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Veröffentlicht am 08.07.2025

Ein Psychothriller wie er sein soll

Die Villa am See (Psychothriller)
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Ein Psychothriller, wie er sein soll: spannend, rätselhaft und voller Wendungen. Die Geschichte beginnt intensiv – Jessie erwacht in einer abgelegenen Villa, umgeben von Fremden, ohne Erinnerung an ihr ...

Ein Psychothriller, wie er sein soll: spannend, rätselhaft und voller Wendungen. Die Geschichte beginnt intensiv – Jessie erwacht in einer abgelegenen Villa, umgeben von Fremden, ohne Erinnerung an ihr früheres Leben. Stück für Stück versucht sie herauszufinden, wer sie ist, was geschehen ist und wem sie trauen kann.

Von der ersten Seite an baut sich eine dichte Spannung auf, die kaum nachlässt. Die Geschichte ist durchzogen von geheimnisvollen Andeutungen, überraschenden Wendungen und düsteren Rätseln, die einen beim Lesen nicht mehr loslassen. Jeder Charakter scheint etwas zu verbergen, jede Szene trägt zur beklemmenden Atmosphäre bei. Besonders das Ende hat es in sich: unerwartet, verstörend und absolut fesselnd. Rose Hard gelingt es, mit wenigen Mitteln ein Gefühl der Unsicherheit zu schaffen, das bis zur letzten Seite anhält. Wer auf psychologische Spannung steht, wird hier definitiv nicht enttäuscht.

Die Auflösung ist sehr gut gelungen: Sie bleibt bis zum Schluss spannend, ohne konstruiert zu wirken. Auch wenn man im Verlauf der Geschichte erste Vermutungen anstellt und bestimmte Wendungen erahnt, gelingt es Rose Hard dennoch, am Ende zu überraschen. Die letzten Enthüllungen fügen sich stimmig ins Gesamtbild, sorgen aber gleichzeitig für einen echten Aha-Moment – genau so soll ein guter Psychothriller enden.

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Veröffentlicht am 08.07.2025

still und stark

Eden
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Eden ist ein ruhiges, aber sehr intensives Buch. Es beginnt mit einem Selbstmordanschlag und stellt die Frage, was danach kommt. Vor allem für die Menschen, die davon betroffen sind, auf ganz unterschiedliche ...

Eden ist ein ruhiges, aber sehr intensives Buch. Es beginnt mit einem Selbstmordanschlag und stellt die Frage, was danach kommt. Vor allem für die Menschen, die davon betroffen sind, auf ganz unterschiedliche Weise. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Eltern eines der Opfer, aber auch der Attentäter selbst. Diese Perspektivenvielfalt hat mich besonders beschäftigt.

Die Sprache ist reduziert, fast nüchtern. Vieles wird nur angedeutet. Das passt zum Thema, erschwert aber manchmal den Zugang zu den Figuren. Ich konnte nicht durchgängig eine emotionale Verbindung aufbauen, war aber stets sehr nah dran und wollte verstehen, was in diesen Menschen vorgeht.

Gut fand ich, dass der Autor sich nicht anmaßt, einfache Erklärungen zu liefern. Es gibt keine moralischen Wertungen, keine schnellen Antworten. Stattdessen bleibt viel Raum für Unsicherheit, Widerspruch und Leerstelle. Genau das regt zum Nachdenken an, auch über eigene Haltungen und Fragen, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt.

Was mich jedoch gestört hat: Ich hatte stellenweise den Eindruck, dass eine gewisse Distanz zu manchen Figuren oder Ereignissen nicht nur durch den Stil, sondern auch durch eine Haltung des Autors entsteht, die mir zu einseitig war. Eine größere Offenheit hätte ich mir gewünscht.

Das Buch stellt unbequeme Fragen, lässt vieles offen und fordert dazu auf, genauer hinzusehen. Das richtige Buch zum Nach- und Mitdenken.

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Veröffentlicht am 06.07.2025

Eine Welt, aber zwei Welten

Nazi und Kommunist
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„Nazi und Kommunist“ von Torsten Harmsen erzählt die Lebensgeschichten von Otto, einem überzeugten Kommunisten, und Herta, einer Nationalsozialistin. Durch den Wechsel der Perspektiven werden zwei ganz ...

„Nazi und Kommunist“ von Torsten Harmsen erzählt die Lebensgeschichten von Otto, einem überzeugten Kommunisten, und Herta, einer Nationalsozialistin. Durch den Wechsel der Perspektiven werden zwei ganz unterschiedliche Sichtweisen auf die deutsche Geschichte sehr lebendig und persönlich dargestellt. Besonders gefallen hat mir die Nutzung der Oral History-Methode, durch die die Erinnerungen sehr authentisch und nahbar wirken. Man bekommt dadurch ein gutes Gefühl dafür, wie stark politische Überzeugungen und persönliche Erfahrungen das Leben der beiden geprägt haben.

Trotzdem habe ich mir eine neutralere und objektivere Darstellung gewünscht. Für mich wirkte der Autor an manchen Stellen zu voreingenommen, was die Erzählung etwas einseitig erscheinen lässt. Gerade bei solch komplexen und sensiblen Themen finde ich es wichtig, möglichst ausgewogen zu bleiben, um den Lesern Raum für eigene Gedanken zu lassen. Diese Voreingenommenheit hat für mich den Lesegenuss eingeschränkt.

Dennoch bietet das Buch viele interessante Einblicke und regt zum Nachdenken über die unterschiedlichen politischen Haltungen und deren Auswirkungen auf das persönliche Leben an. Insgesamt ist „Nazi und Kommunist“ eine lesenswerte, wenn auch nicht vollkommen unvoreingenommene Darstellung zweier sehr verschiedener Biografien in der deutschen Geschichte.

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Veröffentlicht am 03.07.2025

Hoffnung und Entwicklung

Pinguine fliegen nur im Wasser
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Endlich wieder ein Roman, der mit viel Herzblut erzählt wird und dabei echte Gefühle zeigt. Die Figuren entwickeln sich auf eine natürliche Weise weiter, sie sind stark, lernen mit ihrer Vergangenheit ...

Endlich wieder ein Roman, der mit viel Herzblut erzählt wird und dabei echte Gefühle zeigt. Die Figuren entwickeln sich auf eine natürliche Weise weiter, sie sind stark, lernen mit ihrer Vergangenheit umzugehen und achten auf ihre mentale Gesundheit. Dabei finden sie eine Liebe, mit der sie nicht unbedingt gerechnet hätten. Die Protagonisten sind nahbar, man fühlt und leidet mit ihnen und freut sich am Ende mit.

Das Cover mit dem Liebespaar unter Wasser spiegelt die Stimmung des Buches gut wider. Besonders berührt hat mich, wie gezeigt wird, dass Kinder viel mehr mitbekommen als man denkt. Materielle Dinge sind nicht alles, Kinder brauchen vor allem Aufmerksamkeit und Liebe. Auch wenn es nicht immer offensichtlich ist, leiden Kinder oft still mit und tragen ihre Erfahrungen mit sich.

Die Themen Freundschaft und Hoffnung, genauso wie Angst und Depression bekommen Raum und werden ehrlich behandelt, was ich sehr wichtig finde. Insgesamt ist das Buch emotional berührend und regt zum Nachdenken an. Die Geschichte zeigt, wie schwer es ist, alte Muster zu durchbrechen und wirklich zu sich selbst zu finden.

Manchmal sind die Rückblicke oder Details etwas ausführlich, aber das nimmt dem Buch nicht den Charme. Besonders gefallen haben mir die tiefen Einblicke in die Figuren und wie sie sich trotz schwieriger Vergangenheit weiterentwickeln. Das macht die Geschichte glaubwürdig und nahbar.

Für mich ist das Buch eine warme, berührende Lektüre, die zeigt, wie wichtig Nähe, Verständnis und Selbstfürsorge sind.

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Veröffentlicht am 01.07.2025

Im Zwiespalt

Gesellschaftsspiel
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Dieses Buch hat mich nachdenklich zurückgelassen und das meine ich sowohl positiv als auch mit einem kleinen Fragezeichen. Gesellschaftsspiel kombiniert eine familiäre Geschichte mit einem ziemlich ambitionierten ...

Dieses Buch hat mich nachdenklich zurückgelassen und das meine ich sowohl positiv als auch mit einem kleinen Fragezeichen. Gesellschaftsspiel kombiniert eine familiäre Geschichte mit einem ziemlich ambitionierten politischen Gedankenspiel: Drei Frauen – zwei Schwestern und ihre Tante – treffen sich am Sterbebett der Mutter wieder, gleichzeitig wird in Weimar eine Demokratie-App getestet, die die Gesellschaft umkrempeln soll.

Die Idee dahinter finde ich total spannend. Gerade weil das Thema Demokratie heute so präsent ist wie lange nicht mehr. Sei es bei Wahlen, in Talkshows oder im ganz normalen Gespräch beim Abendessen. Plötzlich reden alle wieder über Politik, über Mitbestimmung, über Spaltung, über digitale Räume. Da wirkt das Szenario, das Dora Zwickau hier entwirft, fast schon prophetisch: Was, wenn wir unsere Gesellschaft per App „neu denken“ könnten? Oder wollen wir das lieber gar nicht?

Gleichzeitig war ich beim Lesen aber auch etwas hin- und hergerissen. Die Figuren blieben für mich auf Abstand. Ich konnte sie beobachten, aber selten wirklich fühlen. Das Buch wirft viele Fragen auf, aber gibt wenig Antworten. Vielleicht ist das gewollt. Vielleicht soll man sich selbst seinen Reim darauf machen. Aber an manchen Stellen hätte ich mir mehr Klarheit oder Tiefgang gewünscht, gerade auch emotional.

Was mir gefallen hat: die ruhige Sprache, die moderne Erzählform mit Mails und Chats, und dass das Buch sich traut, unbequem zu sein. Was mich etwas gestört hat: der fehlende Knall, den der Klappentext suggeriert. Es plätschert eher auf hohem Niveau, aber eben ohne echten Sog.

Trotzdem: Wenn man sich für gesellschaftliche Entwicklungen interessiert und auch mal einen Blick in unsere nahe Zukunft werfen will, ist Gesellschaftsspiel definitiv lesenswert. Kein einfacher Roman, aber einer, über den man reden möchte und das ist ja auch eine Form von politischer Teilhabe.

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