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Veröffentlicht am 05.07.2025

Club der Möchtegern-Witwen

Very Bad Widows
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Geld oder Liebe, das ist gewissermaßen das Motto in Sue Hincenbergs Cozy-Krimi "Very bad widows", wobei: sehr weit her ist es ja nicht mehr mit der Liebe in den Ehen von Pam, Nancy und Shalisa. Die vierte ...

Geld oder Liebe, das ist gewissermaßen das Motto in Sue Hincenbergs Cozy-Krimi "Very bad widows", wobei: sehr weit her ist es ja nicht mehr mit der Liebe in den Ehen von Pam, Nancy und Shalisa. Die vierte Freundin im Bunde, Marlene, ist frisch verwitwet und seitdem unternehmungslustiger denn je. Zudem kann sie sich mit dem Geld aus der Lebensversicherung ihres Mannes einen Lebensabend im sonnigen Florida gönnen.

Beneidenswert, vor allem, da sich die Frauen seit einigen Jahren schwer einschränken müssen. Denn Pams Ehemann hatte sich bei einer Investition gründlich verspekuliert, und dabei auch die anderen drei befreundeten Paare, die seinem Finanzratschlag gefolgt waren, in die Geldknappheit gestoßen. Die Freundschaft hatte den finanziellen Niedergang überstanden, in den Ehen herrschte seitdem allerdings deutliche Abkühlung.

Marlenes neues Leben führt das Ehefrauen-Trio auf unschöne Gedanken: Haben nicht auch die eigenen Gatten eine hohe Lebensversicherung abgeschlossen? Und könnte man nicht, mit ein bißchen Nachhilfe, in den Status der wohlhabenden Witwe aufrücken? Selbst Hand anlegen wollen die Frauen nicht, doch der salvadorianische Herrenfriseur Hector, so wird gemunkelt, ist in Sachen Auftragsmord nicht unerfahren...

Was Pam, Nancy und Shalisa nicht wissen können: Ihre Ehemänner sind selbst bereits Kunden bei Hector. Sie gehen nämlich davon aus, dass das Garagentor, das auf dem Kopf ihres kürzlich verstorbenen Freundes niedergegangen ist, nicht zufällig dort gelandet war. Denn zusammen mit Marlenes verstorbenen Gatten hatten die Männer geplant, durch jahrelange Manipulation der Automaten in dem Casino, in dem zwei von ihnen arbeiteten, wieder zu Geld zu kommen. Das Projekt stand schon kurz vor dem Abschluss, mit neun Millionen Dollar auf Offshorekonten. Geld, das vielleicht auch wieder zu mehr Leben in den jeweiligen Ehen führen könnte. Doch kürzlich wurde das Casino von einer indischen Holding mit Verbindungen ins organisierte Verbrechen übernommen. Die Männer sind sicher: Man ist ihnen bereits auf der Spur. Also soll Hector ihre mutmaßlichen Killer außer Gefecht setzen.

Dieses Szenario ist lediglich der Ausgangspunkt - es wird noch wesentlich turbulenter zwischen verletzter Liebe, Reue und Wut. Eine Ehetherapie wäre womöglich nützlicher gewesen, auch wenn sie die Geldprobleme nicht gelöst hätte. Dann aber wäre Hincenbergs Buch bei weitem nicht so kurzweilig. Auch wenn die Ehedramen öfter ein wenig überzeichnet sind, ist "Very bad widows" ausgesprochen unterhaltsam.

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Veröffentlicht am 03.07.2025

Einsamlkeit in Zeiten des Klimawandels

Die Rettung
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Eines ist bei den Romanen von Charlotte McConnaghy garantiert: Die Natur spielt eine Hauptrolle, mit großartigen Beschreibungen von Landschaft, Flora und Fauna, mit einem aufmerksamen Blick und einer ruhigen ...

Eines ist bei den Romanen von Charlotte McConnaghy garantiert: Die Natur spielt eine Hauptrolle, mit großartigen Beschreibungen von Landschaft, Flora und Fauna, mit einem aufmerksamen Blick und einer ruhigen Erzählweise. Das ist auch in ihrem neuen Buch, "Die Rettung" nicht anders.

Der Titel ist zutreffend und doch auch wieder nicht. Denn in der Tat wird die schwerverletzte Rowen nach einem Schiffbruch gerettet. Doch die einsame Insel zwischen Australien und Antarktis, auf der nur noch der verwitwete Forscher Dominic mit seinen drei Kindern lebt, ist bereits durch den Klimawandel verloren. Der Meeresspiegel steigt, der Saatbunker, in dem Saaten seltener, teils bereits ausgestorbener Pflanzen für künftige Generationen aufgelöst werden, kann nicht aufrechterhalten bleiben. Dominic betreibt die Abwicklung, nachdem die Wissenschaftlerteams die Insel bereits verlassen haben.

Zwischen Pinguinen, Robben und Seeelefanten herrscht zunächst spannungsvolles Misstrauen zwischen Rowen und Dominic. Beide spüren, der/die andere hat Geheimnisse. Wieso sind Funkverbindung zur Außenwelt und Stromversorgung abgebrochen? Warum hat sich die 17-jährige Tochter zu einem isolierten Leben in einem Bootsschuppen nahe der Robbenkolonie entschlossen? Rowen will das Schicksal ihres Ehemannes aufklären, der als Wissenschaftler auf der Insel lebte. Dominic will seine Familie schützen - um welchen Preis und vor welcher Gefahr?

Zugleich sind Rowen und Dominic zwei zutiefst einsame Menschen, die zwischen Misstrauen und wechselseitiger Anziehung gefangen sind. Und dann sind da noch die 18, 17 und neun Jahre alten Kinder, die durch das einsame Leben auf der Insel zu ungewöhnlichen Persönlichkeiten heranwachsen und im Falle des Jüngsten erstmals eine Frau als mögliche Mutterfigur erleben. Wobei Rowen, die bewusst kinderlos geblieben ist, über den anhänglichen Neunjährigen mit seinem enzyklopädischen Wissen über Pflanzen zunächst gar nicht erfreut ist.

McConnaghy schafft es, subtile Spannung aufzubauen: Kommt die größte Gefahr von außen oder von innen? Werden Geheimnisse gelüftet, und mit welchen Konsequenzen? Rückblenden erklären die Vergangenheit der Protagonisten und zeigen, wie sie zu denen wurden, die sie sind, wo ihre Verletzlichkeiten liegen. Wer die Autorin kennt, weiß: Spannung ist hier nie reißerisch, dennoch hat "Die Rettung" Thriller-Elemente eines locked space Dramas mit Naturgewalten und verborgenen Wahrheiten. Das Ende ist ebenso schmerzhaft wie konsequent.

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Verzweifelte Suche

Die Angst, die niemals endet
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Mit "Die Angst, die niemals endet" hat Alex Smith den Abschluss seiner Robert Kett-Triologie um einen Ermittler geschrieben, der die eigene Ehefrau sucht und dabei auch noch die Herausforderungen des ...

Mit "Die Angst, die niemals endet" hat Alex Smith den Abschluss seiner Robert Kett-Triologie um einen Ermittler geschrieben, der die eigene Ehefrau sucht und dabei auch noch die Herausforderungen des Lebens als alleinerziehender Vater dreier lebhafter Töchter in einem nicht gerade familienfreundlichen Beruf meistern muss. Nachdem es in den ersten beiden Büchern vage Andeutungen auf den Mann gab, der hinter dem Verschwinden von Ketts Ehefrau steckt, gibt es nun eine erste Spur. Fünf Monate nach der Entführung findet sich eine DNA-Spur und das Telefon der Vermissten in einer Londoner Villa - aber auch Hinweise, dass in dem Haus Furchtbares passiert ist.

Die Angst, mit der Kett seit fast einem halben Jahr lebt, dauert jedenfalls an, denn er kann nicht wissen, ob seine Frau lebt oder nicht. Der Autor gibt den Leser*innen einen Wissensvorsprung, ohne allerdings zu viel zu verraten. Denn der geheimnisvolle Pigman scheint den Ermittlern immer um eine Nasenlänge voraus zu sein. Wie bereits in den Vorgängerbänden nimmt Kett wenig Rücksicht auf offizielle Dienstwege und setzt das eigene Leben aufs Spiel, ohne sich Gedanken über die möglichen Konsequenzen für seine drei kleinen Töchter zu machen.

Die Suche Ketts nach seiner Frau entwickelt sich immer mehr zu einer einsamen Jagd gegen den Willen seiner Vorgesetzten. Doch je näher Kett der Lösung seines persönlichsten Falles kommt, desto größer könnte der Preis werden, den er für die Wahrheit zahlen muss.

Der dritte Band bringt noch einmal jede Menge Spannung auf. Das Verhalten Ketts ist vielleicht nicht immer nachvollziehbar, Adrenalin wird aber auch beim Lesen reichlich ausgeschüttet.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Droht der Weltuntergang durch Deepfakes?

Reset
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Die Welt steht am Rande des Dritten Weltkriegs, alarmierende Nachrichten schüren Konflikte und wecken Aggressionen. Doch sind die Videobilder und Berichte wahr? Der Fall einer abgeschossenen Passagiermaschine, ...

Die Welt steht am Rande des Dritten Weltkriegs, alarmierende Nachrichten schüren Konflikte und wecken Aggressionen. Doch sind die Videobilder und Berichte wahr? Der Fall einer abgeschossenen Passagiermaschine, die angeblich von Terroristen gekapert und als Waffe in das Terminal des Münchner Flughafens gesteuert werden sollte, ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn die Aufnahmen aus dem Cockpit, die Fluglotsen, Luftaufsicht und Terrorabwehr überzeugten, waren ein Deepfake - und bei weitem nicht das einzige dieser Art.

In Peter Grandls Thriller "Reset" erlebt die Weltgemeinschaft Chaos. Alle digitalen Kanäle und Geräte scheinen infiziert von einem KI-Virus, der täuschend echte Fakes verbreitet. Selbst Videoanrufen kann nicht getraut werden. Ein internationales Team will sich von Interpol-Sitz in Lyon aus daran machen, das Problem zu lösen, während jeder Tag mehr Anarchie, Gewalt und Plünderungen, Zusammenbruch von Lieferketten und einen Stillstand der modernen Transportwege bedeutet. Alles, worauf sich die Menschen bisher verließen, funktionierte schließlich digital. Nun aber funktioniert Kommunikation, die Deepfakes ausschließt, nur noch analog. Briefe werden wieder geschrieben, beim Krisenstab sind Handies verboten, während Fernschreiber und Faxgeräte auch Technikmusseen reaktiviert werden. Doch wird ein weltweiter Reset das Problem lösen - oder das Chaos nur verschlimmern?

Grandl folgt einer Reihe von Ermittlern und IT-Experten auf ihrer Suche nach der Wahrheit hinter all den Fake-Botschaften. Leider bleiben die Figuren angesichts des großen Personenbestands des Buchs schablonenhaft und gewinnen nicht wirklich an Profil.

Der Plot von "Reset" ist spannend - wie weit kann Manipulation reichen in einer Welt, die völlig durchdigitalisiert ist? Die Umsetzung schwächelt aber leider - hölzerne Dialoge, ein Übermaß an Pathos und Protagonisten, die wie unfreiwillige Karrikaturen von Action-Heldinnen und -helden wirken. Dazu kommt dann noch ein allzu bemühtes Faustsches Streben nach Allmacht. Ich war neugierig auf dieses Buch, aber meine Erwartungen haben sich leider nicht erfüllt.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Familie und Familienbetrieb

Samstagabend im Lakeside Supper Club
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Ach, tut es gut, einen so unaufgeregten amerikanischen Roman zu lesen wie "Samstagabend im Lakeside Supper Club" von J Ryan Stradal in einer Zeit, in der aus den USA so viele schrille Töne kommen. Wobei ...

Ach, tut es gut, einen so unaufgeregten amerikanischen Roman zu lesen wie "Samstagabend im Lakeside Supper Club" von J Ryan Stradal in einer Zeit, in der aus den USA so viele schrille Töne kommen. Wobei der Supper Club, um den es geht, in Minnesota liegt, also American Heartland, dort, wo MAGA so viel stärker ist als in den Küstenmetropolen.

Die Geschichte des Familienrestaurants und vier Generationen seiner Betreiber zieht sich durch mehrere Jahrzehnte und spiegelt auch die sich verändernde Gesellschaft wider. Die "Mom and Pop" Lokale wie der Supper Club, die einst in so vielen Kleinstädten mit Hausmannskost Mägen füllten und sozialer Ort waren, haben die Konkurrenz der Restaurantketten und Burger-Discounter häufig nicht überlebt - auch das macht dieses Buch deutlich.

Stradal erzählt ruhig, bedächtig, und zeigt eine amerikanische Realität jenseits von Wolkenkratzern und Großstadtlichtern. Vor allem geht es um vier Frauen, deren Lebensgeschichte mit dem Supper Club verknüpft ist - mal im Guten, mal im Zorn oder Frust. Provinz wird hier nicht abfällig gemacht, sondern mit ihren Stärken und Schwächen gezeigt, wie auch ihre Menschen. Tragödien und Liebe, Akzeptanz und Familiengeheimnisse, der Mikrokosmos des Restaurants mit seinen Mitarbeitern und Gästen, die Frage, wie Tradition gewahrt wird und wann sie zur Last wirkt - all das treibt im Erzählfluss mit.

The pursuit of happiness, das kann auch ein Familien-Diner mit seiner Bar als Begegnungsort der Kleinstadt sein. "Samstagabend im Lakeside Supper Club" ist auf den ersten Blick unspektakulär und doch ein liebevolles Porträt einer aussterbenden Art.

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