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Veröffentlicht am 01.03.2026

Die Frau, die lächelte

Die Totenklägerin
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Warum musste Oma Resi sterben? Diese Frage stellt sich die zwölfjährige Jackie, die nicht an einen natürlichen Todesfall glaubt. Unterstützung sucht sie bei Matilda, der neu ins Dorf gezogenen Trauerrednerin. ...

Warum musste Oma Resi sterben? Diese Frage stellt sich die zwölfjährige Jackie, die nicht an einen natürlichen Todesfall glaubt. Unterstützung sucht sie bei Matilda, der neu ins Dorf gezogenen Trauerrednerin. Um eine persönliche und individuelle Trauerrede verfassen zu können, muss Matilda die Verstorbene besser kennenlernen und spricht mit den Menschen, die sie kannten. So kann sie kritische Fragen geschickt und ohne Aufsehen einfließen lassen. Nach und nach öffnet sich ihr ein immer tieferer Blick in Oma Resis Leben und Vergangenheit.

Schauplatz für diesen Kriminalroman bildet das Dorf Reuth, unweit von Passau gelegen. Doch ganz so beschaulich, wie es auf den ersten Blick scheint, ist es nicht. Hier begegnet man aller Couleur an Personen. Denen, die keine Neuerungen wollen, schon immer hier waren und ihre eigenen und zum Teil veralteten Ansichten repräsentieren. Denen, den ihr Ansehen in der Dorfgemeinschaft über alles geht. Und auch denen, die von gesellschaftlichen Vorurteilen aufgrund ihrer sozialen Herkunft betroffen sind.

Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die besondere Dynamik zwischen Matilda und Jackie. Ihr Altersunterschied macht sie zu einem ungleichen Paar, aber gerade deswegen sind sie das Herzstück des Buches. Matilda eilt ihr Ruf voraus. Sie ist eine Frau mit Vergangenheit, die Gerechtigkeit für die Toten sucht und dafür auch Konflikte in Kauf nimmt. Jackie ist klug, vorwitzig, nicht auf den Mund gefallen, übertritt aber auch Grenzen. Sie kann dem Leser mit ihrer direkten Art das ein oder andere Lächeln entlocken. Mit ihrer Person gelingt es der Autorin geschickt, die Probleme alleinerziehender Eltern zu thematisieren.

Obwohl es sich vor allem um einen Roman handelt und Spannung nicht im Mittelpunkt steht, liest sich das Buch sehr angenehm und mühelos. Gegen Ende wird deutlich, dass es nicht nur unterhalten, sondern zugleich ein sensibles und schwieriges Thema vermitteln will, welches auf angenehme Art gelingt.

So gelungen vieles ist, ein Kritikpunkt bleibt leider. Das Motiv hinter der Tat wirkt zu konstruiert. Die Vorgehensweise des Täters ist durchaus kaltblütig und durchdacht, doch der Zweck dahinter steht auf tönernen Füßen und fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Eine Naivität, die im starken Kontrast zur zuvor gezeigten Skrupellosigkeit steht.

Veröffentlicht am 23.02.2026

Den Boden unter den Füßen verloren

Die Liebe, später
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Ich schreibe dies äußerst selten, aber tatsächlich hat mich das Buch auf den ersten Seiten in den Bann gezogen. Es war so voller Leichtigkeit und doch melancholisch. Einfach schön und doch nachdenklich. ...

Ich schreibe dies äußerst selten, aber tatsächlich hat mich das Buch auf den ersten Seiten in den Bann gezogen. Es war so voller Leichtigkeit und doch melancholisch. Einfach schön und doch nachdenklich. Voller Liebe für Anselm und das gemeinsame Leben mit ihm und trotzdem voller Sehnsucht und Zweifel.

Und wie sich zeigte, sind diese Zweifel von Kora grundsätzlich absolut nachvollziehbar. Hat doch jeder mal im Leben einen Punkt, an dem man die Weichen noch mal komplett neu stellen könnte.
Kora, die Protagonistin in diesem Buch ist Anfang 60 und nach einer erfolgreich verlaufenen Herz-OP befindet sie sich genau an diesem Punkt. Hinzu kommt, dass ihr Arbeitgeber ihr einen Aufhebungsvertrag hat zukommen lassen und sich das Leben mit ihrem Ehemann Anselm durch seine Frührente komplett ändert. Aus einer Wochenendbeziehung wird plötzlich ein dauerhaft gemeinsames Leben.

