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Veröffentlicht am 16.03.2026

Nicht ganz runde Mischung aus historischen Fakten und fiktiver Gruselgeschichte

Die Geister von La Spezia
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Mary Shelley, die Autorin des Gruselklassikers "Frankenstein", trauert um ihren Mann, der Dichter Percy Bysshe Shelley kam bei einem Schiffsunglück ums Leben. Der überraschende Besuch der Ermittlerin Pat ...

Mary Shelley, die Autorin des Gruselklassikers "Frankenstein", trauert um ihren Mann, der Dichter Percy Bysshe Shelley kam bei einem Schiffsunglück ums Leben. Der überraschende Besuch der Ermittlerin Pat Colombari, die angibt, von Marys Schwiegervater beauftragt zu sein, den Tod seines Sohnes zu untersuchen, löst zunächst Ärger bei der jungen Witwe aus. Als Pat allerdings erläutert, dass sie eine Methode kennt, die es ihr ermöglicht, in die Erinnerungen anderer Menschen einzutauchen, gelingt es ihr, das Interesse der gebildeten, wissenschaftlich interessierten Mary Shelley zu wecken. Auf ihrer Reise durch die Erinnerungen der Autorin lernt Pat nicht nur deren Ehemann, sondern auch viele seiner Freunde kennen, nicht zuletzt den skandalumwitterten Dichter Byron. Doch je tiefer die Ermittlerin in Marys Geist eintaucht, umso klarer wird ihr, dass es hier ein düsteres Geheimnis gibt, das sie Pat auf gar keinen Fall sehen lassen möchte.

"Die Geister von La Spezia" von Oliver Plaschka ist eine Geschichte, deren Idee ich sagenhaft spannend fand, die mich schlussendlich aber leider nicht in dem Maße begeistern konnte, wie ich es mir vom Klappentext und einer Leseprobe her erhofft hatte. Der Autor vereint jede Menge historischer Fakten mit einer fiktiven Schauergeschichte, die in ihren Grundzügen an "Frankenstein" erinnert. Bezüglich des Lebens der Shelleys und deren Freundeskreis hat er mit Sicherheit akribische Recherchen betrieben, in dem Buch sind viele überlieferte Details enthalten. Den fiktiven Anteil fand ich durchaus fesselnd, dennoch war die Mischung beider Aspekte meiner Meinung nach nicht so ganz gelungen.

Der Schreibstil war zu Beginn mitreißend, der Prolog erzeugte genügend Spannung, um tief in die Handlung einzutauchen, die sich im Mittelteil dann ein wenig in die Länge zog. Für mich war es z.B. nicht zwingend von Interesse, sämtliche Vornamen der vielen (eher nebensächlich erwähnten) Kinder zu erfahren, die mal hier und mal da durch das eigentliche Geschehen tobten, für meinen Geschmack hätte der Alltag im italienischen Exil gern etwas weniger Raum einnehmen dürfen. Als Pat dann endlich dem Geheimnis in Byrons Keller auf die Spur kam, nahm die Handlung wieder an Fahrt auf und ich mochte das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Und trotzdem bin ich nicht so recht zufrieden zurück geblieben, das große Fragezeichen der Geschichte wurde zwar stimmig aufgelöst, allerdings blieb offen, woher (bzw. aus welcher Zeit) Pat aufgetaucht ist. Über ihren Hintergrund und die Personen, mit denen sie bereits vor der Bekanntschaft mit Mary Shelley agiert hatte, hätte ich gern mehr erfahren. Außerdem fand ich den letzten Abschnitt ein wenig verworren, es fiel mir immer schwerer, Pats Sprünge durch Erinnerungen und Zeiten geistig zu sortieren, ich hatte den Eindruck, dass der Autor auf den letzten Metern schnell noch ein paar Fakten aus Mary Shelleys Leben unterbringen wollte, nachdem ich emotional bereits am Ende der Geschichte angekommen war.

Fazit: Für mich hat die Mischung aus Historie und fiktiver Gruselgeschichte leider nicht so recht funktioniert, obwohl die Handlung auf einem soliden Gerüst überlieferter Fakten aufgebaut ist. Der fiktionale Teil war spannend beschrieben, allerdings verliert sich die Geschichte zwischenzeitlich in alltäglichem Durcheinander, die Rahmenhandlung vermittelte für meinen Geschmack zu wenig Hintergrundwissen.

Veröffentlicht am 13.03.2026

Zauberhafter Reihenauftakt mit nahezu flauschiger Wohlfühlatmosphäre

The House Witch 1
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In der Schlossküche des Königreiches Daxaria herrscht das pure Chaos - bis der neue Koch Finlay Ashowan seine Stelle antritt. Im Nu hat Fin nicht nur sämtliche Personen aus seiner Küche verbannt, sondern ...

In der Schlossküche des Königreiches Daxaria herrscht das pure Chaos - bis der neue Koch Finlay Ashowan seine Stelle antritt. Im Nu hat Fin nicht nur sämtliche Personen aus seiner Küche verbannt, sondern auch schleunigst für Sauberkeit und Ordnung gesorgt. Dass er mit seinen offenen Worten dem einen oder anderen Schlossbewohner auf die Füße tritt, lässt sich dabei wohl nicht vermeiden, dennoch gewinnt Fin schnell Freunde, selbst der Sohn des Königspaares geht bald fröhlich in der Küche ein und aus. Was zunächst niemand ahnt: der neue Koch ist eine Haushexe, seine magischen Kräfte helfen nicht nur, schmackhafte Mahlzeiten zu zaubern, er beschützt auch sein Zuhause und die Menschen, die darin leben. Als Gefährte steht ihm dabei der kleine Kater Kraken zur Seite, der viel schneller als Fin selbst feststellt, dass die Adlige Annika doch perfekt zu seiner Hexe passt.

"The House Witch 1" von Delemhach Emilie Nikota ist der Auftaktband einer wirklich zauberhaften Fantasy-Reihe. Nach wenigen Zeilen war ich bereits tief in der heimeligen Atmosphäre, die Fin in kürzester Zeit in seiner Küche schafft, versunken. Finlay Ashowan ist ein Protagonist, den man einfach lieben muss, trotz seiner manchmal harschen Ausdrucksweise, die ihm nicht nur Freunde einbringt, wird er nach und nach zur guten Seele des Schlosses, die Gemütlichkeit, die er in seinem Umfeld erzeugt, war beinahe mit Händen zu greifen. Auch sämtliche anderen Personen und der flauschige Kater Kraken waren umfassend und ein wenig augenzwinkernd mit ihren jeweiligen (manchmal recht speziellen) Charaktereigenschaften dargestellt, ich hatte von allen ein farbenfrohes Bild vor meinem geistigen Auge.

In liebevollem Schreibstil zeichnete die Autorin nicht nur ihre Figuren, auch den Hintergrund fand ich so warmherzig beschrieben, dass ich mich in die Stimmung regelrecht einhüllen wollte, wie in eine kuschelige Decke. Wahrscheinlich habe ich beim Lesen ständig leise vor mich hin gelächelt, denn diese Geschichte macht einfach Spaß. Eigentlich war ich mir ganz sicher, dass dieser Reihenauftakt eine Fünf-Sterne-Lektüre für mich sein würde, aber im hinteren Buchteil gab es zwei Fäden, die für meinen Geschmack etwas ungeklärt in der Luft hängen geblieben sind. Vielleicht ergibt sich die erhoffte Auflösung um eine geheimnisvolle Figur noch in den Folgebänden, aber auch Krakens Pfade hätten für mich gern noch etwas Raum in der Handlung einnehmen dürfen. Insgesamt hat mich dieses Lesevergnügen dennoch gefesselt und begeistert, so dass ich es unbedingt weiter empfehle und mich schon sehr auf die Fortsetzung freue.

Fazit: Dieses Buch macht einfach glücklich, die gemütliche Atmosphäre und einige wirklich liebenswerte Figuren haben mir wunderbare Lesestunden beschert, für den zauberhaften Reihenauftakt spreche ich eine begeisterte Leseempfehlung aus.

Veröffentlicht am 12.03.2026

Fantasievolle Neuinterpretation der Schwanensee-Geschichte

Verrat der Schwäne
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Seit vielen Jahren ist die Magie aus dem Königreich Auréal verschwunden, die Zaubernden, müssen sich vor den Augen der Bevölkerung verbergen. Odiles Ziehvater, der Theaterdirektor Regnault, bereitet sie ...

Seit vielen Jahren ist die Magie aus dem Königreich Auréal verschwunden, die Zaubernden, müssen sich vor den Augen der Bevölkerung verbergen. Odiles Ziehvater, der Theaterdirektor Regnault, bereitet sie seit ihrer Kindheit darauf vor, die verzauberte Krone des Königshauses zu stehlen, mit deren Hilfe er die Magie zurück holen möchte. Dafür muss Odile die Gestalt von Marie d´Odette, der Auserwählten des Kronprinzen, annehmen, Marie selbst verwandelt Regnault in einen Schwan. Doch kurz nach Odiles Ankunft im Schloss wird der König brutal ermordet und ausgerechnet der Leibwächter Damien, Odiles Bruder, wird verdächtigt. Um seine Unschuld zu beweisen, benötigt Odile Maries Unterstützung, die in ihrer Schwanengestalt Zeugin der Tat war. Bald stehen Odiles Gefühle für die Schwanenprinzessin ihrer Loyalität zu Regnault im Weg und die junge Zauberin ahnt nicht, dass die Zukunft des gesamten Reiches von ihr abhängt.

"Verrat der Schwäne" von A. B. Poranek ist eine fesselnde Adaption der Schwanensee-Geschichte, die mich bis zur letzten Seite bezaubert hat. Das Personenverzeichnis am Anfang und die Kapitelbezeichnungen als Szenen erinnert an ein Theaterstück, das ließ die Atmosphäre des Théatre du Roi, das Regnault leitet, in meinen Augen besonders intensiv wirken. Odile ist zu Beginn zwar nicht unbedingt die typische Sympathieträgerin, es hat etwas länger gedauert, ehe ich mit ihr warm werden konnte, dennoch war ich emotional direkt in die Handlung eingetaucht und habe halb amüsiert, halb gespannt mit erlebt, wie sie Marie mit fadenscheinigen Argumenten in die abgelegenen Regionen des Theaters lockt, um sie zu ihrem Ziehvater zu bringen.

Den Schreibstil habe ich als recht ungewöhnlich empfunden, stellenweise genau so ausschweifend und opulent wie ich mir Regnaults Theater vorstelle, was für mich sehr gut zu der märchenhaften Adaption passt. Die düstere Hintergrundstimmung und die oft ambivalent wirkenden Figuren haben auf mich einen ganz eigenen Zauber ausgeübt, das Leseerlebnis hat mich von Anfang bis Ende gefesselt und begeistert. Sowohl Regnault als auch die Mitglieder der Königsfamilie fand ich ihrer Motivation schwer durchschaubar, was die Spannung auf einem konsequent hohen Niveau gehalten hat. Der Epilog hat mich schließlich rundum zufrieden zurück gelassen, so dass ich für diesen fantasievollen Roman gern eine Leseempfehlung ausspreche.

Fazit: Düster, märchenhaft und unglaublich fesselnd hat mich dieses ungewöhnliche Buch auf jeder einzelnen Seite bezaubert, das fantasievolle Lesevergnügen empfehle ich gern weiter.

Veröffentlicht am 05.03.2026

Fesselnder Jugendthriller mit sympathischen Protagonisten

Liars all around me
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Nach außen scheint Avery das perfekte Leben zu führen, Ihre Eltern sind beruflich erfolgreich und wohlhabend, sie selbst ist eine der besten Schülerinnen ihres Jahrgangs. Ryle, der aus einer armen Familie ...

Nach außen scheint Avery das perfekte Leben zu führen, Ihre Eltern sind beruflich erfolgreich und wohlhabend, sie selbst ist eine der besten Schülerinnen ihres Jahrgangs. Ryle, der aus einer armen Familie stammt, ist es gewohnt, von ihr und ihrem Freundeskreis übersehen zu werden, umso mehr erstaunt es ihn, als Avery fragt, ob er ihr eine Schusswaffe besorgen könne. Obwohl er sie weg schickt, wird nur eine Woche später Averys ewige Konkurrentin Sheila tot aufgefunden - erschossen. Um Ryle zu beweisen, dass sie nicht die Mörderin ist, für die er sie hält, beginnt Avery selbst zu ermitteln und muss feststellen, dass beinahe jeder in Sheilas Umfeld von Lügen und Geheimnissen umgeben ist.

"Liars all around me" von Clara Blais ist ein spannender Jugendthriller, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Ryle war mir direkt sympathisch. Die sarkastische Art, wie er bereits zu Beginn in Gedanken über die Gerüchte um seine Person spricht und die Tatsache, dass er aus der familiären Not heraus keine andere Chance gesehen hatte, als bei Einbrüchen nach Medizin oder getragenen Schuhen zu suchen, haben mich schnell für ihn eingenommen. Bei Avery hat es dagegen etwas länger gedauert, ehe ich mit ihr warm geworden bin, sie hielt sich zunächst sorgsam hinter der Fassade der Perfektion verborgen, die ihre Familie von ihr erwartet. Nachdem mit aufgegangen ist, dass sie emotional wesentlich einsamer ist, als Ryle, trotz seines schwierigen Lebens, hat mein Mutterherz für sie geblutet und ich habe sie ebenso sehr gemocht.

Der mitreißende Schreibstil hat mich gefesselt, die Spannung hielt sich meiner Meinung nach auf einem konsequent hohen Niveau. Anscheinend hatte jeder von Averys und Ryles Mitschülern etwas zu verbergen, wodurch sich immer wieder unerwartete Wendungen ergaben. Eine Kleinigkeit im Mittelteil hat mich dann auf die Idee gebracht, wer für Sheilas Tod verantwortlich gewesen sein könnte - zwischendrin habe ich den Gedanken öfter verworfen und immer wieder neue Theorien aufgestellt, dieses Miträtseln hat mir beim Lesen viel Freude gemacht. Ganz am Ende ist es der Autorin noch einmal gelungen, mich zu überraschen, so dass ich restlos begeistert zurück geblieben bin. Für diese wunderbare Lektüre spreche ich daher gern eine Leseempfehlung aus.

Fazit: Der fesselnde Jugendthriller hat in meinen Augen keine Wünsche offen gelassen, ich war in jeder Leseminute gespannt und emotional tief in der Geschichte versunken, dieses mitreißende Lesevergnügen empfehle ich gern weiter.

Veröffentlicht am 04.03.2026

Eine verträumte, fantasievolle Geschichte, die mit sanfter Romantik bezaubert

Zwei in einem Bild
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Seit mehr als einhundert Jahren lebt Jean bereits in einem Bild seines berühmten Vaters Henri Matisse. Tagsüber, wenn das Gemälde von den vielen Museumsbesuchern betrachtet wird, sitzt er unbeweglich in ...

Seit mehr als einhundert Jahren lebt Jean bereits in einem Bild seines berühmten Vaters Henri Matisse. Tagsüber, wenn das Gemälde von den vielen Museumsbesuchern betrachtet wird, sitzt er unbeweglich in seinem Sessel, doch nachts können sich die gemalten Figuren durch sämtliche Bilder der Ausstellung bewegen. Während seine Geschwister beinahe jede Nacht unterwegs sind, bleibt der introvertierte Jean häufig in seiner angestammten Umgebung allein, erst als die Reinigungskraft Claire beginnt, während ihrer Arbeit mit ihm zu sprechen, erwacht in ihm die Sehnsucht nach Gesellschaft. Zufällig entdecken sie, dass Claire in Jeans Bild hinein klettern kann und sie erleben gemeinsam, welche Abenteuer in den verschiedenen Gemälden auf sie warten. Dabei vertiefen sich ihre Gefühle füreinander immer mehr, doch kann ihre Liebe der Realität stand halten?

"Zwei in einem Bild" von Morgan Pager ist eine Geschichte, die sich entspannt und unaufgeregt vor dem Auge des Lesers ausbreitet, weshalb es ein wenig gedauert hat, ehe ich emotional in die Handlung eintauchen konnte. Die Protagonisten fühlten sich für mich anfangs wenig greifbar an, auch ihnen bin ich nur ganz gemächlich näher gekommen. Da Claire nicht nur Jean gegenüber, sondern auch den Lesern lange Zeit kaum etwas über ihr Leben außerhalb des Museums preis gibt, hatte ich den Eindruck, immer nur einen kleinen Teil ihrer Persönlichkeit zu sehen. Später ist sie mir dafür umso mehr ans Herz gewachsen und ich habe mit ihr und Jean auf jeder einzelnen Seite gehofft und gebangt.

Der ruhige Schreibstil hat sich für mich erst einmal ungewohnt angefühlt, doch je weiter ich gelesen habe, umso mehr hat der Roman mich gefesselt, die romantische Entwicklung zwischen Jean und Claire habe ich begeistert begleitet. Diese verträumt daher kommende Geschichte besitzt ihren ganz eigenen Zauber, wer bereit ist, sich auf das gemächliche Erzähltempo einzulassen, wird mit einem wunderbar fantasievollen Lesevergnügen belohnt, das ich gern weiter empfehle.

Fazit: Die fantasievolle Geschichte lädt ihre Leser zum träumen ein, die sanfte Romanze hat mich nach und nach in ihren Bann gezogen und immer mehr begeistert. Für diesen außergewöhnlichen Roman spreche ich gern eine Leseempfehlung aus.