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Veröffentlicht am 08.09.2025

Geht unter die Haut

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Zum Inhalt

Der kleine Hardy verliert 1945 auf der Flucht von Sopot (Danzig) seine Familie und landet in einem Heim. Sein Alter schätzt man dort auf drei Jahre. Sein Namensschild ist unleserlich und somit ...

Zum Inhalt

Der kleine Hardy verliert 1945 auf der Flucht von Sopot (Danzig) seine Familie und landet in einem Heim. Sein Alter schätzt man dort auf drei Jahre. Sein Namensschild ist unleserlich und somit eine Suche nach ihm fast unmöglich. So wird aus dem kleinen Jungen Nr. 104. Das katholische Heim ist richtig grausam zu den Kindern. Vergehen, die eigentlich gar keine sind, werden hart bestraft. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der kleine Hardy zum Bettnässer wird, was wiederum hart bestraft wird. Er hat seine Sprache verloren und egal wie er sich bemüht, er bekommt kein Wort heraus. Er muss verschimmeltes Brot essen, das er jedes Mal erbricht.

Es ist Winter und sehr glatt. Auf dem Weg zur Kirche nimmt die 9-jährige Vollwaise Margret seine Hand und fordert ihn auf, sie ganz festzuhalten. Von da an kümmert sich das Mädchen um den kleinen, hilflosen Jungen, so gut es ihr möglich ist. Als ihre Tante Gisela sie aus dem Heim holt, steht Hardy wieder ganz alleine da.

Nach einem Vorfall wird Hardy als gefährlich eingestuft und in das "Franz Sales Haus" verlegt. Der Anstaltsarzt Dr. Strehl testet an den Kindern Medikamente. Hardy befindet sich die meiste Zeit im Delirium.

Auch Margret hat kein Glück und landet, nachdem sie vergewaltigt wurde, in einem Heim für gefallene Mädchen. Als sie volljährig wird, bekommt sie eine Arbeit im Franz Sale Haus, wo sie Hardy in einem sehr schlechten Zustand wieder findet. Ihr gelingt die gemeinsame Flucht.

Meine Meinung

Geht unter die Haut

Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wann ich das letzte Mal bei einem Buch so geweint habe. Was bitte schön hat die Kirche bei Nächstenliebe falsch verstanden? Wie können Nonnen so grausam zu Kindern sein und sich auch noch dazu berechtigt fühlen?

Der gemeinsame Weg von Hardy und Margret war hart; aber von Erfolg gekrönt. Zumindest nach außen hin, scheint alles in Ordnung zu sein. Die schlimmen Erlebnisse bestimmen dennoch auch noch Jahre später ihr Leben. Besonders der Kontrollzwang von Margret beeinflusst das Leben ihrer Tochter Sabine, Enkelin Julia und Urenkelin Emily negativ. Weder Sabine noch Julia können sich richtig um ihre Tochter kümmern. Hardy fühlt sich bei Margret von jeher sicher und nimmt seine Abhängigkeit zu ihr als völlig normal hin.

Abwechselnd in der Gegenwart und Vergangenheit erleben wir das Geschehen. Die Figuren sind wunderbar gezeichnet und ich konnte mit jeder mitfühlen. Eine Verschnaufpause habe ich bei dem Buch nicht bekommen. Ob im Jetzt oder im Damals; die Ereignisse überschlagen sich und haben mir stellenweise schier den Atem geraubt.

Ich hätte das Buch an einem Nachmittag verschlingen können, aber die Ereignisse waren zu emotional, daher waren Lesepausen die bessere Option. Dieser Roman basiert auf wahren Begebenheiten, was das Ganze um so tragischer macht. Die Thematik wurde schon in mehreren Büchern aufgegriffen; Susanne Abel hat sie jedoch besonders eindringlich beschrieben, was ihrer sorgfältigen Recherche geschuldet sein dürfte.

