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Veröffentlicht am 11.08.2025

Auftaktband des dystopischen Zweiteilers mit wunderbar feinsinniger Ironie

All Better Now
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Kurz nachdem die Corona-Pandemie überstanden ist, taucht plötzlich ein neues Virus auf, das sich ebenso schnell weltweit verbreitet. Crown Royale fordert das eine oder andere Todesopfer, aber die Überlebenden ...

Kurz nachdem die Corona-Pandemie überstanden ist, taucht plötzlich ein neues Virus auf, das sich ebenso schnell weltweit verbreitet. Crown Royale fordert das eine oder andere Todesopfer, aber die Überlebenden sind einfach glücklich. Sie leben ohne Stress, ohne Ängste und Sorgen, selbst die Trauer um die Verstorbenen wandelt sich in Dankbarkeit für die gemeinsam verbrachte Zeit. Dennoch fürchten viele die Ansteckung und betrachten die Genesenen misstrauisch, so viel Zufriedenheit kann doch nicht normal sein? Róns Vater, der zu den reichsten Menschen der Welt gehört, will sich und seine Familie vor dem Virus abschotten, Mariel, die mit ihrer Mutter auf der Straße lebt, hat kaum eine Möglichkeit, sich davor zu schützen. Als die beiden Jugendlichen zufällig aufeinander treffen, wird ihnen erst nach und nach klar, welche Rolle sie in dem Kampf um Glück und Geschäftsinteressen spielen können.

"All Better Now" von Neal Shusterman ist der erste Teil einer spannenden, dystopischen Dilogie, der mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Mit feinsinniger Ironie gelingt es dem Autor, seine Leser zum Nachdenken anzuregen, die eine oder andere augenzwinkernde Parallele zu den wilden Verschwörungstheorien, die sich während der Corona-Pandemie haltlos ausgebreitet haben, lässt sich nicht abstreiten. Denn Industrie und Regierung interessieren sich für Wählerstimmen und Gewinne - dass die Menschen glücklich sind, ist dabei nicht vorgesehen, denn rundum zufriedene Personen verspüren keinerlei Kaufzwang. Daher bemühen sich die Mächtigen dieser Welt gewaltig, dem Virus Einhalt zu gebieten, schließlich brechen ganze Absatzmärkte zusammen, während die Genesenen das Geschenk ihrer Zufriedenheit unter den Mitmenschen verbreiten möchten.

Inmitten all dieser Wirren müssen zwei Jugendliche ihren Weg finden und ich hatte den Eindruck, sie beide schon bald sehr gut zu kennen. Sowohl die Protagonisten, als auch sämtliche andere Figuren fand ich authentisch und lebensecht dargestellt. emotional war ich immer an ihrer Seite - selbst bei den Personen, die als Antagonisten angelegt waren. Die Perspektiven wechselten immer wieder zwischen den verschiedenen Personen, was die Spannung für mich auf einem konsequent hohen Niveau gehalten hat, der Schreibstil von Neil Shusterman hat mich erneut begeistert. Da noch ein Fortsetzungsband erscheinen wird, war abzusehen, dass es am Schluss einen Cliffhanger gibt, dennoch habe ich auch das Ende sehr gemocht und warte nun eher ungeduldig auf den zweiten Band. Für den mitreißenden Auftakt dieser Dystopie spreche ich eine überzeugte Leseempfehlung aus.

Fazit: Wie ich es von diesem Autor kenne und liebe, verpackt er seine gesellschaftliche Kritik in einer Geschichte voller feinsinniger Ironie. Mich hat dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und begeistert, so dass ich es gern weiter empfehle.

Veröffentlicht am 06.08.2025

Gemütlicher Küstenkrimi mit unkonventionellem Ermittler

Nordseerätsel
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Als eine junge Frau den Privatdetektiv Raphael Freersen um einen Besuch bei ihrem Onkel bittet, erzählt sie zunächst von seltsamen Postkarten, die Hermann Suhrkamp erhält. Doch die interessieren den alte ...

Als eine junge Frau den Privatdetektiv Raphael Freersen um einen Besuch bei ihrem Onkel bittet, erzählt sie zunächst von seltsamen Postkarten, die Hermann Suhrkamp erhält. Doch die interessieren den alte Herrn nicht wirklich, er hat einen ganz anderen Plan: mit den Verwandten, die ihn anlässlich seines 90. Geburtstages besuchen, will er ein Ratespiel ganz im Stil von Agatha Christie veranstalten, bei dem es 100.000,-€ zu gewinnen gibt. Raphael soll daran teilnehmen, um die erkrankte Putzfrau zu vertreten und die Familienmitglieder zu beobachten, dafür winkt ihm ein sattes Honorar. Der Auftrag ist zwar nicht so ganz nach dem Geschmack des Inseldetektivs, sein Kontostand rät allerdings dringend dazu, sich auf das seltsame Spiel einzulassen.

"Nordseerätsel" von Heike Denzau ist der dritte Fall des Privatdetektivs Raphael Freersen, den ich mit der selben Begeisterung gelesen habe, wie die beiden Vorgänger. Jeder Fall ist in sich abgeschlossen, so dass die Bücher auch unabhängig voneinander gelesen werden können - mir persönlich macht es aber besonders viel Freude, am Leben des Ermittlers teilzuhaben, weshalb ich es bevorzuge, die Reihe chronologisch geordnet zu lesen. Der unkonventionelle Raphael war mir bereits im ersten Band ans Herz gewachsen und ich habe mich gefreut, ihn und die Figuren in seinem Umfeld, von denen viele sympathisch, einige aber auch recht originell sind, wieder zu treffen.

Den Schreibstil der Autorin kenne und liebe ich bereits aus sehr vielen ihrer Bücher und auch dieses mal wurde ich nicht enttäuscht. Die Mischung aus Humor, Lokalkolorit und Krimihandlung hat meinen Geschmack genau getroffen, für mich hat sich der Roman sehr cosy angefühlt. Wer Nervenkitzel bis zum Herzkasper erwartet, wird hier nicht auf seine Kosten kommen, der gemütliche Hintergrund lässt trotz des spannenden Geschehens eine angenehme Atmosphäre entstehen, in der ich wunderbare Lesestunden verbracht habe. Das etwas verstaubte Ambiente von Hermann Suhrkamps Haus und seine Vorliebe für Hercule Poirot fühlten sich für mich wie eine kleine Hommage an Agatha Christie an, was der Geschichte meiner Meinung nach einen besonderen Charme verliehen hat.

Fazit: Wie bereits die beiden ersten Bände, hat mich auch Raphaels dritter Fall rundum begeistert, ich mag seine etwas flapsige Art und habe die Mischung aus Humor, Spannung und natürlich auch Urlaubsfeeling, das der Schauplatz Föhr immer wieder mit bringt, sehr genossen, für diese fesselnde Lektüre spreche ich gern eine Leseempfehlung aus.

Veröffentlicht am 01.08.2025

Wunderbare Liebesgeschichte mit Wohlfühlatmosphäre

Variation – Für immer oder nie
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In ihrer Jugend waren Hudson und Allie zwei Sommer lang unzertrennlich - immer im Verborgenen, denn Allies Mutter hätte niemals zugelassen, dass ein Junge der Ballettkarriere ihrer Tochter im Weg steht. ...

In ihrer Jugend waren Hudson und Allie zwei Sommer lang unzertrennlich - immer im Verborgenen, denn Allies Mutter hätte niemals zugelassen, dass ein Junge der Ballettkarriere ihrer Tochter im Weg steht. Elf Jahre später treffen sie sich wieder und obwohl die Anziehung zwischen ihnen noch genau so stark ist wie früher, stehen ihnen die Ereignisse der Vergangenheit im Weg. Erst als Hudsons Nichte Allie um Hilfe bittet, beschließen sie, eine Beziehung vorzutäuschen - die Gefühle, die dabei zum Vorschein kommen, sind allerdings echt. Doch können sie alles was war hinter sich lassen und ihre sehr unterschiedlichen Lebensträume zu einer gemeinsamen Zukunft formen?

