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Veröffentlicht am 17.09.2023

Der Treuetest

Die Hausboot-Detektei – Tödlicher Grund
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Die Hausboot-Detektei braucht dringend Geld für Heizöl, denn es wird Herbst und immer kühler. Nur deswegen nehmen sie überhaupt Tessas Auftrag an, ihren Freund Luuk einem Treuetest zu unterziehen. Maddie ...

Die Hausboot-Detektei braucht dringend Geld für Heizöl, denn es wird Herbst und immer kühler. Nur deswegen nehmen sie überhaupt Tessas Auftrag an, ihren Freund Luuk einem Treuetest zu unterziehen. Maddie passt genau in dessen Beuteschema, also spielt sie den Lockvogel und trifft Luuk. Doch kurz darauf meldet Tessa ihn als vermisst und dann stirbt sie – ein Fest für Hoofdcommissaris Wessel de Boer, dem die Detektive und ihr erster Erfolg ein Dorn im Auge zu sein scheinen. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass Wessel uns nur zu gerne etwas anhängen würde. Auch wenn ich nicht verstehe, warum eigentlich.“ (S. 105) Schon nach Luuks Verschwinden versucht er, Maddie den Mord an ihm nachzuweisen, obwohl es nicht mal eine Leiche gibt. Also beginnen sie selber zu ermitteln und finden eine Spur, die nach Peru führt. Wie gut, dass Elin nach ihrem ersten Fall in Panama und damit nur wenige Flugstunden von Lima entfernt untergetaucht ist …

Amy Achterop hat im zweiten Band ihrer Hausboot-Detektei-Reihe schon fast einen Wissenschaftskrimi hingelegt, denn Tessa spielt ein doppeltes Spiel. Eigentlich soll sie für ihren Arbeitgeber ein Kollektorfahrzeug entwickeln, das auf dem Meeresboden seltene Erden etc. abbaut, stattdessen hat sie aber etwas ganz anderes geplant. „Sie, Tessa Teuling, wird die Tiefsee retten. Oder, naja, wenigstens dafür sorgen, dass ihre Zerstörung bis auf weiteres verschoben wird.“ (S. 12) Doch ihr Arbeitgeber ist nicht der Einzige, der das ganz große Geschäft wittert. Die Konkurrenz ist ihm dicht auf den Fersen und zu allem bereit.

Wie schon der erste Band lebt auch „Tödlicher Grund“ weniger vom Tempo, wobei das diesmal schon etwas angezogen hat, sondern eher von dem interessanten Fall mit seinem ungewöhnlichen Hintergrund und den skurrilen Protagonisten mit ihrem kriminellen Vorleben und den nicht ganz alltäglichen, zum Teil sehr speziellen Kenntnissen. Leider kamen Fru Gunilla und Hund diesmal nicht richtig zum Zug, dafür beweist Maddies Nachbarin und Freundin Juanita, dass sie in ihrem Nebenjob wirklich gut ist und trägt damit wesentlich zur Aufklärung des Falls bei.
Der Ausflug nach Peru hat gut zum Thema und in die Handlung gepasst – kleiner Teaser, die Autorin hat sich sehr zu meinem Amüsement wieder selber ins Buch geschrieben.
Ich mag das Zwischenmenschliche und den Humor der Reihe und bin schon sehr gespannt auf den nächsten Fall der Hausboot-Detektive.

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Veröffentlicht am 11.09.2023

Schachmatt für den Mörder

Fräulein vom Amt – Spiel auf Leben und Tod
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„Ich möchte dich … wie sagt man … anheuern?“ (S. 23) Ganz Baden-Baden ist 1925 wegen des Schachturniers und der sich dabei häufenden Taschendiebstähle in heller Aufregung, da interessiert sich kaum jemand ...

„Ich möchte dich … wie sagt man … anheuern?“ (S. 23) Ganz Baden-Baden ist 1925 wegen des Schachturniers und der sich dabei häufenden Taschendiebstähle in heller Aufregung, da interessiert sich kaum jemand für eine in einer Wäschetrommel umgekommene junge Wäscherin. Die Polizei legt sich schnell auf Selbstmord oder Unfall fest und die Ermittlungen zu den Akten. Doch die Cousine der Toten, Almas Kollegin Friederike, ist sich ziemlich sicher, dass ihre Verwandte umgebracht wurde. Allerdings kann sie sich keinen Grund dafür vorstellen, denn das Mädchen war brav und unscheinbar. Also bittet sie Alma, sich der Sache anzunehmen. Deren Freund, Kriminalkommissar Ludwig Schiller, hat Angst um sie, weil sie sich bei ihren letzten Ermittlungen zuoft in Gefahr gebracht hat. Und so richtig motiviert ist Alma zu Beginn auch nicht. Aber dann entdeckt sie in der Wäscherei etwas, dass einen Unfall oder Selbstmord ausschließt.

Alma ist mit ihrem Leben zufrieden, genießt es, durch ihre Arbeit als Telefonistin für sich selbst sorgen und mit Ludwig zusammen sein zu können. Doch der will langsam mehr, träumt von einem gemeinsamen Zuhause und einer Familie. Aber soweit ist Alma noch nicht. „Ich habe Angst, meinen Beruf aufzugeben. Meine … Freiheit.“ (S. 194) Sie kann ihre Kolleginnen verstehen, die rote Parolen verbreiten, mit den Suffragetten sympathisieren und die gleichen Freiheiten wie die Männer fordern: einen Beruf trotz Ehe und Hosen statt Röcke.
Ihre beste Freundin und Mitbewohnerin Emmi hat von ihrem Chef endlich die Leitung einer eigenen Filiale übertragen bekommen. Dadurch verdient sie mehr und hofft, mit Alma in eine größere Wohnung ziehen zu können, wenn diese die Detektei eröffnet, von der sie schon länger träumt. Dabei übergeht sie Ludwig – wie lange der wohl noch auf Alma warten wird?

Das Autorenduo Charlotte Blum hat wieder sehr geschickt das Schachturnier als realen historischen Hintergrund mit einem fiktiven Verbrechen verbunden und die goldenen 20er in der Kurstadt wiederaufleben lassen.
Neben ihrer Arbeit und den Nachforschungen, bei denen auch Almas Cousin Walter wieder mit von der Partie ist, genießen die jungen Frauen das Nachtleben, gehen in geheime Kellerkneipen oder fahren mit der letzten Seilbahn auf den Baden-Badener Hausberg Merkur zum Tanzen. Sie sind neugierig auf technische Errungenschaften, wie die ersten Radios, und träumen bereits vom Fernsehern, ohne die Technik benennen zu können. Aber Alma macht sich auch Sorgen, was aus ihrer Arbeit wird, wenn sich die Selbstwahltelefone durchsetzen. Damit zeigen die Autorinnen ein sehr schönes, rundes Bild über Almas Leben zu ihrer Zeit.

Im Gegensatz zu den ersten beiden Bänden ist „Spiel auf Leben und Tod“ etwas ruhiger. Alma stürzt sich nicht in atemlose Ermittlungen und jagt ständig neuen Hinweisen nach, sondern überlegt wie beim Schachspiel gründlich ihre nächsten Züge. Trotzdem ist das Buch spannend bis zum Schluss.

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Veröffentlicht am 10.09.2023

Backen mit und für Kinder

Backen macht glücklich
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Ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern, wenn meine Mama mit uns Kindern Hörnchen fürs Frühstück, Pudding-Streuselkuchen für Geburtstage oder Kekse gebacken hat. Danach sah die Küche hinterher ...

Ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern, wenn meine Mama mit uns Kindern Hörnchen fürs Frühstück, Pudding-Streuselkuchen für Geburtstage oder Kekse gebacken hat. Danach sah die Küche hinterher zwar oft aus wie ein Schlachtfeld, aber wir waren glücklich. Genau dieses Gefühl vermittelt Kathrin Runge auf ihrem Blog und im gleichnamigen Backbuch „Backen macht glücklich“ auf über 80 unkomplizierten Rezepten.

Mir gefällt, dass neben den üblichen Grundrezepten für Rühr-, Biskuit-, Hefe- und Mürbeteig auch eines für Sauerteig gezeigt wird. Zudem erklärt sie alternative Backzutaten (ich ersetze z.B. gern Butter durch Öl), geht auf das benötigte Zubehör ein und auf was man beim Backen mit Kindern achten muss.

Die Rezepte sind in Kuchen für jede Anlass, Besonderes für Feste, köstliche Kleinigkeiten, Süßspeisen für die Seele und Herzhaftes für alle Fälle gegliedert und oft durch Tipps ergänzt, z.B. wie man sie vegan umsetzen oder den verwendeten Zucker ersetzen kann.