Aber Kora steckt fest und weiß nicht, was sie will. Alles wird infrage gestellt. Soll sie ihren Freund bei der Suche nach seiner verschwundenen Frau aktiv helfen oder nicht? Soll sie Anselm mit seinem Teichprojekt unterstützen oder nicht? Soll sie die Wohnung in Berlin verkaufen oder nicht? Soll sie den Aufhebungsvertrag unterschreiben oder nicht? Nirgends wird eine klare Entscheidung getroffen. Und so kreisen und kreisen ihre Gedanken. Alles wird gedanklich durchgekaut und mehrmals hin und her gedreht. Alte Freunde und Weggefährten werden getroffen. Die Frage nach dem, was hätte sein können, wird gestellt.

Die Erzählweise ist langsam und introspektiv. Dieses Buch lebt weniger von der Handlung als vielmehr von Koras innerer Welt. So nah man ihr durch diese Innenschau und die ehrlichen Gedanken kommt, so anstrengend wird es mit der Zeit. Und irgendwann ist es ermüdend. Man möchte sagen „Kora, entscheide dich doch langsam“.

Fazit: so sehr ich es schätzte, dass eine Frau um die 60 mit ihren Zweifeln und ihrer Suche in den Mittelpunkt gestellt wird, empfand ich die Geschichte mit zunehmendem Verlauf als immer mühsamer. Die Leichtigkeit der ersten Seiten ging verloren und übrig blieb die Melancholie. Insgesamt habe ich das Buch als zu grüblerisch, ernst und schwermütig empfunden.

Veröffentlicht am 11.02.2026

Zwischen Trümmern und Neubeginn

Berchtesgaden
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Was mit der Geschichte um Sophie und Magda beginnt, die in den allerletzten Kriegsstunden die Gunst der Stunde nutzen, um in den verlassenen Häusern auf dem Obersalzberg zu plündern, verzweigt sich danach ...

Was mit der Geschichte um Sophie und Magda beginnt, die in den allerletzten Kriegsstunden die Gunst der Stunde nutzen, um in den verlassenen Häusern auf dem Obersalzberg zu plündern, verzweigt sich danach in einer Vielzahl an Handlungssträngen und Personen, die ich in diesem Ausmaß nicht erwartet hatte. So hatte ich einige Schwierigkeiten, in dieses Buch hineinzufinden und die Personen zuordnen zu können. Erschwert wurde dies auch von dem sehr nüchternen Schreibstil, wodurch sich das Buch eher wie ein Zeitzeugenbericht las.

Der nüchterne Schreibstil war für mich zugleich Stärke und Schwäche des Buches.
Einerseits fehlte mir dadurch die persönliche Nähe zu den Figuren oder zumindest einzelnen von ihnen, denn man blieb immer auf Distanz und hat zu keinem eine Bindung aufgebaut. Auch hat mir klarer Spannungsbogen gefehlt, eine Ahnung davon, worauf das Buch hinausläuft oder welches Ziel es verfolgt.

Andererseits ist es sehr informativ und man erfährt einiges über die Lebensrealität jener Zeit. Man wird in eine fremde und beschwerliche Zeit entführt und Geschichte wird erlebbar wiedergegeben.
Dadurch, dass keine der Personen wirklich Sympathie wecken kann, wird auch keine verurteilt, egal welche Rolle sie zu Kriegszeiten gespielt hat. Denn die Autorin zeichnet kein Schwarz-Weiß-Bild und lässt hier alle zu Wort kommen und gleichberechtigt nebeneinander erscheinen, Sieger und Besiegte, Denunzierte und Denunzianten, Soldaten und Mitläufer, …

So zahlreich die Personen sind, so vielfältig waren auch die Aufgaben und Herausforderungen jener Zeit. Deswegen finde ich, dass es der Autorin gelungen ist, ein authentisches und vielschichtiges Portrait der damaligen Situation zu zeichnen. Dieser beinahe dokumentarische Charakter ist gewöhnungsbedürftig, passt aber sehr gut zu der Thematik des Buches.

Fazit: auch wenn es von der Lesart an ein Sachbuch erinnert, haben mich die historischen Einblicke und die facettenreiche Darstellung der damaligen Zeit beeindruckt und das Buch zu einem wertvollen Leseerlebnis gemacht

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Werden Sie Theo gehen lassen?

Eisnebel
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Nach den vielen positiven Rezensionen hatte ich eine recht hohe Erwartung an das Buch. Dies konnte aber leider bereits zu Beginn nicht erfüllt werden.

