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Veröffentlicht am 03.10.2020

Philosophische Fragestellungen eingebettet in eine bruchstückhafte Familiengeschichte

Das Haus an der Keizersgracht
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Bram Wenkstermann steht förmlich vor einem Schutthaufen seines Lebens: Sein Haus an der Keizersgracht in Amsterdam verrottet ihm unter den Füßen weg, seine Frau Veerle quält seit vielen Jahren eine starke ...

Bram Wenkstermann steht förmlich vor einem Schutthaufen seines Lebens: Sein Haus an der Keizersgracht in Amsterdam verrottet ihm unter den Füßen weg, seine Frau Veerle quält seit vielen Jahren eine starke Depression, sodass sie sich mittlerweile in einer psychiatrischen Klinik befindet und seine Tochter Amber wirft ihr Studium hin und kehrt wieder zu ihrem Vater nach Hause zurück. Mit diesem Hintergrund versucht Bram sein Leben ohne jegliche Aussicht auf Verbesserung zu meistern und von seinem reichen Schwiegervater Geld für die Renovierung seines Hauses zu erbitten. Dieser gewährt ihm aber nur das Geld, wenn er Amber in das bis jetzt wohl gehütete Familiengeheimnis einweiht.

Der Debütroman „Das Haus an der Keizersgracht“ von Rinske Hillen beschreibt die Familiengeschichte der Wenkstermanns. Innerhalb kürzester Zeit wird hier der Plot entwickelt bis hin zum eigentlichen Höhepunkt, dem Geburtstagsfest von Bram. Daneben gibt es immer wieder bruchstückenhafte Rückblicke bzw. Erinnerungen, die die Vorgeschichte zur eigentlichen Familiengeschichte charakterisieren. Es geht dabei um viele unausgesprochene Dinge, allem voran Schuldgefühle und nie bewältigte Trauer. Die Charaktere handeln dementsprechend und es fällt einem sehr schwer, sie ins Herz zu schließen bzw. sie besser kennen zu lernen. Die Geschichte bleibt oberflächlich, auch wenn sehr wichtige und schwerwiegende Themen, wie Depressionen angesprochen werden. Daneben werden viele philosophische Fragestellungen mit eingebunden. So geht es auch viel um das Sein und das Nicht-Sein. Das verrottende Haus ist dabei nur ein Symbol der beinahe in sich zusammenfallenden Familie. Leider erschließt sich aus der Geschichte auch nur teilweise ein Happy End. Die Charaktere, vor allem Bram, laufen mir persönlich viel zu sehr am Leben vorbei. Ob es nun dadurch geprägt ist, dass er auch nie seine Trauer bewältigt hat oder weil er sich viel mit Philosophie beschäftigt – ich kann dem insgesamt nichts abgewinnen. Amber dagegen ist komplett von Schuldgefühlen geprägt und geleitet und verhält sich dementsprechend auch sehr unausgewogen. Mir fiel es ehrlich gesagt ausgesprochen schwer, den Roman überhaupt zu Ende zu lesen bzw. stellenweise hab ich ihn einfach zur Seite gelegt, weil mir vieles zu abstrakt war, auch wenn die Sprache einfach ist und die Dinge prinzipiell erklärt werden. Dennoch, alles wirkt gehetzt, die Sätze sind zum Teil nur Bruchstücke ihrer selbst. Gedankenfragmente springen immer wieder dazwischen. Ich kann mit der Geschichte überhaupt nicht warm werden, vor allem weil ich mich nicht mit den Charakteren identifizieren kann. Für mich als bodenständiger Mensch sind philosophische Fragestellungen in dieser Größenordnung zuviel. Jeder Mensch beschäftigt sich sicher einmal öfter mit dem Sinn des Lebens und man reflektiert auch Gedanken und Gefühle, aber hier erscheint es mir extrem zu viel. Spannung gibt es meiner Meinung im Roman wenig, es ist ein Auf und Ab von Schuldgefühlen. Erst zum Ende hin wird es etwas spannend, was nun auf Bram‘s Geburtstagsparty passiert bzw. wie die gesamte Sache ausgeht. Das Familiengeheimnis wiegt schwer, selbstverständlich, und es gibt nicht viel Schlimmeres; und trotzdem ist es für mich nicht nachvollziehbar warum man so lange dazu schweigt und es nicht gemeinsam verarbeitet. Mein Lichtblick des Buches war der Großvater, in seiner absolut sympathisch auftretenden und bodenständigen Art.

Von mir gibt es daher nur eine bedingte Leseempfehlung. Insgesamt lobe ich die Idee Depressionen und die unausgesprochenen und unbewältigten Gefühle in den Mittelpunkt zu stellen. Aber es wird versucht in kurzer Zeit alles in das Buch hineinzupressen, unterbrochen von ständigen Bruchstücken aus Gefühlswelt und Vergangenheit. Meiner Meinung nach wird viel gesagt und doch wieder nichts gesagt. Es fehlt mir an Spannung und Bodenständigkeit.

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Veröffentlicht am 27.09.2020

Große Familiengeschichten, die ein ganzes Jahrzehnt überspannen

Und die Welt war jung
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Zwischen Hamburg, Köln und San Remo beginnt 1950 eine neue Zeitrechnung: Das erste Jahrzehnt nach dem Ende des 2.Weltkrieges. Die Familien Borgfeldt, Aldenhoven und Canna sind sowohl familiär als auch ...

Zwischen Hamburg, Köln und San Remo beginnt 1950 eine neue Zeitrechnung: Das erste Jahrzehnt nach dem Ende des 2.Weltkrieges. Die Familien Borgfeldt, Aldenhoven und Canna sind sowohl familiär als auch freundschaftlich miteinander verbunden. Das Buch erzählt im Wechsel von Hamburg, Köln und San Remo und den jeweils dort lebenden Charakteren. Sie alle eint die Unwissenheit nach dem 2.Weltkrieg. Wie wird es wohl für sie alle weiter gehen? Was bringt die Zukunft? Während die einen eher privilegiert leben, wohnen und arbeiten, kommen die anderen mit Armut sowie Nöten und großen Ängsten und auch einigen Schicksalsschlägen in Kontakt.

Carmen Korn, deren Jahrhundert-Trilogie über Hamburg ich im Frühjahr dieses Jahres förmlich verschlungen haben, beginnt hier nun in einem neuen Buch das Leben in Nachkriegszeiten zu beleuchten. Als ich vom neuen Roman gelesen habe, war ich natürlich sehr gespannt auf eben jenen, da mir ihre Trilogie wirklich sehr gut gefallen hatte und ich ihre Art zu schreiben sehr mag.

Während die Jahrhundert-Trilogie tatsächlich in ihrer Erzählung über 100 Jahre angelegt ist, wird hier das Leben der verschiedenen Familien innerhalb eines Jahrzehnts, von 1950 bis 1959, beschrieben. Ihr Schreibstil ist dabei wieder sehr bildhaft. Klar und deutlich kann man sich die jeweiligen Charaktere vorstellen und möchte gern mehr über sie erfahren. Die Handlung des Romans wird sogar in den verschiedenen Abschnitten genau auf Jahr und Tag erzählt und springt wechselseitig zwischen Hamburg, Köln und San Remo hin und her. Das hat zum einen den Vorteil, dass die Kapitel nie zu lang werden, sondern kurz und knapp die Geschehnisse berichtet werden, zum anderen wird somit immer wieder auf die jeweilige Wahrnehmung in den unterschiedlichen Familien eingegangen sowie auch immer auf ihre Verbindungen untereinander verwiesen. Allerdings ist das Buch mit 635 Seiten auch sehr umfangreich und ich hatte anfangs große Mühe mich mit den vielen unterschiedlichen Charakteren und deren Hintergrund auseinanderzusetzen. Um dies etwas zu erleichtern stellt die Autorin die wichtigsten handelnden Personen vor und liefert auch einen kleinen Stammbaum hinsichtlich ihrer Verbundenheit mit dazu. Weiterhin gelingt es Carmen Korn wieder vortrefflich die jeweiligen persönlichen Schicksale in die Historie einzubetten und es gibt immer wieder Hinweise zu bedeutenden historischen Ereignissen. Sehr schön fand ich auch ihren Verweis zu ihren anderen Büchern mit der Finkenau in Hamburg. Auch das Cover des Buches gefällt mir als begeisterter Leser von historischen Romanen sehr gut. Damit ist es nicht nur gelungen die Aufbruchstimmung der Nachkriegszeit zu charakterisieren, sondern auch zu zeigen, dass die jungen Leute auf dem Bild in irgendeiner Weise freundschaftlich (oder familiär) miteinander verbunden sind.

Meine Kritik: Ich empfinde, dass manchmal insgesamt alles etwas zu viel ist und in viel zu kurzer Umlaufzeit dem Leser präsentiert werden soll und muss. Es erscheint mir wie „zu viel gewollt“. Das Ende des Buches bleibt offen, da sich hier ein neuer Handlungsstrang von einem Charakter auftut; allerdings sind im Wesentlichen die Geschichten zu den Hauptcharakteren zu Ende erzählt und trotz aller Ausführlichkeit, die ich vorher bemängelte, kam das Ende nun viel zu unvermittelt und abrupt. Ich hatte noch absolut nicht damit gerechnet. Man kann somit aber damit rechnen, dass die Geschichte oder zumindest ein gewisser Teil noch weitererzählt wird. An manchen Stellen hatte ich auch das Gefühl, dass die Spannung ein bisschen verloren geht. Ja, man möchte wissen, wie es den Hauptpersonen des Romans ergeht aber nein, man möchte dazu nicht die 10. Geschichte nebenbei hören. Das wiederum spricht aber auch für Carmen Korn – sie kann ihre Leser vollends in die Gefühlswelt ihrer Romane entführen. Man freut und leidet mit und denkt sich, dass könnte doch wohl jetzt mal schneller oder langsamer voran gehen.

Mein Fazit:

Insgesamt gibt es von mir für das neue Buch von Carmen Korn eine klare Leseempfehlung. Ein großer historischer Roman, mit vielen schönen und unschönen Begebenheiten, noch dazu verpackt in die turbulente Nachkriegszeit – es macht sehr viel Freude ihn zu lesen und sich in diese Zeit hinein zu versetzen. So wie eben das Leben tatsächlich spielen kann, so lebendig sind auch die Bücher von Carmen Korn.

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Veröffentlicht am 26.09.2020

Eine Liebesgeschichte zwischen Hollywood und Bollywood

Ray & Grace
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Das Leben von Grace ist von ihren Eltern bereits komplett durchgeplant. Sie führt eine Beziehung mit Liam, den sie heiraten wird bzw. soll. Durch die eingegangene Verbindung zu Liam haben ihre Eltern und ...

Das Leben von Grace ist von ihren Eltern bereits komplett durchgeplant. Sie führt eine Beziehung mit Liam, den sie heiraten wird bzw. soll. Durch die eingegangene Verbindung zu Liam haben ihre Eltern und zukünftige Schwiegereltern die Möglichkeit ihre Firma und damit ihren Reichtum weiter zu mehren und zu sichern. Grace hat dabei keinerlei Mitspracherecht, sie wird regelrecht darauf getrimmt Hausfrau und Mutter zu werden. Ihr Studium darf sie nur „zum Spaß“ bewältigen. Liam ist dabei nicht unbedingt ihre große Liebe, aber sie hat beschlossen sich zu fügen. Doch dann lernt sie während des Studiums Ray kennen. Durch eine Wette zwischen Liam und Ray, gelingt es Ray Grace immer näher zu kommen und ihr den Kopf zu verdrehen. So entwickelt sich zwischen ihnen eine Liebesgeschichte, wie es Grace nie für möglich gehalten hat. Sie wird aber vor die Wahl gestellt: Entweder ihre Familie oder Ray. Eine Entscheidung bedeutet mit gehörigen Konsequenzen zu leben…

Das Cover des Buches lässt bereits vermuten, dass es sich um die Liebesgeschichte eines jungen Paares dreht, denn eng umschlungen und küssend sehen wir das Paar auf dem Bild. Die Autorin, Annika Kastner, war mir vorher noch nicht bekannt. Ihr Schreibstil ist insgesamt sehr jugendlich, teilweise auch etwas von Jugendsprache geprägt, aber einfach und gut verständlich. Alle Charaktere werden ausführlich und eindringlich beschrieben, sodass man sich auch bildlich diese sehr gut vorstellen kann. Die Geschichte wird dabei im Wechsel aus der Perspektive von Grace als auch von Ray erzählt. Dies gefällt mir außerordentlich gut, denn man erhält dadurch zusätzlich sehr viele Einblicke in das Gefühlsleben der Charaktere und viele Situationen können so ausführlich beschrieben werden. So macht es sehr viel Freude die sich entwickelnde Liebesgeschichte zwischen beiden zu verfolgen und es veranlasst einen zu träumen. Ray und Grace passen wirklich klasse zusammen. Ich finde es verstörend, wie sehr Grace von ihren Eltern als auch von Liam unterdrückt und gesteuert wird und einfach keinen Schritt alleine wagen darf. Im völligen Gegensatz steht dazu die aufkommende Liebe zu Ray und auch zu seiner Familie. Man wird sich schnell einig: Einen Mann wie Ray sollte man an seiner Seite haben (und auch eine solche nette Familie ist Gold wert). Wenn auch ein sehr moderner Roman, so finde ich es klasse, dass die Unterdrückung von Mädchen und Frauen thematisiert hier wird und das es Wege hinaus gibt (wenn es auch nur in diesem Fall bedeutet den Goldenen Käfig zu verlassen).

Das Setting, welches hauptsächlich in Amerika und teilweise in Indien stattfindet, macht die gesamte Liebesgeschichte sowohl hollywood- als auch bollywoodreif, was mir insgesamt nicht so gut gewählt erscheint. Bei den Gedanken an Studentenwohnheime, Cheerleading und Football entsteht in meinen Augen eine typische amerikanische Teenager-Geschichte. Vieles ist vorhersehbar und mir zu platt, insgesamt alles zu offensichtlich. Die Jugendsprache gefällt mir auch nicht. Es soll cool wirken, ist mir aber damit alles zu einfach. Außerdem habe ich einige Rechtschreib- und Grammatikfehler gefunden – das sollte besser gehen bei einer fertigen Version (künstlerische Freiheiten natürlich ausgenommen).

Mein Fazit:

Die Liebesgeschichte zwischen Ray und Grace ist wunderschön und man möchte unbedingt wissen, wie es ausgeht. Das Setting und die anderen Charaktere sind teils gewöhnungsbedürftig und mir zu platt. Insgesamt bin ich nicht ganz mit der Geschichte warm geworden, habe aber trotzdem mit Ray und Grace mit gefiebert. Wer eine leichte Lektüre für zwischendurch sucht, ist hier genau richtig!

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Veröffentlicht am 24.09.2020

Es scheint weit weg zu sein und doch ist es immer näher, als wir denken

Die zerrissene Zeit
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Bei diesem Buch handelt es sich um eine Textsammlung verschiedener Kurzgeschichten. Kurz und prägnant werden hier von verschiedenen Autoren insbesondere die Themen Rassismus und allgemein Antisemitismus, ...

Bei diesem Buch handelt es sich um eine Textsammlung verschiedener Kurzgeschichten. Kurz und prägnant werden hier von verschiedenen Autoren insbesondere die Themen Rassismus und allgemein Antisemitismus, Fanatismus, Umweltprobleme und fehlende Nachhaltigkeit, Flucht, Armut sowie allgemein Hass innerhalb unserer Gesellschaft als große gesellschaftliche Probleme der Gegenwart und auch der Zukunft näher durch leuchtet und in Form einer Geschichte verpackt dem Leser näher gebracht.

Sprachlich ist das Buch hervorragend gelungen, ich bewundere besonders die hohe Anzahl jüngerer Autoren, die sich bereits mit den aktuellen Gesellschaftsproblemen auseinandersetzen. Ein wenig störend sind an einigen Stellen einige kleine Rechtschreibfehler, die aber dem Inhalt keinen Abbruch bescheren. Inhaltlich wird bereits nach den ersten Kurzgeschichten der Lektüre einem vollends bewusst, dass uns einfach ALLE diese Themen etwas angehen und wir nicht davor die Augen verschließen dürfen. Manche Geschichten sind so erbarmungslos dramatisch geschrieben, dass sie weh tun, manche lassen nur nachdenklich zurück, andere machen sprachlos. Gerne schiebt man solche Themen weit von sich weg und will sich im ohnehin schon stressigen Alltag nicht von ihnen stören lassen, denn man ist ja nicht so wie die anderen, die z. Bsp. Hass streuen - und doch: solche Vorfälle passieren jeden Tag neben uns, unter uns, durch uns – manchmal unbemerkt und völlig unbewusst.

Ganz besonders schwer wurde mein Herz bei der Nennung des Datums 09.10.2019 (Geschichte: Der Rucksack). Momentan beherrscht die internationale Medienwelt das Gerichtsverfahren zum antisemitischen Terroranschlag von Halle/Saale, der an diesem Tag stattgefunden hat. Ich selbst wohne nicht weit von dort entfernt und habe mich bereits 1000 x gefragt, Warum? Wie konnte das nur passieren? Wie konnte sich der Täter so radikalisieren? Es sind genau diese Fragen, die auch die anderen Geschichten an anderer Stelle schaffen zu fragen. Wieso handelst du so? Vor was hast du Angst? Wieso kann ich nicht anders sein, ohne dass es dich stört? Warum schaust du weg?

So viele Fragen, auf die niemand eine Antwort kennt. Doch wir können etwas tun: Nämlich unser eigenes Handeln reflektieren und es überdenken. Haben wir wirklich heute alle Mitmenschen gleichbehandelt oder hatten wir mal wieder was zu mäkeln oder zu lästern? Wir müssen uns außerdem ehrenamtlich, sozial oder politisch engagieren. Es fängt bereits im Kleinen an. Wer mit den unterschiedlichsten Menschen in einer größeren Gemeinschaft in Berührung kommt, merkt erst, wie bereichernd dies sein kann – eben, weil wir so sind, wie wir sind und weil wir so verschieden sind und weil wir alle verschiedene Fähigkeiten besitzen, mit denen wir gemeinsam etwas Großes schaffen können. Nutzen wir die Chance und stellen an den kleinen Rädchen der Zukunft, die unsere Gesellschaft ein klein wenig besser machen können.

Mein Fazit:

Die Geschichten haben mich sehr berührt und lassen mich nachdenklich zurück. Manche lassen noch Platz für Hoffnung, nachdem sie mir ein flaues Gefühl im Magen beschert haben. Ich glaube auch weiterhin an das Gute im Menschen. Packen wir die Dinge an – ein jeder nach seinen Möglichkeiten. Diese Textsammlung ist unbedingt zu empfehlen und gehört für mich auch in den Unterricht der höheren Klassenstufen!

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Veröffentlicht am 23.09.2020

Fesselnd, erotisch und mit ganz viel Gefühl

All die Momente mit dir
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Samantha, genannt Sam, ist eine junge Frau, die bis jetzt vieles im Leben gemacht hat aber nie irgendwas richtig. So hat sie versucht ihrem Traumjob von einer Modelkarriere zu verwirklichen, was ihr nicht ...

Samantha, genannt Sam, ist eine junge Frau, die bis jetzt vieles im Leben gemacht hat aber nie irgendwas richtig. So hat sie versucht ihrem Traumjob von einer Modelkarriere zu verwirklichen, was ihr nicht gelungen ist und hat dafür eine berufliche Ausbildung hintenangestellt. Da sie eine sehr selbstbewusste Frau ist und auch oft sagt, was sie denkt, wird sie von vielen in ihrer kleinen Heimatstadt Oak Valley misstrauisch beäugt – sie passt einfach nicht in das stark konventionelle Umfeld. Nachdem sie wieder eine Niederlage einstecken musste, lernt sie Rick kennen und auch bald schätzen. Er gibt ihr die Chance beruflich bei ihm einzusteigen und neu anzufangen. Sam nimmt dankbar an und blüht in ihrem neuen Job auf. Doch nicht nur ihr Job, auch die Nähe zu Rick sind für sie schnell fesselnd. Immer wieder ermahnt sie sich, dass sie sich den Gefühlen ihrem Chef gegenüber nicht hingeben will, da sie nun ihr Leben in geordnete Bahnen lenken möchte und nicht schon wieder eine Niederlage erleben möchte. Auch Rick, mittlerweile geerdet durch eine herbe Enttäuschung im Leben, erkennt nicht nur schnell Sam’s Fähigkeiten sein Geschäft zu führen, sondern bald seine Gefühle für sie. So müssen sie beide Entscheidungen für oder gegen die Liebe treffen.

Das Cover des Buches lässt bereits vermuten, dass es sich um die Liebesgeschichte eines jungen Paares dreht. Es ist erstaunlich gut gewählt, denn der Mann hinter der Frau scheint diese zu stützen während sie den Blick in die Ferne schweifen lässt und überlegt, ob sie das Richtige tut. Das ist mehr als passend zur Gesamtgeschichte des Buches und zeigt die innere Zerrissenheit der Charaktere. Die Autorin, C.S. Bieber, war mir vorher noch nicht bekannt. Ihr Schreibstil ist sehr angenehm, sehr frisch und in gewissen Situation extrem prickelnd aber angenehm erotisch.

Nach einem relativ schnellen und abrupten Start am Anfang des Buches (die erste Begegnung zwischen Sam und Rick ist mir fast etwas zu schnell gewesen) ist man sofort im Geschehen drin und findet sich bald im Strudel der Begegnungen zwischen ihnen wieder und kann sich mitreißen lassen. Bereits die ersten Seiten knistern schon spannungsgeladen. Mich wundert es tatsächlich, dass aus meinem Reader vor lauter Spannung keine Blitze geschossen kamen. 😉 C.S. Bieber vermag es den Leser so in die Gefühlswelt der Charaktere mitzunehmen, dass man völlig mit ihnen mitfühlt und sich auch ihre Sehnsüchte und Wünsche genauso vorstellen kann. Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Ich-Perspektive von Sam erzählt, aber auch Rick hat eigene Kapitel, in welchem aus seiner Sicht berichtet wird. Dies gefällt mir außerordentlich gut, denn man erhält dadurch zusätzlich sehr viele Einblicke in das Gefühlsleben der Charaktere. Die Geschichte ist zusätzlich mit viel Spannung aufgeladen, denn es wird in Nebensätzen von Anfang an immer wieder darauf verwiesen, dass beide eine unschöne Vergangenheit bzw. bittere Enttäuschung machen mussten, die aber erst im hinteren Teil des Buches (endlich!) aufgeklärt wird. Es fehlt damit nicht an Dramatik. Auch das Setting im Bereich einer Kleinstadt hat mich völlig überzeugt, denn ich kenne es (in einem Dorf lebend) ebenso, dass Außenstehende meinen, sie wissen mehr über einen als man selbst. Insgesamt wird die Liebesgeschichte damit äußerst realistisch. Sicherlich kann gestritten werden, ob die Beziehung Angestellte und Chef nicht etwas zu klischeehaft ist, doch die Gesamtbeschreibung der Situationen in der Liebesgeschichte passt einfach perfekt zueinander.

Mein Fazit:

Eine wunderbare Liebesgeschichte, die sich schnell voller Spannung aber dennoch behutsam zwischen beiden entwickelt und dann in vielen erotischen Momenten ihren Höhepunkt findet und letztendlich auch in einem Happy End, nachdem es nochmal dramatisch wird – viel besser kann man einen Liebesroman nicht schreiben. Ich bin ehrlich berührt und bedanke mich für das schöne Buch und empfehle es allen, die sich schnell von kribbelnden Begegnungen mitreißen lassen können.

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