Profilbild von jutsi

jutsi

Lesejury Profi
offline

jutsi ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit jutsi über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2021

Überraschender Pageturner!

Die andere Tochter
0

„Die andere Tochter“ von Dinah Marte Golch hat mich echt überrascht. Erwartet habe ich einen Beziehungsroman über Mütter und Töchter, geliefert bekommen habe ich einen echten Thriller und Pageturner! Schon ...

„Die andere Tochter“ von Dinah Marte Golch hat mich echt überrascht. Erwartet habe ich einen Beziehungsroman über Mütter und Töchter, geliefert bekommen habe ich einen echten Thriller und Pageturner! Schon nach den ersten Kapiteln konnte ich das Buch nicht mehr weglegen.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen und beide drehen sich um Antonia „Toni“ Petzold. Obwohl zwischen den beiden Zeitpunkten nur ein paar Monate liegen (April 2019 zu Oktober 2019) ist sofort klar, dass die ersten Sätze „Ich bin nicht mehr Toni. Ich bin jetzt eine andere“, die ganze Ladung des Buches tragen. In den wenigen Monaten hat sich Toni unwiederrufbar gewandelt – das wird alleine durch die klare Abgrenzung der beiden Zeitebenen im Stil deutlich (Ich-Form vs. Dritte Person). Doch warum? Und wie?

Toni hat im Frühjahr 2019 einen Arbeitsunfall und verliert ihr Augenlicht. Nur durch eine Hornhautspende kann sie wieder sehen. Kurz darauf lernt sie die Mutter der Spenderin, Clara Mertens kennen, die sie sofort für sich vereinnahmt. Doch schnell wird klar, dass in der Famile Mertens nicht alles mit rechten Dingen zu geht. Und auch Tonis eigene Vergangenheit scheint Geheimnisse zu bergen.

Die Geschichte nimmt sofort Tempo auf, wird zu einem echten Thriller. Dabei behandelt das Buch unglaublich viele Themen: Seelenwanderung, Mutter-Tochter-Beziehungen, Familiengeheimnisse, Schatten des zweiten Weltkrieges, Psychosen, Schuld, Alkoholismus...
Trotzdem ist die Geschichte nicht überladen, sondern einfach spannend. Kapitel für Kapitel nähert sich die Vergangenheitsebene der akutellen Situation an – und Schicht für Schicht klärt sich, in welchen Strudel an Ereignissen Toni unbedarft gefallen ist.

Für mich ein (ganz unerwartetes) Lesehighlight 2021!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.09.2021

Gespenstisches Leseabenteuer für Kinder

Zippel – Ein Schlossgespenst auf Geisterfahrt
0

Zippel ist ein Schlossgespenst, allerdings ein TÜRschlossgespenst – er lebt im Türschloss bei Pauls Familie. Und als dieser Geburtstag feiert, ist Zippel klar – das will er auch. Praktischerweise ist sein ...

Zippel ist ein Schlossgespenst, allerdings ein TÜRschlossgespenst – er lebt im Türschloss bei Pauls Familie. Und als dieser Geburtstag feiert, ist Zippel klar – das will er auch. Praktischerweise ist sein Geburtstag am 51. Kalember und das ist gleich der nächste Tag. Der Geburtstagsausflug zur Geisterbahn entwickelt sich allerdings zu einem Abenteuer als Zippel plötzlich verschwindet.

Ein Schlossgespenst auf Geisterfahrt von Alex Rühle ist schon das zweite Abenteuer von Zippel & Paul, lässt sich allerdings auch ohne Probleme lesen, ohne den ersten Teil zu kennen. Die Illustrationen sind von Axel Scheffler und lockern mit seinem unverwechselbarem Stil die Geschichte auf. Die Geschichte ist mit 160 Seiten für einen Vierjährigen schon relativ lang, da wir jedoch immer häufiger auch eher textlastige Bücher lesen und eher ein langes Vorleseritual vorm Schlafengehen haben, hat es für uns super gepasst. Die Kapitel sind bis zu 10 Seiten lang, ab und zu auch kürzer (4 bis 5 Seiten) und unterbrechen die Geschichte an logischen Stellen, sodass man die Gutenachtgeschichtenlänge beliebig anpassen kann. Die Illustrationen und abgesetzten Dialoge sprechen dabei auch visuell an.

Die Handlung an sich ist ein schönes Abenteuer, aber nicht zu unheimlich oder gruselig für junge Kinder. Das ein freundliches Gespenst im Türschloss wohnt, trifft für Kinder genau den Punkt „fantasievoll - könnte aber wahr sein“. Daher glaube ich dass Zippel uns noch viele Jahre begleiten wird!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.09.2021

Leider etwas langatmig...

Der Sucher
0

Tana Frenchs Bücher stehen bei mir immer ganz oben auf der Wunschliste und ich habe alle Bücher der Dublin Murder Squad Reihe regelrecht verschlungen. Mit „Der Sucher“ wurde ich hingegen erstmal nicht ...

Tana Frenchs Bücher stehen bei mir immer ganz oben auf der Wunschliste und ich habe alle Bücher der Dublin Murder Squad Reihe regelrecht verschlungen. Mit „Der Sucher“ wurde ich hingegen erstmal nicht so richtig warm.

Das Buch dreht sich rund um Cal Hooper, einen Ex-Cop aus Chicago, der sich nun in einem winzingen Ort nahe Dublin in Irland niedergelassen, hat und ein altes Haus renoviert. Er will seine Ruhe haben, merkt aber schnell dass er von einem Kind, Trey, beobachtet wird. Als Trey vom Verschwinden seines Bruders berichtet und im Dorf Schafe auf mysteriöse Weise verschwinden, schaltet sich Cals Ermittler-Gen wieder an und er beginnt zu recherieren.

Was Tana Frenchs Stil besonders macht, ist dass sie die raue Landschaft, die bedrohliche, bedrückende Stimmung, in der sich Cal wiederfindet und die feinen, zwischenmenschlichen Beziehungen der Dorfbewohner perfekt beschreibt. Sie lassen sich förmlich fühlen. Allerdings fehlte mir außer dem schweren Gefühl, das etwas ganz und gar nicht stimmt, irgendwie die Spannung. Die langsame, zähe Erzählweise spiegelt Cals Leben schon perfekt wieder, aber ich habe mich dadurch oft aus dem Lesefluss ablenken lassen. Erst nach zweidrittel der Seiten war ich richtig im Buch angekommen.

Nach dem Lesen habe ich daher lange nachgedacht, wie ich das Buch nun bewerten würde. Es war irgendwie gut, aber irgendwie auch ein bisschen langweilig, schwer greifbar, vielleicht kam es für mich zur falschen Zeit – leider keins von meinen Highlights. Ich vergebe 3,5 Punkte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.09.2021

Entdecken und erste Wörter lernen

Mein erstes großes Wörterbuch
0

Mein erstes großes Wörterbuch von Hannelore Dierks mit Illustrationen von Monika Neubacher-Fesser ist ein tolles Buch für Babys und Kleinkinder zum Entdecken. Es enthält viele farbenfrohe, aber simple ...

Mein erstes großes Wörterbuch von Hannelore Dierks mit Illustrationen von Monika Neubacher-Fesser ist ein tolles Buch für Babys und Kleinkinder zum Entdecken. Es enthält viele farbenfrohe, aber simple Illustrationen mit den typischen Gegenständen aus der kindlichen Lebenswelt. Perfekt zum Anschauen, denn die Darstellung regt an, überfordert aber nicht. Dabei wird auf jeder Doppelseite eine thematisch passende Wortgruppe mit Gegenständen und Objekten dargestellt – Kita, Essen, Tiere etc.
Toll finde ich, dass es etwas moderner ist, und zum Beispiel ein Fahrradanhänger abgebildet ist. Außerdem geht es nicht nur um das Benennen von Gegenständen, sondern es gibt auch Themenseiten zu Farben, Tiergeräuschen, Zahlen und Mengen und sogar Buchstaben. So ist das Buch nicht nur für ganz kleine Kinder interessant. Etwas größere Kinder können z.B. bei den Buchstaben nach den Buchstaben ihres Namens suchen.
Sehr positiv finde ich auch die Haptik des Buches. Es ist etwas größer als erwartet, mit abgerundeten Ecken, soft touch Cover und richtig festen, stabilen Seiten.
Fazit – interessant und perfekt für Babys und Kleinkinder und auch ein schönes Geschenk.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.09.2021

Geniales Thrillerkonzept über eine Schwesternbeziehung

SCHWEIG!
0

Esther und Sue sind zwei Schwestern, die nicht unterschiedlicher sein könnten – und in „SCHWEIG!“ von Judith Merchant prallen ihre beiden Welten aufeinander. Esther ist laut, dominant, vielbeschäftigt ...

Esther und Sue sind zwei Schwestern, die nicht unterschiedlicher sein könnten – und in „SCHWEIG!“ von Judith Merchant prallen ihre beiden Welten aufeinander. Esther ist laut, dominant, vielbeschäftigt mit trubeligem Familienleben; Sue ruhig, minimalistisch und einsam.

Judith Merchant bereitet den beiden eine simple Bühne – Sues eingeschneites Waldhaus – und lässt die beiden Protagonistinnen aufeinandertreffen. Mehr braucht es nicht für einen spannenden Pageturner. Denn schnell wird klar, dass beide Schwestern ihre ganz eigene Wahrheit leben. Abwechselend berichten sie aus der Ich-Perspektive von ihrer Begegnung kurz vor Weihnachten. Und scheibchenweise eröffnet sich den Leser:innen immer mehr der beiden Persönlichkeiten und ihrer gemeinsamen Kindheit. Beim Blick hinter die Fassade wird schnell klar: Das kann nicht gut gehen! Und so baut sich langsam eine subtile Anspannung auf, die das komplette Buch über gehalten wird.

Bei diesem Thriller hat für mich einfach alles gepasst: Ein tolles, ungewöhnliches Thrillerkonzept, der packende Stil, die beiden starken Persönlichkeiten der Protagonistinnen, die Spannung - Judith Merchant steht nun definitiv auf meiner Merkliste!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere