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Veröffentlicht am 12.07.2025

Lügen und noch mehr Lügen

Eine falsche Lüge – Wird es ihre letzte sein?
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Sloane Caraway, Mitte 30 und Nageltechnikerin lebt mit ihrer Mutter zusammen. In ihrem bisherigen Leben gab es viele Umbrüche und daher Platz für phantasievolle Geschichten bzw. eher Lügen, um ihr Vorleben ...

Sloane Caraway, Mitte 30 und Nageltechnikerin lebt mit ihrer Mutter zusammen. In ihrem bisherigen Leben gab es viele Umbrüche und daher Platz für phantasievolle Geschichten bzw. eher Lügen, um ihr Vorleben interessanter zu machen. Einzig ihre Mutter lügt sie nicht an. Als sie auf einem Spielplatz der kleinen Harper zu Hilfe kommt, die von einer Biene gestochen wurde, ändert sie ihren Beruf kurzum in Krankenschwester und ihren Namen in Caitlin. Der Vater, Jay Lockhart, ist von ihrer Hilfe richtig angetan. Er erzählt von der Bekanntschaft seiner Ehefrau Violet und beim nächsten Spielplatzbesuch lernt sie Caitlin kennen. Da sie gleichaltrig sind und außerdem den gleichen Musikgeschmack haben, freunden sie sich an. Caitlin bringt sich bald immer mehr in die vermögende Familie ein, nimmt sehr gerne den Job als Nanny an und verändert ihr Äußeres immer mehr in Richtung Violet. Und als Zeichen der Freundschaft, nimmt die Familie Caitlin mit in den Urlaub. Soweit so gut, aber diese heile Welt wird nicht lange bestehen – mehr verrate ich nicht.


Die Autorin hat mit ihrem Debut einen Thriller abgeliefert, der sich im großen und ganzen flüssig lesen läßt. Der Anfang gestaltete sich für mich etwas holprig, weil Sloane/Caitlin aus ihrer Perspektive sehr viel über Banalitäten und Äußerlichkeiten berichtet hat. Wobei bei ihr Lügen die Normalität waren. Aber Teil 2 aus der Sicht der cleveren und durchtriebenen Violet brachte für mich die Wendung, es wurde spannend und im Teil 3 mit dem Frauenhelden Jay, der sich für unwiderstehlich hielt, ließ für mich die Spannung wieder nach. Es ist ein Buch gespickt mit Lügen und Twists, die mich teils überraschen konnten, was ich positiv finde. Einige Szenen/Elemente werden einem Vielleser schon aus anderen Thrillern bekannt vorkommen. Das Ende der Story war mir persönlich zu konstruiert. Von den drei Hauptfiguren konnte bei mir keine Sympathiepunkte erhalten, wobei sympathische Figuren für mich nicht zwingend zu einem guten Buch gehören. Trotz aller Kritik hatte ich unterhaltsame Lesestunden.

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Suizid oder Mord in der Idylle Schwedens?

Das Paradies verrät man nicht
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Jeder mag sich unter Paradies etwas Anderes vorstellen. Für die 30jährige Lena scheint es ihr derzeitiges Leben nicht gewesen zu sein. Die junge Witwe hat augenscheinlich Suizid begangen. Sie lebte auch ...

Jeder mag sich unter Paradies etwas Anderes vorstellen. Für die 30jährige Lena scheint es ihr derzeitiges Leben nicht gewesen zu sein. Die junge Witwe hat augenscheinlich Suizid begangen. Sie lebte auch nach dem Tod ihres Ehemannes weiterhin in einem eigenen Haus auf dem großen Familienhof der Brüder ihres Mannes. Der gemeinsame Sohn wurde tot geboren. Ihre Eltern können nicht glauben, daß sie sich selbst das Leben genommen hat, wo sie doch in letzter Zeit sehr zuversichtlich war und glücklich schien. Sie engagieren die Privatdetektivin Ingrid Wolt.

Ingrid Wolt, ehemals Polizistin, ist vor ihrem Polizisten-Ex-Ehemann Kjell abgetaucht raus aufs Land in das Sommerhaus ihres früheren Freundes und Kollegen Benny. Dieser unterstützt sie auch, in dem er die Post an ihrer alten Adresse abholt und den Anrufbeantworter abhört. Ingrid arbeitet momentan als Zimmermädchen in einem Hotel. Sie trägt sie stets eine Perücke und gibt über ihr Privatleben nichts preis. Ihre Tochter Anna lebt zur Zeit bei Pflegeeltern und sie hat nur ein vom Jungendamt geregeltes Besuchsrecht. Als nun Lenas Eltern an sie herantreten, rafft sie sich auf und übernimmt den Auftrag, den Tod von Lena aufzuklären.

In den kurzen Kapiteln wechseln die Perspektiven zwischen der Gegenwart (1983) und Tagebucheinträgen der letzten Lebensmonate von Lena.

Der Cliffhanger am Ende läßt mich jetzt mit Spannung auf den nächsten Band warten.



Der Fall ist in Schweden in den 80er Jahren angesiedelt und die Umsetzung fand ich absolut gelungen. Ich fühlte mich mitgenommen in eine Zeit ohne Internet, Handy und Social Media, dafür mit Songs auf Kassetten und einer Atmosphäre, die den Zeitgeist widerspiegelt.

Leider hatte ich Band 1 nicht gelesen. Es war zwar kein Problem der Geschichte zu folgen, nur hätte es mir besser gefallen, Details über das Ehe-Aus, den Gefängnisaufenthalt von Ingrid, sowie die Rachegedanken von Kjell zu kennen.

Die Autorin hat sehr spannend, packend und anschaulich die Ermittlungen geschildert. Ich fühlte mich mittendrin im Geschehen. Mir gefiel Ingrid gut, vor allem ihre Liebe zu ihrer Tochter Anna und auch den Wunsch, sie zurückzubekommen und mit ihr ein normales Leben zu führen, war nachvollziehbar. Im Gegensatz dazu war mir Kjell von Anfang an unsympathisch auch mit seinen Manipulationsversuchen bei Anna, seinen andauernden Rachegedanken sowie seinen Gewaltausbrüchen. Lena war für mich eine brave und leider zu naive Frau. Ich konnte zwar ihre Sehnsucht nach Familienglück verstehen, aber mit ihrer Gutgläubigkeit hätte ich sie gerne oftmals wach gerüttelt und in ihr Zweifel gesät.

Die angesprochenen gesellschaftlichen Themen bestehen heute noch genauso wie damals.

Von mir bekommt dieser Pageturner auf jeden Fall eine Leseempfehlung und ich werde Band 1 „Den Tod belauscht man nicht“ mit Sicherheit noch lesen!

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Veröffentlicht am 06.07.2025

Wut ist die Beschützerin der Trauer

Der Trailer
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Der Autor nimmt seine Leser mit dem ersten Band der neuen Trilogie „Donkerbloem“ mit auf einen Campingplatz in den Ardennen.

Im Jahr 2011 verschwindet dort Lisa Martin spurlos. Aktuell erfährt die suspendierte ...

Der Autor nimmt seine Leser mit dem ersten Band der neuen Trilogie „Donkerbloem“ mit auf einen Campingplatz in den Ardennen.

Im Jahr 2011 verschwindet dort Lisa Martin spurlos. Aktuell erfährt die suspendierte Hauptkommissarin Frieda Stahnke von dem Fall. Wegen des Immobilienmoguls Gernot Weber wurde ihre Karriere gestoppt und Hauptkommissar Timo Behrend muß intern gegen Frieda ermitteln. Allem Anschein nach, scheint er auf ihrer Seite zu stehen.

Den True-Crime-Podcast von Thomas Vogel zum Thema „Lisa Martin“ hören außer Frieda noch Wout Mertens und Tayfun. Wout, ein verurteilter Stalker, war damals auch auf dem Campingplatz und könnte als Zeuge nützlich sein, sofern er die Polizei informieren würde. Aber er nimmt mit Frieda Kontakt auf und sie erfährt Details über den „Club Donkerbloem“. Der Campingplatz selbst ist eine perfekte Fassade für allerlei illegale und grenzwertigen Aktivitäten, die nun Stück für Stück ans Tageslicht gelangen. Wie das Ganze ausgeht, verrate ich natürlich nicht - außer, daß es einen Cliffhanger gibt und ich nun gespannt auf Band 2 warte.

Der außergewöhnliche Buchschnitt stich zuerst ins Auge – ein echter Hingucker und auch sehr passend und stimmig dazu das Cover.


Ich kenne schon etliche Bücher des Autors und er ist für mich Garant für packende, temporeiche Storys. Dies hat er mit diesem Thriller wieder unter Beweis gestellt. Die Geschichte springt zwischen den beiden Strängen 2011 und Gegenwart und man behält ohne Probleme die Übersicht. Die einzelnen Figuren sind sehr gut charakterisiert und die Atmosphäre, gerade auf dem Campingplatz, kann man sich sehr gut vorstellen. Die Spannung wird bis zum Ende hoch gehalten und entwickelt einen Sog, so daß ich das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen hatte.

Diesen Thriller empfehle ich sehr gerne weiter und bin bei Band 2 auf alle Fälle dabei!

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Veröffentlicht am 06.07.2025

Spannende Ermittlungen

Die Tote im Wasser
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Es handelt sich um den 3. Band mit Kommissarin Anna Glad, für mich war es der Einstieg in die Reihe.

Zuerst geht es um die vermißte Yrsa Manner. Die Schulsekretärin kann nur noch tot aus einem Gullyschacht ...

Es handelt sich um den 3. Band mit Kommissarin Anna Glad, für mich war es der Einstieg in die Reihe.

Zuerst geht es um die vermißte Yrsa Manner. Die Schulsekretärin kann nur noch tot aus einem Gullyschacht geborgen werden. Wer konnte etwas gegen die 57jährige Impfgegnerin haben, die von ihrer Schwester als Stubenhockerin bezeichnet wird? Bei den Nachforschungen stoßen die Ermittler auf eine zweite Leiche in Helsinki. Hier wurde die Leiche des 80jährigen Ragnar Svennblad unter ähnlichen Umständen geborgen. Zu einer dritten Leiche kommt es nicht, denn der Rechtsanwalt Robin Aspelin konnte noch Hilfe alarmieren und gerettet werden. Welche Gemeinsamkeiten haben diese drei völlig verschiedenen Fälle und vor allem wer und welches Motiv stecken dahinter?

In einem weiteren Strang lernt man Mimmi Sandberg und ihre Pflegetochter Veera kennen. Veera ist die Spielgefährtin von Anna Glads Sohn Gottfrid. Hier möchte die biologische Mutter das Kind zurück bekommen. Allerdings ist bekannt, wie schlecht sie für Veera gesorgt hat und die Sozialarbeiterin Maud will das auf jeden Fall verhindern. Doch plötzlich verschwindet Veera.

Und dann erfährt man in einem kursiv gedruckten Strang vom Leid eines Jugendlichen in dem Erziehungsheim Kastanienhof.

Bis sich alle Stränge verbinden und das Puzzle gelöst werden kann, muß sehr viel Recherchearbeit geleistet werden.


Ich kannte die ersten beiden Bände der Reihe nicht, das minderte aber nicht mein Lesevergnügen. Die Autorin schreibt spannend, führt allerdings sehr viele Figuren ein, was den Start für mich etwas holprig gestaltete. Jede Figur bekommt einen eigenen Bereich und sie werden genau charakterisiert. Man sollte hier schon konzentriert lesen, damit man nicht den Überblick verliert. Ich konnte vor allem bei dem Strang um Veera mitfühlen und auch die Pflegemutter verstehen, die das Kind keinesfalls in die Hände der leiblichen Mutter zurückgeben wollte. Auch die Sorgen und Nöte des Jugendlichen im Erziehungsheim wurden nachvollziehbar geschildert.

Mir persönlich hat dieser Krimi gut gefallen und ich werde auf jeden Fall Band 1 und 2 noch lesen. Ich empfehle diesen Band gerne weiter!

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Veröffentlicht am 20.06.2025

Schauplatz England - London 1957

Die Nachbarin
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Die Autorin beleuchtet die bessere Gesellschaft um das Ehepaar Imogen und Evelyn Grasham. Sie leben samt ihrem Personal auf dem Lande und Evelyn arbeitet als Rechtsanwalt in London. Dort hat er für seine ...

Die Autorin beleuchtet die bessere Gesellschaft um das Ehepaar Imogen und Evelyn Grasham. Sie leben samt ihrem Personal auf dem Lande und Evelyn arbeitet als Rechtsanwalt in London. Dort hat er für seine Arbeitswoche eine Wohnung. Als Leser nimmt uns Jenkins quasi mit in eine Milieustudie und beschreibt äußerst detailliert die Grashams und ihre Nachbarn/Freude. In einem ruhigen Schreibstil erfährt man sehr präzise alles über deren Einrichtungen, Teeservice, Speisen, ihre Kleidung und weitere Belanglosigkeiten. Sie analysiert und skizziert deren Charakter und spezielle Freundschaften untereinander. Wobei es interessant ist, daß Evelyn zu Hause gerne eine junge, zarte und „brave“ Ehefrau bevorzugt, die gerne hinter ihrem Mann zurücksteht und keine eigene Meinung hat, sondern sich ihrem Mann anpaßt. Aber er schwärmt von der Nachbarin. Die doch ältere und nicht so gut aussehende Blanche Silcox positioniert sich zu vielen Themen, u.a. geht sie zum Jagen, engagiert sich sozial in der Gemeinde und weiß auch bei Geldangelegenheiten mitzureden. Ihrem Aussehen mißt Evelyn keine große Aufmerksamkeit bei und ihn stört auch an ihr das biedere Tweedkostüm nicht. Im Speziellen geht es um Beziehungen und Eifersucht. Und am Ende stelle ich für mich fest, daß mir keine Figur richtig sympathisch war.

Ich empfehle diesen Klassiker allen Lesern, die den damaligen eher gemächlichen Schreibstil mögen sowie eine fast schon detailverliebte Erzählweise.

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