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Veröffentlicht am 12.06.2025

Diese Geschichte hat mich unheimlich berührt

Was man von hier aus sehen kann
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Meine Meinung


Ich möchte unbedingt ein paar Tage mit dieser wunderbaren Dorfgemeinschaft im Westerwald verbringen, bei der nicht alles einwandfrei ist, aber sehr menschlich. Mal ehrlich, wer hat (hatte) ...

Meine Meinung


Ich möchte unbedingt ein paar Tage mit dieser wunderbaren Dorfgemeinschaft im Westerwald verbringen, bei der nicht alles einwandfrei ist, aber sehr menschlich. Mal ehrlich, wer hat (hatte) schon eine Oma, die Rudi Carrell ähnlich schaut? Die, sobald sie von einem Okapi träumt, die Dorfbewohner in Angst und Schrecken versetzt, da bis zum nächsten Tag einer sterben muss? Ich denke mal keiner. Doch, was ist eigentlich ein Okapi?

>>Das Okapi ist ein abwegiges Tier, das im Regenwald lebt. Es ist das letzte große Säugetier, das der Mensch entdeckt hat. Es sieht aus wie eine Mischung aus Zebra, Tapir, Reh, Maus und Giraffe.<< Luise Seite 139
Die Rede ist von der 60-jährigen Selma, die in einem Haus lebt, deren Böden so dünn sind, dass sie sogar schon einmal durchgebrochen ist. Dennoch gibt es kein schöneres Haus für sie. Sie ist der kleinen Luise die beste Oma der Welt.

Überwiegend erfahren wir das Geschehen aus der Sicht von Luise, die ihre Oma abgöttisch liebt. Ihre Eltern führen mehr oder weniger ein Leben, in dem es eher weniger Platz für das kleine Mädchen gibt. Die Mutter führt einen Blumenladen und der Vater ist Arzt. Der Vater geht auf Weltreise und die Mutter vertröstet sich anderweitig.

Dann haben wir hier noch den Optiker, der Selma heiß und innig liebt, aber tausend innere Stimmen hindern ihn daran, ihr seine Liebe zu gestehen. Von ihm und Selma lernen Luise und ihr bester Freund das Schwimmen, Radfahren und die Uhrzeit.

In einer wunderschönen Sprache begleiten wir über mehrere Jahrzehnte diese außergewöhnlichen, warmherzigen Menschen. Über keinem im Ort wird gewertet; vielmehr kann sich jeder von der Gemeinschaft getragen fühlen.

Der feine Humor ist stets passend eingesetzt und ich konnte mehrmals aus vollem Herzen lachen. Selbst nach sehr traurigen Ereignissen drückt die Autorin nicht allzu lange auf die Tränendrüse. Nach jedem Regen folgt unweigerlich wieder Sonnenschein. Etwas anderes würde Selma gar nicht zulassen.

Luise hat in ihrem Leben alles auf sich zukommen lassen.

>>Sie hat sich nie entschieden. Nie ja gesagt; aber auch nicht nein. Ihr ist alles widerfahren.<< Zitat aus dem Buch
So auch der Mönch Frederik, der aus dem Wald bricht, in dem Luise verzweifelt ihren Hund Alaska sucht. Der empathische Buddhist hat seine Bestimmung in Japan gefunden und verweilt gerade im Westerwald. Er hilft Luise den Hund zu suchen und findet ihn. Luise findet die Liebe. Doch sie scheint ihr aussichtslos, da Japan ganz schön weit weg ist. Vielleicht sollte sie aktiv werden und nicht darauf warten, dass ihr alles von ganz alleine widerfährt. Ihre Arbeit in der Buchhandlung kam auch von alleine daher.

Keiner im Ort glaubt, dass nach Selmas Träumen wirklich einer stirbt. Jeder im Ort betreibt jedoch Vorsorge. Da werden Briefe geschrieben, um mal jemanden die ehrliche Meinung zu sagen. Auf einmal haben einige Herzbeschwerden und da sie nicht wissen, welcher Arm zu den Beschwerden gehört, kribbeln eben beide. Manch einer hängt seinen eigenen Ritualen nach. Zum Weihnachtsfest gibt es unterm schiefen Tannenbaum Geständnisse zu versuchten Morden. Das, obwohl wirklich keiner an Selmas Träume glaubt.

