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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2025

Liebe, Verständnis und Musik sind die stärksten Instrumente in einem sinnlosen Krieg

Maikäferjahre
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Meine Meinung


1945 Dresden

Anne hat ihre gesamte Familie verloren. Ihr Vater ist zwar nicht in den Krieg gezogen, aber dennoch einen Heldentod gestorben. Er hat dem halbjüdischen Jahrhundertgeiger ...

Meine Meinung


1945 Dresden

Anne hat ihre gesamte Familie verloren. Ihr Vater ist zwar nicht in den Krieg gezogen, aber dennoch einen Heldentod gestorben. Er hat dem halbjüdischen Jahrhundertgeiger Adam das Leben gerettet und das hat ihm sein eigenes gekostet. Ihre Mutter kam bei einem schweren Bombenangriff ums Leben. Der ältere Bruder ist gefallen und von ihrem Zwillingsbruder Tristan hat sie schon ewig nichts mehr gehört. Auf ein Lebenszeichen von ihrem Ehemann Fritz wartet sie schon lange vergeblich. Im Schutzkeller begegnet sie Adam, der von nun an sie und ihr Baby beschützt.

1945 England

Der Luftwaffenpilot Tristan überlebt bei einem Absturz schwer verletzt und kommt in englische Kriegsgefangenschaft. Er wird von der Krankenschwester Rosalie gesund gepflegt und beide verlieben sich ineinander.

Von Anfang an wurde ich in das Geschehen gezogen und habe viele schreckliche, sowie positive Abenteuer erlebt, wie sie nur ein Krieg zustande bringen kann. Die Flucht von Anne zu ihren Schwiegereltern in die Tiroler Alpen, wird ein sehr schweres Unterfangen, in dem besetzten Deutschland. Adam und Anne retten sich mehrmals gegenseitig das Leben. Adam kümmert sich um Annas Baby, als ob es sein Eigenes wäre. Das kleine Mädchen durfte, trotz der widrigen Umstände, viel Nestwärme erfahren.

Endlich in Tirol angekommen, stoßen sie auf Annas hilfsbereiten Cousin; Adam erfährt aber von anderen Ortsbewohnern enorme Feindseligkeit. Anne und ihr Kind bleiben erst mal bei den Schwiegereltern und Adam zieht vorerst weiter ....

Selbst nach Kriegsende erfährt Adam noch Ablehnung. Das ist etwas, das ich nie verstehen werde. Die Vorbehalte der Schwiegereltern konnte ich anfangs noch nachvollziehen, da Anne die Ehefrau ihres verschollenen Sohnes ist, und sie immer noch auf seine Rückkehr hofften.

Anne und Adam mussten mehr wie einmal die Entscheidung treffen, ob sich ihre Wege nicht besser trennen sollten. Wäre da nur nicht die große Anziehungskraft zueinander. Adam: >>Man muss wissen, wann es Zeit ist zu gehen.<<

>>Und manchmal musste man wissen, wann es Zeit war zu bleiben. << (Adam, Seite 332)

Tristan ist in England nicht gerne gesehen und vielen Anfeindungen ausgesetzt. Ein Priester und seine Familie erweisen sich als Retter in der Not. Adam und Rosalie kämpfen um ihre Liebe.

Ich konnte die Vorbehalte gegenüber Tristan verstehen, da die Deutschen sehr viel Leid über die Menschen gebracht haben. Daher war das Verhalten der Engländer eine wirklich große Geste. Die verletzten Deutschen wurden gesund gepflegt und nicht alle Engländer begegneten ihnen feindlich. Vielmehr verstanden sie, dass der Krieg für die sinnlosen Morde verantwortlich war und nicht jeder Deutsche von dieser Politik überzeugt war. Ich kann nur immer wieder den empathischen Priester Thomas Montgomery erwähnen, der den Glauben nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt hat.
>>Nur die Sieger, die fähig sind, ihre einstigen Feinde zu umarmen, haben ihren Sieg wirklich verdient. << (Seite 230)
Diese Geschichte enthält so viel mehr, als ich Euch erzähle. Es gibt auch einige schöne Momente und humorvolle Szenen.

