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Veröffentlicht am 14.05.2021

Wenn nichts mehr so ist, wie zuvor

Der Morgen davor und das Leben danach
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„Was passiert ist, Edward, ist in deine Knochen eingebrannt. Es lebt unter deiner Haut. Es wird nicht weggehen.“

Der 12-Jährige Eddie überlebt als einziger Passagier einen Flugzeugabsturz und verliert ...

„Was passiert ist, Edward, ist in deine Knochen eingebrannt. Es lebt unter deiner Haut. Es wird nicht weggehen.“

Der 12-Jährige Eddie überlebt als einziger Passagier einen Flugzeugabsturz und verliert dabei seine ganze Familie. Ein Unglück, das sein ganzes bisheriges Leben in ein Vorher und ein Nachher zerreißt. Die Tragödie legt sich auf Eddies Leben wie ein großer, betäubener Schleier und ist allgegenwärtig. Das Zitat am Anfang stammt von Edwards Psychologen und ich finde es beschreibt eindrücklich, welchen unglaublich großen Einfluss so ein Trauma auf das eigene Leben haben kann. Entscheidet ist jedoch, wie die Unterhaltung weitergeht: Edward wird nie wieder ohne das Unglück leben, aber er kann lernen mit dem Unglück zu leben.

Auf diesem Weg begleiten wir Edward in „Der Morgen davor und das Leben danach“. Dabei teilt die Autorin zwei verschiedene Zeitebenen: Den Morgen im Flugzeug und die Jahre danach, in denen Edward bei seiner Tante und seinem Onkel versucht, wieder Fuss zu fassen.

Die Ereignisse im Flugzeug werden dabei aus der Sichtweise verschiedener Passagiere beschrieben, die alle unterschiedliche Pläne für ihr Leben haben; es dreht sich um neues Leben und Schwangerschaft, Krankheit und Tod, Karriere, Spriritualität, Liebe und Anziehungskraft. Dadurch, dass von außen betrachtet schon klar ist, dass alle Pläne ins Leere laufen werden, entsteht eine beklemmende, angespannte Atmosphäre beim Lesen. Besonders interessant habe ich auch die Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung empfunden, denn die Passagiere interagieren natürlich miteinander und bewerten sich. Außerdem sind diese Abschnitte durch den starken Kontrast der technisch, sachlichen Schilderung des Absturzes und der emotionalen Reaktion der Passagiere gekennzeichnet.

Im Gegensatz zu der vielschichtigen Geschichte vor dem Absturz ist Edward in seinem neuen Leben zunächst wie betäubt und unfähig sich dem Erlebten und seinen Gefühlen zu stellen. Seine Tante Lacey und sein Onkel John versuchen ihn so gut es geht zu unterstützen, aber auch sie müssen sich in der neuen Rolle erst finden. Lacey, die selbst gerne Mutter geworden wäre, ist nun plötzlich mit ihrem Neffen konfrontiert. Das Thema Mutterschaft wird in dem Roman an vielen Stellen aufgearbeitet.

Das Buch vermittelt eindrücklich, dass Trauer und Traumaverarbeitung keine Aufgabe sind, die man schnell erledigen kann, sondern sich vielschichtig durch das ganze weitere Leben ziehen und immer neue Formen annehmen können. Sie sind wirklich „in die Knochen eingebrannt“. Wärend andere schon längst normal weiterleben, fängt für Edward die Trauerarbeit erst an.

Mich konnte die Autorin mit dem Buch und insbesondere dem Wechsel der Perspektive überzeugen. Auch wenn in erster Linie Edward von dem Unglück stark betroffen ist, zeigt es doch, dass jedes Unglück auch viele weitere Menschen trifft, beeinflusst und verändert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.05.2021

Schnapp dir die Zeit, bevor sie dich schnappt!

Der Junge, der das Universum verschlang
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Eli Bell, der Junge, der das Universum verschlang, hat eine bemerkenswerte Leidenschaft für Kleinigkeiten. Genau das trifft auch auf den Autor Trent Dalton zu und so entfaltet sich Elis Coming of Age Lebensgeschichte ...

Eli Bell, der Junge, der das Universum verschlang, hat eine bemerkenswerte Leidenschaft für Kleinigkeiten. Genau das trifft auch auf den Autor Trent Dalton zu und so entfaltet sich Elis Coming of Age Lebensgeschichte in vielen verschachtelten Sätzen voller Details und bildgewaltigen Symbolen mit häufigen Ausflügen und Umwegen über Anekdoten und Nebenschauplätze. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich auf den ersten 200 Seiten von diesem Stil ziemlich erschlagen gefühlt habe.

