die Vorlage für den Roman "Ein Held dunkler Zeit" von Christian Hardinghaus, der eine wunderbare Ergänzung zu diesem Sachbuch darstellt und den ich ebenfalls wärmstens empfehlen kann.

Veröffentlicht am 15.06.2018

Tiefgründiger und verstörender Psychothriller um eine Frau auf einem gnadenlosen Rachefeldzug

Gleis der Vergeltung
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Auch mit ihrem neuesten Buch ist der Autorin Astrid Korten wieder ein tiefgründiger und verstörender Psychothriller gelungen, der mich auf ganzer Linie überzeugen konnte. Das die Geschichte zudem noch ...

Auch mit ihrem neuesten Buch ist der Autorin Astrid Korten wieder ein tiefgründiger und verstörender Psychothriller gelungen, der mich auf ganzer Linie überzeugen konnte. Das die Geschichte zudem noch auf einer wahren Begebenheit beruht, steigert den Schrecken, der eh schon hinter dieser Geschichte lauert, noch um ein Vielfaches.

Auch nach 7 Jahren hat Lynn von Raaben den Verlust ihres Verlobten Benedikt, der auf dem Weg zu ihrer Hochzeit tödlich verunglückt ist, noch nicht überwunden. Sie lebt nun ziemlich zurückgezogen, der einzige Halt im Leben ist ihr an Demenz erkrankter Vater. Als sich eine geheimnisvolle Frau bei ihr meldet und mit einer verspäteten Zeugenaussage den Tod von Benedikt plötzlich in einem ganz anderen Licht dastehen lässt, begibt sich Lynn auf einen gnadenlosen Rachefeldzug. Dieser Weg und seine Folgen reißen aber auch eine alte, lange verdrängte Wunde aus ihrer eigenen Vergangenheit wieder auf ...

Die Autorin erzählt ihre gut aufgebaute Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven von Lynn und denen der jeweiligen Ziele ihres perfiden Racheplanes. Mit geschickt eingestreuten Rückblenden und einigen überraschenden Wendungen setzt sich das Gesamtbild erst nach und nach zusammen, bis es am Ende dann seinen gesamten Schrecken enthüllt.
Der packende Schreibstil, ein perfekt funktionierender Spannungsbogen und die äußerst vielschichtig charakterisierten Protagonisten tragen auch einen gehörigen Teil dazu bei, das man das Buch beim Lesen gar nicht mehr aus der Hand legen will.

Ein überzeugendes Buch, das es schon alleine wegen seines wichtigen Themas verdient hat, eine große Leserschaft zu finden.
Ich kann dieses Werk jedem Liebhaber von spannenden und abgründigen Psychothrillern auf jeden Fall nur wärmstens empfehlen.

Veröffentlicht am 14.06.2018

Fein aufeinander abgestimmte Mischung aus Krimispannung und Humor

Blutige Beichte
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Mit dem LKA-Präsidenten Karl Zimmerschied schickt der Autor Jörg Steinleitner einen neuen Ermittler ins Rennen, der mich bei seinem ersten Auftritt insgesamt überzeugen konnte und durchaus das Zeug zu ...

Mit dem LKA-Präsidenten Karl Zimmerschied schickt der Autor Jörg Steinleitner einen neuen Ermittler ins Rennen, der mich bei seinem ersten Auftritt insgesamt überzeugen konnte und durchaus das Zeug zu einer Serienfigur hat.

In München wird an den Schauplätzen einiger völlig unterschiedlcher Verbrechen immer wieder die gleiche DNA-Spur sichergestellt. Eines der Opfer ist zudem auch noch ein Vertrauter des bayrischen Ministerpräsidenten. Der daraus resultierende politische Druck treibt den LKA-Präsidenten zum Verdruß der eigentlich zuständigen Beamten zurück an die vorderste Ermittlerfront.
Das er darüber hinaus auch noch den Staatsbesuch des amerikanischen Präsidenten organisieren soll, ihm der Pfarrer seines Heimatortes eine Tasche mit Handgranaten und einem Maschinengewehr übergibt, die er in seinem Beichtstuhl gefunden hat, und sich seine Frau Roswitha zu allem Überfluß im Baliurlaub in einen Alt-Hippie verliebt hat, macht die ganze Angelegenheit für Zimmerschied nicht wirklich einfacher.

Jörg Steinleitner bietet in diesem Buch eine fein aufeinander abgestimmte Mischung aus Krimispannung und Humor, der es dabei gelingt, beiden Genres absolut gerecht zu werden. Der flotte Schreibstil passt hervorragend zur gut aufgebauten Geschichte, die mit einigen überraschenden Wendungen aufwartet und deren Spannungsbogen vom Anfang bis zum Ende trägt.
Auch die Charakterisierung der Protagonisten ist absolut gelungen, die einzelnen Figuren geraten dabei zuweilen schon ziemlich skurril, ohne dabei aber zu einer bloßen Parodie zu verkommen.

Auch wenn der Autor an der einen oder anderen Stelle vielleicht doch etwas zu dick aufträgt, konnte mich dieses Buch unter dem Strich doch sehr gut unterhalten und auf eine mögliche Fortsetzung neugierig machen.

Veröffentlicht am 08.06.2018

Auch der zweite Auftritt von Targa Hendricks liefert wieder spannende Thrillerkost

Immer wenn du tötest
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Mit Targa Hendricks hat das Autorenduo B.C. Schiller eine ziemlich ungewöhnliche und zugleich sperrige Figur geschaffen, die mich im letzten Jahr bei ihrem ersten Auftritt gleich überzeugen konnte. Umso ...

Mit Targa Hendricks hat das Autorenduo B.C. Schiller eine ziemlich ungewöhnliche und zugleich sperrige Figur geschaffen, die mich im letzten Jahr bei ihrem ersten Auftritt gleich überzeugen konnte. Umso gespannter war ich nun auf ihren zweiten Auftritt und habe mir im Vorfeld die Frage gestellt, ob das Buch wohl das hohe Niveau des ersten Bandes wird halten können.
Beim Zuklappen des Buches konnte ich diese Frage nun aber voller Überzeugung mit ja beantworten.

Nachdem hier zu Beginn erst einmal der böse Cliffhanger vom Ende des ersten Buches aufgelöst wird (auch wenn ein paar Restzweifel bleiben), bekommt es Targa in ihrem neuen Undercover-Einsatz gleich wieder mit einer gefährlichen Gegnerin zu tun. Die exzentrische Künstlerin Freya von Rittberg, die mit dem Blut ihrer Fans Gemälde malt und zudem immer wieder gefährliche Mut-Challenges veranstaltet, wird verdächtigt, für mehrere brutale Morde verantwortlich zu sein. Die Spurenlage ist dabei aber ziemlich dünn. Targa soll nun als ihre neue Leibwächterin Licht in Dunkel bringen.

Auch in ihrem zweiten Einsatz bleibt Targa ein Charakter, der es den Lesern nicht gerade leicht macht, sie zu mögen. Und so spielen ihre außergewöhnliche Hintergrundgeschichte und die Suche nach ihrem Vater hier wieder eine wichtige Rolle und liefern dabei auch ein paar faustdicke Überraschungen.
Auch wenn das Duell zwischen Targa und Freya in der Geschichte schon eine ziemlich dominante Rolle einnimmt, bleibt auch für die gut charakterisierten Nebenfiguren genug Raum und Zeit zur Entfaltung, den diese auch überzeugend zu nutzen wissen.
Der packende Schreibstil und die gut konstruierten Geschichte, die mit einigen überraschenden Wendungen aufwartet, tragen viel zum absolut positiven Gesamteindruck, den das Buch bei mir hinterlassen hat, bei.

Wer auf spannende Thriller mit außergewöhnlichen Figuren steht, wird hier wieder bestens unterhalten.

Veröffentlicht am 08.06.2018

Harter und überzeugender Polizei-Thriller aus Frankfurt

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Jo Lasker leitet das Einsatz- und Fahndungskommando (EFKO) der Frankfurter Polizei, das zwar eine hohe Erfolgsquote aufweist, aber auch im Verdacht steht, sich nicht immer punktgenau an die Vorschriften ...

Jo Lasker leitet das Einsatz- und Fahndungskommando (EFKO) der Frankfurter Polizei, das zwar eine hohe Erfolgsquote aufweist, aber auch im Verdacht steht, sich nicht immer punktgenau an die Vorschriften zu halten. So geraten Jo und sein Team ins Visier der Polizeiführung, denen das EFKO und seine Methoden ein Dorn im Auge ist.
Tigran Bedrossian, ein Armenier, der vor einem Jahr über die Türkei und Bulgarien den Weg nach Deutschland gefunden hat und dabei einen festen Plan verfolgt, sucht in Frankfurt Kontakt zur Arkadas, der türkisch-armenischen Mafia.
Als Lasker den Fahndungsauftrag für einen Drogenabhängigen erhält, der im Verdacht steht, seine Eltern bestialisch ermordet zu haben, und Tigran zeitgleich von der Arkadas mit dem Mord an eben diesem Mann beauftragt wird, setzt sich eine Spirale in Gang, bei der es schon bald nicht mehr um Gut und Böse, sondern nur noch ums Überleben geht ...

Jens Bühler, im wahren Leben selbst als Kriminalhauptkommissar tätig, zieht seine Leser von der ersten Seite in seinen Bann und von Seite zu Seite immer tiefer in die Geschichte hinein. Die überzeugend konstruierte Story, die immer wieder mit überraschenden Wendungen aufwartet, entfacht eine wahre Sogwirkung und steuert schnurstracks auf einen fulminanten Show-Down zu, der die Spannung noch einmal in die Höhe treibt, um sich dann fulminant zu entladen.
Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen dabei immer mehr und es wird klar, das niemand diese Geschichte unbeschadet überstehen kann und wird.
Hart, realistisch, gut, so muss ein Thriller sein.

Wen die Bücher von Horst Eckert begeistern, wird auch diesen Thriller förmlich verschlingen.