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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.03.2026

Ehe am Abgrund

Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?
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Erika hatte in jungen Jahren eine außereheliche Affäre, die ihr Mann Jan entdeckte. Schon damals stand die Ehe auf der Kippe. Wie tief dieser Fehltritt jedoch nachwirkt, zeigt sich erst Jahrzehnte später, ...

Erika hatte in jungen Jahren eine außereheliche Affäre, die ihr Mann Jan entdeckte. Schon damals stand die Ehe auf der Kippe. Wie tief dieser Fehltritt jedoch nachwirkt, zeigt sich erst Jahrzehnte später, als Jan selbst ein sexuelles Verhältnis zu einer jüngeren Frau gesteht. Jan und Erika sind inzwischen über sechzig. Ihre Ehe ist seit vielen Jahren sexlos, weil Jan jedes Interesse verloren hat, im Gegensatz zu Erika, die nicht weiß, wohin mit ihrem Begehren.

Nach Jans Geständnis gerät Erikas Welt aus den Fugen. Sie steigert sich in ihre Wut hinein, wird zur gehässigen Furie, verliert jedes Maß. Nicht nur Jan beginnt, um ihre seelische Stabilität zu fürchten. Erika verliert sich in Hasstiraden und Rachefantasien, spinnt frei erfundene Szenarien weiter, bis Jan nur noch aus Angst vor einem möglichen Selbstmord bei ihr bleibt.

Erika ist eine Figur, die mir Angst macht. Ihre ausufernde Emotionalität, ihre hemmungslose Verbitterung, all das ist für mich kaum greifbar und doch erschreckend nachvollziehbar geschildert.

Die Autorin spricht Klartext. Sie scheut weder drastische Ausdrücke noch schonungslose Beschreibungen. Das tut beim Lesen weh, wirkt aber konsequent und ehrlich.

Der saloppe Titel und das fröhlich bunte Cover wecken zunächst eine ganz andere Erwartung. Man rechnet mit Leichtigkeit, vielleicht mit einem augenzwinkernden Blick auf das Älterwerden. Stattdessen bekommt man eine beklemmende, intensive Studie über verletzten Stolz, unerfülltes Begehren und eine Gedankenspirale, aus der es scheinbar kein Entkommen gibt.

Ich hätte dieses Buch vermutlich nicht gelesen, wenn ich gewusst hätte, wie sehr sich alles um diese eine Tatsache von Jans Seitensprung dreht. Doch gerade diese radikale Fokussierung macht den Reiz aus. Die Geschichte reißt einen mit in Erikas Abgrund und lässt einen nicht unberührt zurück.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Unterhaltsamer Jugendkrimi

Liars all around me
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Vom Cover her hätte ich dieses Buch vermutlich nicht gekauft, die Farbkombination wirkt etwas unschön und das Bild insgesamt eher erratisch. Auch ein Zusammenhang mit dem Inhalt erschließt sich mir nicht.

Im ...

Vom Cover her hätte ich dieses Buch vermutlich nicht gekauft, die Farbkombination wirkt etwas unschön und das Bild insgesamt eher erratisch. Auch ein Zusammenhang mit dem Inhalt erschließt sich mir nicht.

Im Mittelpunkt stehen zwei Hauptfiguren, Ryle, der Bad Boy der Schule. Er gibt allerdings wenig auf seinen Ruf, sondern tut vor allem das, was getan werden muss, um zum Unterhalt seiner Familie beizutragen. Er lebt mit seinem Vater und seinem kleinen Bruder an der Armutsgrenze in einem eigentlich reichen Viertel. Die meisten Mitschüler sind das genaue Gegenteil, wohlhabend, oberflächlich und ziemlich blasiert.

Als ihn seine Mitschülerin Avery um eine Waffe bittet, nimmt die Geschichte Fahrt auf. Kurz darauf wird ihre stärkste Konkurrentin erschossen. Ryle und Avery beginnen daraufhin gemeinsam nach dem Täter zu suchen. Dabei wird schnell klar, dass auch Averys Leben alles andere als einfach ist, ihre Eltern haben übertriebene Erwartungen an sie und setzen sie stark unter Druck, eine Art Wohlstandsverwahrlosung.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und lässt sich schnell lesen. Die Spannung liegt im mittleren Bereich, man bleibt zwar dran, die Auflösung ist allerdings recht vorhersehbar. Positiv ist, dass der jugendliche Charakter der Protagonisten gut getroffen wurde.

Der Roman ist insgesamt nicht besonders anspruchsvoll, eignet sich aber gut als leichte, spannende Lektüre und ist auch für Young Adult geeignet.

Fazit, trotz eines wenig ansprechenden Covers und einer vorhersehbaren Auflösung ein unterhaltsamer Jugendthriller mit glaubwürdigen Figuren und angenehmem Schreibstil.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Trügerische Idylle

Mord & Breakfast
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Manchmal passieren Gutes und Schlechtes an einem Tag. So einen Tag erlebt Melody Moss, als sie fristlos ihren Journalistenjob verliert und kurze Zeit später von ihrem Erbe erfährt. Ein hübsches, rentables ...

Manchmal passieren Gutes und Schlechtes an einem Tag. So einen Tag erlebt Melody Moss, als sie fristlos ihren Journalistenjob verliert und kurze Zeit später von ihrem Erbe erfährt. Ein hübsches, rentables Frühstückshotel wartet auf sie in Schottland. Man achte auf das aussagekräftige Cover, dass auch die mitgeerbte Bulldogge zeigt. Eigentlich will sie das kleine Hotel schnell zu Geld machen, aber irgendwie bleibt sie doch dort hängen, vor allem weil sie die Angelegenheiten ihrer verstorbenen Tante ins Reine bringen will.
Für eingefleischte Krimifans ist dieser Roman zu simpel. Doch Fans von englischer Cosy Crime werden sich hier richtig wohlfühlen, denn neben typisch englischer Atmosphäre kommt auch der trockene, britische Humor nicht zu kurz. Man findet schnell in die Handlung hinein, und wird auch nicht mit zu vielen Personen überfrachtet. Das spielt gerade bei Hörbüchern eine große Rolle. Dieses Hörbuch wird ganz hervorragend von Sandrine Mittelstädt vorgelesen.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Wo ist Isabelle

Schattenmädchen
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Schattenmädchen von Frida Skybäck ist ein spannender Kriminalroman, der mich vor allem durch die Geschichte und das Ermittlerduo überzeugt hat. Das Cover zeigt eine typisch schwedische Idylle, wirkt auf ...

Schattenmädchen von Frida Skybäck ist ein spannender Kriminalroman, der mich vor allem durch die Geschichte und das Ermittlerduo überzeugt hat. Das Cover zeigt eine typisch schwedische Idylle, wirkt auf mich allerdings eher nichtssagend und wird dem Inhalt nicht wirklich gerecht.
Umso schöner ist das Wiedersehen mit Frederika und Henry. Frederika ist impulsiv und geradlinig, manchmal unbequem, aber sehr authentisch. Henry ist reich, besonnen und intelligent, ein ruhiger Gegenpol. Beide tragen private Themen mit sich, Frederika hat Probleme in ihrer aktuellen Beziehung, Henry wird von seiner früheren Beziehung eingeholt. Das bleibt eher im Hintergrund, ist aber sehr interessant, besonders wenn man die Vorgänger kennt.
Im Mittelpunkt steht der Fall einer Studentin, die nach einer Party verschwindet. Ein reicher IT-Boss gerät schnell ins Visier der Ermittlungen, unter anderem wegen Blutspuren in seinem Appartement. Gleichzeitig gibt es Parallelen zu einem früheren Mord im Studentenmilieu und Hinweise auf eine möglicherweise frauenfeindliche und übergriffige Studentenverbindung.
Die Geschichte entwickelt sich spannend und dicht und endet mit einem überraschenden Schluss. Der Schreibstil ist auf jeder Seite mitreißend und die knackig kurzen Kapitel tragen zur Spannung bei. Für mich ein gelungener Krimi mit Tiefe und klarer Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Lebenssplitter

Niemands Töchter
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Der erste Eindruck dieses Buches ist leider etwas fade. Ein grob gemaltes Frauenporträt auf rauem, glanzlosem Papier. Der kleine Hinweis auf der Rückseite des Buches, dass mit Verantwortung produziert ...

Der erste Eindruck dieses Buches ist leider etwas fade. Ein grob gemaltes Frauenporträt auf rauem, glanzlosem Papier. Der kleine Hinweis auf der Rückseite des Buches, dass mit Verantwortung produziert wird, erklärt und versöhnt dann allerdings.
Marie, Gabriele, Alma und Isabell. Vier Frauen, zwei Generationen. Ihre Leben und ihre Beziehungen zueinander werden episodenhaft erzählt. Bedauerlicherweise nur bruchstückhaft und vor allem nicht chronologisch. Der Leser ist gezwungen, sich selbst das Gesamtbild zusammenzusetzen. Er erfährt so die Geschichte von starken Frauen, jede auf ihre Art, die ihr Schicksal meistern müssen, auch wenn sie daran zu zerbrechen drohen. Es sind Persönlichkeiten, die anecken. Menschen, die unbequem sind, aber die auch durch das Leben so geformt wurden.
Insofern passt der Schreibstil der Autorin gut zum Inhalt. Dennoch konnte ich mich bis zum Ende nicht damit anfreunden, auch wenn die Schicksale nachhaltig Eindruck hinterließen.

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