Fazit

Eine große Portion Familiengeschichte, garniert mit einer skurrilen, liebenswürdigen Dorfgemeinschaft und jeder Menge Liebe, macht diese Geschichte zu einem Festmahl. Zum Nachtisch gibt es Übersinnlichkeit mit einer Prise Trauer und Freude. Ob es keine Vorspeise gibt? Doch, die gibt es, aber da hat es bei mir etwas gedauert, bis ich auf den Geschmack gekommen bin. Ich hätte beinahe nicht weiter gegessen. Das wäre eine Tragödie gewesen, da diese Geschichte sehr bekömmlich ist. Alle Figuren wirken authentisch und einzigartig und verleihen dem Gericht eine besondere Note.

Von mir eine klare Empfehlung. Danke, Mariana Leky.

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Veröffentlicht am 08.06.2025

Ein Pageturner, mit vielen Überraschungsmomenten

Die Schlafwandlerin
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Meine Meinung


Mit der Hauptfigur Neve Harper hat der Autor eine Figur geschaffen, deren innere Zerrissenheit von Anfang zu spüren ist. Die erfolgreiche Strafverteidigerin wird von einem Unbekannten ...


Meine Meinung


Mit der Hauptfigur Neve Harper hat der Autor eine Figur geschaffen, deren innere Zerrissenheit von Anfang zu spüren ist. Die erfolgreiche Strafverteidigerin wird von einem Unbekannten verfolgt und erpresst. Sie verteidigt den Geschäftsmann Wade Darling, der angeblich seine Familie im Schlaf umgebracht haben soll. Neve glaubt an seine Unschuld; soll aber den Prozess verlieren, da ansonsten das Leben ihrer Stieftochter Hannah in Gefahr ist und ihr eigenes dunkles Geheimnis ans Tageslicht kommt. Das würde das Aus ihrer Karriere bedeuten.

Neves dunkles Geheimnis schwebt wie ein Damoklesschwert über der gesamten Handlung. Das Warum hat mich gefesselt und an die Seiten geklebt.

>>Die Gegenwart wird immer von der Vergangenheit heimgesucht.<< (Zitat aus dem Buch)

Vor allem wie sie mit dieser Situation umgehen wird, hat meine Neugierde geweckt und mir das Weglegen des Buches fast unmöglich gemacht. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob sie mir sympathisch oder unsympathisch ist, da ich ihr Verhalten stellenweise als sehr grenzwertig empfand. Ihr Schlafwandeln hat sie häufig in gefährliche Situationen gebracht. Ihr Gewissenskonflikt Wade Darling gegenüber war für mich nachvollziehbar, da Hannah ihr sehr am Herzen liegt, und ihr dunkles Geheimnis das junge Mädchen in tiefe Abgründe stürzen würde. Ferner konnte ich nicht verstehen, dass keinem ihrer Kollegen Neves verändertes Aussehen zu denken gegeben hat. Aufgrund ihres Schlafmangels und enorm schlechten Gewissen, sah sie sehr verhärmt und ungepflegt aus, was bei einer erfolgreichen Anwältin nicht angemessen sein dürfte. Im späteren Verlauf konnte ich Neve besser verstehen. Sie konnte mich auf emotionaler Ebene sehr berühren.


Bei Wade Darling war ich mir fast sicher, dass er wirklich unschuldig ist. Die Frage, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege, hat zusätzlich meinen Lesefluss erhöht. Seine Traurigkeit konnte mich sehr berühren; jedoch wirkt er anfangs nicht kooperativ, was die Aufklärung der Mordfälle betrifft.

»Ein unschuldiger Mann denkt nicht darüber nach, was ihn als schuldig aussehen lassen könnte« (Zitat aus dem Buch)

Fazit

Dieser Thriller wartet mit vielen ungeahnten Wendungen auf, die einen durch die Seiten rasen lassen. Das Ende hätte ich so niemals erwartet.

Von mir eine klare Empfehlung.

Danke, Jack Jordan.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

An einem Tag durchgelesen

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
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Meine Meinung


Dieser Titel hat mich von Anfang an magisch angezogen. Nachdem die Autorin Gabriele Diechler auf Instagram das Buch vorgestellt hatte, habe ich es mir sofort gekauft. Beste Entscheidung ...

Meine Meinung


Dieser Titel hat mich von Anfang an magisch angezogen. Nachdem die Autorin Gabriele Diechler auf Instagram das Buch vorgestellt hatte, habe ich es mir sofort gekauft. Beste Entscheidung ever! .

Die Figur Elisa ist wunderbar gezeichnet und kommt sehr empathisch rüber. Ihr Leben ist wahrlich nicht leicht und dennoch sprüht einem so viel Optimismus entgegen.

Elisa hat vor einigen Jahren die Lyrikerin Mascha Kaléko für sich entdeckt. Mascha lebt in ihren Worten weiter. Ihre wunderbaren Verse helfen Elisa stets weiterzukämpfen; nicht aufzugeben. Ihr Leben ist von Verlusten und der Suche nach Liebe geprägt. Ihre Eltern ließen sich scheiden, woraufhin sie die Liebe ihrer Mutter verlor. Sie landete in einem großen kalten Haus in der großen verhassten Stadt.

Poesie und Punk zu einem stimmigen Ganzen zu vereinen, ist wahre literarische Kunst, die Sarah Lorenz hervorragend gelungen ist. Ohne Weichzeichner erzählt sie uns aus dem Leben der verzweifelten, optimistischen sowie liebenswerten Elisa. Alkohol, Drogen und toxische Liebesbeziehungen pflastern Elisas Weg in der großen Stadt. Elisas Liebe zu Mascha Kaléks Büchern ist stets präsent, da sie Mascha aus ihrem Leben erzählt. Mit ihr, möchte sie im Himmel Kaffee trinken. Jedes Kapitel beginnt mit einem wunderschönen Vers von Mascha.

Der bildliche Schreibstil hat mich in die Geschichte hineingezogen und nicht mehr losgelassen. Bücher spielen eine große Rolle und zeigen, wie heilsam sie sein können. Das geschriebene Wort ist so manches Mal die beste Medizin.

Fazit

Von mir eine klare Empfehlung für Leser*innen, die mit so schwierigen Themen umgehen können. Nicht jeder Mensch verfügt über eine so ausgeprägte Resilienz, wie die Hauptfigur Elisa, die an ihren Fehlern und Tragödien wächst.

>>Um Schicksalsschläge auszuhalten, braucht es ein Fundament. Braucht es einen Halt, am besten in Form eines Netzes aus verschiedenen Menschen.<< Seite 19
Einige Figuren erleiden ein grausames Schicksal. Auch Elisas Lebensweg muss man aushalten können und wollen.
>>Unglaublich, wie viel Gegenwart man aushalten muss, bis sie Erinnerung wird.<< Seite 135
Die Geschichte enthält so viel mehr und lohnt sich wirklich, sie zu entdecken. Bitte Taschentücher bereit halten.

Danke, Sarah Lorenz. Mit ihnen möchte ich im Hier und Jetzt (auf einer Buchmesse) Kaffee trinken.

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Veröffentlicht am 31.05.2025

Kopflos in Neapel

Commissario Gaetano und der lügende Fisch
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Meine Meinung

Jedes Mal, wenn die Neapolitaner ihren Heiligen San Gennaro feiern, herrscht großer Trubel in der Großstadt, die Polizeieinsätze erfordert. Salvatore Gaetano erhält in seinem Büro Besuch ...

Meine Meinung

Jedes Mal, wenn die Neapolitaner ihren Heiligen San Gennaro feiern, herrscht großer Trubel in der Großstadt, die Polizeieinsätze erfordert. Salvatore Gaetano erhält in seinem Büro Besuch von einem total verängstigten Mann, der um sein Leben fürchtet. Der Turiner bittet Gaetano seine Wohnung zu überwachen, da in seiner Abwesenheit immer wieder eingebrochen wird. Gaetano nimmt die Sache erst mal nicht ernst, schickt aber dann trotzdem einen Kollegen hin, um nach dem Rechten zu sehen. Das ist wirklich nicht umsonst, da in der Wohnung ein kopfloser Mann an einem Tisch sitzt. In unmittelbarer Nähe ein Rucksack mit einem stinkenden Fisch ...

Es fiel mir ausgesprochen schwer, die richtigen Worte für dieses Buch zu finden. Fabio Nola hat hier einen durchaus interessanten Krimi geschrieben, dessen Spannung aber leider an zu detaillierten Nebensächlichkeiten gelitten hat. Auch unglückliche Formulierungen haben meinen Lesefluss gestört.

>>Im Lufthauch ihrer Flüsterstimme zitterten seine Wimpern. << Seite 263
Meiner Meinung nach sind viele unnötige Beschreibungen enthalten, die in einem Krimi nichts verloren haben. Ich fühlte mich abwechselnd genervt und gut unterhalten. Der Mordfall an sich ist wirklich spannend und einige Charaktere interessant.

In Neapel war ich noch nie; konnte mir die italienische Großstadt jedoch bildlich vorstellen. Hier hat der Autor alles richtig gemacht. Den Großstadtlärm hörte; hatte den Geruch von Abgasen in der Nase und spürte die Hitze auf meiner Haut.

Salvatore Gaetano war mir bedauerlicherweise sehr unsympathisch. Ständig nuschelte er und merkte sich nicht mal den Namen einer Mitarbeiterin. Sein Familienleben war mir zu sehr im Vordergrund.

Die Auflösung des Mordfalls konnte mich dann überzeugen und ich hatte, für die für den Mord verantwortliche Person, sogar eine gewisse Sympathie und vollstes Verständnis. Salvatore Gaetano kann aber die Lorbeeren nicht für sich einheimsen, da der wertvolle Hinweis von einem katholischen Pfarrer kam. Gaetano hatte sehr oft Nebensächlichkeiten im Kopf und konnte mich in keinster Weise überzeugen.

Fazit
Ich habe mich sehr auf diesen Krimi gefreut, konnte aber leider mit Commissario Gaetano nicht warm werden. Seine Gedankengänge und Ermittlungsverfahren fand ich nicht überzeugend. Trotz meiner Kritikpunkte gab es aber immer wieder etwas Spannung und die Beschreibungen von Neapel haben mir gefallen.

Danke, Fabio Nola.

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Shakespeare statt Sauerstoffmasken - Ideen halten jung!

Crime im Heim
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Meine Meinung


Ich bin immer wieder begeistert, was sich in Altenheimen so abspielt. Bitte nicht falsch verstehen; natürlich nur in Büchern.

Das Haus Silberblick beherbergt einige kulturell interessierte ...

Meine Meinung


Ich bin immer wieder begeistert, was sich in Altenheimen so abspielt. Bitte nicht falsch verstehen; natürlich nur in Büchern.

Das Haus Silberblick beherbergt einige kulturell interessierte alte Leuchtchen. Darunter Friedhelm Klemp, der eine Inszenierung von Hamlet aufführen möchte. Vielleicht kann er ja damit bei Katia Horenfeld punkten, auf die er seine betagten Äuglein geworfen hat. Die Idee stößt bei einigen Senioren auf Begeisterung. Ob sich alle den Text merken können, wird sich beizeiten herausstellen. Natürlich läuft nicht alles so glatt wie geplant, da zwei Leichen dazwischen kommen. Der Mops Ophelia und ... ups, jetzt hätte ich beinahe gespoilert.

Von Anfang an konnte mich der fesselnde Schreibstil abholen und hat mir die Bewohner näher gebracht. Der Wortwitz ist einfach nur köstlich, da die Senoren nicht auf den Mund gefallen sind. Das eine oder andere Schnäpschen und Likörchen lockert schon mal die Zunge und beruhigt nebenbei auch noch ungemein.

Was treibt Menschen jeden Alters in den Wahnsinn? Geld! Noch dazu, wenn es sich um ein paar Millionen handelt, die irgendwann mal im Garten des Hauses Silberblick begraben wurden. Was macht noch verrückter? Wenn statt Geld eine Leiche im Garten ausgebuddelt wird! Und was setzt dem Fass die Krone auf? Wenn die Heimleiterin, die früher mal mit Kindern gearbeitet hat, zur Bastelstunde aufruft. Das noch dazu, wenn die Laientheatergruppe gerade eine Leiche wegschaffen muss!

Dass es im Haus Silberblick hoch hergeht, kommt den rüstigen Heimbewohnern gerade recht. Und so ganz nebenbei heißt es: >>Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage. <<

Fazit

Dieser charmante Cosy Crime lässt einen Seniorenstift richtig abenteuerlich aussehen. Demenz und Lebenslust gehen hier Hand in Hand und zaubern dem Leser ein Lächeln ins Gesicht. Die Auflösung der Mordfälle konnte mich tatsächlich überraschen. Bis auf ein paar kleine Längen fühlte ich mich gut unterhalten.

Von mir eine klare Empfehlung. Danke, Ida Tannert

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