"Variation – Für immer oder nie" von Rebecca Yarros ist eine wirklich wunderbare Geschichte über die zweite Chance für die Liebe. Mich hat dieses Buch praktisch von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen und bis zum Ende nicht mehr los gelassen. Hudson und Allie waren mir schnell ans Herz gewachsen, sowohl die Protagonisten als auch sämtliche andere Figuren fand ich umfassend und lebensecht beschrieben, ich hatte von allen eine gute Vorstellung und war emotional immer bei ihnen. Neben den beiden Hauptfiguren konnte mich vor allem Juniper begeistern, Hudsons Nichte hat (ganz wie ihr Onkel) das Herz am rechten Fleck, sie weiß nicht nur genau, was sie will, sondern auch wie sie es bekommt.

Den Schreibstil der Autorin kenne und liebe ich bereits aus einigen ihrer Bücher (sowohl Fantasy als auch Liebesromane) und auch bei diesem Leseerlebnis war ich von Anfang bis Ende regelrecht in der von ihr geschaffenen Wohlfühlatmosphäre versunken. Rebecca Yarros gelingt es immer wieder, nicht nur ihre Figuren, sondern auch den Hintergrund authentisch und detailreich zum Leben zu erwecken, so dass jede einzelne Szene beinahe wie ein Kinofilm vor meinem geistigen Auge ablief. Nachdem der letzten Satz beendet war, habe ich das Buch mit einem rundum zufriedenen Gefühl zur Seite gelegt, für diese wundervolle Lektüre spreche ich gern eine Leseempfehlung aus.

Fazit: Natürlich müssen sich die Protagonisten mit dem einen oder anderen Problem herum schlagen, dennoch habe ich beim Lesen von der ersten bis zur letzten Seite Wohlfühlatmosphäre empfunden. Die Autorin hat wunderbar authentische Figuren geschaffen, die sich für mich so echt angefühlt haben, dass ich emotional tief in ihrem Leben versunken war. Dieses fesselnde Lesevergnügen empfehle ich gern weiter.

Veröffentlicht am 31.07.2025

Atmosphärische Schreibweise und doch etwas langatmig

Bury Our Bones in the Midnight Soil
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Maria, geboren im Jahr 1511 in einem spanischen Dorf, hat sich schon immer gegen die Beschränkungen aufgelehnt, die in ihrer Zeit für Mädchen und Frauen gelten. Mehr Freiheit erhofft sie sich in der Ehe ...

Maria, geboren im Jahr 1511 in einem spanischen Dorf, hat sich schon immer gegen die Beschränkungen aufgelehnt, die in ihrer Zeit für Mädchen und Frauen gelten. Mehr Freiheit erhofft sie sich in der Ehe mit einem Edelmann, doch schon bald muss sie feststellen, dass sie lediglich in ein luxuriöseres Gefängnis gewechselt ist.

1827 soll Charlotte auf ihre erste Saison vorbereitet werden, denn lediglich das Leben als Ehefrau wird in ihren Kreisen als angemessen betrachtet. Doch als sie den ersten Antrag bekommt, zieht sie es vor, mit einer geheimnisvollen Adligen zu fliehen.

2019 erlebt die schüchterne Alice einen wilden One-Night-Stand, doch am nächsten Morgen fühlt sie sich krank und ausgehöhlt. Der plötzliche Heißhunger auf Blut zeigt, wonach ihr Körper verlangt und Alice begibt sich auf die Suche, denn sie will unbedingt heraus finden, warum ihr das angetan wurde.

"Bury Our Bones in the Midnight Soil" von V. E. Schwab hat mich anfangs zwar schnell in seinen Bann gezogen, allerdings nicht über die gesamte Dauer der Geschichte fesseln können. Der vielversprechende Anfang um die aufmüpfige Maria, die bereits in jungen Jahren danach strebt, die Grenzen zu sprengen, die ihr allein wegen ihres Geschlechts von der Gesellschaft und ihrer Familie auferlegt sind, ließ mich auf eine spannenden Geschichte mit feministischen Grundzügen hoffen. Leider verlor sich meine Begeisterung recht bald in der einen oder anderen Länge der Erzählung. Es dauerte nicht lange, bis aus der Protagonistin mit dem feurigen Charakter eine in meinen Augen recht eindimensionale Figur wurde, die sich lediglich durch ihre Kälte und Bosheit von anderen unterschied.

Auch Charlotte konnte ich nicht wirklich nahe kommen, beinahe ihr gesamtes Leben wurde in einer Rückblende von ihr selbst erzählt und ich neigte beim Lesen dazu, Alice zuzustimmen, die sie auffordert, endlich zum Punkt zu kommen. Dabei schreibt die Autorin hier genau so poetisch und atmosphärisch, wie ich es aus anderen ihrer Büchern bereits kenne, dennoch konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass die Handlung teilweise auf der Stelle tritt. Trotz der emotionalen Distanz fand ich die Figuren umfassend dargestellt, ich hatte sowohl von den Protagonistinnen als auch von einigen der Nebenfiguren deutliche Bilder vor Augen und ich denke, dass der Plot viel Potential hatte, das sich allerdings in der Länge des Geschehens etwas verlor.

Fazit: Trotz der atmosphärischen Schreibweise konnte mich dieses Buch nicht so ganz begeistern, ich hätte mir mehr emotionale Nähe zu den Hauptfiguren gewünscht (damit meine ich nicht zwingend Sympathie, auch boshafte Protagonisten können emotionale Spannung übermitteln) und es gab besonders im Mittelteil die eine oder andere Länge.

Veröffentlicht am 30.07.2025

Fantasievoller Abschlussband, ein wunderbares Lesevergnügen

Beyond the End of the World – Die Göttin und der Prinz
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Während North im "Unten" zurück geblieben ist, muss sich Nimh in seiner fliegenden Heimat zurecht finden, dass sie ihr Gedächtnis verloren hat, macht es besonders schwer. Doch beide Welten stehen miteinander ...

Während North im "Unten" zurück geblieben ist, muss sich Nimh in seiner fliegenden Heimat zurecht finden, dass sie ihr Gedächtnis verloren hat, macht es besonders schwer. Doch beide Welten stehen miteinander in Verbindung und sind in Gefahr - die Göttin und der Prinz müssen heraus finden, was in der Vergangenheit geschehen ist, um die Zukunft für ihre Völker zu sichern. Dabei sind sie nicht sicher, ob sie ihre Gefühle jemals ausleben dürfen, oder zum Schutz der Allgemeinheit ihr persönliches Glück aufgeben müssen.

Beyond the End of the World – Die Göttin und der Prinz von Amie Kaufman und Meagan Spooner ist der Abschlussband einer spannenden Fantasy-Dilogie. Zum Verständnis ist es unabdingbar, zunächst den ersten Teil gelesen zu haben, denn die Geschichte wird praktisch nahtlos über beide Bücher hinweg fortlaufend erzählt. North und Nimh waren mir bereits in "The Other Side of the Sky" ans Herz gewachsen und nach drei (gefühlt sehr langen) Jahren konnte ich endlich wieder in ihre Welt zurück kehren. Erneut hat mich die Gegensätzlichkeit ihrer Völker fasziniert, die doch beide von den selben Vorfahren abstammen und sich derartig unterschiedlich entwickelt haben. Während das Himmelsvolk über die Jahrhunderte jeglichen Glauben vergessen hat und sich ausschließlich auf die technischen Errungenschaften ihrer Ahnen verlässt, wird das "Unten" von Magie und Religion bestimmt.

Den Schreibstil habe ich erneut als äußerst fesselnd empfunden, nachdem ich einmal begonnen hatte zu lesen mochte ich den E-Reader zwischenzeitlich kaum aus der Hand legen. Alle Figuren fand ich authentisch und lebensecht beschrieben, ich hatte ein klares Bild von jeder Person und auch von dem Umfeld, in dem sie sich bewegt haben. Es gab viele Entwicklungen, die mich überrascht haben, so blieb die Spannung meiner Meinung nach auf einem konsequent hohen Niveau und ich hatte einige wunderbare Lesestunden. Dieser fantasievoll geschriebene Abschlussband hat mich im selben Maße begeistert, wie sein Vorgänger, so dass ich dafür eine überzeugte Leseempfehlung ausspreche.

Fazit: Der abschließende zweite Band der fantasievollen Geschichte hat mich auf jeder einzelnen Seite gefesselt und begeistert, das Ende hat mich noch einmal sehr überrascht, so dass ich von einem wundervollen Lesevergnügen sprechen kann, das ich gern weiter empfehle.