Platzhalter für Profilbild

lamen

Lesejury Star
offline

lamen ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lamen über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.07.2025

Gefährliche Ermittlungen vor historischer Kulisse

Gesetz des Midas – Wiener Abgründe
0

In "Gesetz des Midas - Wiener Abgründe 3" von Peter Lorath wird Leopold Kern wieder als Sonderermittler im Auftrag des Polizeipräsidenten Marx tätig und bringt sich dabei in Lebensgefahr.

Erzählt aus ...

In "Gesetz des Midas - Wiener Abgründe 3" von Peter Lorath wird Leopold Kern wieder als Sonderermittler im Auftrag des Polizeipräsidenten Marx tätig und bringt sich dabei in Lebensgefahr.

Erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven, taucht man tief in die Ermittlungen von Leopold Kern unter den Ziegelarbeitern und in die sozialistischen Bestrebungen einiger Arbeiter ein. Man wird hierbei Zeuge von Machtspielen und der Gier Ziegelfabrikbesitzern und wie hart die Arbeit als Ziegelarbeiter ist. Aber auch Kerns privates Leben


All das wird durchaus spannend und äußerst bildhaft vor der historischen Kulisse Wiens erzählt. Beim Lesen hat man richtig das Gefühl, durch die Gassen Wiens und die Umgebung mit den Ziegelfabriken zu laufen.

Die Charaktere sowie Wien zum Ende des 19. Jahrhunderts werden nämlich vom Autor authentisch und mit viel Liebe zum Detail dargestellt. Besonders in Kerns Gedanken- und Gefühlswelt wird man hineingezogen. Er ist ein spürbar gezeichnet von seiner Vergangenheit und ist nicht perfekt, aber in seiner Art liebenswert.

Unter der ausführlichen Beschreibung leidet jedoch leider etwas der Erzählfluss, sodass es sich eher um einen gemächlich erzählten Kriminalroman mit ein paar Spannungsmomenten handelt. Zum Ende hinnimmt der Krimi jedoch nochmal deutlich an Fahrt auf, sodass insgesamt ein packender Mix aus Historie und Krimi entsteht.

Alles in allem ist "Gesetz des Midas - Wiener Abgründe 3" ein historischer, leise erzählter Krimi, der vor allem durch seine historische Detailfülle überzeugen kann.

In Verbindung mit einem glaubhaft konstruierten Kriminalfall und vielschichtig gezeichneten Charaktere werden Krimifans, die Gefallen an Krimis mit historischem Bezug, die politisch und gesellschaftliche Strömungen der damaligen Zeit aufgreifen, sicherlich gefallen finden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2025

Geheimnisvolle und fesselnde Suche nach einer Vermissten

Himmelerdenblau
0

Geheimnisvolle Suche nach einer Vermissten

"Himmelerdenblau" von Romy Hausmann ist ein klug konstruierter Thriller, der einen dank seiner fesselnd erzählten Handlung schnell in seinen Bann zieht.

20 ...

Geheimnisvolle Suche nach einer Vermissten

"Himmelerdenblau" von Romy Hausmann ist ein klug konstruierter Thriller, der einen dank seiner fesselnd erzählten Handlung schnell in seinen Bann zieht.

20 Jahre nach dem Verschwinden seiner Tochter Julia, scheint für Theo die Chance greifbar nah, herauszufinden, was damals wirklich mit Julia geschah. Wurde Julia von ihrem damaligen Freud Daniel ermordet und ist sie sogar noch am Leben? Für Theo drängt auch die Zeit, denn er leidet an fortschreitender Demenz. Als die True-Crime-Podcasterin Liv ein Interview mit ihm machen will, beginnt er gemeinsam mit ihr Nachforschungen zu betreiben. Begleitet wird er dabei von seiner Tochter Sophia und Liv von ihrem Partner Phil. Doch schnell wird klar, dass nichts ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint und dass alle Beteiligten, ihr eigenes Spiel spielen und was zu verbergen haben.

Erzählt wird der spannende Thriller aus unterschiedlichen Perspektiven, darunter auch einer ominösen Lara, und anhand kurzer Kapitel. Dadurch fällt es schwer, mit dem Lesen aufzuhören, will man doch unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Nebenbei taucht man so auch direkt in die Gedanken- und Gefühlswelt der Figuren ein und kann sich so ein realistisch erscheinendes Bild von ihrem Charakter und ihren Motiven machen. Dadurch, dass die Autorin auch den Schreibstil leicht variiert, entwickeln die Kapitel aus Sicht einer Person auch eine persönliche Note, die für zusätzliche Authentizität sorgt.

