Mitten aus dem Leben
Vom Ende der Einsamkeit
Im Zuge eines Lesekreises bin ich auf diesen Autor aufmerksam geworden und frage mich, warum ich ihn nicht schon vorher entdeckt habe. Benedict Wells verfügt über einen Schreibstil, der nüchtern und dennoch ...
Im Zuge eines Lesekreises bin ich auf diesen Autor aufmerksam geworden und frage mich, warum ich ihn nicht schon vorher entdeckt habe. Benedict Wells verfügt über einen Schreibstil, der nüchtern und dennoch emotional daher kommt. Er erzählt von dem Verlust der Eltern und den großen Veränderungen, die damit einhergehen.
Eindringlich erzählt Wells, wie die drei wohlbehüteten Kinder, Jules, Liz und Marty, sich ‐ jedes auf seine Weise - in ihrer Trauer verlieren. Sie kommen alle drei in ein Internat und werden sich über Jahre hinweg fremd.
Wir erfahren das Geschehen aus der Sicht von Jules, dem jüngsten der Geschwister. Sehr intensiv beschreibt er seine großen Ängste und grenzenlose Einsamkeit. Er lernt seine große Liebe Ava kennen und lieben, die - wie er - Trauer in sich trägt und Trost in der Literatur findet. Es sollen noch Jahre vergehen, bis die beiden zusammen finden.
Es war wirklich wunderschön, wie über Jahre hinweg die Geschwister wieder zusammenfinden. Was große Verluste aus ihnen gemacht haben und wie sie aus jeder Krise wieder gestärkt hervorkommen, fand ich sehr emotional. Besonders in seinem Bruder Marty findet Jules einen guten Freund, der ihm - auf seine verschrobene Art und Weise - den Rücken stärkt. Als Kinder hatten sie keinen guten Draht zueinander.
Als Marty Jules bittet, sein Trauzeuge zu werden, musste ich sehr über den Schlagabtausch lachen:
>>Trauzeugen? Nimmt man da normalerweise nicht jemanden, den man mag? << >>Ich dachte, ich mache für dich eine Ausnahme. << (Seite 160)
Es gibt einige Dinge in diesem Buch, die zu einer regen Diskussion anregen. Die solltet ihr aber selbst entdecken.
Der Fokus liegt auf Trauer, Verlustängsten, klärenden Gesprächen und dem eigenen Lebensweg, den man finden möchte, und dafür auch mal Hilfe und gute Ratschläge annehmen sollte.
>>Gib einem Mann einen Fisch, und du ernährst ihn einen Tag, bringe ihm bei, wie man Fische fängt, und du ernährst ihn ein ganzes Leben. << (Sprichwort Seite 303-304)
Das komplexe Geschehen gleicht einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Meine Besprechung beinhaltet nur einen kleinen Teil davon.
Haltet bitte Taschentücher bereit. Es ist wirklich nicht so, dass Jules auf die Tränendrüsen drückt; aber es gibt Dinge, da geht es einfach nicht anders. Nicht alles war für mich nachvollziehbar, was Jules gesagt und getan hat; oder vielmehr oftmals verschwieg. Besonders die Verantwortung in ethischer Hinsicht - in verschiedenen Bereichen - bietet viel Diskussionsstoff und fördert verschiedene Perspektiven zu Tage.
Liebe Liz, es war wirklich sehr schön, dass du am Ende doch noch Moonriver auf der Gitarre gespielt, und dazu gesungen hast. Das war nicht leicht für dich, da das früher deine Mutter gemacht hat. Ich habe Gänsehaut bekommen!
Eine klare Empfehlung. Danke, Benedict Wells.