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Veröffentlicht am 25.07.2020

Wo man singt, das lass dich ruhig nieder (J.G.Seum)

Der kleine Chor der großen Herzen
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Herzbach steht Kopf, denn der Chorwettbewerb "Hast du Töne" lockt mit einem hohen Preisgeld, das die Herzbacher gut gebrauchen können. Doch woher Sängern nehmen, wenn kein Chor vorhanden ist ? Schnell ...

Herzbach steht Kopf, denn der Chorwettbewerb "Hast du Töne" lockt mit einem hohen Preisgeld, das die Herzbacher gut gebrauchen können. Doch woher Sängern nehmen, wenn kein Chor vorhanden ist ? Schnell steht fest, dass die Herzbacher einen Chor brauchen, doch stimmlich ist das eher dünn, was sich nach den ersten Proben aus den Kehlen strömt. Liebliche Töne klingen definitiv anders und ohne professionelle Unterstützung wird das nichts mit dem Siegerlächeln nach dem Wettbewerb. Kann Journalistin Sophie Abhilfe schaffe ? Sie wäre doch mit ihrer musikalischen Vergangenheit mehr als geeignet, aus den niedlichen Brummeisen echte Sänger zu formen...



Endlich, endlich geht es weiter mit den wundervollen Geschichten aus dem Münsterland. Janina Lorenz hat auch in ihrem zweiten Band der "Herzbach-Reihe" wieder ein glückliches Händchen für eine amüsante und unterhaltsame Geschichte bewiesen und entführt den Leser erneut in die Fachwerkidylle des kleinen Ortes.

Hier steht wirklich Jeder für Jeden ein und der Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft ist vorbildlich - sofort fühlt man sich als Leser wieder herzlich willkommen und wird wieder in die Mitte der Herzbacher aufgenommen. Bei den Chorproben kann ich mir das ein oder andere Grinsen nicht verkneifen, denn was da so aus den Kehlen strömt, hört sich manchmal an, als würden Wölfe den Vollmond anheulen oder Bären brummen gg.

Der Weg von Sophie, nach ihrem schweren Unfall wieder der Musik Einlass in ihr Leben zu gewähren, ist für den Leser nachvollziehbar und sehr emotional geschildert. Man kann das Hadern, den Zwiespalt nachempfinden, in dem sich Sophie befindet. Janina Lorenz weiß geschickt die Gefühlsachterbahn in Gang zu setzen und den Leser so in das emotionale Auf und Ab mitzunehmen.

Gelegentlich rasseln die erhitzen Gemüter aneinander und es entbrennt ein heftiger Streit - am liebsten würde ich den einen oder anderen mal durchrütteln und zur Raison bringen, damit das große Ziel vom Gewinn des Gesangwettbewerbs nicht aus den Augen verloren geht.

Die leisen und harmonischen Töne in der Romanze hingegen sorgen für Herzklopfen, Prickeln im Bauch und zarter Röte auf den Wangen...fast so, als würde man sich selbst verlieben . Hach, ist das schön .-)

Mir gefällt besonders, dass sich die Figuren aus Band ein weiterentwickelt haben und der Leser an diesen Veränderungen teilhaben darf. Die Autorin hat ein paar überraschende Wendungen, Temperament und Leidenschaft in ihren Roman gepackt und lässt so die warmherzigen Bewohner und den Ort im Münsterland wieder lebendig werden.

Gelungene Fortsetzung , die Lust auf Band drei macht !

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Veröffentlicht am 23.07.2020

Ich liebe das Leben (Vicky Leandros)

Klammerblues um zwölf
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Nein, sorg' dich nicht um mich
Du weißt ich liebe das Leben
Und weine ich manchmal noch um dich
Das geht vorüber sicherlich.

(Auszug aus " Ich liebe das Leben" von Vicky Leandros)



Fee hat allen Lebensmut ...

Nein, sorg' dich nicht um mich
Du weißt ich liebe das Leben
Und weine ich manchmal noch um dich
Das geht vorüber sicherlich.

(Auszug aus " Ich liebe das Leben" von Vicky Leandros)



Fee hat allen Lebensmut verloren, denn Gatte Teddy hat die Frechheit besessen, einfach so zu sterben und sie ganz alleine zurückzulassen. Statt Lebenslust nur Lebensfrust mit Prosecco, Jogginganzug und einer Endlosschleife an Fernsehserien. Einzig ihre geliebte Playlist mit allen erdenklichen Liedern für jede Situation, für jede Gemütslage scheint ihr Trost zu spenden. Bis, ja bis Nachbarin Claudine vor der Tür steht und Fee's Leben neuen Schwung verpasst. Denn in Fee steckt so viel mehr, als sie sich eingestehen will. Sie braucht nur einen ordentlichen Tritt in den Hintern...



Carla Berling hat mit "Klammerblues um zwölf" den nächsten krachenden humoristischen Schlager auf den Markt gebracht und die Geschichte um Witwe Fee sorgt für ordentlich Lachmuskelkater, Ohrwürmern am laufenden Band und absolut kurzweilige Unterhaltung.

Von Abba bis ZZ Top, von "Amarillo" über "Du fängst den Wind niemals ein" bis hin zu Walzerklängen von André Rieu spielt Fee die Playlist für alle Lebenslagen rauf und runter. Sie hat ein Händchen für die passende musikalische Untermalung ihrer jeweiligen Stimmung und sorgt so abwechselnd für wohlige Schauer, tränenreiche Momente und gute Laune pur.

Der obligatorische Prosecco darf natürlich nicht fehlen und dieser lockert gewaltig die Zungen. Da werden Sprüche rausgehauen, die einen Hören und Sehen vergehen lassen, es werden Tipps und Ratschläge für ein besseres (Sex-)Leben gegeben, amouröse Abenteuer kommen aufs Tablett und sorgen so für ein Feuerwerk der guten Laune.

Aus Fee, die sich anfänglich als Trauerkloß unheimlich gehen lässt, wird nach und nach eine lebenslustige, neugierige Frau, die mit Hilfe ihrer Freundinnen noch einmal so richtig durchstartet und die Sau rauslässt.

Ihre Entwicklung ist unglaublich schön zu beobachten und man merkt richtig, wie sie loslässt und sich vom sprichwörtlichen alten Zopf trennt, um noch einmal neu anzufangen. Wer sagt denn, dass mit Ende fünfzig das Leben vorbei ist ? Fee entdeckt ganz neue Seiten an sich, die auch mit herben Rückschlägen fertig wird und so an den Ereignissen reift und endlich wieder aufblüht.

Ihre neuen Freundinnen sind wirklich gut getroffen - Carla Berling schneidert ihren Figuren loses Mundwerk, Kölsche Schnauze und fetzige Dialoge auf den Leib und sorgt so für Abwechslung, gelungene Schlagabtausche und kurzweilige Unterhaltung. Die Liebe kommt auch nicht zu kurz und so macht das Älterwerden richtig Spaß - ich werde mir auf jeden Fall ein Beispiel an Fee und Co nehmen, denn die Botschaft der Autorin ist angekommen: Bleibt neugierig auf das Leben und habt Spaß !

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Veröffentlicht am 23.07.2020

Rheingau-Krimi vom Feinsten

Tod im Niederwald
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Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,

Dass ich so traurig bin;

Ein Märchen aus alten Zeiten,

Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

(Heinrich Heine - Loreley)



Am Binger Loch havariert ein Schiff, doch ...

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,

Dass ich so traurig bin;

Ein Märchen aus alten Zeiten,

Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

(Heinrich Heine - Loreley)



Am Binger Loch havariert ein Schiff, doch von der Besatzung keine Spur. Diese Tatsche an und für sich ist schon seltsam genug, aber eine Tote und weitere Vermisste pflastern den Weg im idyllischen Rheingau. Kommissar Mayfeld und Privatdetektivin Ginger Havemann stochern zuerst noch blind in diesem mysteriösen Fall, aber schon bald stößt Ginger auf Hinweise, die die Ereignisse in ein ganz anderes Licht rücken. Was sie dabei nicht ahnt, sie ist selbst ein Teil der unglücklichen Vorfälle.....



Schon als kleines Mädchen hat mit die Germania fasziniert - hoch über dem Rhein thront sie und bewacht mit festem Blick die Geschehnisse im Rheingau. Und genau diese Faszination hat mich dazu verleitet, den neuesten Rheingau-Krimi von Roland Stark zu lesen und tief in einen verzwickten Fall einzutauchen, der mit ganz viel psychologischer Raffinesse, anhaltender Spannung und einem niederträchtigen Plan gespickt ist.

Der Autor weiß die Schönheiten des Rheingaus wundervoll in Szene zu setzen und stellt dem Zauber der Weinberge und dem glitzernden Vater Rhein die negativen Einflüsse von Geldgier, Macht und übertriebenem Geltungsbedürfnis gegenüber.

Der Fall ist sehr komplex und verlangt die volle Aufmerksamkeit des Lesers, denn viele kleine Hinweise sind wie Puzzleteile in den einzelnen Kapiteln verstreut und scheinen auf den ersten Blick eher bedeutungslos. Aber Stark weiß des Lesers Neugier immer wieder anzustacheln und mit aufregenden Wendungen, abwechslungsreichen Szenen und neuen Ermittlungserkenntnissen zu füttern. Das Kopfkino rattert, der eigene Ermittlungsinstinkt ist auf hab Acht und man kann nicht anders, als mit Ginger und Mayfeld jedem noch so verzwickten Anhaltspunkt nachzugehen und die Vergangenheit zu rekonstruieren.

Der Schreibende verwebt die aktuellen Ereignisse um die hessische Polizei mit seiner fiktiven Geschichte, nimmt Umweltschutz und Nachhaltigkeit ebenso mit in seinen Roman auf und lässt dadurch das Gefühl entstehen, dass eben dieser Fall gerade jetzt passiert und man ihn in der heutigen Tagespresse mitverfolgen kann.

Ich mag Ginger, denn sie ist so herrlich unangepasst und unkonventionell sind auch ihre Ermittlungsmethoden. Sie fragt nicht lange, sondern sie krempelt die Ärmel hoch und macht. Dabei kommt sie schneller und effektiver ans Ziel wie Mayfeld. Die Zusammenarbeit zwischen ihr und dem Polizisten ist von gegenseitigem Respekt und Anerkennung geprägt und man spürt ihre freundschaftliche Verbundenheit. Beide ergänzen sich perfekt und können so dem Bösen zu Leibe rücken.

Bis zum Showdown dürfen beide , dank des Einfallsreichtums des Autors, einige Höhen und tiefen im Rahmen ihrer Ermittlungsarbeit erleben, stoßen auf ein wahres Wespennest und entwirren die weitverzweigten Familienbande, die im Buch zu finden sind.

Roland Stark nutzt die malerische Kulisse des Rheintals, um den Sehnsuchtsort zu einem grausamen Schauplatz werden zu lassen und verführt den Leser zum einen mit einem absolut genialen Regio-Krimi und zum anderen mit leckeren Köstlichkeiten, deren Rezepte sich im Anhang befinden.

Ein ausführliche Beschreibung der im Buch befindlichen Schauplätze rundet das Ganze ab...ich würde sagen, besser geht es nicht - daher absolute Leseempfehlung !!

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Veröffentlicht am 22.07.2020

Das Rad muss sich weiterdrehen

Modehaus Haynbach – Schicksalhafte Jahre
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Der Krieg ist endlich vorbei und Claire kehrt mit ihren Töchtern zurück in die Villa Rabenfels. Das Herrenhaus steht zwar noch, aber das Herz, die Näherei, hat aufgehört zu schlagen, denn sie wurde völlig ...

Der Krieg ist endlich vorbei und Claire kehrt mit ihren Töchtern zurück in die Villa Rabenfels. Das Herrenhaus steht zwar noch, aber das Herz, die Näherei, hat aufgehört zu schlagen, denn sie wurde völlig zerstört. Doch das ist längst nicht alles - Helmut ist im Krieg geblieben, Richards Verbleib ungewiss. Viktoria schultert die ganze Last und versucht, mit neuen Ideen und handgefertigten Modellkleidern den Lebensunterhalt zu sichern. Doch sie hat nicht damit gerechnet, ihr Herz an einen mysteriösen Fremden zu verlieren...



Im zweiten Teil der Familiensaga gibt Elaine Winter einen sehr detaillierten Einblick in das beschwerliche Leben nach dem Krieg. Die Not und das Elend, aber auch die aufkeimende Hoffnung, dass jetzt endlich alles besser wird, hat die Autorin sehr authentisch für ihre Leser dargestellt und so kann man in Viktorias Schuhe schlüpfen und diesen steingien, aber aufregenden Weg mit ihr gehen.

Die Entwicklung von Viktoria ist enorm - sie hat ihre Vergangenheit abgestreift wie einen Handschuh und wirkt jetzt, mit der Verantwortung für ihre Familie, sehr gereift, besonnen und hat ein Ziel vor Augen. Aus der einst verwöhnten Tochter aus gutem Haus ist eine zielstrebige junge Frau geworden, die die Chance nutzt, dem Leben wieder einen Sinn zu geben und anzupacken. Ihr Tatendrang und ihre Energie wirken ansteckend, merkt man doch, dass sie sich mit dem was sie tut, vollkommen identifiziert.

Als die Liebe in ihrem Leben Einzug hält, ist Herzklopfen nicht nur bei Viktoria garantiert. Elaine Winter beschreibt die aufkommenden Gefühle inklusive Schmetterlinge im Bauch, Kloß im Hals und zarter Röte auf den Wangen für den Leser so echt, man meint fast, die zarten Bande selbst zu knüpfen und sich in das Abenteuer Liebe zu stürzen. Lukas bezirzt nicht nur sie, er weiß auch mein kleines Leserherzchen zu erobern und ich mag ihn wirklich sehr

Der Roman lebt von abwechslungsreichen Szenen, die mit wundervollen, einprägsamen Bildern zum Leben erweckt werden und lässt sich, dank des flüssigen Schreibstils, sehr gut lesen. Die Spannung bleibt erhalten und der Verlauf der Geschichte weckt die Neugier auf Band 3, in der man Mabelle intensiv begleiten wird.

Für mich eine gelungene Fortsetzung, die für kurzweilige und interessante Lesestunden sorgt.

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Veröffentlicht am 21.07.2020

Bielefelds Kult-Ermittler übernimmt mysteriösen Fall

Velmerstot
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Mittsommer im Teutoburger Wald - eigentlich ein wunderschöner Anlass, die Sommersonnenwende ausgelassen zu feiern, den nicht enden wollenden Tag zu genießen. Doch ausgerechnet auf dem Velmerstot treibt ...

Mittsommer im Teutoburger Wald - eigentlich ein wunderschöner Anlass, die Sommersonnenwende ausgelassen zu feiern, den nicht enden wollenden Tag zu genießen. Doch ausgerechnet auf dem Velmerstot treibt ein schonungsloser Mörder sein Unwesen, und enthauptet kaltblütig zwei junge Frauen. Hat er sich anschließend selbst das Leben genommen ? Jan Oldinghaus und seine Kollegen stehen vor einem Rätsel, denn immer mehr Ungereimtheiten tauchen auf, führen die Ermittler auf die Spuren einer Sekte. Und der Täter mordet brutal weiter...



"Velmerstot" ist für mich der bisher beste Ostwestfalen-Krimi aus der Feder von Jobst Schlennstedt, denn noch nie hat er mich mit einer solchen Mischung aus Faszination und Grausamkeit, Brutalität und Einfallsreichtum an die Seiten gefesselt, wie im vierten Band dieser Reihe.



Der Autor gibt hier einen sehr fundierten Einblick in die wirre Gedankenwelt seines Täters und legt so eine schonungslose und abgebrühte Brutalität an den Tag, die ich bisher so in noch keinem Regio-Krimi von ihm gelesen habe.

Das wirre Weltbild des Täters lässt eine Scheinwelt vom Leben nach dem Tod für seine Anhänger und Glaubensschwestern in glühenden Farben lebendig werden und man merkt, dass er ganze Arbeit geleistet hat, um die Gedankengänge seiner Sektenmitglieder mit seinen verqueren Thesen zu beeinflussen.

Schlennstedt lässt den Leser mit vielen Metaphern grausame Bilder erleben ("...das Schwert geht wie Butter durch den Hals...", "...die Frauenköpfe lagen wie Puppen da und blickten mit Augen wie aus Glas"), die für ordentlich Gänsehaut und Nervenkitzel sorgen. Spannung vom ersten bis zum letzten Buchstaben inbegriffen.

Die kurzen Einblicke in Jans Privatleben sorgen immer wieder dafür, dass man durchatmen und sich sammeln kann, um dann wieder für den nächsten heftigen Schlag des Täters gewappnet zu sein.

Der Autor verpackt die mystische Atmosphäre um den lippischen Velmerstot und die Externsteinen mit Spannung, brisanten Themen und überragend agierenden Figuren, erzeugt somit eine energiegeladene Szenerie und lässt das Kribbeln den Leser immer wieder spüren, um auf die Spuren des Täters zu gelangen.

Der Showdown ist in meinen Augen die Krönung des Buches, denn hier hat der Schreibende genialen Ideen zu Papier gebracht, die mich atemlos die Seiten umblättern lassen.

Ein Krimi, der besser nicht hätte sein können und daher gibt e gerne volle 5 Sternchen und eine absolute Leseempfehlung !

Chapeau !

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