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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.04.2026

Spannender Wettlauf

Noch fünf Tage
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In Noch fünf Tage von Helena Falke geht es um Lis Castrop, eine Spitzenköchin, deren Leben in einer einzigen Nacht zerbricht. Beim Silvesterdinner der reichen Familie Harman in Davos sterben alle Gäste ...

In Noch fünf Tage von Helena Falke geht es um Lis Castrop, eine Spitzenköchin, deren Leben in einer einzigen Nacht zerbricht. Beim Silvesterdinner der reichen Familie Harman in Davos sterben alle Gäste – vergiftet. Nur Lis überlebt knapp. Doch auch sie wurde vergiftet und hat nur noch fünf Tage Zeit.

Was folgt, ist kein klassischer Ermittlerthriller, sondern ein Wettlauf gegen den eigenen Tod. Lis muss herausfinden, wer hinter dem Anschlag steckt – und ob sie vielleicht selbst mehr mit der Familie und deren dunklen Verstrickungen zu tun hat, als ihr lieb ist.

Ich mochte besonders, dass die Geschichte so eng an Lis bleibt. Man spürt ihre körperliche Schwäche, aber auch diesen Trotz, nicht einfach Opfer zu sein. Gleichzeitig wird nach und nach klar, dass hier nicht nur ein Verbrechen aufgeklärt werden soll, sondern ein ganzes Geflecht aus Macht, Geld und Abhängigkeiten dahintersteckt.

Die Spannung entsteht weniger durch Action als durch den Countdown und die Frage: Schafft sie es rechtzeitig – und will sie die Wahrheit überhaupt kennen? Manche Wendungen sind vorhersehbar, aber die Grundidee trägt den Roman gut.

Für mich ein ungewöhnlicher Thriller, der vor allem durch seine Ausgangslage und die Figur Lis im Kopf bleibt.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Eine Zeit, die nachhallt

Salto
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„Salto“ von Kurt Prödel hat mich mehr berührt, als ich erwartet hätte. Schon nach ein paar Seiten war ich wieder in dieser Zeit, in der alles gleichzeitig wichtig und völlig unklar war. Besonders nah ging ...

„Salto“ von Kurt Prödel hat mich mehr berührt, als ich erwartet hätte. Schon nach ein paar Seiten war ich wieder in dieser Zeit, in der alles gleichzeitig wichtig und völlig unklar war. Besonders nah ging mir eine Szene, in der man spürt, wie schnell sich Freundschaften verschieben können, ohne dass jemand wirklich etwas falsch macht. Das fühlte sich sehr echt an.

Ich mochte den direkten Ton und die glaubwürdigen Dialoge. Nichts wirkt beschönigt oder künstlich dramatisch. Ein paar Passagen waren mir etwas zu ausführlich, da hätte ich mir mehr Tempo gewünscht. Trotzdem passt diese leichte Schwere zur Geschichte. Am Ende blieb bei mir kein lauter Eindruck, sondern eher dieses stille Wiedererkennen. Besonders die leisen Momente wirken noch lange nach und bleiben im Gedächtnis. Genau deshalb gebe ich verdiente vier Sterne.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Eher ein leises Buch

Beste Zeiten
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„Beste Zeiten“ von Jenny Mustard hat mich auf eine eher leise Art gepackt. Es geht um eine junge Frau, die nach außen alles im Griff hat, sich aber innerlich ziemlich verloren fühlt. Die Autorin schreibt ...

„Beste Zeiten“ von Jenny Mustard hat mich auf eine eher leise Art gepackt. Es geht um eine junge Frau, die nach außen alles im Griff hat, sich aber innerlich ziemlich verloren fühlt. Die Autorin schreibt schlicht, aber mit einem genauen Blick für das, was unausgesprochen bleibt. Ich mochte, dass nichts übertrieben wird und die Geschichte trotzdem etwas in einem bewegt. Manche Stellen fand ich allerdings etwas langatmig, da hätte es ruhig ein bisschen mehr Tempo geben dürfen.

Trotzdem bleibt das Buch hängen. Man erkennt vieles wieder, vor allem dieses Gefühl, nicht ganz zu wissen, wohin man gehört. Kein Drama, keine großen Gesten, eher ein stilles Nachdenken über das Leben und sich selbst. Für mich ist das kein perfektes, aber ein ehrliches Buch. Ich habe es gern gelesen und gebe vier Sterne für die ruhige, klare Erzählweise.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Zeitgeschichte

Die Frau der Stunde
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Heike Spechts Roman hat mich überrascht, weil sie eine fiktive Politikerin so glaubwürdig in die 70er Jahre setzt. Catharina Cornelius als erste Außenministerin wirkt stark, manchmal verletzlich, und ...


Heike Spechts Roman hat mich überrascht, weil sie eine fiktive Politikerin so glaubwürdig in die 70er Jahre setzt. Catharina Cornelius als erste Außenministerin wirkt stark, manchmal verletzlich, und genau das macht sie nahbar. Besonders gelungen finde ich die Passagen über die Bonner Republik und die politischen Machtspiele. Man bekommt ein Gefühl für die Stimmung dieser Zeit und auch dafür, wie schwer es Frauen hatten, sich Gehör zu verschaffen. Manche Figuren bleiben dagegen etwas blass, was schade ist, weil die Hauptfigur dadurch noch mehr Gewicht tragen muss. An ein paar Stellen hätte ich mir weniger Fokus auf Äußerlichkeiten gewünscht, das hat mich kurz aus dem Lesefluss gebracht. Insgesamt aber ein spannendes Buch, das Politik, Zeitgeschichte und persönliche Geschichten gut verbindet. Für mich sind das vier Sterne.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Beklemmend gut

No Way Home
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T. C. Boyle hat mich mit No Way Home ziemlich überrascht. Eigentlich dachte ich, es geht nur um eine Dreiecksgeschichte, doch die Wüste Nevadas, in der das Ganze spielt, ist fast ein eigener Charakter. ...

T. C. Boyle hat mich mit No Way Home ziemlich überrascht. Eigentlich dachte ich, es geht nur um eine Dreiecksgeschichte, doch die Wüste Nevadas, in der das Ganze spielt, ist fast ein eigener Charakter. Terry, der Arzt, will Abstand, aber Bethany drängt sich in sein Leben – und mit ihr auch die Probleme. Jesse, ihr Ex, verstärkt die Spannung. Boyle beschreibt das alles sehr dicht, manchmal fast beklemmend. Mir gefiel, wie realistisch und gleichzeitig rätselhaft die Figuren wirken: fehlerhaft, widersprüchlich, nie glatt. Manche Stellen ziehen sich ein wenig, vor allem in der Mitte, und Bethany bleibt ziemlich geheimnisvoll, was nicht jeder mögen wird. Trotzdem hat mich die Atmosphäre gepackt, und ich habe das Buch nach dem Lesen nicht so schnell vergessen. Für mich ein intensiver, eigenwilliger Roman, der mehr bietet als bloße Unterhaltung.

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