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Veröffentlicht am 20.09.2025

Ein Trauerredner auf Schnitzeljagd

Über die Toten nur Gutes
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„…, wenn du das hier liest, bin ich wahrscheinlich tot.“ (S. 62) Trauerredner Mads Madsen ist es gewohnt, die richtigen letzten Worte zu finden. Aber als er diese Nachricht von seinem Schulfreund Patrick ...

„…, wenn du das hier liest, bin ich wahrscheinlich tot.“ (S. 62) Trauerredner Mads Madsen ist es gewohnt, die richtigen letzten Worte zu finden. Aber als er diese Nachricht von seinem Schulfreund Patrick auf der Fußmatte findet, verbunden mit der Bitte, seine Totenrede zu halten und sich dafür an alles von früher zu erinnern, ist er irritiert. Patrick kam bei einem Unfall mit Fahrerflucht ums Leben – wie konnte er da seinen Tod vorhersehen?
Mads hat Patrick zuletzt vor 20 Jahren gesehen und weiß nichts über sein Leben seitdem. Also befragt dessen Mutter, die ihn an seinen Freund Timo verweist. Über Timo findet er Jessica. Die drei waren jahrelang unzertrennbar, aber jetzt wollen die beiden nicht mehr über ihn reden, weil er an etwas Schuld war und es zu gefährlich wäre. Mads lässt sich nicht davon abschrecken, sondern folgt den Spuren, die ihm Patrick nach und nach wie bei einer Schnitzeljagd zukommen lässt.

Leider konnte mich Andreas Izquierdo mit diesem Cozy Krimi nicht überzeugen. Ich mochte den aus der Zeit gefallenen Mads mit seiner Vorliebe für altmodische Anzüge und Schuhe und seinen ungewöhnlichen Beruf, die philosophische Tiefe, mit der er das Leben und Sterben betrachtet. „Nicht der Tod machte Angst, sondern das, was er offenbarte.“ (S. 35) Darum passen seine Ermittlungen und wie er sich in gefährlichen Situationen verhält, für mich auch nicht richtig zu ihm.
Außerdem fand ich die Handlung etwas zu gemütlich und den Fall zu konstruiert. Die ersten 200 Seiten passiert nicht viel, ab und an tauchen plötzlich Hinweise aus dem Nichts auf oder Mads erinnert sich an etwas, das ewig zurückliegt. Erst danach nimmt das Buch endlich Fahrt auf und gipfelt in einem etwas übertriebenen Showdown.

„Über die Toten nur Gutes“ lebt vor allem von den skurrilen Protagonisten. Mads wohnt in einem Haus mit seinem nach Bingo verrückten Vater, der ihm seinen Tagesablauf (früh aufstehen) und Musikgeschmack (Udo Jürgens) aufdrückt und ihn lieber beim Radio statt als Trauerredner sehen würde, schließlich hat er eine soooo schöne Stimme! Auch Mads Familie hat ihren Anteil an den Ermittlungen (sein Bruder ist Arzt und sein Schwager Anwalt), bleibt ansonsten aber blass. Mein heimlicher Liebling des Buches ist Mads Malteserhündin Bobby, die immer den richtigen Leuten ans Bein pinkelt. Außerdem unterstützt ihn sein bester Freund Fiete, der Bestatter ist und unter der Fuchtel seiner dominanten Mutter steht. Ihr gehört übrigens ein Bestattungsinstitut inkl. einem rätselhaften Mitarbeiter, der sicher noch für einige Überraschungen sorgen wird.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Zuckerbrot und Peitsche

Die Assistentin
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„Und dieses Schwanken zwischen Lob, Zufriedenheit, fast schon Euphorie auf der einen Seite und Unzufriedenheit, Nichtachtung und Wut auf der anderen setzte Charlotte mehr zu, als sie sich lange eingestehen ...

„Und dieses Schwanken zwischen Lob, Zufriedenheit, fast schon Euphorie auf der einen Seite und Unzufriedenheit, Nichtachtung und Wut auf der anderen setzte Charlotte mehr zu, als sie sich lange eingestehen mochte.“ (S. 192)
Charlotte wollte eigentlich Musik studieren. Doch auf Drängen ihres Vaters bewirbt sie sich stattdessen als Assistentin beim Verleger, sie soll unbedingt Karriere machen. Dafür muss sie nach München ziehen, wo sie niemanden kennt, in eine Wohnung, in der sie sich nicht wohl fühlt.
Ihr Chef ist narzisstisch, kontrollierend, übergriffig. Er interessiert sich ständig für intime Details aus ihrem Privatleben, die ihn nichts angehen. Zwar überschreitet er dabei körperlich nie eindeutig sexuelle Grenzen, aber auch das gelegentliche Berühren ist unangemessen. Immerhin gelingt es Charlotte, sich körperlich klar abzugrenzen. Doch sie verliert die Kontrolle über ihr Leben: steht immer früher auf, arbeitet bis spät in die Nacht, sammelt bis zu 70 Überstunden im Monat. Ihr Chef kontaktiert sie ständig – im Urlaub, am Wochenende, nach Feierabend. Und egal was schiefgeht, Schuld sind immer die anderen. Der Verleger hat immer recht. Seine ständig wechselnden Assistentinnen hält er mit Zuckerbrot und Peitsche klein: mal überschüttet er sie mit Lob oder teuren Geschenken, dann kündigt er ihnen aus heiterem Himmel. Es ist entwürdigend. In Nachrichten und Mails nennt niemanden beim Namen, sondern vergibt Kürzel und dazu Frucht- oder Gemüsesymbole, mit denen auch er seine ellenlangen Aufgabenlisten versieht. Diese Aufgaben dürfen sie selten eigenständig erledigen – alles wird mehrfach von ihm kontrolliert, korrigiert, „verbessert“. Aber fertig werden sie bei der Methode natürlich nur selten.
Doch Charlotte hält durch und kämpft. Sie will es sich, ihren Kollegen, vor allem aber ihrem Vater beweisen: „Und sie wird es schaffen, als einzige von den Assistentinnen, weil sie mit ihm zurechtkommt.“ (S. 131) Dafür stellt sie ihr Privatleben zurück. Ihre Beziehung zu Bo scheitert, bevor sie überhaupt richtig beginnen kann. In ihrer knappen Freizeit geht sie joggen (sie läuft buchstäblich vor ihren Problemen davon) und macht Musik, um alles zu verarbeiten. Und ihre Eltern? Die reagieren nur auf Erfolge. Gibt es etwas Negatives, muss die Schuld bei Charlotte liegen.

Ich mochte Caroline Wahls ungewöhnlichen Erzählstil sehr, ihre knappen, pointierten, manchmal bewusst sperrigen Sätze. Auch, dass sie sich im Text selber lektoriert und die Handlung kommentiert, ihr an einigen Stellen vorgreift, hat für mich einen besonderen Reiz. Denn dass Charlotte auf eine Katastrophe zusteuert, wird immer deutlicher, doch wie, wann und in welcher Form sie eintritt, bleibt lange ungewiss.
Besonders spannend finde ich auch, dass der Verleger fast nie beim Namen genannt wird – er bleibt „der Verleger“. Vielleicht eine Form der Rache für seine Kürzel und Symbole? Oder ein Versuch, emotionale Distanz zu wahren, um beim Erinnern nicht erneut in seinem Wahnsinn hineingezogen zu werden?
Sie zeigt, wie leicht man von Vorgesetzten oder Kollegen tyrannisiert werden kann, und wie schwer es oft ist, die Situation richtig einzuordnen. Man zweifelt an sich selbst, fragt sich, ob das Verhalten der anderen wirklich übergriffig ist oder ob man einfach nur zu empfindlich reagiert. Sie schreibt über Abhängigkeiten, subtile Formen psychischer Gewalt und darüber, wie man schleichend in eine ungesunde Dynamik hineingerät, ohne es rechtzeitig zu bemerken – und dabei trotzdem hofft, irgendwie wieder herauszukommen.

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Sex und Geld

Liebesrausch
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„Tu, was du willst, solange es Freude und Ekstase bringt.“ (S. 144)
Selten hat mich ein Buch so gleichermaßen fasziniert wie verstört. Liebesrausch von Charlotte von Feyerabend gewährt einen tiefen Einblick ...

„Tu, was du willst, solange es Freude und Ekstase bringt.“ (S. 144)
Selten hat mich ein Buch so gleichermaßen fasziniert wie verstört. Liebesrausch von Charlotte von Feyerabend gewährt einen tiefen Einblick in das Leben von Anaïs Nin in den Pariser Jahren 1931 bis 1934, und stellt dabei meine moralischen Maßstäbe auf die Probe. Seit ich als Jugendliche Anaïs Nins „Künstler und Modelle“ gelesen habe (1988 erschienen bei Volk und Welt Berlin mit einem sehr expliziten Cover, das man im Netz noch finden kann), hat mich die Frau hinter dem Buch interessiert.
Das Buch rückt Anaïs‘ leidenschaftliche Beziehung zu Henry Miller in den Mittelpunkt, deutet aber auch ein mögliches erotisches Verhältnis mit dessen Frau June an. Anaïs ist in dieser Zeit mit Hugo Parker Guiler verheiratet, pflegt jedoch zahlreiche Affären und lebt ein Leben im Spannungsfeld zwischen Lust, Kunst und Selbstsuche.

Mir war bewusst, dass Sexualität eine zentrale Rolle spielen würde, Anaïs und Henry haben sie in ihren Schriften ja ausführlich thematisiert. Trotzdem hatte ich gehofft, dass ihr gemeinsames Schreiben, der kreative Prozess, im Fokus stehen würde. Doch der wird von Eifersuchtsdramen, psychologischen Abgründen, finanziellen Abhängigkeiten und ihrer rastlosen Suche nach Ekstase und Identität überlagert.

Die Protagonist:innen wirken oft unsympathisch. Anaïs erscheint als gestörte Femme fatale, die sich immer wieder neu verliebt, sich selbst ins Zentrum stellt und eine verstörende (sexuelle?!) Beziehung zu ihrem Vater unterhält der sie evtl. schon in ihrer Kindheit sexuell missbraucht und vergewaltigt hat. Trotzdem ist er der Mann ihrer Träume und Vorbild für alle anderen Beziehungen. Sie sehnt sich nach seiner Anerkennung und Liebe, die er ihr aber erst als Erwachsener zukommen lässt.
Hugo, ihr Ehemann, bleibt blass. Er wirkt wie ein Weichei, der nur als Geldgeber fungiert, um Anaïs, ihre Familie und Liebhaber (vor allem Henry) zu finanzieren. Ob er darüber Bescheid wusste, bleibt offen.
Henry wird als schmuddeliger, getriebener Egomane dargestellt: stets auf der Suche nach Sex, Anerkennung und jemandem, der ihn aushält, finanziell und emotional. „„Er … öffnete alle Schubfächer, bis er einen zerknitterten Schein und ein paar Münzen fand. … Zu wenig für eine Hure, aber zu viel, um zu sterben.“ (S. 246) Dieser Satz fasst seine Lebenssituation erschreckend treffend zusammen.
June, ebenso rätselhaft wie faszinierend, nutzt ihre sexuelle Ausstrahlung, um Männer und Frauen gleichermaßen zu manipulieren. Sie zieht Anaïs in ihren Bann und kontrolliert Henry, finanziert aber auch seinen Aufenthalt in Paris. Woher sie das Geld dafür hat? Wahrscheinlich verkauft sie ihren Körper. Und obwohl Henry sonst so eifersüchtig ist, lässt er es zu und beobachtet ungerührt, wie sie immer weiter in die Drogensucht rutscht.

Wahrscheinlich waren meine Erwartungen an das Buch und die Schriftsteller:innen einfach falsch. Ich hatte auf einen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen gehofft. Aber Liebesrausch hat mir Anaïs Nin nicht näher gebracht, sondern entzaubert.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Suchende

Ein ganz besonderer Ort
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„Ich kann nicht einfach Kinder kriegen, ohne irgendetwas erreicht zu haben. So eine Frau bin ich nicht.“ (S. 90) Suzanna und Neil Peakock sind seit 10 Jahren verheiratet und er ist der Meinung, dass es ...

„Ich kann nicht einfach Kinder kriegen, ohne irgendetwas erreicht zu haben. So eine Frau bin ich nicht.“ (S. 90) Suzanna und Neil Peakock sind seit 10 Jahren verheiratet und er ist der Meinung, dass es langsam Zeit für das erste Kind wäre. Doch Suzanna hadert mit allem, hat das Gefühl, im Leben noch nicht angekommen zu sein. Sie mussten ihre Londoner Wohnung wegen ihrer Schulden verkaufen und in ein Cottage ihrer Eltern in der Nähe einer Kleinstadt ziehen. Das Städtchen ist schön, scheint unter der Woche aber nur von Frauen bewohnt zu sein, deren Männer in London arbeiten.
Ein weiteres Problem ist Suzannas Familie. Ihre Mutter ist bei der Geburt gestorben, sie wurde von der zweiten Frau ihres Vaters aufgezogen. Weil sie ihrer leiblichen Mutter aufs Haar gleicht und nicht ihren Halbgeschwistern, fühlt sie sich immer als Außenseiterin. Sie ist sich sicher, dass sie nur geduldet, aber nicht wirklich geliebt wird, und niemand kann sie vom Gegenteil überzeugen. Außerdem ist sie sich nicht sicher, ob sie Neil wirklich liebt.
Als sie einen kleinen Laden entdeckt, wird die Idee zum „Peacock Emporium“ geboren, in dem sie sich ausleben kann. Vorne richtet sie eine Secondhandabteilung ein und hinten ein Café. Doch er läuft nicht gut an. Suzanna hatte gedacht, dass die Gäste miteinander ins Gespräch kommen, stattdessen wollen sie mit ihr reden. Jessie, eine ihrer Kundinnen, sagt ihr das auf den Kopf zu und stellt sich dann gleich selber bei ihr an. Durch ihre extrem fröhliche, nette und kommunikative Art und weil sie jeden in der Stadt zu kennen scheint, wird sie zum Kundenmagnet und Suzannas erste richtiger Freundin – und das Emporium zum Zentrum der Stadt. Doch auch Jessies Privatleben ist nicht ohne Schatten. Und was hat es mit dem geheimnisvollen Argentinier Alejandro auf sich, der einer ihrer treuesten Stammkunden wird und an den Suzanna immer öfter denken muss?

„Ein ganz besonderer Ort“ ist ein früher Roman von Jojo Moyes, der neu übersetzt und überarbeitet wurde. Es ist nicht ihr bestes Buch, man merkt ihm an, dass sie noch nicht ganz so routiniert und rund geschrieben hat wie später. So sind ein paar der Zeitsprünge etwas verwirrend und einige Kapitel werden plötzlich aus einem anderen Blickwinkel erzählt, ohne dass man erfährt, aus wessen Sicht (man kann es sich dann aber zusammenreimen).
Trotzdem fand ich die Geschichte charmant, fesselnd, überraschend und bewegend. Denn nicht nur Suzanna, auch ihre leibliche und ihre Adoptivmutter waren Suchende, die ihren Platz im Leben nicht einfach hingenommen haben: Das Frauenbild in den 60ern war noch rückständiger, als zu Suzannas Zeiten Anfang der 2000er.
Es ist eine Geschichte voller Geheimnisse, über Freundschaft und Ehe, Erwartungen an sich selbst und seinen Partner, die Rollenbilder von Frauen und Männern, Liebe und Eifersucht und die Suche nach sich selbst, seinen Wurzeln und seinem Platz im Leben und innerhalb der Familie.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Frau oder Künstler?

Die Künstlerin von Rom
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„… wer Kunst macht, weiß, wie die Freiheit schmeckt.“ (S. 41)
Esslingen 1508: Nach dem Tod ihres Vaters soll Delia schnellstmöglich an einen anderen Holzbildhauer verheiratet werden, damit die Werkstatt ...

„… wer Kunst macht, weiß, wie die Freiheit schmeckt.“ (S. 41)
Esslingen 1508: Nach dem Tod ihres Vaters soll Delia schnellstmöglich an einen anderen Holzbildhauer verheiratet werden, damit die Werkstatt weitergeführt wird. Doch Delia will sich nicht in die Rolle fügen, die ihr zugedacht ist. Ihr Vater hat sie genauso gut ausgebildet wie ihren Bruder Rudolf, der vor Jahren nach Rom ging und angeblich im Vatikan als Künstler arbeitet. Nur er könnte die Werkstatt übernehmen. Also macht Delia sich auf den Weg, um ihn zu suchen.
Da eine Reise als Frau gefährlich wäre, verkleidet sie sich als Junge und gibt sich den Namen Dario. Unterwegs trifft sie Fabio di Pasquale. Der junge Arzt soll in Rom die Apotheke der Familie und seine Stelle als einer der Leibärzte des Papstes anzutreten. Er nimmt sie in den Vatikan mit, wo Delia zwar nicht ihren Bruder, dafür aber Michelangelo trifft. Er erkennt ihr Talent sofort und stellt sie, also „Dario“, als Gehilfen ein. Später nimmt er sie sogar als Lehrling auf.

In Rom begegnet Delia auch Kyra wieder, einer Seiltänzerin, die wie sie vor einer arrangierten Ehe geflohen ist. Doch Kyras Weg führt in eine gefährliche Richtung: Eine Hurenwirtin will aus der schönen, biegsamen jungen Frau ihre bestbezahlte Dirne machen – ein Albtraum.

Delia hingegen beginnt, sich ein Leben als Künstler aufzubauen. Sie erlebt, welche Freiheiten ihr als vermeintlicher Mann offenstehen und was Frauen alles verwehrt bleibt. Sie lernt schnell, arbeitet mit großen Meistern und gewinnt Ansehen. Doch je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird es, ihr Geheimnis zu wahren. Ihre weibliche Identität lässt sich immer schwerer verstecken. Und dann verliebt sie sich. Zwischen künstlerischer Berufung und gesellschaftlicher Erwartung beginnt sie zu zweifeln: Warum kann sie nicht einfach beides sein – Frau und Künstler?

„Die Künstlerin von Rom“ erzählt die Geschichte zweier mutiger Frauen, die ihr die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Pia Rosenberger schreibt lebendig und bildhaft, lässt das ausgehende Mittelalter, das Reisen jener Zeit und historische Figuren wie Michelangelo zum Greifen nah erscheinen. Besonders beeindruckend ist die Darstellung des Künstlers: ein aufbrausendes, aber geniales Genie, das sich mit dem Papst anlegt, weil er als Bildhauer Deckenfresken schaffen soll – und sich dennoch in die Aufgabe hineinstürzt. Delia, alias Dario, wird sein bester Schüler. Er fördert ihn, wo er nur kann und vermittelt ihn sogar an Konkurrenten, damit er von den Besten lernt.

Mein Fazit: Ein mitreißender historischer Roman über Freiheit, Selbstbestimmung und die Frage nach der eigenen Identität, voller Abenteuer, Emotionen, historischer Tiefe und einer Prise Liebe. Ein großartiger Schmöker vor realem Hintergrund!

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