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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.08.2018

Nicht ganz so gut wie erhofft

Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden
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Die Idee zu „Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ hat mir zunächst sehr gut gefallen. Es klang nach einem Buch, das den Sinn des Lebens hinterfragt und wann es sich nicht mehr zu leben lohnt.

Aufgeteilt ...

Die Idee zu „Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ hat mir zunächst sehr gut gefallen. Es klang nach einem Buch, das den Sinn des Lebens hinterfragt und wann es sich nicht mehr zu leben lohnt.

Aufgeteilt ist das Buch in 7 Kapitel, die jeweils einen Wochentag umfassen. Somit spielt das Buch in einem Zeitraum von einer Woche. Am Montag schaut der Teufel bei dem krebskranken Protagonisten vorbei und bietet ihm den Deal an. Jeden weiteren Tag verschwindet eine Sache von der Welt, dabei entscheidet der Teufel, um welche es sich dabei handelt.

Der Anfang des Buches war sehr oberflächlich, bis man im weiteren Verlauf immer weiter in das Leben des Protagonisten eingetaucht ist. Das Ende ist sehr offen gehalten – in diesem Fall fand ich das negativ. Ich hätte mir gerne einen detaillierteren Ausgang gewünscht. Zwischendrin gab es einige interessante Gedankengänge, es hätte aber alles noch mehr ausgeführt werden können.

Man erfährt zwar auch, wie wichtig Katzen im Leben des Protagonisten waren, aber der Titel ist dennoch nicht ganz passend, denn wie es ist, „wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“, erfährt man nicht. Auch wenn es banal klingt, aber man hat nie einen Namen des Protagonisten erfahren, das hat mir auch gefehlt. Ich denke, das Buch hätte mir besser gefallen, wenn alles weiter ausgearbeitet gewesen und ausführlicher erzählt worden wäre.

Genki Kawamura hat einen Roman geschrieben, den man lesen kann, aber in meinen Augen ist er definitiv kein Muss. Zu dieser Thematik gibt es weitaus bessere Bücher.

Veröffentlicht am 09.09.2018

Düstere Dystopie

Die Hochhausspringerin
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Riva ist Hochhausspringerin – ein perfekt funktionierender Mensch mit Millionen Fans. Doch plötzlich weigert sie sich zu trainieren. Kameras sind allgegenwärtig in ihrer Welt, aber sie weiß nicht, dass ...

Riva ist Hochhausspringerin – ein perfekt funktionierender Mensch mit Millionen Fans. Doch plötzlich weigert sie sich zu trainieren. Kameras sind allgegenwärtig in ihrer Welt, aber sie weiß nicht, dass sie gezielt beobachtet wird: Hitomi, eine andere junge Frau, soll Riva wieder gefügig machen. Wenn sie ihren Auftrag nicht erfüllt, droht die Ausweisung in die Peripherien, wo die Menschen im Schmutz leben, ohne Möglichkeit, der Gesellschaft zu dienen. Was macht den Menschen menschlich, wenn er perfekt funktioniert?

„Die Hochhausspringerin“ ist ein Roman, in dem es sehr viel um den gesellschaftlichen Status geht. Entweder, man ist erfolgreich oder muss zurück in die Peripherien. Alles wird stetig überwacht.

Während man zunächst den Eindruck hat, es würde um Riva gehen, eine Hochhausspringerin, die ihre Karriere beenden möchte, merkt man doch später, dass ihre Beobachterin Hitomi im Mittelpunkt steht, die in eine immer tiefer absinkende Spirale gerät. Es ist größtenteils sehr ruhig geschrieben, teilweise war es schon fast einschläfernd.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, konnte das Buch aber leider nicht so richtig retten. Es war sehr langatmig und enthielt kaum Spannung. Auch das Ende war sehr offen gehalten, in dem Fall hätte ich mir etwas ausführlicheres sehr gewünscht.

Veröffentlicht am 23.08.2018

Bewegendes Buch über Rassismus

Kleine große Schritte
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„Kleine große Schritte“ von Jodi Picoult ist ein Buch, das meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Wie der Klappentext schon offenbart, geht es um Rassismus: Ein Thema, das auch heutzutage noch aktuell ...

„Kleine große Schritte“ von Jodi Picoult ist ein Buch, das meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Wie der Klappentext schon offenbart, geht es um Rassismus: Ein Thema, das auch heutzutage noch aktuell ist.

Das Buch ist aus drei Perspektiven geschrieben: Zunächst gibt es Ruth, eine afroamerikanische Krankenschwester, der es untersagt wird, ein Baby zu behandeln, das bei einem tragischen Vorfall unter ihrer Obhut schließlich stirbt. Dann gibt es den Skinhead Turk, der Vater des toten Babys, der es afroamerikanischem Personal untersagt, sein Baby anzufassen und schließlich noch Kennedy, die Pflichtverteidigerin und spätere Anwältin von Ruth. Alle drei haben eine sehr unterschiedliche Sichtweise auf die Ereignisse, was es umso spannender und interessanter macht. Einige Geschehnisse überschneiden sich, jedoch dann aus anderen Perspektiven.

[Achtung, Spoiler!]

Dieses Buch hat mich sehr oft schockiert. Zunächst einmal die Tatsache, dass Ruth des Mordes angeklagt wird, weil sie das Baby angeblich aus Rache, es nicht behandeln zu dürfen, getötet hätte. Als das erste Kapitel aus Turks Sicht beginnt, erfährt man, dass er Afroamerikaner hasst, seit sein Bruder von einem getötet wurde – verständlich, dass man diese Person hasst, aber deswegen gleich alle Menschen mit derselben Hautfarbe zu hassen, scheint mir dann sehr ungerecht. Als man dann erfährt, dass der Mörder nicht verurteilt wurde, war ich doch etwas verwirrt, das passte nicht zusammen. Am Ende das Kapitels erfährt man dann, dass der Bruder bei einem Autounfall von der Straße abkam, in den Gegenverkehr raste und in das Auto des Afroamerikaners prallte. Kein Wunder, dass dieser nicht verurteilt wurde, er trug ja in meinen Augen auch keine Schuld. Turk sieht das anders, was mich wirklich zutiefst schockiert hat. Sein Bruder wäre ja nicht gestorben, wenn der Afroamerikaner nicht in diesem Moment die Straße langgefahren wäre. Manche suchen wohl echt immer für alles einen Sündenbock.

Obwohl es natürlich in erster Linie um Ruths Prozess ging, sind es auch die kleinen Dinge, bei denen sich in ihrem Leben die Hautfarbe bemerkbar macht: Die Kontrollen im Supermarkt hinter der Kasse, ob sie nicht etwas geklaut hätte, die Blicke anderer Menschen, sie wird einfach anders behandelt. Dinge, die für mich selbstverständlich sind, sind es für sie nicht.

Nachdem sie angeklagt wird, verliert Ruth auch ihren Job und sie fängt an, bei McDonalds zu arbeiten. Besonders im Kopf hängen geblieben ist mir die Szene an ihrem ersten Arbeitstag, als ihr Sohn sie dort arbeiten sieht, dem sie vorher nichts von ihrem neuen Job erzählte.

Der Prozess gestaltete sich auch nicht so einfach. Ruth hätte gerne die Rassismus-Karte ausgespielt hätte, Kennedy hielt dies aber für eine schlechte Idee, da dies im Gericht nichts zu suchen hätte und sich nur negativ auswirke. Sie legen die Verteidigung darauf aus, dass das Baby mit oder ohne Ruths Einschreiten gestorben wäre.

268fabcb-0d46-4549-a951-0eba5500d853Nach Uneinigkeiten zwischen den beiden sprach Kennedy im Schlussplädoyer des Prozesses doch vorwiegend auf ein Thema an: Rassismus. Zu Ruth sagt sie vorher: „Sie brauchen Gerechtigkeit. […] Gleichheit bedeutet, jeden gleich zu behandeln. Aber Gerechtigkeit berücksichtigt Unterschiede, sodass jeder die Chance auf Erfolg hat. […] Gleichheit liegt vor, wenn zwei Kinder einen ausgedruckten Test bekommen. Aber wenn das eine blind und das andere sehend ist, […] sollte man dem einem Kind einen Test in Brailleschrift und dem anderen einen gedruckten Test geben, beide mit derselben Thematik.“ (Picoult, J.: Kleine große Schritte, C. Bertelsmann Verlag, 2. Auflage, S. 540)

Erstaunt sowie erfreut hat mich der Wandel in Turks Leben, der seinem Leben als Skinhead den Rücken gekehrt hat, mit seiner neuen Frau und Tochter glücklich ist und anderen seine Geschichte weitergibt.

[Spoiler Ende]

Das Buch hat mich wirklich in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken gebracht, unter anderem auch dadurch, dass Rassismus nicht immer aktiv geschehen muss, sondern auch passiv vonstatten gehen kann, einfach dadurch, dass man Menschen mit dunkler Haut ansieht oder dass man sie im alltäglichen Leben anders behandelt.

Picoults Schreibstil war sehr ruhig, detailliert umschreibend und ihre Wortwahl war immer passend gewählt. Gerade bezüglich des Repertoire von Turk hat sie sich im Voraus informiert, wie man im Nachwort erfährt, und es war alles sehr stimmig.

Rassismus ist ein schreckliches Thema, das in der Welt beseitigt werden muss. Mit ihrem Roman hat Jodi Picoult darauf aufmerksam gemacht und ich bin mir sicher, sie hat einigen Menschen, darunter auch mir, die Augen damit geöffnet.

Veröffentlicht am 23.08.2018

Schönes Buch, aber anders als gedacht

Memory Wall
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Zunächst dachte ich, das Buch handelt nur von Alma und ihrem Leben mit Demenz, aber es war weit mehr als das.

Sie unterzieht sich kurz nach der Diagnose einer Behandlung, die die Krankheit nur langsam ...

Zunächst dachte ich, das Buch handelt nur von Alma und ihrem Leben mit Demenz, aber es war weit mehr als das.

Sie unterzieht sich kurz nach der Diagnose einer Behandlung, die die Krankheit nur langsam voranschreiten lassen soll, was jedoch leider nicht geklappt hat. Mithilfe von Kassetten, die an einer Wand hängen, kann sie auf vergangene Erinnerungen zurückgreifen. Der Titel „Memory Wall“ ist sehr schön in die Geschichte eingebunden.
Ihr Mann, der vor einigen Jahren verstorben ist, war Fossiliensucher. Kurz vor seinem Tod erzählte er seiner Frau von einem wahnsinnigen Fund, der leider nie gefunden werden konnte. Diese Erinnerung ist aber auf einer der Kassetten gespeichert, weshalb Einbrecher versuchen, an die Kassette zu gelangen.

Die Trennung zwischen schwarz und weiß, zwischen arm und reich wird sehr deutlich. Ohne es direkt anzusprechen, hat Anthony Doerr das auf den Punkt gebracht. Er schafft mit seinem Buch eine wunderbare Atmosphäre, aber wenn ich das Buch in ein bestimmtes Genre einordnen müsste, könnte ich es nicht.

Sprachlich ist das Buch schon anspruchsvoll, aber wirklich sehr schön. Die Beschreibungen der Personen, Orte und des ganzen Geschehens waren auf den Punkt getroffen.

„Memory Wall“ ist ein Buch, das man schnell liest, aber einen großen Eindruck hinterlässt.

Veröffentlicht am 10.07.2018

Lustiger, etwas anderer Liebesroman

Wahrscheinlich ist es Liebe
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Angesprochen an „Wahrscheinlich ist es Liebe“ hat mich zuerst das Cover, aber auch der Klappentext klang interessant, denn ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem eine künstliche Intelligenz eine Rolle ...

Angesprochen an „Wahrscheinlich ist es Liebe“ hat mich zuerst das Cover, aber auch der Klappentext klang interessant, denn ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem eine künstliche Intelligenz eine Rolle spielt. Es fing an wie ein typischer Liebesroman, Jen, eine Frau Mitte 30 wird verlassen und steht alleine im Leben. Nur dass sie mit einer künstlichen Intelligenz, Aiden, arbeitet und diese sie auch in ihrem Leben begleitet. Der Roman ist neben der Sicht anderer Charaktere auch aus der Sicht von Aiden geschrieben, das ist mal was anderes und an der ein oder anderen Stelle zum Schmunzeln, hat mir gut gefallen.
Nach etwa der Hälfte des Buches habe ich mich kurz gefragt, was denn jetzt noch kommen soll, da sich die Handlung etwas gezogen hat, aber der dann auftretende Plottwist kam überraschend und unerwartet. Das Ende war natürlich vorhersehbar, aber das ist bei einer Liebesgeschichte ja absehbar.
Jen und Aiden, aber auch Tom und Aisling waren mir wirklich sehr sympathisch, aber Aiden ist mir mit seiner Liebe zu Filmen und der Frage, wie Käse wohl schmeckt, am meisten ans Herz gewachsen. So jemanden wie Aiden hätte ich auch gerne in meinem Leben!
Reizins Schreibstil war sehr flüssig und gut lesbar.
Insgesamt kann ich das Buch jedem empfehlen, der mal eine etwas andere Liebesgeschichte erleben möchten.
An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal erwähnen, wie wunderschön alle Bücher des Wunderraum-Verlags sind, ich habe mich echt verliebt!