Elis Leben ist nicht einfach und von Armut und Kriminalität geprägt. Seine Mutter und ihr Partner dealen mit Heroin, sein bester Kumpel (und Babysitter) Slim ist ein alter, verurteilter Mörder, der seine Knastzeit abgegessen hat und sein Bruder August spricht nach einem Vorfall in der Kindheit nicht mehr. Eli & August, die beiden Bell Brüder, die von allen für etwas Besonderes gehalten werden, haben mich dann doch irgendwie gefesselt, sodass ich trotz anfänglich fehlender Begeisterung weitergelesen habe. Ab der Hälfte habe ich dann in dem Buch auch gefunden, was ich gesucht habe. Eine sensibel erzählte Lebensgeschichte, Brüder, die sich wortlos verstehen, Schmerz und Versöhnung, vielschichtige Beobachtungen, alles aus der Sicht eines Teenagers erzählt. Daher verzeihe ich der Geschichte auch, dass sie manchmal unglaubwürdig daher kommt.

Schnapp dir die Zeit, bevor sich dich schnappt! Wissen besteht aus Einzelheiten. Und Wissen ist Macht. Timing, Planung, Glück, Glaube. Diese Weisheiten gibt Slim Eli mit auf den Weg und ich finde sie beschreiben auch perfekt das ganze Buch. Eli nimmt sein Leben in die Hand und verfolgt seine Pläne, alle Details fest im Blick. Fazit: Für mich eine Liebe auf den zweiten Blick, aber auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.05.2021

Zauberhafte Geschichte über die Kraft des Lächelns

Lächeln gefunden
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„Lächeln gefunden“ ist ein zauberhaftes Kinderbuch über die (ansteckende) Kraft des Lächelns. Die Grundidee der Geschichte ist sehr süß und ganz einfach: Bär erwacht aus dem Winterschlaf und entdeckt ...


„Lächeln gefunden“ ist ein zauberhaftes Kinderbuch über die (ansteckende) Kraft des Lächelns. Die Grundidee der Geschichte ist sehr süß und ganz einfach: Bär erwacht aus dem Winterschlaf und entdeckt ein Lächeln auf seinem Gesicht, das er vorher so nicht kannte. Daher macht er sich auf die Suche nach dem Besitzer des Lächelns. Dabei trifft er unterschiedliche Waldtiere und steckt diese mit seinem Lächeln an.

Für Kinder ist diese Geschichte wunderschön, weil sie deutlich macht, auf welche ganz unterschiedlichen Arten man anderen eine Freude machen kann. Die Idee, das man sein eigenes Glück teilen und so vermehren kann ist ein toller Grundgedanke. Außerdem bietet das Buch so Gesprächsaufhänger zu den Themen Freundschaft, Liebe, Streit und Co.

Das Buch ist dabei großflächig ganz zauberhaft und kindgerecht illustriert, mit simplen, aber ausdrucksstarken Illustrationen. Die Länge der Geschichte ist für Kinder ab ca. 3 Jahren gut geeignet, um sie von vorne bis hinten konzentriert zu lesen.

Am Ende des Buches ist noch eine Bärenmaske zum Ausschneiden auf stabiler Pappe eingeklebt. Ein schönes, kleines Extra zum Basteln über das sich Kinder sehr freuen und mit dem man die Geschichte direkt nachspielen kann.

Als einzigen Kritikpunkt könnte ich nennen, dass die Geschichte relativ eingängig ist. Bei kleinen Kindern ist das sogar ein Vorteil, größeren Kinder könnte sie jedoch dann irgendwann langweilig werden. Aber dies ist sicherlich Geschmackssache!

Fazit: Eine schöne, positive Geschichte, toll umgesetzt und dargestellt!

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
Veröffentlicht am 28.04.2021

Wird erst im letzten Drittel spannend!

Selbst investiert die Frau
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Selbst investiert die Frau von Christiane von Hardenberg war leider nicht ganz das (Hör-)Buch, das ich mir erhofft habe. Ich habe das Buch mit der Erwartung gehört, danach einen konkreten Plan entwickeln ...

Selbst investiert die Frau von Christiane von Hardenberg war leider nicht ganz das (Hör-)Buch, das ich mir erhofft habe. Ich habe das Buch mit der Erwartung gehört, danach einen konkreten Plan entwickeln zu können, wie ich mit sehr wenig Startkapital eine vernünftige Finanzstrategie für die Zukunft starte und umsetze.