Hardy und Emily sind meine ganz persönlichen Helden. Warum das so ist, solltet Ihr am besten selbst entdecken. Auch vor Margret ziehe ich meinen Hut. Ich konnte verstehen, warum sie oftmals falsch handelte. Meine Besprechung enthält nur einen kleinen Teil der Ereignisse, daher empfehle ich Euch das Geschehen zu erkunden.

Fazit

Eine klare Empfehlung, für diese komplexe, spannende und emotionale Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht.

Ich empfehle das Nachwort zu lesen und möchte darauf hinweisen, dass die Geschichte sehr sensible Themen wie, Missbrauch, körperliche Gewalt und Medikamenten-Missbrauch enthält.

Das Ende hat mich sehr berührt, und ich konnte das Buch zufrieden zuklappen.

Herzlichen Dank, Susanne Abel. Mit diesem Buch haben sie sich selbst übertroffen.

>>Unkraut vergeht nicht. << Margrets häufigister Spruch.

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Veröffentlicht am 02.09.2025

Eine Glanzleistung von der Krimi-Queen Noll

Nachteule
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Meine Meinung


>>Denn die einen sind im Dunkeln,
Und die anderen sind im Licht,
Und man siehet die im Lichte,
Die im Dunklen sieht man nicht.>Mäßig wird alt, zuviel stirbt bald.>Er lügt, wie wenn's ...



Meine Meinung


>>Denn die einen sind im Dunkeln,
Und die anderen sind im Licht,
Und man siehet die im Lichte,
Die im Dunklen sieht man nicht.<< (aus der Dreigroschenoper von Berthold Brecht)

Die 15-jährige Luisa hatte das große Glück, als Baby von einem liebevollen, wohlhabenden Ehepaar adoptiert zu werden. Da sie aus Peru stammt, fällt sie in der Schule, aufgrund ihres anderen Aussehens, auf. Das intelligente Mädchen wird als Streberin bezeichnet, das jeden Tag von ihrem Vater zur Schule gefahren wird.

Ihre Fähigkeit, im Dunkeln zu sehen, halten sie und ihre Eltern geheim. Sie beobachtet gerne Nachts im Wald die Tiere; besonders einen Fuchs, der sich immer näher an sie heran traut. Als sie den verwahrlosten Obdachlosen Tim entdeckt, der sich im Wald ein ärmliches Lager errichtet hat, kommt ihr das gerade recht, da sie mal Sozialarbeiterin werden möchte. Sie versorgt ihn mit Lebensmitteln und unterstützt ihn bei seinen kriminellen Aktivitäten, die einen immer heftigeren Ausmaß annehmen. Luisas Fähigkeit im Dunkeln zu sehen, weiß Tim für seine Verbrechen gut zu nutzen. Luisa entwickelt viel Einfallsreichtum, wenn es darum geht, für Tim aus der elterlichen Küche Lebensmittel zu entwenden. Ihre Mutter ist stets der Meinung, ihre Tochter vertilgt alles selber und empfiehlt ihr mehr Maß und Ziel zu halten.

>>Mäßig wird alt, zuviel stirbt bald.<< (Seite 157)

Wie aus einem unbescholtenen Mädchen eine Mittäterin wird, fand ich unheimlich spannend. Vor allem kann Luisa sich nie sicher sein, ob Tim, (oder wie immer er heißen mag) die Wahrheit sagt. Er beantwortet kaum Fragen und wenn, dann ziemlich vage. Für Zigaretten ist dem Obdachlosen, an den Luisa ihr Herz verloren hat, kein Einbruch zu gefährlich.

>>Er lügt, wie wenn's gedruckt wär, und stiehlt, wie wenn's erlaubt wär. << (Seite 162)


Die Ehe ihrer Eltern gerät in eine Schieflage und Luisa macht sich große Sorgen, was aus ihr wird, sollten sie sich trennen.

Ich musste mehrmals schmunzeln über Luisas Mutter, die stets für jede Lebenssituation eine Redewendung parat hatte. Sie liebt Opern sehr und so manche Zitate daraus kommen in der Geschichte vor, was mir sehr gut gefallen hat.


Fazit

Ingrid Noll ist eine Meisterin darin, einzigartige sowie skurrile Personen zu zeichnen und diese mit einem Krimi zu verbinden. Der bildliche Schreibstil hat mich an die Seiten gefesselt und erst wieder losgelassen, als ich das Buch zufrieden zugeklappt habe. Das Ende hat mich kalt erwischt. Damit habe ich im Leben nicht gerechnet. Besonders der Verlauf des Ehedramas nimmt eine ungeahnte Wendung.

Von mir eine klare Empfehlung. Danke, Ingrid Noll. Es war mir ein Fest.

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Dieses autobiografische Buch gehört in jedes Regal

Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt
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Meine Meinung


Stamps - Arkansas

Maya Angelou hat mit "Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt" einer breiten Leserschaft die Diskriminierung dunkler Menschen nahegebracht, die ihren Höhepunkt in ...

Meine Meinung


Stamps - Arkansas

Maya Angelou hat mit "Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt" einer breiten Leserschaft die Diskriminierung dunkler Menschen nahegebracht, die ihren Höhepunkt in den 30er bis in die 40er-Jahre hatte. Sie schreibt ohne Weichzeichner, da Realitäten nun mal kein Märchenbuch sind.

Aus der Sicht von Marguerite (Maya) erleben wir das Leben, welches dunkle Menschen in der Nähe einer Baumwollplantage geführt haben.

Maya und ihr Bruder Baily wachsen bei ihrer Großmutter (Momma - Mischung aus Mama und Oma) auf, nachdem sich ihre Eltern getrennt haben. Momma besitzt einen kleinen Lebensmittelladen, der gleichzeitig ein richtiger Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft ist. Die Kinder fühlen sich wohl und von fast allen Bewohnern angenommen.

Nach einem längeren Aufenthalt bei der Mutter in Los Angeles, kehren beide Kinder wieder zu Momma zurück, nachdem Maya ein schreckliches Erlebnis hatte, das ihr die Sprache verschlug. Baily vermisst seine wunderschöne Mutter, die eine richtige Frohnatur ist. Die Afroamerikanerin hat sich ein luxuriöses Leben aufgebaut, was für eine dunkle Frau nicht der Norm entspricht. Ihren grenzenlosen Optimismus versucht sie an ihre Kinder weiter zu geben.

Die Personen sind wunderbar gezeichnet; zeigen sie doch, dass man nicht perfekt sein muss, um ein guter und liebenswerter Mensch zu sein. Auch der Vater kommt mit all seinen Fehlern sympathisch daher. Insgesamt verfügen alle über sehr viel Eigenwilligkeit, die sie im Leben weiterbringt. Momma verfügt über ein sehr starkes Durchsetzungsvermögen. Sie hilft Menschen, will aber kein Gejammere anhören. Mit ihrem Laden hat sich ein großes Stück Selbstständigkeit und den Respekt der Dorfbewohner erarbeitet. Sie weiß ganz genau, wann Schweigen zum Sieg führt, und wann Handeln notwendig wird.

Es gibt viele Szenen, die mich fassungslos gemacht haben, da mir bewusst wurde; Diskriminierung ist leider auch heute noch real; wenn auch anders verpackt.

Mayas Weg, vom Kind zur jungen Frau, ist steinig. Bücher haben ihr geholfen, in einer sehr schweren Zeit, wieder ihre Sprache zu finden. Selbstfindung, ist nicht leicht. Egal zu welcher Zeit - egal welche Hautfarbe man hat.

Ich möchte darauf hinweisen, dass die Geschichte sensible Inhalte enthält, die eventuell Mädchen oder Frauen triggern könnten. Es kommen Missbrauch und Mord vor, sowie Rassismus, und die daraus resultierende Verweigerung einer zahnärztlichen Behandlung.

Maya Angelou hat für ihr Werk ein großes Dankeschön verdient. Ich habe sie erst 2025 entdeckt und bin sehr froh darüber, dieses Buch gelesen zu haben, da ich es als große Bereicherung empfinde. Ihre Geschichte geht weiter. "Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt" ist erst der Anfang. Es passiert sehr viel; meine Besprechung macht nur einen minimalen Teil aus.

Eine klare Empfehlung, für diese komplexe Geschichte, die die Ausbeutung von dunkelhäutigen Menschen behandelt und den daraus entstandenen Hass, gegenüber Menschen, mit heller Hautfarbe. Dies in einer stellenweise zornigen, sowie poetischen Sprache, mit wunderschönen Zitaten. Humor und tiefgründige Gedanken runden das Leseerlebnis ab und regen zum Nachdenken und diskutieren an.



>>Niemand wird dich zum Sprechen bringen - das kann vermutlich keiner. Aber merk dir eins, die Sprache ist die menschliche Form der Auseinandersetzung mit anderen Menschen, und nur die Sprache unterscheidet uns von den niederen Tieren. << Seite 116

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Bis dass Euch ein Messer 🔪 sch(n)eidet.

A Serial Killer’s Guide to Marriage
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Meine Meinung

Haze und Fox verbindet eine Liebe, die so ihre ganz eigene Romantik hat. Sie haben sich kennengelernt, nachdem Hazel gerade in einer dunklen Gasse einen Typen ins Jenseits befördert hatte. ...

Meine Meinung

Haze und Fox verbindet eine Liebe, die so ihre ganz eigene Romantik hat. Sie haben sich kennengelernt, nachdem Hazel gerade in einer dunklen Gasse einen Typen ins Jenseits befördert hatte. Es war nicht ihr erster Mord und ihre Motive wirken stichhaltig.

Für Fox ist es Liebe auf den ersten Stich. Auch er befreit die Menschheit von üblen Zeitgenossen. Zusammen bilden sie das perfekte Team. Fox plant gerne und Haze genießt es, seinen Plänen zu folgen. Zwischen Tatort und Nobelrestaurant, führen sie ein abenteuerliches Leben, mit sehr vielen Reisen und Liebe. Letzteres bleibt nicht ohne Folgen. Haze wird schwanger und Fox beschließt, mit dem Morden aufzuhören. Sie leben von nun an in einer langweiligen Vorstadt und versuchen ein anständiges Familienleben zu führen.

Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Haze und Fox waren mir sehr sympathisch, da sie niemals einem anständigen Menschen Leid zugefügt hätten.

Fox wurde mit einem goldenen Löffel im Mund geboren; hatte aber nie Nestwärme erfahren. Vielmehr betrachteten seine Eltern ihre Kinder als Nachfolger für ihre Firma und spielten sie gegeneinander aus.

Haze landete bei verschiedenen Pflegeeltern. Erst bei Fox lernte sie Herzenswärme und Wertschätzung kennen. Sie liebt ihr kleines Mädchen abgöttisch, hat aber stets das Gefühl, keine gute Mutter zu sein.

Die Beziehung bekommt gewaltige Risse, als Morden für Haze nicht mehr erlaubt ist; sie schließlich als Mutter nurmehr ein Messer zum Gemüseschnippeln verwenden darf! Auch Fox fällt das solide Leben nicht leicht; er hat aber Mittel und Wege gefunden, seine Mordlust in Schach zu halten, da er für seine Tochter ein guter Vater sein möchte. Doch was machen, wenn der Zorn der Ehefrau sich nun auf IHN richtet? Warum können sie auf einmal nicht mehr aufrichtig miteinander umgehen und haben jede Menge Geheimnisse voreinander?

Temporeich führen uns die zwei Hauptfiguren durch eine mordsmäßige Geschichte mit Herz. Ich konnte tatsächlich für das Killer-Ehepaar Sympathie entwickeln und musste, ob ihrer Entzugserscheinungen, lachen.

Beide haben das Herz auf dem rechten Fleck; sodass man ihnen die Selbstjustiz nicht übel nimmt. Haze gelangt in eine verzwickte Situation, als sie eine junge Frau kennenlernt und als hilfsbedürftig einstuft. Vom Partner verlassen und alleinerziehend, steht Haze der ängstlichen Frau mit Rat und Tat zur Seite. Als sich herausstellt, dass die hilfsbedürftige Frau eine Polizistin im Mutterschaftsurlaub ist, wird Haze unruhig; zumal sie versehentlich im Park einen Mann ermordet hat und besagte hilflose Frau wirklich nicht dumm ist ...

Fazit

Der Schreibstil hat eine Magie entwickelt, die mich an die Seiten gefesselt hat. Ich habe ein Faible für so skurrilen Figuren, wie Haze und Fox. Nicht eine Sekunde wurde mir diese Geschichte langweilig und ich war stets gespannt, was dem Ehepaar als Nächstes einfällt. Der Anfang des Buches hatte mich ein bisschen nervös gemacht, da er beim Höhepunkt der Ehekrise beginnt.

Ob mir das Ende gefallen hat, verrate ich nicht. Sage ich ja, wisst Ihr Bescheid, - sage ich nein, auch. Bitte entdeckt die Antwort selbst; es lohnt sich wirklich.

Von mir eine klare Empfehlung, für diese skurrile Geschichte mit Herz.

Danke, Asia Mackay.

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Viele Rätsel und intelligente Auflösungen

Die Bibliothek meines Großvaters
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Meine Meinung


Die junge Lehrerin Kaede ist eine feinfühlige, junge Frau, die ihren demenzkranken Großvater über alles liebt. Sie freut sich, wenn er gute Tage hat, und mit ihr Rätsel löst. Mal decken ...


Meine Meinung


Die junge Lehrerin Kaede ist eine feinfühlige, junge Frau, die ihren demenzkranken Großvater über alles liebt. Sie freut sich, wenn er gute Tage hat, und mit ihr Rätsel löst. Mal decken sie zusammen Verbrechen auf - mal enträtseln sie alltägliche Dinge, die unserer Wahrnehmung leicht entgehen können.

Gibt es eigentlich Krimis, die eine meditative Wirkung beim Lesen entfalten? Ich weiß es nicht; sollte es sie wirklich geben, "Die Bibliothek meines Großvaters" ist einer davon. Unaufgeregt werden hier Verbrechen aufgedeckt und nebenbei kommt auch die Liebe zur Krimiliteratur groß zu tragen.

Das Thema Demenz hat der Autor sehr sensibel dargestellt. Wer schon mal mit demenzkranken Menschen in Berührung gekommen ist, dürfte sich verstanden fühlen und wertvolle Tipps bekommen, im Umgang mit den erkrankten Menschen.

Die Pfleger und Therapeuten pflegen einen liebevollen Umgang mit dem Großvater und ermöglichen ihm, ein größtenteils, selbstbestimmtes Leben, das überwiegend aus Büchern und Rätsel besteht.


Die Harmonie wird jedoch gestört, nachdem ein Kollege und guter Freund von Kaede eines Verbrechens beschuldigt wird. Als die Lehrerin dann auch noch anonyme Anrufe bekommt, steigt die Spannung kontinuierlich.

Der Einstieg fiel mir etwas schwer. Ein paar kleine Längen haben mich gedanklich abschweifen lassen, sodass ich wieder ein paar Seiten zurückblättern musste, um ein paar Passagen nochmal zu lesen. Ab einem bestimmten Punkt war es mir jedoch nicht mehr möglich, das Buch zur Seite zu legen. Besonders gut hat mir das respektvolle Miteinander gefallen und die Liebe zu den kleinen Dingen, die wir normalerweise im Alltagstrott allzu oft übersehen. Am Ende waren alle Rätsel auf sehr intelligente Weise gelöst.


Fazit

Die Figuren sind wunderbar gezeichnet und das Setting spiegelt die japanische Ästhetik wider. Ich hatte von Personen und Orten ein genaues Bild vor Augen und habe mich in der Geschichte sehr wohlgefühlt. Der ruhige Schreibstil liest sich meist wie Butter. Das Ende hat mich das Buch zufrieden zuklappen lassen. Ich freue mich auf die Fortsetzungen.

Trotz Kritikpunkte gibt es von mir eine klare Empfehlung. Danke, Masateru Konishi.

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