Der Weg beider Paare ist weit und voller Hürden. Wird die Liebe gewinnen? Finden Anne und Tristan wieder zusammen? Das solltet ihr unbedingt selbst erkunden. Wie das Wort Maikäferjahre entstanden ist, fand ich total süß und ist ebenfalls wert, entdeckt zu werden. Adams Geigenspiel erweist sich so manches Mal als hilfreich.

Fazit

Obwohl ich schon viele Bücher über die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg gelesen habe, hat mich diese Geschichte besonders berührt. Zwischen Zerstörung und Tod habe ich sehr viel Menschlichkeit und Liebe erlebt. Die Figuren sind wunderbar gezeichnet und konnten mich auf ganzer Linie überzeugen. Der bildliche Schreibstil liest sich wie Butter und geht runter wie Sahne. Viele wunderbare Zitate laden zum Nachdenken ein.


Eine klare Empfehlung, für diese spannende und emotionale Geschichte, die im Zweiten Weltkrieg und Kriegsende spielt.

Danke, Sarah Höflich. Ich habe jedes Wort genossen.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Spannend und sehr emotional

Himmelerdenblau
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Meine Meinung


Es geht um Julie, die seit 20 Jahren vermisst wird. Ihr demenzkranker Vater Theo möchte noch einmal versuchen, seine Tochter zu finden. In lichten Momenten hat er ein schlechtes Gewissen, ...

Meine Meinung


Es geht um Julie, die seit 20 Jahren vermisst wird. Ihr demenzkranker Vater Theo möchte noch einmal versuchen, seine Tochter zu finden. In lichten Momenten hat er ein schlechtes Gewissen, weil er wegen seines anspruchsvollen Berufes viele Ereignisse seiner beiden Töchter versäumt hat. Stets vertröstete er sie mit den gleichen Worten:

>>Ich bin nun mal der Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, das ist nun mal mein Job , nein, das ist mehr als nur ein Job. Dem Tod ist es egal, ob Weihnachten ist oder Ostern oder Urlaub oder Abschlussball.<< (Seite 333)

Er muss sich beeilen, da sein Geist sich mit jedem Tag mehr von dieser Welt verabschiedet. Das Ganze hat die True Crime Podcasterin Liv in Gang gesetzt, nachdem sie sich mit dem ehemaligen Professor der Charité, in Verbindung gesetzt hat.
Womit Liv nicht gerechnet hat; der Fall berührt sie sehr und weckt viele Emotionen in ihr. Sie entwickelt Theo gegenüber einen Beschützerinstinkt, was für ihren Podcast und Lebenspartner Phil nicht nachvollziehbar ist, da er mit diesem Fall den großen Durchbruch als Podcaster erzielen möchte.

Romy Hausmann hat hier einen wirklich spannenden Thriller geschrieben, der ohne großes Blutvergießen auskommt. Vielmehr besticht er durch die leise Spannung und der sensiblen Darstellung des demenzkranken Theo, der mit aller Kraft gegen das endgültige Vergessen ankämpft.

Ich hatte ziemlich schnell einen Verdacht, wer für das Verschwinden der damals 16-jährigen Julie verantwortlich sein könnte. Meine Vermutungen kamen aber mehrmals ins Schwanken, da Julies Ex-Freund Daniel, mit seinem eigenartigen Verhalten, auch sehr verdächtig wirkt. Irgendwie war mir das zu einfach und ich wurde das Gefühl nicht los, auf eine falsche Fährte gelockt zu werden.
Julies jüngere Schwester Sophia leidet selbst nach 20 Jahren noch unter dem großen Verlust. Die zarte, feinfühlige Frau hat Angst, dass ihr kranker Vater die ganzen Aufregungen nicht verkraftet. Aus ihrem anfänglichen Misstrauen gegenüber Liv, wächst langsam Vertrauen.