Ich habe inzwischen schon ein paar Rezepte ausprobiert und zu unseren Highlights zählt der Puddingschnecken-Kuchen, die Streuseltaler mit frischen Beeren und die Tomatenquiche.
Und jetzt freue ich mich auf Halloween, damit ich mit meiner Nichte und meinem Neffen endlich die Spinnen-Cookies und Halloween-Geister-Brownies backen kann.

Von mir gibt es 5 Kuchenschüsseln für dieses tolle Familienbackbuch!

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Veröffentlicht am 08.09.2023

Die andere Seite des Himmels

Das Geheimnis der Dior-Kleider
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„Wenn sie in den Sitz glitt, fühlte es sich jedes Mal an, als schlüpfe sie in ein Abendkleid.“ (S. 104)
London 1939: Als eine von zwölf Frauen wird Skye für die Lufttransportunterstützung der Royal Air ...

„Wenn sie in den Sitz glitt, fühlte es sich jedes Mal an, als schlüpfe sie in ein Abendkleid.“ (S. 104)
London 1939: Als eine von zwölf Frauen wird Skye für die Lufttransportunterstützung der Royal Air Force rekrutiert. Doch leider dürfen sie keine Kampfflugzeuge fliegen, sondern nur Übungsmaschinen überführen, obwohl sie ausgebildete Pilotinnen mit Hunderten von Flugstunden sind. Erst, als immer mehr Piloten und Flugzeuge verunglücken, dürfen sie die kaputten Maschinen, in die sich die Männer nicht mehr wagen, zur Reparatur und zurück fliegen. Auf einer dieser Touren steht plötzlich ihr Jugendfreund Nicolas vor ihr. Seit Jahren haben sie nichts voneinander gehört, aber ihre spezielle Verbindung ist sofort wieder da. Doch Nicolas ist verlobt und gehört einer geheimen Staffel an.

Cornwall 2012: Die Australierin Kat ist Modenkonservatorin und fliegt mehrmals im Jahr für ihre Arbeit nach Europa. Als ihr Großmutter sie bittet, in ihrem Cottage in Cornwall nach dem Rechten zu sehen, ist sie überrascht. Sie wusste bisher nichts von dem Haus, das komplett eingerichtet ist („… als wären die Bewohner zu einem Tagesausflug aufgebrochen und nie wiedergekehrt.“ (S. 55)), und findet in den Kleiderschränken 65 Haute Couture Kleider von Dior. Sie will wissen, wie ihre Großmutter, die nie reich war, zu diesen Kleidern gekommen ist und warum sie sie in Cornwall zurückgelassen hat. Doch die kann ihr die Frage nicht beantworten, weil damit schreckliche Erinnerungen verbunden sind. „Ich dachte, ich könnte es dir erzählen. Aber ich… Ich kann es nicht. Es tut mir leid.“ (S. 145)
Kat beginnt auf eigene Faust nach der Herkunft der Kleider und der Vergangenheit ihrer Großmutter zu forschen und kommt dabei einigen düsteren Geheimnissen auf die Spur, in die auch die Designer Christian und seine Schwester Catherin Dior involviert sind.

„Wir erinnern uns eher an schöne Kleider als an eine Frau, die für ihr Land fast ihr Leben gab.“ (S. 460) Schon mit ihren bisherigen Büchern hat mich Natasha Lester begeistern können, aber „Das Geheimnis der Dior-Kleider“ ist ein absolutes Lesehighlight. Sie schreibt über englische und französische Pilotinnen und Spioninnen im 2. WK, die immer mehr leisten und geben mussten als ihre männlichen Kollegen (oft eben auch ihre Körper) und trotzdem nicht als vollwertige Kämpferinnen, sondern hübsche Frauen angesehen wurden, die ihre Kameraden auch noch aufzuheitern hatten und sich jede neue Aufgabe und Funktion viel härter erkämpfen mussten. Und obwohl ich wirklich schon viele Bücher über diese Zeit gelesen habe, hat mich erschüttert, was die Autorin u.a. über die Befreiung des KZs Ravensbrück erzählt und dabei die wahren Erlebnisse von Cathrine Dior einfließen lässt, die Mitglied der Résistance war.

Natasha Lester verwebt Historie und Fiktion sehr geschickt und erzählt die Geschehnisse über mehrere Zeitebenen und aus verschiedenen Blickwinkeln. Dabei steigert sie die Spannung so sehr, dass man das Buch einfach nicht mehr weglegen kann. Dazu trägt auch die berührende (Liebes-)Geschichte von Skye und Nicolas bei und nicht zuletzt die sehr detailliert beschriebenen traumhaften Diorkleider.
Es ist eine extrem erschütternde Geschichte, die aufwühlt und im Gedächtnis bleibt, traurig und wütend macht. #gegendasvergessen

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Veröffentlicht am 07.09.2023

Zwischen Kind und Karriere

Die Reporterin - Worte der Wahrheit
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Für Malou könnte es kaum besser laufen. Beruflich startet sie weiter richtig durch, hat eine gute Nase für kommende Stars wie z.B. die Rolling Stones oder Jimi Hendrix und interviewt die ganz Großen wie ...

Für Malou könnte es kaum besser laufen. Beruflich startet sie weiter richtig durch, hat eine gute Nase für kommende Stars wie z.B. die Rolling Stones oder Jimi Hendrix und interviewt die ganz Großen wie Romy Schneider oder Heinz Rühmann. Auch privat hat sie ihr Glück gefunden, geheiratet und eine Tochter bekommen, aber ihre Arbeit will sie deswegen nicht aufgeben. Doch ereilt sie ein Schicksalsschlag und stellt ihr ganzes Leben auf den Kopf.
„Siehst du, Marie, nicht jede Wahrheit macht auch glücklich!“ (S. 30) Außerdem weiß sie endlich, wer ihr leiblicher Vater ist, aber das stürzt die Familie ins nächste Problem – ihr „Erzeuger“ sucht nämlich den Kontakt zu ihrer Mutter und bringt damit deren Ehe in Gefahr.

Genauso spannend und rasant, wie der erste Band geendet hat, geht es in „Worte der Wahrheit“ weiter. Teresa Simon erzählt Malous Schicksal vor dem Hintergrund der bewegten Jahre 1965 bis 1969. Die Welt ist im Wandel, die Bader-Meinhof-Gruppe startet erste Aktionen, Martin Luther King und JFK werden erschossen, der Prager Frühling macht den Menschen in Ost und West Mut auf einen politischen Wandel, die Studentenunruhen in München und Berlin erschüttern Deutschland und in München dreht sich bald alles nur noch um die Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen 1972. Malou berichtet über viele dieser Ereignisse aus ihrer (weiblichen) Sicht, so schreibt sie z.B. ein Portrait über Kings Witwe. Sie vertritt ihre Meinung bei den Redaktionskonferenzen sehr direkt und lässt sich auch von neuen Kollegen nicht unterbuttern.
Doch der Spagat zwischen Kind und Job ist nicht einfach und bringt sie oft an ihre Grenzen und zum Zweifeln – ist sie genug für ihre Tochter da? Zum Glück hat sie ein großes Netzwerk, das sie bei deren Erziehung unterstützt. Dazu gehören neben ihrer Mutter u.a. ihre Freundin Roxy, die erste Erfolge als Schlagersängerin feiert, oder der Fotograf Samy, der Pate ihrer Tochter, aber auch ihre Kolleginnen Adrienne und Ella aus der Redaktion.

Malou hat mich wieder beeindruckt. Trotz ihrer privaten Probleme leistet sie in der Redaktion großartige Arbeit und gerät nicht in Versuchung, aus den ihr von den Stars und Sternchen anvertrauten Geheimnissen Kapital zu schlagen. Sie hat ein gutes Händchen bei der Auswahl ihrer Interviewpartner und beweist bei ihren Fragen viel Fingerspitzengefühl, stellt niemanden bloß und lässt sich nicht anmerken, wenn sie ihr Gegenüber persönlich mal nicht mag. Außerdem ist sie entgegen ihrer Bedenken eine großartige Mutter.

Mir hat gefallen, wieviel Mitmenschlichkeit, Kameradschaft und Frauenpower Teresa Simon in die Handlung einfließen lässt, ohne dabei kitschig zu werden oder zu überzeichnen. Aber sie übt auch harte Kritik am Nationalsozialismus und den Künstlern, die damals Karriere gemacht und das später verleugnet haben.

Ich habe auch diesen zweiten Band wieder an nur zwei Abenden förmlich inhaliert und mit Malou gebangt und gehofft, denn bei Teresa Simons Büchern gilt: Buch an – Alltag aus.

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