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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.02.2025

Wanderjahre und Jahre des Schweigens ...

Portrait meiner Mutter mit Geistern
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Puh … was für ein Werk die Autorin Rabea Edel hier geschaffen hat. Die vielen positiven Rezensionen bestätigen durchaus ihr Talent dafür, eine komplexe Familiengeschichte ins richtige Licht zu setzen. ...

Puh … was für ein Werk die Autorin Rabea Edel hier geschaffen hat. Die vielen positiven Rezensionen bestätigen durchaus ihr Talent dafür, eine komplexe Familiengeschichte ins richtige Licht zu setzen. Dennoch kam ich leider mit diesem recht eigenwilligen Schreibstil nicht so ganz zurecht, der Lesefluss wollte sich einfach nicht wirklich einstellen.

Die Story, die sich rund um die Frauen Rina, Selma, Martha und Raisa dreht, geht um das Schweigen derselben, denen es schwerfällt, die Vergangenheit geprägt von Krieg, Missbrauch und verlassen worden zu sein, zu brechen. Sie leiden alle unter dieser Stille, dem Schweigen, das sich durch alle Generationen zieht und dennoch können sie schlecht aus ihrer Haut. Nach und nach kommen jedoch Geheimnisse an die Oberfläche, die verarbeitet gehören, um weiterzuleben. Auf immer wieder wechselnden Zeitebenen bringt Rabea Edel diese ihren Lesern nah, schafft aber gleichzeitig oft Zusammenhänge, die manchmal schwer nachzuvollziehen sind.

Wer ein komplexes Romangerüst sucht, das in die Tiefe geht und dem Leser die uneingeschränkte Aufmerksamkeit abverlangt, ist hier bestens bedient. Ich konnte mich nicht ganz mit der Story identifizieren und vergebe hier deshalb für mich diesmal nur drei von fünf Sternen: Für Literaturbegeisterte, die gerne auch mal neben dem Mainstream unterwegs sind, spreche ich aber gerne eine Leseempfehlung aus.

Veröffentlicht am 24.02.2025

Ein ganz besonderer Besuch in der Torstraße 94 in Berlin ...

Torstraße 94
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Was muss das für ein wunderbares Gefühl für Andreas Ulrich gewesen sein, als ihm das „Hausbuch“ der Torstraße 94 in die Hände fiel, zumal er ja selbst einige Jahre seines Lebens dort leben durfte. Zu DDR-Zeiten ...

Was muss das für ein wunderbares Gefühl für Andreas Ulrich gewesen sein, als ihm das „Hausbuch“ der Torstraße 94 in die Hände fiel, zumal er ja selbst einige Jahre seines Lebens dort leben durfte. Zu DDR-Zeiten war es üblich, nein sogar Pflicht, dass sich dort die Bewohner und sogar Besucher mit Angaben zu Name und Beruf eintrugen. Anhand dieses Hausbuchs kreiert der Autor und Journalist nun verteilt auf viele kurze Kapitel einen Rückblick in die damalige Zeit, ihre Bewohner und deren Eigenheiten. Mit viel journalistischem Spürvermögen gepaart mit gesunder Neugier gelingt es ihm zwar nicht alle jedoch viele der Ehemaligen aufzuspüren und sich deren Geschichten erzählen zu lassen. Neben den spannenden Rückblicken schmücken auch interessante Bilder das Buch und machen es so zu einem kurzweiligen Lesezeitvertreib, auch wenn man selbst das Haus noch nie gesehen, geschweige dann betreten hat. Dank meiner eigenen Erfahrungen zum Thema Familienforschung kann ich mir gut vorstellen, wie viel Spaß die „Jagd“ nach den Geschichten gemacht haben muss, und auch die Freude über das Zusammenführen der einzelnen Puzzlesteinchen ist deutlich spürbar. Von mir bekommt das Buch begeisterte vier Sterne verbunden mit einer Empfehlung an alle diejenigen, deren Neugier auf Vergangenes ungebrochen ist.

Veröffentlicht am 20.02.2025

Das Leben ist ein Geschenk, bringt aber viele Gefahren und Risiken mit sich ...

Die Meisterdiebin
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In diesem Roman, dessen Thema auf wahren Tatsachen beruht, lernen wir Elise, ihren Zwillingsbruder Wolfi und ihre Schwester Adele kennen, die von Geburt an eine Behinderung an der Hüfte hat und dadurch ...