Nicht nur stilistisch kann der Thriller überzeugen, auch inhaltlich hat er einiges zu bieten.

Was zu Beginn nach einer eindeutigen Suche nach einer Vermissten aussieht, entwickelt schnell zu einem Fall voll lauter Verstrickungen der Figuren untereinander. Besonders am Ende folgt eine überraschende Wendung auf die nächste. Leider erfolgt dies etwas auf Kosten der Handlungstiefe. Die zahlreichen Wendungen wirken nämlich zu konstruiert und die Figuren werden eher zu Werkzeugen der Handlungskonstruktion als zu "echten" Personen.

Auf jeden Fall ist das alles spannend erzählt und nicht nur für Fans.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.07.2025

Fesselnd erzählter Thriller mit eigenwilligen Charakteren

Der Trailer
0

"Der Trailer" ist der spannende Auftakt zu einer Thriller-Reihe aus der Feder von Linus Geschke, der mit einer geheimnisvollen Handlung und mit schlagkräftigen (im wahrsten Sinne des Wortes) Figuren aufwarten ...

"Der Trailer" ist der spannende Auftakt zu einer Thriller-Reihe aus der Feder von Linus Geschke, der mit einer geheimnisvollen Handlung und mit schlagkräftigen (im wahrsten Sinne des Wortes) Figuren aufwarten kann.

Der Fokus der packend beschriebenen Geschichte liegt auf der Suche nach der Wahrheit, was mit Lisa, einer jungen Frau, die vor 15 Jahren auf dem Campingplatz Donkerbloem in Belgien spurlos verschwunden ist, passiert ist. Der suspendierten Kommissarin Frieda Stahnke lässt der Fall nämlich keine Ruhe und sie ermittelt auf eigene Faust an dem Fall weiter. In den Fokus ihrer Ermittlungen gerät dabei der Barbesitzer Wout Meertens, der selber vor 15 Jahren vor Ort war und mehr über das Verschwinden von Lisa weiß, als er gegenüber der Kommissarin preisgeben will. Als er erfährt, dass jemand darauf abgesehen hat, alle Zeugen von damals, zum Schweigen zu bringen, wird der Fall persönlich und gemeinsam mit seiner Nachbarin Kathinka und seinem Mitarbeiter Tayfun begibt er sich auf den Campingplatz, wo alles seinen Anfang genommen hat.

Erzählt wird das alles aus unterschiedlichen Perspektiven und anhand kurzer Kapitel, die an unterschiedlichen Orten und teils auch in der Vergangenheit spielen. Die Spannung wird so konstant hochgehalten, sodass man nur so durch die Seiten fliegt. Einzig im Mittelteil des fast 400 starken Thrillers wird sein Erzähltempo etwas gedrosselt. Langeweile kommt aber zu keinem Zeitpunkt wirklich auf.
Dazu trägt auch der klare und bildhafte Schreibstil des Autors bei, dank dessen der Autor es schafft, die wichtigsten handelnden Figuren als lebendige und realistisch wirkende Personen darzustellen. Besonders Wout ist ein eigenwilliger Charakter, der zu überzeugen weiß.

Zum Ende hin, nimmt der Thriller dann nochmal so richtig an Fahrt auf und die Ereignisse überschlagen sich regelrecht, wodurch das Ende leider etwas zu gehetzt wirkt. Auch gewinnt ein weiterer Erzählstrang an Bedeutung, der sicherlich eine wichtige Rolle im nächsten Band spielen wird.

Tolle Charaktere, eine glaubwürdig konstruierte Handlung mit überraschenden Wendungen und neuen Entwicklungen machen das Buch "Der Trailer" zu einem kurzweiligen und spannenden Thriller, der Lust auf mehr macht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.07.2025

Gesellschaftsrevolution auf Sparflamme

Gesellschaftsspiel
0

"Gesellschaftsspiel" von Dora Zwickau ist ein ruhig erzählter Roman, der versucht, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen mit einer Familiengeschichte zu verknüpfen, damit aber nur bedingt überzeugen ...

"Gesellschaftsspiel" von Dora Zwickau ist ein ruhig erzählter Roman, der versucht, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen mit einer Familiengeschichte zu verknüpfen, damit aber nur bedingt überzeugen kann.