Schon auf den ersten Seiten wurde sehr bemüht versucht, ...

Nach den vielen positiven Rezensionen hatte ich eine recht hohe Erwartung an das Buch. Dies konnte aber leider bereits zu Beginn nicht erfüllt werden.

Schon auf den ersten Seiten wurde sehr bemüht versucht, Theo(dora) in einem möglichst mysteriösen Licht dastehen zu lassen. Immer wieder wurde eingeflochten, dass sie Nachrichten erhalten hat, von denen ihr Verlobter Connor nichts weiß, dass sie über ihre Kindheit und ihre Eltern schweigt und dass sie Geheimnisse vor Connor und seiner Familie hat, die nicht aufgedeckt werden dürfen.
Bei mir hat dies zu einem recht aufgesetzten Gefühl von Spannung geführt. Es wurde so oft und in verschiedenen Variationen wiederholt, bis auch der letzte Leser versteht, dass Theo etwas Entscheidendes verschweigt. Diese ganzen Andeutungen haben mich zunehmend genervt, sodass dies auf die Protagonistin abgefärbt hat und sie völlig überspannt wirkte.

Im weiteren Verlauf habe ich vergeblich auf überraschende Wendungen gewartet. Stattdessen setzte die Autorin darauf, nach und nach einzelne Puzzleteile zusammenzuführen und so ein Gesamtbild entstehen zu lassen. Da vieles jedoch auf unsicheren oder vermeintlichen Erinnerungen basiert, bleibt man als Leser ständig im Unklaren, ob die Schlussfolgerungen stimmen oder ob wichtige Informationen noch fehlen.

Das Ende ist durchaus spannend. Aber wenn man als Leser bis hierhergekommen ist, ist auch klar, dass man wissen möchte, wie es sich damals tatsächlich zugetragen hat und welche Rolle die einzelnen Familienmitglieder gespielt haben.

Fazit: das Buch lässt sich gut lesen und man kann entspannte Stunden damit verbringen. Das Setting war gut gewählt, aber nicht besonders originell. Und leider gibt es Bücher, die mir mit gleichem Setting mehr Gänsehaut und Unbehagen verursacht haben. Und je länger ich über das Buch nachdenke, umso mehr empfinde ich den Hergang der Aufklärung als unrealistisch. Es stört mich, an wie viel sich Theo auf einmal erinnern kann, obwohl sie es im Alter von 3 - 4 Jahren erlebt hat. Auch, dass entscheidende Hinweise nach zwanzig Jahren noch in Hütten oder Koffern auftauchen, wirkt wenig glaubwürdig.

Veröffentlicht am 23.01.2026

Schicksalsinsel

Die Insel meiner Schwester
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Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Mirjam erzählt, wodurch man tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt eintaucht. Ihre aktuelle Situation ist von der Sehnsucht nach Juan, ihrem Ex-Freund, geprägt, ...

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Mirjam erzählt, wodurch man tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt eintaucht. Ihre aktuelle Situation ist von der Sehnsucht nach Juan, ihrem Ex-Freund, geprägt, aber auch von ihrer Sorge um ihre Schwester Nia, von der sie schon viel zu lange nichts mehr gehört hat.

Schon früh rückt die besondere Beziehung zwischen den beiden Schwestern in den Mittelpunkt. Aus Mirjams Rückblicken erfahren wir, wie sie sich mit 14 Jahren begegnet sind, wie Nia zur ersten Person wurde, der sie sich wirklich öffnen konnte und wie tief sich ihre Beziehung über die Jahre entwickelt hat. Auch mehr als 20 Jahre später ist ihr Band noch stark, wenngleich die aktuelle Distanz Mirjam schmerzt. Die besondere Stimmung, die ein tiefes Gefühl von Zuneigung, Liebe, Nähe und Verbundenheit vermittelt, hat mich dabei in ihren Bann gezogen.

Und doch ist es mehr als die Geschichte zweier Schwestern. Im weiteren Verlauf ist es auch eine Geschichte über eine toxische und gewalttätige Beziehung. Zwei entscheidende Plot Twists stellen Mirjam vor die Frage, wie bedingungslos ihre Liebe ist und wie weit sie bereit ist zu gehen.

Fazit: ein Buch, das mich nachhaltig beeindruckt hat. Der leise, aber allgegenwärtige emotionale Ton macht die Stärke und Besonderheit dieses Buches aus.

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