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Veröffentlicht am 15.01.2026

Lektüre zum Entschleunigen

Mathilde und Marie
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„Was wiegt so schwer auf deiner Seele?“

Dieser fast poetische Satz stammt aus dem Buch „Mathilde und Marie“ und gibt einen guten Eindruck davon, mit welch schöner Sprache Torsten Woywod seinen Debütroman ...

„Was wiegt so schwer auf deiner Seele?“

Dieser fast poetische Satz stammt aus dem Buch „Mathilde und Marie“ und gibt einen guten Eindruck davon, mit welch schöner Sprache Torsten Woywod seinen Debütroman geschrieben hat.

Es ist eine ruhige, warmherzige Geschichte über Menschlichkeit, Freundschaft und die Schönheit kleiner Alltagsmomente.

Die Handlung führt uns nach Redu, einem tatsächlich existierenden Bücherdorf in Belgien, in dem Buchläden, verwinkelte Gassen und feste Rituale den Rhythmus des Lebens bestimmen. Marie, Anfang 20, kommt hierher, um Abstand zu gewinnen, und begegnet Mathilde, die das Dorf seit Jahren ihr Zuhause nennt. Anfangs verschlossen, öffnet sich Mathilde langsam, und zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine leise, glaubwürdige Freundschaft.

Besonders eindrucksvoll ist die Atmosphäre des Romans: die spürbare Liebe zu Büchern und unabhängigen Buchläden, die Nähe zur Natur, die feinen Beobachtungen des Alltags - bis hin zum charmanten Dorfhund Anneliese. Gelegentlich wirkt die Welt etwas zu idyllisch, doch die angenehme Erzählweise und das stimmige Gesamtbild überwiegen.

„Mathilde und Marie“ ist ein Buch zum Innehalten und Durchatmen, zum Entschleunigen. Ideal für alle, die leise Geschichten, Bücherliebe und menschliche Nähe schätzen.

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Veröffentlicht am 24.12.2025

Nachdenklich und bewegend

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Das Buch hat mich emotional sehr angesprochen und sich insgesamt angenehm lesen lassen. Der Schreibstil ist ruhig, bildhaft und schafft schnell Nähe zu den Figuren. Besonders die Abschnitte, die in der ...

Das Buch hat mich emotional sehr angesprochen und sich insgesamt angenehm lesen lassen. Der Schreibstil ist ruhig, bildhaft und schafft schnell Nähe zu den Figuren. Besonders die Abschnitte, die in der Vergangenheit spielen, haben mich gefesselt.

Ganz überzeugt hat mich jedoch die Verbindung der beiden Zeitebenen nicht. Das Gemälde ist in der früheren Geschichte sehr präsent und wirkt dort bedeutungsvoll. In der Gegenwart tritt es für mein Empfinden zu sehr in den Hintergrund. Obwohl es immer wieder erwähnt wird, konnte ich die angekündigte enge Verbindung zwischen den Frauen nicht richtig spüren. Auch kurze Begegnungen zwischen Figuren aus unterschiedlichen Zeiten blieben für mich ohne große Wirkung.

Sehr gelungen fand ich dagegen die zentrale Frage des Romans: was wir unseren Eltern schulden und wie sehr frühere Generationen unser eigenes Leben prägen. Diese Themen werden sensibel und nachvollziehbar dargestellt und haben mich zum Nachdenken gebracht.

Insgesamt ist dies ein berührender Roman mit starker Sprache, den ich durchaus empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 10.10.2025

Mut und Moral

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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„Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels“ war mein erstes Buch von Vea Kaiser, und ich bin begeistert.
Schon nach wenigen Seiten war ich völlig in der Geschichte gefangen. Angelika Moser ist eine ...

„Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels“ war mein erstes Buch von Vea Kaiser, und ich bin begeistert.
Schon nach wenigen Seiten war ich völlig in der Geschichte gefangen. Angelika Moser ist eine beeindruckende Figur: stark, entschlossen und bereit, alles für ihren Sohn zu tun. Dabei überschreitet sie Grenzen, die man als Leserin mit angehaltenem Atem verfolgt.

Der Roman spielt zwischen dem Wiener Gemeindebau und dem eleganten Grand Hotel. Zwei Welten, die Kaiser mit großer Beobachtungsgabe gegenüberstellt. Besonders spannend fand ich, wie sie das Thema sozialer Aufstieg behandelt: Was passiert, wenn jemand seine Herkunft hinter sich lässt? Wie weit darf man gehen, um ein besseres Leben zu schaffen?

Die Sprache ist lebendig, die Dialoge wirken echt und oft wunderbar wienerisch. Trotz ernster Themen liest sich das Buch leicht und unterhaltsam, manchmal traurig, manchmal witzig, aber immer berührend.

Ein Roman über Mut, Moral und Mutterliebe, der lange nachklingt. Für mich eine echte Entdeckung und bestimmt nicht das letzte Buch, das ich von Vea Kaiser lese.
Ganz klar fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Atmosphärische Familiengeschichte

Das Flüstern der Marsch
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Drei Generationen, ein verschwundenes Familienmitglied und die Weite der Marsch, die zugleich Kulisse und Charakter ist. Der Roman beginnt mit dem mysteriösen Verschwinden von Oma Annemie kurz vor dem ...

Drei Generationen, ein verschwundenes Familienmitglied und die Weite der Marsch, die zugleich Kulisse und Charakter ist. Der Roman beginnt mit dem mysteriösen Verschwinden von Oma Annemie kurz vor dem 80. Geburtstags ihres Mannes Karl und führt uns tief hinein in ein Netz aus Erinnerungen und Geheimnissen.

Annemie erzählt von den 1960er Jahren, Freya aus den 1990ern, und Mona und Janne bleiben mit uns in der Gegenwart. Diese verschiedenen Erzählebenen verweben sich zu einer Geschichte, die nie an Spannung verliert, sondern uns von Anfang an mitnimmt und uns bis zum Ende nicht mehr loslässt.

Die tollen Naturbeschreibungen, die die Marschlandschaft spürbar machen, runden diese tief berührende, tragische Geschichte perfekt ab.
Ich habe „Das Flüstern der Marsch“ richtig gerne gelesen und kann es euch uneingeschränkt empfehlen.
Das Buch ist ideal für alle, die gerne emotionale, geheimnisvolle Familienromane mögen verwoben mit wunderbar atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Die Schatten der Vergangenheit

Die Verlorene
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Änne, Ellen und Laura – Großmutter, Mutter und Tochter – stehen im Mittelpunkt von „Die Verlorene“ von Miriam Georg. Jede von ihnen trägt ihre eigenen Erinnerungen, Hoffnungen und unausgesprochenen Gefühle, ...

Änne, Ellen und Laura – Großmutter, Mutter und Tochter – stehen im Mittelpunkt von „Die Verlorene“ von Miriam Georg. Jede von ihnen trägt ihre eigenen Erinnerungen, Hoffnungen und unausgesprochenen Gefühle, die das Familienleben prägen. Laura spürt, dass es Dinge gibt, die ihre Familie verschweigt, und wird neugierig, die Geschichte ihrer Großmutter besser zu verstehen. Dabei stößt sie auf Briefe, alte Fotos und Erinnerungsstücke, die mehr über das Leben ihrer Familie verraten, als sie zunächst ahnt. Auf ihrer Spurensuche entdeckt sie nicht nur historische Zusammenhänge und Orte ihrer Familiengeschichte, sondern auch, wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben sind.

Der Roman springt in einzelnen Kapiteln zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Immer wieder reisen wir zurück in die 1940er Jahre.

Ab der ersten Seite war ich vollkommen in der Geschichte versunken. Miriam Georg gelingt es, historische Ereignisse mit einer sehr persönlichen Familiengeschichte zu verweben und dabei Figuren zu erschaffen, die einem richtig nahekommen. Und alles wirkt gerade deshalb so eindringlich, weil gezeigt wird, wie viel Macht das Ungesagte und Verschwiegenes in Familien haben kann. Diese leisen Zwischentöne berühren tief und lassen den Roman noch lange nachklingen.

„Die Verlorene“ ist ein sehr emotionales, bewegendes und beeindruckendes Buch, das ich sehr gerne weiterempfehle.

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