Im ersten Teil des Buches habe ich mich wenig abgeholt gefühlt. Die Erzählstimme habe ich zwar als sehr angenehm und sympathisch wahrgenommen, allerdings behandlen die ersten zwei Drittel des Buches Christiane von Hardenbergs Lebens- und Investionsgeschichte. An sich ist das zwar interessant, allerdings war es mir viel zu langatmig und habe ich darauf gewartet, dass endlich umsetzbare Ansätze und Tipps folgen. Hinzu kommt, dass die Autorin sich in ganz anderen Lebensumständen befindet als ich, und ich daher im ersten Teil schon ungeduldig wurde, ob überhaupt noch Tipps folgen, die auch für Normalverdiener umsetzbar sind.

Zum Glück folgen im letzten Drittel doch noch konkrete Tipps, von denen ich nun auch einige Umsetzen werde. Persönlich hätte ich diese Kapitel allerdings im Nachhinein lieber als Buch vorliegen gehabt, einfach da ich so Informationen besser verarbeiten kann. Ingesamt lässt mich das Hörbuch mit gemischten Gefühlen zurück – Die Tipps am Ende sind super und die Autorin vermittelt auch das Gefühl, dass diese umsetzbar sind, allerdings der Anteil dieser Ratschläge im Verhältnis zum ganzen Buch viel zu kurz.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.04.2021

Unglaublich starkes Debüt!

Der Verdacht
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Das erste Wort, das mir zu "Der Verdacht" von Ashley Audrain einfällt ist tatsächlich: krass! Das beschreibt kurz und knapp das Gefühl, das dieser Roman bei mir ausgelöst hat. Ich bin wirklich beeindruckt ...

Das erste Wort, das mir zu "Der Verdacht" von Ashley Audrain einfällt ist tatsächlich: krass! Das beschreibt kurz und knapp das Gefühl, das dieser Roman bei mir ausgelöst hat. Ich bin wirklich beeindruckt von diesem Debüt und das vor allem aus zwei Gründen: 1) dem schonungslos ehrlichen und ungeschönten Blick auf Mutterschaft, den Ashley Audrain zeichnet und 2) der dichten Atmosphäre der Anspannung und Angst, die der Roman transportiert.

Die Protagonistin Blythe hat Schwierigkeiten sich selbst in der Mutterrolle zu sehen und macht dies vor allem an ihrer Vergangenheit fest. Bereits ihre eigene Mutter und ihre Großmutter konnten diese Rolle nicht so ausfüllen, wie es allgemein gesellschaftlich erwartet wird. Ihre Geschichte erleben wir in Rückblenden. Den verheerenden Effekt der dadurch fest verankerten Glaubenssätze erfährt Blythe. In kurzen Kapiteln, in denen sie sich als Erzählerin direkt an ihren Ehemann wendet, berichtet Blythe ungeschönt von ihren Schwierigkeiten als Mutter anzukommen, von negativen,  schockierden Gedanken,  die nicht in das Bild der perfekten Mutter auf der rosa Wolke passen. Diese auszusprechen, wirkt auch in der heutigen Zeit oft noch wie ein Tabubruch, da von Selbstaufopferung und bedingungslose Liebe von Müttern erwartet wird. Schnell wird klar, dass Blythe Hilfe und Verständnis benötigt, doch als Leserin kann man nur hilflos dabei zusehen, wie die Geschichte ihren Lauf nimmt. Rollenklischees, postnatale Depressionen,  Aggressionen,  Vereinsamung,  die Beziehung von Ehepartnern, Fremdbestimmung, gesellschaftliche Werte und Glaubensätze - all diese Themen sind in Blythes Erinnerungen verpackt und regen zum Nachdenken an.

Eng verknüpft mit dem Thema "Mutter sein" ist die Geschichte rund um Blythes Tochter Violet, die aus dem Roman einen Thriller macht, der den Atem stocken lässt. Schon früh hat Blythe das Gefühl, dass mit Violet etwas nicht stimmt und empfindet sogar Angst vor ihrer Tochter. Ihr Ehemann kann dieses Gefühl absolut nicht nachvollziehen. Doch umso älter Violet wird, umso mehr häufen sich seltsame Vorfälle. Stimmt etwas nicht mit Violet oder interpretiert die angeschlagene Blythe alles fehl? Ashley Audrain schafft es das ständige Gefühl der Anspannung unter der Blythe steht,  auch auf die Leser
innen zu übertragen. Gänsehaut, Zweifel,  Rätsel, Angst, kalte Schauer- hier habe ich alles miterlebt und mir häufig gewünscht ich könnte in die Geschichte eingreifen. Aber das Schicksal nimmt unbarmherzig seinen Lauf. Fazit: Ein überraschendes Lesehighlight für mich, das mich nicht so schnell loslässt und eine klare Empfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere