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joker

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2018

Infantil und reif

Teo
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Lorenza Gentile beweist, dass wahre Literatur nicht immer hochgestochen und verschachtelt sein muss. Ihr Debütroman besticht vor allem durch seine Einfachheit und seine kindliche und geradlinige Sprache.

Vom ...

Lorenza Gentile beweist, dass wahre Literatur nicht immer hochgestochen und verschachtelt sein muss. Ihr Debütroman besticht vor allem durch seine Einfachheit und seine kindliche und geradlinige Sprache.

Vom ersten Satz an spürt man in dem 8-jährigen Protagonisten namens Teo eine ungeheure Entschlossenheit. Teo hat eine Mission: die Ehe seiner Eltern zu retten. Um dies zu erreichen, möchte er mit seinem großen Idol Napoleon sprechen. Auch wenn er ihm dafür bis in den Tod folgen muss...

Gentiles Protagonist macht diesen Roman mit seiner entwaffnenden Ehrlichkeit zu einem unwiderstehlichen Roman: vor allem die Art wie er seinen Eltern Fragen stellt, sich langsam an sie heranpirscht, um sie dann zu stellen. Gentile rechnet ab mit den typischen Erwachsenenphrasen und macht den Unterschied zwischen der kindlichen Ehrlichkeit und den typischen Ausflüchten Erwachsener deutlich, wenn sie etwas sagen, aber etwas anderes meinen.

Gentile behandelt existenzielle Fragen aus der Sicht eines Kindes: Wer sind wir? Wo gehen wir hin?
Was passiert mit uns?

Schlussendlich dürfen wir Teo beim Erwachsenwerden betrachten, wenn die Erkenntnis über ihm hereinfällt, dass jeder für sein eigenes Schicksal verantwortlich ist und jeder sich selbst retten muss.

Ein wunderbarer Roman, welcher vor allem durch kindliche Ehrlichkeit und eine klare Aussprache besticht.

Veröffentlicht am 30.10.2018

Wer will ich sein? vs. Wer soll ich sein?

Von dieser Welt
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Es sei vorausgeschickt, dass dieses Buch in seiner Ganzheit nicht in einer kurzen Rezension erklärt werden kann. Zu facettenreich und zu tiefgreifend ist dieses Werk von James Baldwin.

Es schwebt eine ...

Es sei vorausgeschickt, dass dieses Buch in seiner Ganzheit nicht in einer kurzen Rezension erklärt werden kann. Zu facettenreich und zu tiefgreifend ist dieses Werk von James Baldwin.

Es schwebt eine Zerrissenheit über diesem Buch, welche Baldwin speziell in Form des jungen John Grimes darstellt. Tyrannisiert von seinem religiös fundamentalistischem Vater, der ihn nicht liebt, taumelt John zwischen der Neugier und Verlockungen der weltlichen Güter sowie der panischen Angst vor Sünde und Verdammung hin und her. Doch ist John mit diesen inneren Konflikten nicht alleine...

Baldwin nimmt sich in diesem Werk auch die Zeit, die Geschichten der anderen Figuren zu erzählen und demaskiert somit die Scheinheiligkeit der Fassade, welche vor allem Johns Vater, der als Prediger arbeitet, in der Öffentlichkeit wahren möchte.Gleichzeitig hält er ein Plädoyer, den Mensch als Mensch mit all seinen Facetten zu akzeptieren, anstatt ihn zu einem unfehlbaren und heiligen Wesen hochzustilisieren.

Was "Von dieser Welt" zu solch einem literarischen Erlebnis macht, ist vor allen Dingen die sprachliche Komponente, welche sich als unwahrscheinlich kraftvoll und beeindruckend erweist.

Erschienen im Jahre 1953, habe ich dennoch in letzter Zeit keinen so aktuellen Roman gelesen.

Veröffentlicht am 15.10.2018

Etwas vorhersehbar, dennoch ein Vergnügen für jeden Coben-Fan

In deinem Namen
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Auch Cobens neuestes Wekr fügt sich wunderbar in eine Reihe spannender und hochwertiger Thriller ein. Auch hier versteht es Coben wunderbar hundert kleine Geschichten zu stricken und diese dann zu einer ...

Auch Cobens neuestes Wekr fügt sich wunderbar in eine Reihe spannender und hochwertiger Thriller ein. Auch hier versteht es Coben wunderbar hundert kleine Geschichten zu stricken und diese dann zu einer starken und kraftvollen Handlung zusammenzufügen.

Als Kritikpunkt muss hier leider das Ende herhalten. Wer sich häufiger mit Coben-Thrillern beschäftigt hat, erhält im Laufe der Geschichte schon eine gewisse Ahnung in welche Richtung es gehen könnte. Diese Ahnung wurde zumindest bei mir bestätigt. Dies ist schade, jedoch war auch der neueste Coben wieder ein Lesevergnügen sondergleichen.

Veröffentlicht am 15.10.2018

Lobenswerte Botschaft - mangelhafte Umsetzung

Die Symphonie des Augenblicks
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Ein ungleiches Trio begibt sich auf die Suche nach dem Glück des Lebens. Die Handlung klingt wie ein klassisches Feel-Good-Buch, wonach man niemals aufgeben und immer an seine Träume glauben soll.

Das ...

Ein ungleiches Trio begibt sich auf die Suche nach dem Glück des Lebens. Die Handlung klingt wie ein klassisches Feel-Good-Buch, wonach man niemals aufgeben und immer an seine Träume glauben soll.

Das Buch beginnt durchaus erfrischend, da die jeweiligen Protagonisten äußerst sympathisch und amüsant eingeführt werden. Das Buch wirkt hier äußerst leichtfüßig und angenehm zum Lesen.

Mit fortlaufender Handlung nahm meine Leselust allerdings rapide ab, da die Handlung für mich zu sprunghaft war. Den zweiten Teil empfand ich als eine Aneinanderreihung von Ereignissen, welche äußerst trocken und langatmig vorgetragen wurde. Leider hat sich die Autorin aus meiner Sicht nicht die Zeit genommen, diese Geschichte konsequent zu erzählen. Ironischerweise war es gerade dieses Zusammenquetschen der Geschichte, das für mich dazu geführt hat, dass mir die Geschichte am Ende viel zu lang wurde. Schade drum!

Veröffentlicht am 21.09.2018

Ein stiller Roman mit lautem Echo

Acht Berge
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Paolo Cognetti führt uns in diesem Buch in die Abgeschiedenheit der italienischen Berge und beleuchtet dabei eine Jungen- bzw. Männerfreundschaft zwischen dem Stadtkind Pietro und dem armen Bauernjungen ...

Paolo Cognetti führt uns in diesem Buch in die Abgeschiedenheit der italienischen Berge und beleuchtet dabei eine Jungen- bzw. Männerfreundschaft zwischen dem Stadtkind Pietro und dem armen Bauernjungen Bruno. Auf stille Art und Weise wird hierbei die unterschiedliche Bedeutung der Berge und der Natur für die beiden Freunde dargestellt. Was für Pietro Urlaub und Freiheit, Neues und Spannung bedeutet, ist für Bruno harte Arbeit und als erwachsener Mann erweisen sich die Berge für Bruno als Fluch und Segen zur gleichen Zeit. Er liebt seine Berge, doch sie hindern ihn daran, ein neues Leben zu beginnen, wodurch er alles andere verliert, was ihm etwas bedeutet.

Zudem ziehen sich gestörte Vater-Sohn-Verhältnisse durch dieses Buch. Gerade Pietro und sein Vater sind sich fremd und zu spät merkt Pietro, was ihm sein Vater bedeutet hat und wie wenig er ihn eigentlich gekannt hat. Ein Plädoyer des Autors, das durchaus nachdenklich stimmt.

Getragen wird das Buch durch die intensiven Naturbeschreibungen, welche einerseits die potenzielle Idylle aber auch gleichzeitig die kalte Brutalität der Natur hervorheben.

"Acht Berge" bleibt in meiner Erinnerung verankert, als ein düsterer, packender und extrem aufwühlender Roman, der noch lange nachhallt.