In diesem Roman, dessen Thema auf wahren Tatsachen beruht, lernen wir Elise, ihren Zwillingsbruder Wolfi und ihre Schwester Adele kennen, die von Geburt an eine Behinderung an der Hüfte hat und dadurch besonderer Zuneigung der Eltern bedarf. Wolfi und unsere Protagonistin Elise hingegen sind sich zusammen selbst genug. Erst nach einer unverschuldeten Tragödie scheint die Familie zu zerbrechen. Die Mutter kehrt mit den beiden Mädchen von Sumatra nach Österreich zurück, wo sich der Himmel schon ziemlich „braun“ gefärbt hat und das Leben für die jüdische Familie dort immer gefährlicher wird. Elise, im wahren Leben als Erika B. bekannt, gelingt die Flucht in die Schweiz. Ihre Schwester und Mutter bestehen jedoch darauf, in ihrem geliebten Wien zu verbleiben. Doch Elise gibt nicht auf und ersinnt einen Plan, wie sie selbst in der relativ sicheren Schweiz bleiben, ihre Familie nachholen und zugleich Rache üben kann an den Menschen, die ihr alles genommen haben …

Gleich auf den ersten Seiten fährt Christine Jaeggi mit einer Szene auf, die mich die Luft anhalten ließ. Wird Elise wirklich bei einem ihrer Raubzüge erwischt und was werden die Konsequenzen sein? Doch dann führt uns die Autorin sanft zurück in Elises Kindheit und lässt sie uns kennenlernen, das Zwillingskind, das sich immer von der Mutter ungeliebt fühlte. Wir treffen außerdem ihren geliebten Großvater, der ihr Fels in der Brandung ist und ihr mit weisen aber nie schulmeisterlichen Erklärungen zum Leben zur Seite steht und an den sie noch oft in ihrem späteren Leben denken wird.

Als Leserin fühlte ich mich bestens aufgehoben in dieser außerwöhnlichen Geschichte, die mich von Anfang an fesseln und begeistern konnte. Durch die bildgewaltige Schreibweise entwickelte sie eine Sogwirkung, die mich das Buch kaum zur Seite legen ließ. Ich freue mich riesig, dass ich für mich mit „Die Meisterdiebin“ eine neue Autorin kennenlernen durfte, und vergebe gerne 4,5 von 5 funkelnden Sternen. Was für ein Abenteuer du mir präsentiert hast, liebe Christine. Von mir gibt es zu den Sternen natürlich eine von Herzen kommende Empfehlung.

Ach, noch ein kleiner Nachsatz … der Zytglogge Verlag war mir gar kein Begriff. Schön, dass du das Wort „Zytglogge“ in deinen Roman mit eingeflochten hast und es für uns „Nicht-Schweizer“ erklärt hast. Ich liebe ja solche kleinen Details!

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Veröffentlicht am 10.02.2025

"Wenn du das Glück begreifen willst, musst du es als Lohn und nicht als Ziel verstehen."

Der Poet mit dem gebrochenen Flügel
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Wer war Antoine de Saint-Exupery? Und sollte man ihn wirklich auf sein bekanntestes Werk „Der kleine Prinz“ reduzieren? Niemals, denn er ist so viel mehr! Als drittes von fünf Kindern und erstgeborener ...

Wer war Antoine de Saint-Exupery? Und sollte man ihn wirklich auf sein bekanntestes Werk „Der kleine Prinz“ reduzieren? Niemals, denn er ist so viel mehr! Als drittes von fünf Kindern und erstgeborener Sohn wächst er trotz des frühen Verlustes seines Vaters recht behütet und geliebt auf. Schon früh in seinem Leben kristallisiert es sich heraus, dass er hoch hinaus, nämlich Pilot werden und durch die Lüfte segeln will. Was ihm die Armee verweigert, erreicht er auf privatem Wege und verwirklicht seinen Traum. Doch Fliegen allein füllt seinen Kopf nicht aus und so beginnt er sich bereits früh auch als Schriftsteller. Gleich der erste Roman „Vol de nuit“ (Nachtflug) beschert ihm den Durchbruch als Autor. Als er schließlich die rassige Latina Consuelo, eine junge Witwe aus El Salvador, kennenlernt und schließlich ehelicht, scheint er im Leben alles erreicht zu haben. Doch weit gefehlt, denn „Tonio“, wie ihn alle liebevoll nennen, ist ein Getriebener, ein ewig Suchender nach Liebe, Anerkennung und Geborgenheit. Viel zu oft macht er sich dadurch zum Gefangenen seiner selbst …

Liebe Gabrielle, ich bin einfach nur sprachlos und tief beeindruckt von deinem Buch über diesen besonderen Menschen, über den ich bis dato gar nichts wusste. Du hast mir mit deinem biografischen Roman „Der Poet mit dem gebrochenen Flügel“ einen Einblick in das Leben von Antoine de Saint-Expery gewährt, den ich nicht für möglich gehalten hätte. Als hättest du neben ihm im Flugzeug gesessen, wenn er mal wieder eine Bruchlandung hinlegte oder auch einfach nur ein Chanson summte und sinnierte. Als wärst du Zeugin gewesen, wenn Consuelo und er sich mal wieder lautstarke verbale und Geschirr zerschmetternde Kämpfe lieferten. Du warst sein Herz und sein Gewissen, wenn er mal wieder nicht treu sein konnte und Bestätigung in fremden Betten suchte. Ich habe nach dem Lesen dieses Buchs nun selbst das Gefühl in das Herz des oft einsamen Eroberers der Lüfte sehen zu können. Sein ganzes Leben lang war er auf der Suche und man kann ihm nur wünschen, dass er tatsächlich am Ende seinen Frieden finden konnte. Fünf Sterne sind hier als Bewertung fast zu wenig. Ich bin begeistert und berührt und spreche natürlich gerne eine absolute Leseempfehlung für dieses wunderbare Buch aus. Vielen Dank dafür, liebe Gabrielle!

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Für mich hätte es immer so weiter gehen können ...

Die Töchter der Ärztin
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Zum letzten Mal darf ich mit diesem dritten Band der Trilogie die „Thomasius Ärztinnen“ begleiten und verabschiede sie mit einem weinenden Auge. Auch im Jahr 1931/32 stehen die Drei wieder vor einigen ...

Zum letzten Mal darf ich mit diesem dritten Band der Trilogie die „Thomasius Ärztinnen“ begleiten und verabschiede sie mit einem weinenden Auge. Auch im Jahr 1931/32 stehen die Drei wieder vor einigen Herausforderungen. Hennys Mann Victor muss sich endlich, endlich eingestehen, dass auch er nicht unverwundbar ist. Sein Gesundheitszustand führt die Familie aus Kalifornien zurück nach Deutschland, wo Henny wider Erwarten ein weiteres Mal glücklich wird, ihre Tochter Vicky jedoch umso mehr unter dem Umzug leidet. Toni gibt sich endlich der Liebe hin und Ricarda und ihr Mann machen sich auf den Weg nach Südfrankreich, denn auch Siegfrieds Gesundheit lässt zu wünschen übrig. Und rund um sie herum – wie könnte es anders sein – geben die von Freystettens wieder ihr Bestes, um das Leben für alle Beteiligten gehörig durcheinander zu wirbeln. Im „Reich“ gewinnen die braunen Schergen derweil immer mehr an Macht und versetzen viele Mitbürger in Angst und Schrecken. Wie das schließlich enden wird, wissen wir heutigen Leser ja leider zur Genüge. Es ist und bleibt spannend …

Obwohl nicht alle meine Vorrezensenten meiner Meinung sind, möchte ich auch für diesen letzten Band gerne mit fünf Sternen die Bestnote vergeben. Ich habe mich durch die drei Bände fast nahtlos hintereinander quasi „durchgesuchtet“ und sogar etwas meiner Nachtruhe dafür geopfert. Während die Familiengeschichte an sich fesselnd ist, haben mich auch die wahren Begebenheiten, Orte und Personen wieder fasziniert. Ich konnte spüren, wie die Stimmung in Deutschland zu kippen begann und die Menschen entweder entsetzt darüber waren oder dem Führer bereits jetzt an den Lippen hingen. Auch die medizinischen Details waren packend. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass es vor knapp hundert Jahren schon künstliche Befruchtung gab? Und als die Großmutter Klara schließlich ihre Schatzkammer an althergebrachten, natürlichen Heilmitteln öffnete, war ich schwer beeindruckt. Wie bereits geschrieben, von mir gibt es wieder eine absolute Empfehlung und es macht mich sehr traurig, dass es das Ehepaar „Helene Sommerfeld“ bedingt durch den Tod von Ilona Maria Hilliges, dem weiblichen Part des Duos, nun nicht mehr gibt. Umso mehr freut es mich aber, dass die Trilogie rund um die Polizeiärztin Magda Fuchs aus der Feder der Beiden noch auf meinem SuB schlummert. Die werde ich nun wirklich bald mal zum Leben erwecken.

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