Es gibt viele Schreibfehler, die einzig Theos Demenz geschuldet sind und dadurch Authentizität verleihen sollen. Da ich immer wieder mal ehrenamtlich mit dieser Krankheit zu tun habe, erschließt sich mir eine Sache nicht komplett. Demente Menschen vergessen Ereignisse und Wörter. Jedoch habe ich noch nie erlebt, dass ein Betroffener die Wörter total falsch ausspricht; eher ein falsches Wort benutzt. Anderseits bin ich weder Ärztin,- noch Pflegerin, die wesentlich mehr mit dieser Krankheit konfrontiert sind. Die lichten Momente von Theo kann ich sehr gut nachvollziehen. Es gibt hochgradig demente Menschen, die die Telefonnummern ihrer Kinder auswendig wissen.

Fast jedes Kapitel wird aus der Sicht einer anderen Person erzählt und endet meist mit einem Cliffhanger. Das steigert die Spannung kontinuierlich.
True Crime Podcaster können sehr hilfreich zur Auflösung jahrelanger, ungeklärter Fälle sein, aber, sie können auch immensen Schaden anrichten ....

Fazit

Es gibt Bücher, da reagiert man bei jeder Unterbrechung richtig genervt. Himmelerdenblau ist ein Thriller, der mich für ein paar Stunden den zur Eremitin gemacht hat. Ich wollte mit niemandem reden und einfach nur für mich sein, um diesen spannenden, ruhigen Thriller zu genießen.
Das Thema Demenz hat Romy Hausmann sehr gut herübergebracht und spiegelt sich exakt im Text wider.
Die Figuren sind gut gezeichnet und haben Erkennungswert. Mit jeder gelesenen Seite wächst die Anzahl der Verdächtigen.

Einen demenzkranken Arzt und eine True Crime Podcasterin auf Verbrecherjagd zu schicken ist ein Geniestreich, den ich so noch nie gelesen habe.

Mein Verdacht hat sich bestätigt und ich empfehle Euch, die Story selbst zu erkunden. Das Ende enthält viele Überraschungsmomente.

Eine klare Empfehlung von mir. Danke, Romy Hausmann.

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Der letzte verpasste Sommer

Himmel ohne Ende
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Meine Meinung


Die 15-jährige Charlie trauert ihrem Vater nach, der die kleine Familie verlassen hat, als sie noch ein 6-jähriges Mädchen war. Ihre beste Freundin Kati und Sitznachbarin in der Schule ...


Meine Meinung


Die 15-jährige Charlie trauert ihrem Vater nach, der die kleine Familie verlassen hat, als sie noch ein 6-jähriges Mädchen war. Ihre beste Freundin Kati und Sitznachbarin in der Schule wendet sich ebenfalls von ihr ab. Ihre Mitschüler genießen die Sommerferien. Sie ist mit ihren Selbstzweifeln allein.

Ihre Mutter arbeitet Schicht als Krankenschwester und schläft auch oft tagsüber. Sie versucht stets für Charlie da zu sein und ein offenes Ohr für deren Probleme zu haben. Charlie möchte ihre Mutter nicht zusätzlich belasten und schweigt.

Charlie ist ein liebes Mädchen, das in ihren negativen Gedanken gefangen ist. Sie hat die Trauer um ihren Vater nie richtig ausgelebt. Auch ihre Mutter hat sich hinter einer Fassade versteckt und sich stets gut gelaunt gezeigt. Das fand ich echt schade, weil gemeinsam trauern und richtig weinen beiden gutgetan hätte.

Ich denke mal, wegen ihrer depressiven Stimmung hat sich auch ihre beste Freundin von ihr abgewendet. Charlies Leben ändert sich schlagartig, als im neuen Schuljahr die Klasse einen Neuzugang bekommt, der sich als Kornelius vorstellt. Der große, blonde Junge bekommt sofort den Spitznamen Pommes verpasst. Pommes nimmt es mit Humor und findet schnell Freunde. Er ist jetzt Charlies Sitznachbar und schon bald ihr bester Freund. Ihre Einsamkeit hat ein Ende. Alles könnte so schön sein, doch dann verliebt sich ihre Mutter.
Sie muss bald erkennen, dass nicht die anderen Schuld an ihrer Einsamkeit und ihren Unzulänglichkeiten haben. Es passiert ja eigentlich nur das, was ihre negativen Gedanken erschaffen. Ihr bester Lehrer ist Pommes. Seine positive Ausstrahlung ist allein seiner Einstellung zum Leben geschuldet. Dabei hat der Junge auch ein schweres Päckchen zu tragen. Seine familiäre Situation ist sehr schwierig und verlangt ihm wirklich viel ab.

Besonders süß fand ich Charlies Freundschaft zu ihrem Meerschweinchen Markus. Das einzige Meerschweinchen auf der Welt, das allein sein konnte.
Bei ihrer Großmutter sprach sie sich stets alles von der Seele. Die Dialoge waren sehr berührend und hilfreich für das junge Mädchen. Die warmherzige, beeindruckende Frau fand ich sehr sympathisch.

Ich habe ein Jahr mit wunderbaren Menschen erleben dürfen. Diese Teenagerprobleme kann man wirklich in jeder Altersgruppe finden. Besonders gut hat mir gefallen, dass ich auch die anderen Charaktere näher kennenlernen durfte. So habe ich bei sämtlichen Figuren meine negative Meinung geändert. Vor allem bei Kate! Wieder einmal wurde mir bewusst, dass das Bild, welches wir von anderen Menschen zeichnen, oftmals nicht der Wahrheit entspricht. Hinter so manchem selbstbewussten Auftreten verbirgt sich oft ein tieftrauriger und ängstlicher Mensch.

Pommes ist der beste Freund, den man sich wünschen kann. Doch auch ihm gelingt es nicht immer, Versprechen einzuhalten. So wird das Vorhaben, mit Charlie nach Paris zu reisen, erstmal auf Eis gelegt, da Pommes andere Pläne dazwischen gekommen sind.
Das Gefühl, ständig alles falsch zu machen, bringt Charlie in eine verzwickte Situation, die für ihre Freundschaft eine große Zerreißprobe darstellt.

Fazit

Der Diogenes Verlag ist ein Garant für gute Bücher. "Himmel ohne Ende" ist wieder so eine Geschichte, bei der ich nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Die Autorin hat ernsthafte Themen mit einem poetischen Schreibstil verwoben und damit verhindert, dass die Story in ein depressives Loch fällt.

Zitate aus dem Buch:

>>... wenn man geboren wird, ist man eine Idee und dann wird man eine Mischung aus allem, was man erlebt, und allen, die man trifft.<<
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Sie beschreibt das ganz normale Leben mit all ihren schönen und traurigen Momenten. Es gab zwei Szenen, die mir sehr nahe gegangen sind. Die solltet Ihr aber selbst entdecken. Es gab auch lustiges beim Trampolin hüpfen mit dem Freund der Mutter. Ein bisschen verrate ich noch: Charlie wird kein Einzelkind bleiben. Vor dem Eiffelturm hat sie auch gestanden ...

Eine klare Empfehlung und ein großes Dankeschön, an Julia Engelmann. Für mich war das Buch eine sehr gelungene Überraschung.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Beste Literatur zur Selbstfindung

Wild wuchern
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Meine Meinung:


Marie flüchtet panisch einen Berg in Tirol hinauf. In ihrem Rucksack befindet sich überwiegend sinnloses Zeug, da sie die Flucht von ihrem Ehemann in Wien nicht geplant hatte. Ihr Ziel ...

Meine Meinung:


Marie flüchtet panisch einen Berg in Tirol hinauf. In ihrem Rucksack befindet sich überwiegend sinnloses Zeug, da sie die Flucht von ihrem Ehemann in Wien nicht geplant hatte. Ihr Ziel ist die Hütte ihrer Cousine Johanna, die dort seit vielen Jahren wie eine Eremitin lebt und Tiere mehr schätzt, als Menschen. Marie ist sich sicher, dass Johanna besonders SIE als störend empfinden wird, womit sie sich wirklich nicht täuscht.

Als Erstes möchte ich die österreichische Mundart erwähnen, die mir das Gefühl gegeben hat, wirklich in einer Hütte in Österreich zu sein. Die bergige Einöde hatte nicht nur für Marie etwas Meditatives; auch ich habe beim Lesen ein paar Gänge heruntergeschaltet.

Johanna redet kaum ein Wort mit Marie. Die Ausreißerin aus Wien ist ihr schon arg lästig und erinnert sie an Dinge aus der Vergangenheit, an die sie nicht mehr erinnert werden möchte. Dennoch pflegt sie die Goldmarie gesund. Der Weg zu ihrer Hütte war beschwerlich und so eine verwöhnte Wienerin wird von den Witterungen in den Bergen schnell krank.

Marie findet so ziemlich alles ekelhaft in Johannas Hütte. Die Bettdecke stinkt nach Ziegen 🐐 und im oberen Stockwerk hausen Mäuse. 🐁 Es gibt nur kaltes Wasser und karges Essen. Marie hilft rund um die Hütte und kocht das Mittagessen. Sie lernt Zäune ausbessern, das Dach auf der Hütte reparieren und mit einer Sense das Gras zu mähen. Nach einiger Zeit bemerkt sie jedoch, wie gut ihr das einfache Leben bekommt. Selbst das spartanische Essen schmeckt ihr mittlerweile nach der schweren Arbeit ausgezeichnet. Sie erfreut sich an dem Anblick eines Hirschen, den sie eigentlich nur aus dem Zoo kennt.

>>Obwohl ich so ausgezehrt bin, fühle ich mich stärker. Wacher. Durchbluteter. Sauerstoffdurchzogener. Da ist eine ganz neue Kraft in mir drinnen, eine urige Kraft. << (Seite 72)

Spiegel gibt es keinen, was ihr den Stress nimmt, immer perfekt aussehen zu müssen. Nur im Brunnenwasser sieht sie ihr verzerrtes Antlitz. Doch die Uhr tickt! Johanna will nicht, dass sie bleibt ...

Kein Krimi könnte für mich spannender sein, als dieses Buch. Die Frage, was denn genau passiert ist, wird bis zum Ende aufrecht gehalten. Sei es die Flucht von Marie oder die selbstgewählte Einsamkeit von Johanna, die ihre Ziegen und eine Eule mehr liebt, als die Gesellschaft von Marie.

Familiäre Begebenheiten aus der Vergangenheit kommen langsam und sehr zögerlich ans bergige Tageslicht. Sie beantworten nach und nach die Fragen, die mich durch die Geschichte getrieben haben. Ich fand sie sehr traurig und habe mich dennoch darüber gefreut, wie sich die Cousinen wieder näher gekommen sind.

Fazit

Ich habe als Kind wahnsinnig gerne Heidi gelesen und somit dieses Buch geliebt, da ich einige Parallelen erkennen konnte. Sei es der Großvater von den Cousinen oder deren Mütter, die mich beide ein bisschen an Frau Rottenmeier erinnert haben. Warum das so ist, empfehle ich Euch selbst zu erkunden.

Der Schreibstil ist wahnsinnig charmant, was dem österreichischen Dialekt geschuldet ist. Die Geschichte enthält schwierige Themen, die den einen oder anderen triggern könnten. Gewalt in der Ehe und gegenüber Tieren.


Es sind Krimielemente enthalten, die der zwei Frauengeschichte Spannung einhauchen. Das Ende hat mich leider nicht überzeugen können. Die Dinge entwickelten sich für meinen Geschmack zu abrupt und haben eine ganz wichtige Frage offen gelassen.

Eine klare Empfehlung, trotz Kritikpunkte.

Danke, Katharina Köller. Bitte mehr davon.

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Zwei Versionen eines Lebens

Im Leben nebenan
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Meine Meinung


Wenn man selbst kein Kind zur Welt gebracht hat, stellt man sich ein Leben mit einem Baby sehr harmonisch und relaxt vor. Das Schmusen mit dem süßen Familienzuwachs, die vielen Treffen ...

Meine Meinung


Wenn man selbst kein Kind zur Welt gebracht hat, stellt man sich ein Leben mit einem Baby sehr harmonisch und relaxt vor. Das Schmusen mit dem süßen Familienzuwachs, die vielen Treffen am Spielplatz mit anderen Müttern und die damit verbundenen, hilfreichen Gespräche. Vor allem die viele Freizeit, die eine frisch gebackene Mutter jetzt hat. Doch, so einfach ist es nicht. Anne Sauer erzählt uns abwechselnd von Toni ohne und von Antonia (Toni) mit Kind.

Toni macht eine sehr krasse Erfahrung. Nach unendlich vielen Versuchen, mit ihrem Freund Jacob ein Kind zu bekommen, erwacht Antonia eines Morgens in einer piekfeinen Wohnung, mit einem Baby auf dem Bauch. Der Blick aus dem Fenster verrät ihr, dass sie sich an ihrem Heimatort befindet. In dieser Parallelwelt ist sie mit ihrer früheren Liebe Adam verheiratet. Die Schwiegermutter ist stets präsent und hilft Antonia, rund um die Versorgung des Babys und dem Haushalt.

Toni hat sich mittlerweile damit abgefunden, kinderlos zu bleiben. Sie will keine Liebe mehr, die abhängig von Fruchtbarkeitskurven ist; und erst recht nicht mehr auf Teststreifen pinkeln. Nie wieder will sie eine Fehlgeburt erleiden. Das Leben ohne Kind hat doch auch seine schönen Seiten. Ein Urlaub allein am Meer hat ihr unheimlich gut getan; besonders der Wunsch, sich einfach sinken zu lassen.

>>Alle wollten, dass sie Kinder will. Aber niemand hatte sie darauf vorbereitet, keine Kinder bekommen zu können. << (Seite 45 auf dem Reader)
Antonia muss lernen, mit einem Baby zurechtzukommen, an dessen Geburt sie keine Erinnerung hat. Nichts an diesem Leben ist ihr vertraut. Sie ist ständig müde und müht sich damit ab, ein Baby zu stillen. Wem und wie kann sie mitteilen, dass sie sich im falschen Leben befindet, und in der Realität kinderlos ist?

Das Buch könnte ein Trostpflaster für junge Mütter, sowie kinderlos gebliebene Frauen sein, da beide Seiten sich verstanden fühlen dürften. Zum einen, der verzweifelte Versuch Mutter zu werden - zum anderen, der oftmals sehr beschwerliche Alltag mit einem Baby.

Der Schreibstil der Autorin ist emotional, stellenweise humorvoll und unglaublich mitreißend. Jede Frau dürfte sich - mehr oder weniger - in dieser Geschichte wiederfinden. Die Figuren sind wunderbar gezeichnet und die zwei verschiedenen Leben haben mir das Gefühl gegeben, Antonia befindet sich in einem Paralleluniversum. Oder befindet sich Toni darin?

Bei Toni und Antonia handelt sich um ein und dieselbe Frau, die sich in verschiedenen Lebenskonstellationen befindet. In Beiden konnte ich stets eine tiefe Verzweiflung spüren. Besonders die Antonia-Version hat mich sehr berührt. Wie eine Mutter, einem für sie fremden Kind, immer näher kommt, fand ich sehr berührend.

Welches Leben ist denn nun real? Diese Frage versucht mein Kopf gerade selbst zu beantworten und sämtliche Interpretationen kommen darin zum Einsatz.

Fazit

Eine Frau mit zwei verschiedenen Leben hat mich in ihre Geschichte hineingezogen und vor ihrem Ende nicht mehr herausgelassen.

In einer wunderschönen Sprache hat Anne Sauer die Vor- und Nachteile einer Mutterschaft bildlich dargestellt. Ebenso das Leben als kinderlose Frau.

Die Hauptfigur Antonia (Toni) ist authentisch in beiden Versionen gezeichnet. Die Nebenfiguren sind wunderbar in die Geschichte integriert.

Vor allem der Leidensweg von Toni zeigt, wie schwer es für eine Frau sein kann, sämtliche Behandlungen über sich ergehen zu lassen, die am Ende erfolglos bleiben.

Das Ende lädt dazu ein, eine Antwort zu finden. Meine Vermutung dazu möchte ich nicht verraten. Ich empfehle Euch, die Geschichte selbst zu entdecken.

Von mir eine klare Empfehlung. Danke, Anne Sauer

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