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Veröffentlicht am 29.06.2025

Eine Liebe über den Tod hinaus?

Bis mein Herz wieder schlägt
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„Du darfst nicht für diese Momente mit mir leben. Es geht nicht, dass du lieber hier bist als dort, wo du hingehörst.“ (S. 272)
Emery ist fünf, als ihr Herz zum ersten Mal stehenbleibt. Für einige Sekunden ...

„Du darfst nicht für diese Momente mit mir leben. Es geht nicht, dass du lieber hier bist als dort, wo du hingehörst.“ (S. 272)
Emery ist fünf, als ihr Herz zum ersten Mal stehenbleibt. Für einige Sekunden ist sie klinisch tot – und findet sich in einer Art Zwischenwelt wieder. Dort begegnet sie Nick, einem Mann, der sie an die Hand und ihr die Angst vorm Sterben nimmt. Doch dank der Herzdruckmassage ihrer Mutter kehrt Emery ins Leben zurück. Im Krankenhaus diagnostizieren die Ärzte einen seltenen, unheilbaren Herzfehler: Emery kann jederzeit sterben, aber auch zurückgeholt werden.
Für ihre Eltern und ältere Schwester ist ein echter Schock. Fortan bauen sie ihr Leben um Emery herum, beschützen sie aus Angst vor dem nächsten Vorfall übermäßig. Nur Emery selbst fürchtet sich nicht. Früh erkennt sie, dass sie ihr Schicksal nicht beeinflussen kann. Mehr noch, mit der Zeit beginnt sie diese Auszeiten vom Leben zu genießen, weil sie Nick dann wiedersieht. Denn längst ist da mehr zwischen ihnen.
Irgendwann erzählt er ihr, dass sie ist die Einzige, die ihn mehr als einmal besucht. Gemeinsam rätseln sie, warum das so ist. Soll nicht nur er ihr helfen, sondern sie auch ihm? Oder sind sie vielleicht füreinander bestimmt? Je älter Emery wird, um so schwerer fällt es ihr, und die Zwischenwelt wieder zu verlassen.

Beim ersten Mal versteht Emery noch nicht, was mit ihr passiert. Als sie von Nick erzählt, glaubt ihr niemand, also erwähnt sie ihn nie wieder.
Ich konnte gut nachvollziehen, warum Emery beginnt, gegen die Ängste und Verbote ihrer Eltern zu rebellieren. Als Erwachsene lebt sie kompromisslos im Moment – weil jeder der letzte sein könnte. Sie treibt durch die Welt, Jobs und Männer, ohne irgendwo anzukommen. Dabei vergisst sie, dass sie nicht allein ist – und dass das Leben, das sie so unerschrocken lebt, auch Verantwortung mit sich bringt. Ihr bester Freund Colin bringt es schließlich auf den Punkt: „Ich habe das eher Gefühl, du läufst vor dem Leben davon.“ (S. 139)

„Bis mein Herz wieder schlägt“ von Becky Hunter ist ein extrem berührendes, fast philosophisches Buch über das Leben und Sterben, Angst und Mut, Familie und Freunde – und die Liebe. Ein Buch, das mich am Ende fast zu Tränen gerührt hat.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Ausgekochte Teedamen

Die Tea Ladies
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„… wir sind Teedamen – uns geht alles was an.“ (S. 8)
Sydney, 1965: Jeden Tag treffen sich die Teedamen Hazel, Irene, Betty und Merl in ihrer Pause und besprechen, was in es in ihren Fashionfirmen Neues ...

„… wir sind Teedamen – uns geht alles was an.“ (S. 8)
Sydney, 1965: Jeden Tag treffen sich die Teedamen Hazel, Irene, Betty und Merl in ihrer Pause und besprechen, was in es in ihren Fashionfirmen Neues gibt – und es gibt immer irgendwas, über das es sich zu reden lohnt. Schließlich kommen sie mit ihren Teewägen und Keksen in alle Bereiche der Firmen, kennen die Mitarbeiter und Chefs und deren Vorlieben. Es ist ein ruhiges Leben. Bis sich Hazel eines Tages einbildet, dass sie an einem Fenster in dem leerstehenden Zollgebäude gegenüber eine Frau sieht, die etwas auf die verstaubte Scheibe geschrieben hat. Sie gibt der Polizei Bescheid, aber man glaubt ihr nicht. Doch am nächsten Morgen brennt das Haus und Hazel findet einen Toten. Als dann die Ermittlungen der Polizei im Sande verlaufen, stellen Hazel und ihre Freundinnen eigene Nachforschungen an.

Ich lese sehr gern Cosy-Crimes, aber „Die Tea Ladys“ waren selbst mir zu gemütlich. Die Handlung plätschert vor sich hin und wird von den privaten Problemen und dem Alltag der Freundinnen überschattet. Einzig sie unangenehme Entdeckung, die Hazels Ehemann betrifft, hat mich fasziniert. Ihre Ermittlungen stagnieren immer wieder, man denkt schon, sie haben sie vergessen, da taucht plötzlich von irgendwo ein neuer Hinweis auf.

Deutlich spannender und amüsanter fand ich die Ereignisse in der Firma, in der Hazel arbeitet. Der Familienbetrieb schneidert seit Jahrzehnten die gleichen langweiligen, längst veralteten Modelle. Der Seniorchef und die betagten Designerinnen verstehen nicht, dass jetzt Mini-Kleider in sein sollen. „Ein Kleid und ein paar knochige Knie machen noch keine Revolution.“ (S. 85) Der Juniorchef ist zu nichts zu gebrauchen und die Enkelin, die von der neuen Mode begeistert ist, wird nicht ernst genommen, obwohl die Verkäufe wegbrechen. „Ich denke, Männer wissen besser als Frauen, was Frauen wollen.“ (S. 84)

Mein Fazit: Ein unterhaltsame Zeitreise ins alte Sydney, aber der Krimiteil war mir leider etwas zu langatmig.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Über den Dächern von NY

Hier oben sind wir unendlich
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„Connie wird sterben, wenn du nicht für mich einspringst.“ (S. 70)
NY 1930: Grace O’Connell ist Tänzerin in einem Club, ihr Zwillingsbruder Patrick arbeitet beim Bau des Empire State Buildings. Als Grace ...

„Connie wird sterben, wenn du nicht für mich einspringst.“ (S. 70)
NY 1930: Grace O’Connell ist Tänzerin in einem Club, ihr Zwillingsbruder Patrick arbeitet beim Bau des Empire State Buildings. Als Grace ihren Job verliert, sorgt sich ihre Mutter, dass sie sich die Medikamente für Grace‘ jüngere Schwester Connie, die Lungenprobleme hat, bald nicht mehr leisten können. Dann bricht sich Patrick während der Arbeit den Arm, damit fällt das letzte Einkommen der Familie weg – und das seiner Kollegen. Denn Patrick gehört zu einem festen Team aus vier Leuten, die die Stahlträger (das Grundgerüst) des Gebäudes mit glühende Nieten verbinden. Sie sind perfekt aufeinander eingespielt. Wenn einer ausfällt, verlieren alle ihren Job. Sie haben also keine andere Wahl, als Grace als Patrick auszugeben.

Durch den Tanz- und Ballettunterricht in ihrer Jugend und ihrer Arbeit am Trapez in einem Zirkus hat Grace ein sehr gutes Körpergefühl, trotzdem ist sie nicht auf die Arbeit in dieser luftigen Höhe auf den Stahlträgern vorbereitet. Sie muss sich jeden Tag neu überwinden und ihren Ängsten stellen, ist sich stets der Gefahr bewusst und muss ihre Ängste niederringen.

Wer kennt nicht das Schwarzweißfoto mit den Männern, die auf einem Stahlträger Mittagspause machen. Diese Momentaufnahme gibt den extrem gefährlichen Alltag der Arbeiter perfekt wieder. In schwindelerregenden Höhen balancieren sie über die Träger, hangeln an Stahlseilen oder sitzen auf den Kugelgewichten unten an den Kränen. Alles ohne irgendeine Absicherung. Jede Bewegung muss genau überlegt sein, jeder falsche Schritt könnte der letzte sein.

Gemma Tizzard kann dieses Gefühl extrem gut transportieren und die LeserInnen mitfiebern und mitfühlen lassen. Sie erzählt vom harten Leben der Einwanderer, die oft große Familien, aber nur kleine Einkommen haben und bei denen schon die Kinder mitarbeiten müssen, anstatt eine Schule zu besuchen.
Grace‘ Familie ist relativ privilegiert. Sie haben eine 5-Zimmer-Wohung mit einem eigenen Bad und Kühlschrank, arbeiten aber hart, um sich die Miete und Connies Medikamente leisten zu können. Da es weder eine Krankenversicherung noch Krankengeld gab, musste alles selbst bezahlt werden.

Mein Fazit: Ein spannender Roman über das Leben der Einwanderer in NY in den 1930ern und den Bau des Empire State Buildings aus dem Blickwinkel einer Frau.

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Hot, hotter Hazelwood

Problematic Summer Romance – Die hitzige Unzulässigkeit der Liebe
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„Wir sind geradezu intim miteinander geworden – in emotionaler Hinsicht. So sehr, dass du es nicht riskieren konntest, dass diese Intimität auch körperlich wird.“ (S. 296)
Ausgerechnet auf der Hochzeit ...

„Wir sind geradezu intim miteinander geworden – in emotionaler Hinsicht. So sehr, dass du es nicht riskieren konntest, dass diese Intimität auch körperlich wird.“ (S. 296)
Ausgerechnet auf der Hochzeit ihres Bruder trifft Maya erneut auf Conor, dessen besten Freund und Trauzeugen, den sie seit langem heimlich begehrt. Doch er stört sich an ihrem Altersunterschied: Maya ist erst 23, er schon 38. Dass sie längst erwachsen, hochintelligent und sogar Masterabsolventin in Physik ist, ist für ihn dabei zweitrangig. Eigentlich will sie ihm aus dem Weg gehen. Doch es ist Sommer und heiß, die Tage bis zur Trauung ziehen sich träge dahin und die (sexuelle) Spannung den beiden wächst unaufhaltsam. Das Setting trägt seinen Teil dazu bei: Die Hochzeit findet in einer traumhaften Villa an der Felsküste Taorminas statt, mit Blick auf das Ionische Meer und die Isola Bella – Romantik pur.

