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joker

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.09.2018

Ein stiller Roman mit lautem Echo

Acht Berge
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Paolo Cognetti führt uns in diesem Buch in die Abgeschiedenheit der italienischen Berge und beleuchtet dabei eine Jungen- bzw. Männerfreundschaft zwischen dem Stadtkind Pietro und dem armen Bauernjungen ...

Paolo Cognetti führt uns in diesem Buch in die Abgeschiedenheit der italienischen Berge und beleuchtet dabei eine Jungen- bzw. Männerfreundschaft zwischen dem Stadtkind Pietro und dem armen Bauernjungen Bruno. Auf stille Art und Weise wird hierbei die unterschiedliche Bedeutung der Berge und der Natur für die beiden Freunde dargestellt. Was für Pietro Urlaub und Freiheit, Neues und Spannung bedeutet, ist für Bruno harte Arbeit und als erwachsener Mann erweisen sich die Berge für Bruno als Fluch und Segen zur gleichen Zeit. Er liebt seine Berge, doch sie hindern ihn daran, ein neues Leben zu beginnen, wodurch er alles andere verliert, was ihm etwas bedeutet.

Zudem ziehen sich gestörte Vater-Sohn-Verhältnisse durch dieses Buch. Gerade Pietro und sein Vater sind sich fremd und zu spät merkt Pietro, was ihm sein Vater bedeutet hat und wie wenig er ihn eigentlich gekannt hat. Ein Plädoyer des Autors, das durchaus nachdenklich stimmt.

Getragen wird das Buch durch die intensiven Naturbeschreibungen, welche einerseits die potenzielle Idylle aber auch gleichzeitig die kalte Brutalität der Natur hervorheben.

"Acht Berge" bleibt in meiner Erinnerung verankert, als ein düsterer, packender und extrem aufwühlender Roman, der noch lange nachhallt.

Veröffentlicht am 13.09.2018

Wie böse kann ein Kind sein?

Das Böse in deinen Augen
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Als begeisterter Leser von "Die stille Kammer" war ich riesig gespannt auf meinen zweiten Thriller von Jenny Blackhurst

An das bereits genannte Vorgängerwerk von Blackhurst kommt "Das Böse in deinen Augen" ...

Als begeisterter Leser von "Die stille Kammer" war ich riesig gespannt auf meinen zweiten Thriller von Jenny Blackhurst

An das bereits genannte Vorgängerwerk von Blackhurst kommt "Das Böse in deinen Augen" nicht heran. Doch geht es bei einem Psychothriller in erster Linie immer um Spannung, und ob die Geschichte den Leser unterhalten kann. Hier hat mich der Thriller nicht enttäuscht. Ich habe mich zu keiner Zeit gelangweilt, auch wenn es etwas schwierig war, in das Buch reinzukommen.

Durch dieses Buch zieht sich die Thematik der Mutter-Kind-Beziehung. Es gefällt mir, wenn auch ein Psychothriller ein übergeordnetes Thema hat und versucht etwas in die Tiefe zu gehen. Jedoch konzentriert sich die Autorin aus meiner Sicht hier etwas zu sehr auf die Kinder. Die erwachsenen Figuren kommen allesamt sehr blass rüber und entwickeln sich während des Buches so gut wie gar nicht. Es gibt die hoffnungslos naive und übermotivierte Protagonistin mit ihrem immerzu netten Ehemann. Hinzu kommt die heillos überforderte Pflegemutter und die gleichgültige und nicht minder überforderte Schulleiterin. Alle erwachsenen Figuren wirken oft ziemlich eindimensional, was aus meiner Sicht verschenktes Potenzial für diese Geschichte darstellt.

An manchen Stellen fand ich die Geschichte auch ziemlich vorhersehbar, speziell am Ende. Die letzte Wendung hätte ich nicht mehr gebraucht, um das Buch gut zu finden. Sie wirft zwar viele neue Fragen auf und sorgt für Verwirrung, jedoch muss nicht immer jeder gute Thriller zwangsläufig mit einer 180°-Wendung enden.

Ich bin ein Fan kurzer Kapitel, jedoch gab es einige Kapitel, bei denen nicht wirklich klar war, wer hier erzählt und zudem waren einige Kapitel Rückblenden in Imogens Vergangenheit, welche aber nicht als solche gekennzeichnet waren. Dies wirkte gerade zu Beginn auf mich ziemlich gewöhnungsbedürftig und verwirrend.

Trotz der Kritikpunkte bleibt ein sehr guter Thriller stehen, der stets unterhält

Veröffentlicht am 04.09.2018

Kopf aus - Buch auf

Der Ozean am Ende der Straße
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Ich habe eine Weile überlegt, wie ich dieses Buch beschreiben könnte. Nach einer Weile habe ich beschlossen, die bereits hier vorhandenen Rezensionen als Anregung durchzulesen und stellte fest, dass ich ...

Ich habe eine Weile überlegt, wie ich dieses Buch beschreiben könnte. Nach einer Weile habe ich beschlossen, die bereits hier vorhandenen Rezensionen als Anregung durchzulesen und stellte fest, dass ich mit diesem Problem wohl nicht alleine bin, was sehr tröstlich ist.

Möglicherweise ist es aber auch eine der großen Stärken dieses Buches, dass es gelesen und genossen werden sollte, ohne groß darüber nachzudenken. Schließlich ist dieser Roman bzw. dieses moderne Märchen auch aus einer kindlichen Perspektive geschrieben, die Fantasy-Elemente und an sich unvorstellbare Dinge ganz gelassen hinnimmt, ohne diese groß zu hinterfragen. Dem Leser, dem es gelingt, diese Perspektive einzunehmen, bietet sich ein außergewöhnliches Lesevergnügen.

Also: Kopf ausschalten und einfach genießen!!!

Veröffentlicht am 26.08.2018

Auf dem Weg nach Hause

Blanca
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Die 15-jährige Blanca hat einen Traum: endlich ein Zuhause haben. Zeit ihres Lebens wurde Blanca von ihrer Mutter von einem Ort zum anderen geschleppt, ohne dass sie jemals Wurzeln schlagen konnte. Alltägliche ...

Die 15-jährige Blanca hat einen Traum: endlich ein Zuhause haben. Zeit ihres Lebens wurde Blanca von ihrer Mutter von einem Ort zum anderen geschleppt, ohne dass sie jemals Wurzeln schlagen konnte. Alltägliche Dinge wie Heimat und echte Freundschaften sind für Blanca ein Fremdwort.

Doch Blanca hat einen Plan: Nach einem Streit mit ihrer Mutter haut sie ab und will nach Italien - zurück an den einzigen Ort, an dem sie je glücklich war...

Nach Lesen dieses Buches kann ich der Geschichte insgesamt sehr viel abgewinnen. Ich mag es, wie dieses Buch mit Gegensätzen spielt. Im Speziellen wird Blancas Mutter zu Beginn des Buches als freiheitsliebende und mutige sowie unkonventionelle Frau dargestellt. Doch Blanca merkt nach und nach, dass sich hinter dieser Fassade nichts anderes als Angst und Feigheit verbirgt, wofür sie ihre Mutter verachtet.

Blanca stellt jedoch mit der Zeit fest, dass sie ihrer Mutter in dieser Hinsicht gar nicht so unähnlich ist. Schließlich schlägt Blanca nach der Enttäuschung mit Ambra sämtliche Gelegenheiten auf tiefere Beziehungen aus und beschränkt sich auf oberflächliche Kontakte mit wildfremden Personen. Es scheint, als ob sie ihrer Mutter, welche sie einerseits liebt und dennoch verachtet, trotz der zunehmenden Entfernung nicht ganz entfliehen kann.

Andererseits beeindruckt mich hier auch die Kompromisslosigkeit mit der Blanca ihr einziges Ziel, ein Wiedersehen mit Karl und Toni, verfolgt und sich durch nichts davon abbringen lässt. Es entsteht ein Wechselspiel zwischen Mut und Angst und auch der Leser stellt sich häufiger die Frage, wie er selbst in solchen Situationen handeln würde.

Das Ende bzw. der letzte Satz dreht die ganze Geschichte noch einmal völlig, da nicht klar daraus hervorgeht, ob die Geschichte nun als Happy-End oder als Alptraum für die Protagonistin endet. Hier spielt die Autorin den Ball an den Leser weiter, der sich seine eigene Meinung dazu bilden soll, was ich sehr interessant finde.

Kritisch anmerken muss ich, dass ich die Geschichte an manchen Stellen etwas arg konstruiert fand und auch dass ich mich mit dem Schreibstil nicht hundertprozentig anfreunden konnte. Es gab Phasen, wo ich gut in der Geschichte drin war, aber wiederum gab es auch Momente, wo kein rechter Lesefluss bei mir aufkommen wollte.

Im Grunde bleibt ein positiver Gesamteindruck, da mich die Botschaft dieser Geschichte absolut erreicht hat.

Veröffentlicht am 22.08.2018

Eine packende Geschichte über Freundschaft und das Erwachsenwerden

Wer hat Angst vor Jasper Jones?
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Charlie Bucktin ist ein normaler 13-jähriger Junge. Schüchtern, zurückgezogen, nicht viele Freunde. Eines Nachts klopft plötzlich der berühmt, berüchtigte Jasper Jones an sein Fenster, der Buhmann der ...

Charlie Bucktin ist ein normaler 13-jähriger Junge. Schüchtern, zurückgezogen, nicht viele Freunde. Eines Nachts klopft plötzlich der berühmt, berüchtigte Jasper Jones an sein Fenster, der Buhmann der Kleinstadt Corrigan, in der Charlie lebt. Charlie hat Angst, doch er geht mit Jasper in den Wald. Ein Weg, der sein Leben für immer verändern wird...

"Jasper Jones" ist ein Jugendbuch, das mich auf allen Ebenen überzeugt hat, da es eine unglaublich facettenreiche Geschichte ist, die neben der spannenden Haupthandlung viele weitere kleine Geschichten nebenbei erzählt.

Es beginnt mit dem schüchternen Protagonisten Charlie Bucktin, welcher ein schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern hat. Seine Mutter ist ein Tyrann, die Charlie und seinen Vater für ihr verpfuschtes Leben verantwortlich macht. Doch Charlie verachtet auch seinen Vater, da dieser seltsam distanziert ist, und sich aus Charlies Sicht gegen seine Mutter zur Wehr setzt.

Plötzlich erscheint der berüchtigte Jasper Jones auf der Bildfläche, welcher von der ganzen Stadt als kriminell und gefährlich verschrien wird. Neben der Furcht, die Charlie spürt, entwickelt sich in Charlie an Jaspers Seite auch der Reiz des Verbotenen. Es scheint, als ob Charlie nun endlich jemanden gefunden hat, zudem er aufblicken kann. Jasper wirft Charlie brutal aus seiner kindlichen Welt, indem Charlie mit Gerüchten, Intrigen und dem Tod in Berührung kommt.

Gleichzeitig merkt Charlie durch den Kontakt mit Jasper auch, das Gerede und die Gerüchte der Menschen kritisch zu betrachten und nicht alles zu glauben, was er hört.

Als Kontrast steht Jeffrey Lu, Charlies bester Freund, auf der anderen Seite. Mit ihm zusammen kann Charlie wieder Kind sein und sich über alltägliche Dinge wie Cricket, Comics etc. unterhalten. Doch auch hier wird Charlie mit der hässlichen Fratze der Menschheit konfrontiert: Jeffrey ist gebürtiger Vietnamese und so werden er und seine Familie von Teilen der Stadt rassistisch diskriminiert.

Unter dem Strich bleibt ein tiefgreifendes Jugendbuch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt hat.