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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.03.2023

Kurzweilige, aber spannungsarme Reise nach Indien

Der Geheimnishüter von Jaipur
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Alka Joshi bleibt sich in "Der Geheimnishüter von Jaipur" ihrem bildhaften und detailverliebten Schreibstil treu, der einen schon beim Lesen "Der Hennakünstlerin" in das Indien der 50er-Jahre eintauchen ...

Alka Joshi bleibt sich in "Der Geheimnishüter von Jaipur" ihrem bildhaften und detailverliebten Schreibstil treu, der einen schon beim Lesen "Der Hennakünstlerin" in das Indien der 50er-Jahre eintauchen ließ.

Der 2. Band der Reihe spielt nun 12 Jahre später im Jahre 1969 und im Mittelpunkt steht diesmal vorwiegend Malik anstatt Lakschmi, die mit Dr. Jay Kumar verheiratet ist. Lakschmi hat dank ihrer Beziehungen es geschafft, dem 20-jährigen Malik eine Anstellung im königlichen Palast von Jaipur zu verschaffen und arbeitet dort am Bau eines modernen Kinos mit. Als ehemaliges Straßenkind von Jaipur kennt er sich in Jaipur aus und weiß von den ungeschriebenen Gesetzen, die unter den Mächtigen und Reichen gelten. Dieses Wissen kommt ihm zugute, als Malik versucht, die Wahrheit herauszufinden, wie es zur Tragödie am Eröffnungstag des Kinos kommen konnte. Unterstützung erhält er von Lakshmi, die jetzt in Shimla wohnt und dort mit Maliks Liebe Nimmi auch nicht vor Gefahren geschützt ist.

"Die Hennakünstlerin" ist gut abgeschlossen, sodass dieser Folgeband vor allem ein Wiedersehen mit den Charakteren ist. Es ist deshalb nicht unbedingt nötig, den ersten Band gelesen zu haben, es erleichtert jedoch, in die Handlung hineinzufinden. Obwohl es spannende Elemente sowie Geheimnisse und eine Ermittlungshandlung gibt, nehmen diese nicht den Hauptteil der Handlung ein, was dem Spannungsbogen etwas abträglich ist. So braucht die Handlung am Anfang einige Zeit, um Fahrt aufzunehmen und die Geheimnisse bzw. Ermittlungen werden dann vergleichsweise schnell gelöst bzw. abgehandelt.

Da der Roman aus drei Perspektiven erzählt wird, die von Malik, Lakschmi und Nimmi, werden manche Handlungsstränge wiederholt aufgegriffen, was zusätzlich dazu führt, dass die Geschichte an Schwung verliert.

Die Stärke des Romans ist eindeutig der bildhafte Schreibstil der Autorin, der das Indien der 60er-Jahre zum Leben erweckt. Man fühlt sich durch die Beschreibungen der Kleidung, des Schmucks, des Hennas, des Essens, der Gebäude und der Stadt, als wäre man selber dort. Einzig die in den Dialogen verwendete Sprache klingt manchmal etwas zu modern.

Insgesamt kann "Der Geheimnishüter von Jaipur" einerseits mit einem tollen Schreibstil aufwarten, andererseits hätte die Handlung mehr Spannung und manche Handlungsstränge mehr Tiefe vertragen können.
Eine kurzweilige Zeitreise in das Indien der 1960er-Jahre, mehr aber auch nicht.

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Veröffentlicht am 22.03.2023

Fesselnd erzählte Suche nach einer verschwundenen Liebe mit kleineren Schwächen

Melody
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Mit "Melody" hat Martin Suter einen kurzweiligen und fesselnd erzählten Roman vorgelegt, der zwar nicht einer seiner Besten ist, aber durchaus mit einer spannenden Handlung aufwarten kann.

Der 34-jährige ...

Mit "Melody" hat Martin Suter einen kurzweiligen und fesselnd erzählten Roman vorgelegt, der zwar nicht einer seiner Besten ist, aber durchaus mit einer spannenden Handlung aufwarten kann.

Der 34-jährige Langzeitstudent Tom Elmer braucht dringend einen Job und da kommt ihm das Stellengesuch vom Alt-Nationalrat und Millionär Dr. Stotz wie gerufen. Dr. Stotz hat nicht mehr lang zu leben und sucht jemanden mit juristischen Kenntnissen, der seinen Nachlass für ihn ordnet. Tom als junger Anwalt bewirbt sich auf die Stelle und wird kurz darauf auch gleich eingestellt. Mit der Stelle einhergeht ein ansehnliches Honorar sowie Kost und Logis in Dr. Stotz' Villa. Tom beginnt mit seiner Arbeit und bei gemeinsamen Kaminaufenthalten mit Dr. Stotz erfährt Tom nach und nach, was es mit den ganzen Porträts einer jungen Frau in der Villa auf sich hat. Bei der Frau handelt es sich um Melody, die große und kurz vor der gemeinsamen Heirat verschwundene Liebe von Dr. Stotz. Dieser erzählt ihm, wie er Melody kennen und lieben gelernt hat, von Melodys muslimischen Eltern, seinen Verdacht, ihn Bezug auf ihr Verschwinden und seiner jahrelangen Suche nach ihr. Doch beim Ausmisten des Archivs kommen Tom mit der Zeit Zweifel, ob Dr. Stotz, die ganze Wahrheit erzählt über sich, sein Leben und Melodys Verschwinden erzählt hat.

Ein schnörkelloser und angenehm zu lesender Schreibstil entführen einen gleich von Anfang an in die vom Wohlstand geprägte Welt des Züricher Alt-Nationalrates und dessen Villa. Seine Haushälterin tischt gut und üppig auf und es wird viel getrunken, während man durch Rückblicke in die Vergangenheit von Melody erfährt. Beim Lesen ergeht es einem ähnlich wie Tom, der vom Geheimnis um Melody in dessen Bann gezogen wird, und man fliegt förmlich durch die Seiten, um zu erfahren, was hinter dem Verschwinden von Melody steckt.
Doch mit der Zeit gerät die Handlung etwas ins Stocken und die Geschichte verflacht etwas. So verlieren die anfangs gut gezeichneten Charaktere etwas an Kontur und driften teilweise ins Klischeehafte ab.
Nach etwa der Hälfte des Buches nimmt dann die Geschichte jedoch wieder deutlich an Fahrt auf. Es beginnt eine packende und ereignisreiche Suche nach Antworten und der Wahrheit, die dann in einer überraschenden Auflösung endet.

Das Mysterium um Melodys Verschwinden hält eindeutig die Geschichte am Laufen, auch wenn es eigentlich nicht Toms Aufgabe war, nach ihr zu suchen.

Insgesamt ist "Melody", ein gut konstruierte und erzählte Geschichte, die trotz kleinerer Schwächen, einen von Beginn packt, für angenehme Lesestunden sorgt und einem beim Lesen etwas genauer über Wahrheit und Fiktion nachdenken lässt.

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Veröffentlicht am 20.03.2023

Hochspannung pur und vielversprechender Auftakt einer neuen Thriller-Reihe

Der Morgen (Art Mayer-Serie 1)
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"Der Morgen" von Marc Raabe ist der 1. Band einer neuen Thriller-Reihe, der von Anfang bis Ende hochspannend ist.

Berlin kurz vor dem G20-Gipfel. Eine Frauenleiche wird auf einem Kleinlaster nahe der ...

"Der Morgen" von Marc Raabe ist der 1. Band einer neuen Thriller-Reihe, der von Anfang bis Ende hochspannend ist.

Berlin kurz vor dem G20-Gipfel. Eine Frauenleiche wird auf einem Kleinlaster nahe der Siegessäule gefunden. Auf ihrem halbnackten Körper steht die Privatadresse des Bundeskanzlers geschrieben. Bei der Toten handelt es sich um die Frau des Gesundheitsministers. Für Nele Tschaikowski, Kommissar-Anwärterin, ist es der erste Mordfall und der hat es gleich in sich. Nicht nur, dass höchste Sicherheits- und Vertraulichkeitsstufe bestehen und die Ermittler unter Zeitdruck stehen, erschwert die Falllösung, sondern auch die Tatsache, dass Nele der berüchtigte BKA-Ermittler Artur "Art" Mayer zu Seite gestellt wird. Nach einem tätlichen Angriff auf einen hohen Polizeibeamten, war Artur nicht länger im Dienst tätig, wurde aber extra für die Aufklärung für diesen Fall von oberster Stelle angefordert.
Parallel dazu wird die Geschichte von dem jungen Boxer durch Rückblenden in die Vergangenheit erzählt, der von der Clique rund um den späteren Bundeskanzler drangsaliert wird und Mutproben aufgefordert wird, bis irgendwann alles aus dem Ruder läuft.
Schnell wird Art und Nele klar, dass der Schlüssel für die Lösung des Falles in der Vergangenheit liegt.

Gleich zu Beginn schafft es der Autor Spannung aufzubauen und einen mit seinem fesselnden und atmosphärischen Schreibstil in seinen Bann zu ziehen. Dank zahlreicher überraschender Wendungen, wechselnder Perspektiven und anfangs mysteriösen Rückblicken in die Vergangenheit vom jungen Boxer und seiner Verbindung zur Clique rund um den späteren Bundeskanzler, schafft es der Autor, die Spannung auf den über 580 Seiten konstant hoch zu halten, um dann in einem spannungs- und vielleicht etwas zu actiongeladenen Showdown zu gipfeln. Auch dass die Kapitel meist auf eine Art Cliffhanger enden, trägt zu der packenden Sogwirkung des Thrillers bei.

Neben dem gut konstruierten und logisch aufgebauten Fall, in dem gekonnt auch aktuelle Themen wie z. B. der Ukraine-Krieg, Corona oder die Energie-Krise eingebaut werden, kann auch die glaubwürdige und authentische Charakterzeichnung von Art und Nele überzeugen.
Art scheint auf den ersten Blick ein hart und unnahbar zu sein, der wenig Rücksicht auf sich und seine Gesundheit nimmt, doch schon bald merkt man, dass hinter der harten Schale ein weicher Kern liegt.
Nele ist als junge und unerfahrene Kommissar-Anwärterin voller Ehrgeiz und Tatendrang, wobei sie manchmal jedoch über das Ziel hinausschießt.
Beide haben mit privaten Problemen zu kämpfen, die sie menschlicher und emotional greifbarerer erscheinen lassen, ohne jedoch den Fokus von der Handlung zu nehmen.

Überzeugende Charaktere, eine gut durchdachte Handlung, die bis zum Schluss ihre Geheimnisse beibehält sowie ein kurzweiliger und fesselnder Schreibstil sorgen dafür, dass "Der Morgen" ein Thriller ist, der seinem Namen alle Ehre macht. Er ist psychologisch gut analysiert, hochspannend und wendungsreich, also genau alles das, was man sich von einem packenden Thriller wünscht.
Lesenswert.

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Veröffentlicht am 20.03.2023

Von Geistern und der Liebe - Kurzweilig, aber ohne Tiefe

Dead Romantics
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Florence Day, Ghostwriterin für einen erfolgreichen Liebesromanautor, ist mit einer Deadline für ihr neuesten Roman als Ghostwriterin konfrontiert. Das Problem ist nur Florence glaubt nicht mehr an die ...

Florence Day, Ghostwriterin für einen erfolgreichen Liebesromanautor, ist mit einer Deadline für ihr neuesten Roman als Ghostwriterin konfrontiert. Das Problem ist nur Florence glaubt nicht mehr an die Liebe. Als ihr neuer Lektor, der gut aussehende Benji "Ben" Andor, sich weigert, ihr einen Aufschub für die Fertigstellung ihres neuesten Romans zu gewähren, steht Florence mit dem Rücken zur Wand. Sie muss dieses Buch zu Ende schreiben.
Dann stirbt auch noch ihr geliebter Vater und ihre ganze Welt steht Kopf. Ihr Vater besaß ein Beerdigungsinstitut und teilte mit Florence die besondere Gabe Geister sehen und mit ihnen sprechen zu können.
Nach über 10 Jahren kehrt sie in ihre Heimatstadt Mairmont, in South Carolina zurück um ihre Mutter, ihren Bruder und ihre Schwester bei der Beerdigung ihres Vaters zu helfen.
Doch dann trifft sie dort auf einen Geist und es ist niemand anderes als Benji Andor. Es muss eine unerledigte Angelegenheit zwischen ihnen geben, etwas, bei dem sie ihm helfen kann. Je mehr sie sich kennen lernen, desto mehr ändern sich Florence' Gefühle gegenüber der Liebe.

Was nach einer emotionalen und unterhaltsamen Liebesgeschichte klingt mit einer Prise Übernatürlichen klingt, konnte mich leider nicht komplett begeistern.
"Dead Romantics" versuchte zu viel auf einmal zu sein, ohne dabei ein was so richtig zu sein. Es ist ein bisschen Familien-, Geister- und Liebesgeschichte, kratzt dabei jedesmal jedoch nur an der Oberfläche, sodass der jeweilige Part allein mich nicht überzeugen kann. So werden zwar vielversprechende Handlungsstränge und Konflikte eingeführt, vor denen Florence erst mal wegrennt und die sich dann später in Nullkommanichts aufzulösen scheinen. Besonders abträglich ist dies in Bezug auf die Entwicklung der romantischen Gefühle zwischen Florence und Ben. Über mehr als die Hälfte des Buches wird nicht so richtig deutlich was Florence an ihn findet außer dass er gut aussieht.
Hinzu kommt, dass bedingt durch die Ich-Perspektive die anderen Charaktere etwas blass und stereotyp bleiben. Auch die Eigenschaft von Florence ungeliebten Dingen aus dem Weg zu gehen anstatt darüber zu sprechen, nervt auf Dauer, da so manches Problem bzw. so mancher Konflikt so keines bzw. keiner geworden wäre.

Die Idee hinter der Geschichte ist gut und kurze Kapitel und ein lockerer humorvoller Schreibstil, auch wenn manchmal zu gezwungen lustig, sorgen für eine kurzweilige und leichte Lektüre. Nett für Zwischendurch, aber leider auch keine die einen wirklich berührt und im Gedächtnis bleibt.

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Veröffentlicht am 20.03.2023

Fesselnder Thriller zur Zeit des 2. Weltkrieges auf Hawaii und in Japan

Fünf Winter
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Bei "Fünf Winter" handelt es sich um einen harten Thriller, der eine spannende Detektivgeschichte mit einer bewegenden Liebesgeschichte zur Zeit des 2. Weltkrieges und danach verbindet.

Dezember 1941, ...

Bei "Fünf Winter" handelt es sich um einen harten Thriller, der eine spannende Detektivgeschichte mit einer bewegenden Liebesgeschichte zur Zeit des 2. Weltkrieges und danach verbindet.

Dezember 1941, kurz vor dem Angriff auf Pearl Harbor, wird der Protagonist Joe McGrady, Detective beim Honolulu Police Department, mit einem grausamen Doppelmord konfrontiert. Der Neffe des Oberbefehlshabers der Pazifikflotte und eine junge Japanerin werden auf brutale Art und Weise ermordet aufgefunden. Angesichts der angespannten Kriegslage will Joes Vorgesetzter den Fall so schnell und unauffällig wie möglich lösen, und McGrady folgt die Spur des Verdächtigen bis nach Hongkong. Dort fällt er jedoch einer Intrige zum Opfer und wird nach Japan verschleppt. Nicht ohne Eigennutz rettet der Diplomat Takahashi Kansei McGrady vor dem Gefangenlager und versteckt ihn bis zur Kapitulation Japans. Als nach Kriegsende McGrady wieder nach Hawaii zurückkehrt, wird er mit privaten und beruflichen Veränderungen konfrontiert und nimmt den alten Fall wieder auf.

Gleich von Beginn an schafft der Autor es, die Leser und Leserinnen in das Jahr 1941 zu versetzen. Dies liegt zum einen an der stimmungsvollen und überzeugenden Beschreibung der Handlungsorte auf Hawaii und in Japan sowie in der unheilvollen und beklemmenden Beschreibung der vorherrschenden Kriegsstimmung und -atmosphäre. Zum anderen an der realistischen Darstellung der Arbeit eines Detektives in der Zeit vor Computerdatenbanken, moderner Forensik und Kommunikationsmitteln.

Neben der authentischen Beschreibung der Handlung kann auch die komplexe Charakterzeichnung von Joe McGrady überzeugen. Als ehemaliger Soldat ohne nennenswerte Familie ist Joe ein Einzelgänger, der nicht auf Hawaii aufgewachsen ist, sodass er selbst von seinen Polizeikollegen als Außenseiter angesehen wird, und es ist von Anfang an klar, dass sie ihm nicht ganz trauen. Dieses Gefühl geht in beide Richtungen, denn Joe muss sich mit den Plänen seines Vorgesetzten und anderer auseinandersetzen. Nach außen scheint er ein abgebrühter und wenig emotionaler Mensch zu sein, aber mit der Zeit merkt man, dass unter der harten Schale ein weicher Kern liegt mit einem ausgeprägten Sinn nach Gerechtigkeit. Man folgt gerne McGrady bei seiner Suche nach dem Mörder und fiebert mit ihm, wenn es um sein Liebesleben und dem Erwerb seiner Freiheit geht.

Kurze Kapitel mit spannenden Wendungen und ein knapper, emotionsarmer und schnörkelloser Schreibstil sorgen für einen konstant hohen Spannungsbogen. Passend zum Genre und der Zeit wird es zudem zeitweise auch ziemlich brutal.

Einzig die Handlung könnte manchmal etwas dichter und der Schreibstil weniger distanziert in seiner Beschreibung sein.

Ansonsten ist "Fünf Winter" von James Kestrel ein gelungener und fesselnder Thriller, der gekonnt Noir-Krimi-Elemente mit historischen Ereignissen und einer emotionalen Liebesgeschichte verknüpft und sich wie ein epischer historischer Kinofilm mit Krimi-,/Thriller- und Actionelementen liest.

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