Ich mag das MIND-Setting dieses Romans. Maya ist eine brillante Wissenschaftlerin, wird von Wirtschaft und Forschung umworben und kann sich ihren zukünftigen Berufsweg aussuchen. Trotz ihres Alter ist sie sehr selbstbewusst, weiß, was und wen sie will und liefert sich mit Conor geistreiche, witzige Schlagabtausche voller Anspielungen.
Conor hat mit Mayas Bruder ein erfolgreiches BioTech-Unternehmen aufgebaut. Er ist ein Workaholic und stolz darauf. Dennoch war er in einer schwierigen Zeit für Maya da und hat sich um sie gekümmert.
Und dann ist da noch die Hochzeit, die fast verflucht wirkt: Zuerst erleidet der Großteil der Gäste eine Lebensmittelvergiftung, dann bricht auch noch der nahegelegene der Ätna aus.

„Problematic Summer Romance“ ist der perfekte Sommerroman – voller Emotionen, mit einem traumhaften Setting und einer sich langsam entfalteten spicy Liebesgeschichte. In Rückblenden enthüllt Ali Hazelwood nach und nach die gemeinsame Vergangenheit von Maya und Conor während ihres Studiums in Edinburgh. So wird nachvollziehbar, warum Conor auf Distanz bleibt – und warum Maya auf ein Happy End hofft. Denn sie zieht bald alle Register, um ihn zu verführen – und Conor fällt es zunehmend schwer, sich zu beherrschen.

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Veröffentlicht am 20.06.2025

Der geheime Garten

Der alte Apfelgarten
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„Die Vergangenheit kann eine schwere Bürde sein. Und uns manchmal daran hindern voranzuschreiten, sosehr wir es uns auch wünschen.“ (S. 238)
Seit 5 Jahren lebt und arbeitet Nina mit ihrem kleinen Sohn ...

„Die Vergangenheit kann eine schwere Bürde sein. Und uns manchmal daran hindern voranzuschreiten, sosehr wir es uns auch wünschen.“ (S. 238)
Seit 5 Jahren lebt und arbeitet Nina mit ihrem kleinen Sohn wieder auf der Farm ihres Vaters an der Steilküste Schottlands. Nach seinem Tod geht sie davon aus, dass sie die Farm erbt und ihre ältere Schwester Bette, die vor fast 20 Jahren nach London gezogen und nie zurückgekommen ist, zukünftig am Gewinn beteiligen muss. Um so größer ist die Überraschung, dass sie die Crowdie-Farm zusammen erben – genau wie den riesigen Schuldenberg, von dem sie nichts wussten.

Bette und Nina trennen 10 Jahre Altersunterschied und völlig unterschiedliche Lebensumstände. Bette wollte immer Anwältin werden und in die große weite Welt. Nach Amerika hat sie es zwar nicht geschafft, aber sie wird bald Partnerin einer Londoner Kanzlei. Nina ist früh alleinerziehende Mutter geworden. Sie hat sich trotz der harten Arbeit immer wohl auf der Farm gefühlt hat und nie verstanden, warum Bette regelrecht geflohen ist. Durch den großen Altersunterschied hatten sie nie viel miteinander zu tun. Bette fand Nina nervig, die hat sich dadurch von ihr ungeliebt und ignoriert gefühlt. Als jetzt rauskommt, dass Bette in Mailkontakt mit ihrem Vater stand, brechen alte Wunden auf. Aber der Kampf um die Farm bringt sie einander näher. Erst recht, als sie ein alten, verwilderten Apfelgarten entdecken, der sehr viel wert zu sein scheint und hinter dem mehrere Geheimnisse stecken.

Wie schon die anderen Roman von Sharon Gosling ist auch „Der Apfelgarten“ sehr stimmungsvoll. Sie erzählt darin vom rauen Leben an der Steilküste und den damit verbundenen Gefahren, der harten Arbeit als Farmer, die gerade genug zum Erhalt ihrer Betriebe erwirtschaften, aber nicht genug, um Rücklagen zu bilden und zwei entfremdeten Schwestern, die sich langsam neu kennenlernen und hinter die Fassade der anderen blicken. Gewürzt wird die Geschichte mit der spannenden Vergangenheit des Apfelgartens und zwei Männern, die sich ihren Platz im Leben der Schwestern zu erkämpfen scheinen. Besonders gefreut habe ich mich auch über den Cameo-Auftritt von Rachel aus dem „Lighthouse Bookshop“.

Mein Fazit: Ein schöner Geschwisterroman, der zwar in manchen Teil etwas vorhersehbar ist, aber auch mit Überraschungen aufwartet.

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