Schön und gleichzeitig spannend
Große Träume auf kleinen PfotenAch, was habe ich gelacht, geseufzt und mir ein, zwei Tränchen verstohlen aus dem Augenwinkel gewischt. Und das alles nur, weil ich dachte, ich schlage mal eben ein nettes Buch für zwischendurch auf. Falsch ...
Ach, was habe ich gelacht, geseufzt und mir ein, zwei Tränchen verstohlen aus dem Augenwinkel gewischt. Und das alles nur, weil ich dachte, ich schlage mal eben ein nettes Buch für zwischendurch auf. Falsch gedacht. Dieses Buch ist wie eine Tüte Gummibärchen mit Herz, man fängt locker an und merkt zu spät, dass man schon mittendrin steckt und emotional komplett klebt.
Mina, die taffe Journalistin mit leichtem Fluchtreflex, und Christopher, der Mann, bei dem man sofort weiß, dass da mal was richtig wehgetan hat, die beiden begegnen sich nach Jahren wieder. Und zwar ausgerechnet im idyllischsten aller Orte: einem Tierheim in Cornwall. Klingt nach vielleicht ein bisschen RomCom-Klischee. Aber was dieses Buch daraus macht, ist pures Gefühlskino auf leisen, flauschigen Pfoten.
Und apropos Pfoten: Die wahren Heldinnen und Helden dieses Buches tragen Fell, haben kalte Schnauzen und große, treue Augen. Allen voran: Lilly, ein kleiner blinder Dackelwelpe, der mehr Charme in einem Wackelohr hat als so mancher Mensch in seinem ganzen Dasein. Ich meine, wer braucht noch Dialoge, wenn so ein kleines Hundebaby die Szenen mit bloßer Präsenz stiehlt?
Das Tierheim, das eigentlich wie ein kulissenhaftes Setting daherkommt, entwickelt sich schnell zum Herzstück der Geschichte. Hier wird nicht einfach nur gestreichelt und Gassi gegangen. Hier geht es um zweite Chancen, darum, gesehen zu werden, auch wenn man nicht perfekt ist, oder gerade deshalb. Und das betrifft eben nicht nur die Tiere. Ich hatte das Gefühl, die Fellnasen spiegeln all das, was auch in den Menschen brodelt: Unsicherheit, Hoffnung, der Wunsch nach Nähe. Nur dass die Hunde es ehrlicher zeigen.
Was mich an Molly Blums Stil begeistert hat, war diese Mischung aus Charme und Substanz. Sie schreibt mit einem Augenzwinkern, lässt die Charaktere fluchen, stolpern, knutschen und zweifeln, ganz ohne Kitschfilter. Es ist kein glattgebügelter Wohlfühlroman. Es ist einer, der bellt, sich ankuschelt und einem dann mitten ins Herz schlabbert.