Die Handlungsidee des Romans liest sich noch vielversprechend.
Erzählt abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Schwestern Isabelle, Annika und ihrer Tante Dagmar, unterbrochen von Chatposts und Interviews, taucht man in das beschauliche Weimar ein, das dank eines Tech-Milliardärs zum Schauplatz eines gesellschaftlichen und sozialen Experiments wird. Denn der Milliardär möchte mittels seiner App die Gesellschaft revolutionieren, und Weimar soll der Startpunkt dafür sein.
Eigentlich haben die drei Protagonistinnen jedoch andere Sorgen, liegen doch Isabelle und Annikas Mutter und Schwester von Dagmar nach einem Schlaganfall im Krankenhaus. Doch nach und nach werden alle drei nach anfänglicher Skepsis auch vom Sog der App und ihrem Ziel des gesellschaftlichen Umbaus erfasst.

Was jedoch nach einer tiefgründigen Geschichte über aktuelle gesellschaftliche Fragen und Entwicklungen klingt, entwickelt sich schnell zu einer eher oberflächlichen und erstaunlich emotionslos geratenen Erzählung.

Zum einen bleiben die drei Hauptfiguren in ihrer Darstellung blass und wirken eher als Handlungswerkzeuge anstatt als echte Personen mit Gedanken und Gefühlen. Das Gleiche gilt auch für den Schlaganfall der Mutter, der die drei nicht so richtig zu berühren scheint. Durch die Unnahbarkeit der Charaktere fällt es so schwer, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen und sich für sie und ihr Leben zu interessieren.

Zum anderen steuert der Roman nicht wirklich auf einen Höhepunkt zu und entstehende Konflikte werden ziemlich geräusch- und reibungslos aufgelöst.
Auch vielen Aspekten, die zum Thema Demokratie, Politik, Gesellschaftsvorstellungen, Geschlechterrollen oder Gefahren neuer Technologien, angesprochen werden, fehlt es an der erhofften Schlagkraft. So werden eher Schlagwörter oder Argumente genannt, ohne sie wirklich Gegenstand der Handlung zu machen.

"Gesellschaftsspiel" ist so alles in allem ein Roman, der sein Potenzial leider nicht nutzt.
Auch wenn ein angenehm zu lesender Schreibstil und wechselnde Erzählperspektiven für eine kurzweilige Lektüre sorgen, verbleibt die Handlung enttäuschenderweise nur an der Oberfläche und schafft es nicht, einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.06.2025

Erbe mit Sprengkraft

Wo wir uns treffen
0

"Wo wir uns treffen" von Anna Hope ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt. Anfangs kommt er noch auf leisen Pfoten daher und baut erst nach und nach an Spannung auf, um dann aber mit voller Wucht zuzuschlagen.

Die ...

"Wo wir uns treffen" von Anna Hope ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt. Anfangs kommt er noch auf leisen Pfoten daher und baut erst nach und nach an Spannung auf, um dann aber mit voller Wucht zuzuschlagen.

Die Handlung erstreckt sich über fünf Tagen auf einem verfallenen, aber majestätischen Anwesen in Sussex, wo sich die Familie Brooke versammelt, um ihren Patriarchen Philip zu beerdigen. Seine Frau und seine drei erwachsenen Kinder Frannie, Milo und Isa sind in ihren Moralvorstellungen und Idealen teils sehr unterschiedlich und es dauert nicht lange, dass diese aufeinanderprallen. Das Gleiche gilt für ihre Pläne für das Anwesen. Und dann ist da noch die Tochter von Philips langjähriger Geliebten, die das wahre Erbe der Brookes kennt.

Die Autorin liefert auf den mehr als 400 Seiten einen scharfen psychologischen Blick und ein atmosphärisch dichtes Porträt einer Familie, die unter der Last von Erbe, Trauer und unausgesprochenen Wahrheiten zerbricht. Familie ist eben kompliziert, und dieses Buch beschreibt einige dieser Kämpfe sehr gut.

Aber nicht nur die vielschichtige Familien- und Geschwisterdynamik steht im Mittelpunkt der klug erzählten Geschichte, sondern auch das Anwesen in Sussex selbst ist ein wesentlicher Bestandteil der Handlung, so dass es fast wie eine eigene Figur wirkt. Zudem liefert die Entstehungsgeschichte des Anwesens einen tiefen Einblick in die soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit der Vergangenheit und wird überzeugend aufgearbeitet.

Dank des bildhaften und präzisen Schreibstil der Autorin und der verschiedenen Erzählperspektiven ist man ebenso nah an den Charakteren dran, wodurch eine umfassende und realistische Figurenzeichnung entsteht. Mancher Charakter sowie Handlungsstrang hätte jedoch noch etwas mehr Tiefe vertragen können.

"Wo wir uns treffen" ist insgesamt ein tiefgründiger Roman, der nach gemächlichen Beginn, schnell eine Sogwirkung entfaltet und kluge Fragen über Familie, Erbe und aktuelle gesellschaftliche Themen stellt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere