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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.10.2025

Zwischen Hochzeitswahnsinn und Lebenskrise

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Phoebe möchte sich vor ihrem Tod noch etwas Besonderes gönnen und ihre letzten Stunden in vollen Zügen genießen. Deshalb bucht sie ein Zimmer in einem Luxushotel – einem Ort, von dem sie seit Jahren träumt. ...

Phoebe möchte sich vor ihrem Tod noch etwas Besonderes gönnen und ihre letzten Stunden in vollen Zügen genießen. Deshalb bucht sie ein Zimmer in einem Luxushotel – einem Ort, von dem sie seit Jahren träumt. Eigentlich wollte sie dort einmal gemeinsam mit ihrem Ehemann Urlaub machen, doch dieser ist inzwischen ihr Ex-Mann. Nun erscheint ihr das Hotel als der perfekte Ort, um ihrem Leben ein Ende zu setzen.
Lila, die zukünftige Braut, die das Hotel für ihre aufwendig geplante Hochzeit gebucht hat, ist von Phoebes Vorhaben alles andere als begeistert. Ein Selbstmord mitten in ihrer Feier würde das perfekte Hochzeitswochenende ruinieren. Entschlossen versucht sie deshalb, Phoebe von ihrer Absicht abzubringen.

Phoebe war mir von Anfang an sympathisch. Sie ist authentisch gezeichnet, ihre Gedanken und Gefühle wirken nachvollziehbar und berührend. Besonders gelungen fand ich auch ihre persönliche Entwicklung im Laufe des Romans.
Lila hingegen war eine Figur, mit der ich nicht so recht warm wurde – dennoch hat gerade das Zusammenspiel dieser beiden sehr unterschiedlichen Protagonistinnen für mich gut funktioniert und zur Spannung der Geschichte beigetragen.

Was mir besonders gefallen hat, war die gelungene Mischung aus Humor und ernsten Themen. Viele Szenen und Aussagen laden zum Nachdenken ein, ohne dass das Buch dabei seine Leichtigkeit verliert.

Ich habe „Wedding People“ sehr gerne gelesen und empfehle es allen, die humorvolle, aber zugleich tiefgründige Romane mögen, in denen es um Selbstwahrnehmung, Selbstfindung und familiäre Beziehungen geht.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Vererbte Wunden – wie familiäre Muster Generationen prägen

Wir sitzen im Dickicht und weinen
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Valerie hatte schon immer ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter. Als diese an Krebs erkrankt, wird von Valerie erwartet, sich liebevoll um sie zu kümmern – doch ist das wirklich das, was sie selbst ...

Valerie hatte schon immer ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter. Als diese an Krebs erkrankt, wird von Valerie erwartet, sich liebevoll um sie zu kümmern – doch ist das wirklich das, was sie selbst möchte? Und tut ihr das überhaupt gut?

Gleichzeitig verkündet ihr 16-jähriger Sohn Tobi, dass er ein Schuljahr in England verbringen möchte. Valerie steht diesem Vorhaben mit gemischten Gefühlen gegenüber: Wird Tobi ohne sie zurechtkommen? Wer wird sich um ihn kümmern?

Im Verlauf des Romans spannt Felicitas Prokopetz einen Bogen über mehrere Generationen – bis zurück zu den Ururgroßeltern – und zeigt eindrücklich, wie tief Familiendynamiken und Traumata über Jahrzehnte hinweg wirken können. Liegt hier bereits der Ursprung für die schwierigen Beziehungen in der Gegenwart?

Der Roman ist kapitelweise aus der Perspektive unterschiedlicher Figuren erzählt. Dadurch erhält man tiefe Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Gleichzeitig erfordert diese Erzählweise einiges an Aufmerksamkeit: Aufgrund der Vielzahl an Charakteren fiel es mir stellenweise schwer, den Überblick zu behalten und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zueinander sofort zu erfassen.

Die Figuren waren mir persönlich nicht besonders sympathisch. Dennoch konnte ich durch die intensiven Schilderungen ihrer Kindheits- und Lebenserfahrungen – besonders im Hinblick auf zwischenmenschliche Beziehungen – viele ihrer Verhaltensweisen nachvollziehen. Trotz - oder vielleicht gerade wegen - ihres teils verstörenden Verhaltens entwickelte ich ein gewisses Mitgefühl für sie.

Felicitas Prokopetz gelingt es eindrucksvoll, aufzuzeigen, wie tiefgreifend familiäre Traumata wirken können, wenn sie nicht verarbeitet werden. Jede Generation hat mit ihren eigenen inneren Konflikten und Verletzungen zu kämpfen – und gibt diese in anderer Form weiter.

„Wir sitzen im Dickicht und weinen“ empfehle ich allen, die sich für generationsübergreifende Konflikte und komplexe zwischenmenschliche Beziehungen interessieren – und bereit sind, sich auf eine schonungslose, aber ehrliche Auseinandersetzung mit familiären Mustern einzulassen.

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Veröffentlicht am 04.10.2025

Zwischen Macht, Nähe und Abgrund

In blaukalter Tiefe
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Zwei Paare brechen zu einem Segeltörn in die schwedischen Schären auf. Auf der gemieteten Yacht befinden sich Andreas, ein erfolgreicher Rechtsanwalt und Kanzleipartner, und seine Frau Caroline, Chefredakteurin ...

Zwei Paare brechen zu einem Segeltörn in die schwedischen Schären auf. Auf der gemieteten Yacht befinden sich Andreas, ein erfolgreicher Rechtsanwalt und Kanzleipartner, und seine Frau Caroline, Chefredakteurin eines Frauenmagazins. Begleitet werden sie von dem jungen, frisch verliebten Paar Daniel und Tanja. Daniel arbeitet als angestellter Anwalt in Andreas’ Kanzlei. Die Yacht wird vom zurückhaltenden, geheimnisvollen Skipper Eric gesteuert, der seine ganz eigene Aura in das Geschehen einbringt. Was zunächst – zumindest nach außen hin – harmonisch beginnt, spitzt sich im Laufe der Geschichte immer weiter zu, und alle Beziehungen geraten ins Wanken.

Kristina Hauffs Sprache hat mich sehr angesprochen – sie schreibt klar, eindringlich und atmosphärisch dicht. Besonders gelungen ist der Perspektivwechsel zwischen den Kapiteln, durch den man tief in die Gedanken und Emotionen der einzelnen Figuren eintauchen kann. Auf diese Weise entsteht ein nuanciertes Bild von Persönlichkeiten, Beziehungen und unterschwelligen Machtgefügen. Die Charaktere wirken glaubwürdig, lebendig und menschlich nah.

Das zum Teil kindische Verhalten und die Unnachgiebigkeit einiger Figuren haben mich jedoch gestört, da meiner Meinung nach mit den aufkeimenden Konflikten deutlich charmanter, einfühlsamer und erwachsener umgegangen werden könnte.

Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir Daniel und Tanja, die sich im Verlauf der Geschichte als die zentralsten und – im besten Sinne – stärksten Figuren herausstellen. Daniel macht eine spürbare Entwicklung durch, die ich als Leserin sehr gerne begleitet habe. Tanja war für mich von Beginn an der sympathischste Charakter – ein Eindruck, der sich bis zum Ende bestätigt hat.
Lediglich zum Schluss hätte ich mir gewünscht, dass Daniel und Tanja noch etwas mehr Raum bekommen und der Fokus stärker auf ihrer Entwicklung gelegen hätte.

„In blaukalter Tiefe“ ist ein intensiver, fein beobachteter Roman über zwischenmenschliche Dynamiken, unausgesprochene Konflikte und persönliche Veränderungen. Ich empfehle das Buch allen, die psychologisch dichte, atmosphärische Literatur mögen, in der das Unsichtbare zwischen den Zeilen genauso wichtig ist wie das Offensichtliche.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Wenn das Leben aus den Fugen gerät - und neu wurzelt

Wild wuchern
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Marie flieht aus ihrem wohlgeordneten Leben in Wien und sucht Zuflucht bei ihrer Cousine Johanna auf einer abgelegenen Alm in Tirol. Die beiden Frauen könnten auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher ...

Marie flieht aus ihrem wohlgeordneten Leben in Wien und sucht Zuflucht bei ihrer Cousine Johanna auf einer abgelegenen Alm in Tirol. Die beiden Frauen könnten auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein: Johanna lebt im Einklang mit der Natur, während Marie bislang ein privilegiertes Leben im Luxus in der Stadt geführt hat. Ihre Cousine hat sie bisher eher mitleidig betrachtet. Doch im Laufe der Zeit kommen die Gründe für Maries Flucht ans Licht, und die beiden Frauen beginnen, sich einander anzunähern und ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Dabei stellt sich für Marie zunehmend die Frage, ob Johanna tatsächlich das bemitleidenswerte Leben führt, für das sie es lange hielt.

Die Geschichte wird aus Maries Gedankenwelt heraus erzählt, was den Erzählstil mitunter sprunghaft oder schwer greifbar wirken lässt. Leider konnte mich gerade dieser Stil insgesamt nicht ganz überzeugen – stellenweise empfand ich ihn als zu wirr und wenig zugänglich.

Dennoch behandelt der Roman wichtige und aktuelle Themen wie emotionale und körperliche Gewalt, Selbstfindung, gesellschaftliche Zwänge und die Suche nach dem persönlichen Glück. Diese Aspekte fand ich sehr ansprechend und relevant.

„Wild wuchern“ empfehle ich allen Leserinnen und Lesern, die sich für gesellschaftskritische Romane interessieren und Texte schätzen, die auch sprachlich die innere Zerrissenheit ihrer Protagonistinnen widerspiegeln.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Wenn Erinnerungen Wellen schlagen

Das Licht in den Wellen
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In „Das Licht in den Wellen“ begleiten wir die fast 100-jährige Inge, eine gebürtige Föhrerin, die gemeinsam mit ihrer Urenkelin Swantje eine Schiffsreise von Föhr nach New York unternimmt. Während dieser ...

In „Das Licht in den Wellen“ begleiten wir die fast 100-jährige Inge, eine gebürtige Föhrerin, die gemeinsam mit ihrer Urenkelin Swantje eine Schiffsreise von Föhr nach New York unternimmt. Während dieser Reise lässt Inge ihr bewegtes Leben Revue passieren – ein Leben, das sich sowohl auf Föhr als auch in New York abgespielt hat. Dabei gewährt sie Swantje immer tiefere Einblicke in ihre Vergangenheit und bringt nach und nach auch bisher Unausgesprochenes und Verdrängtes ans Licht.

Janne Mommsen hat einen atmosphärischen und zugleich bewegenden Roman geschrieben. Die Figuren wirken authentisch und nahbar – mit all ihren Ecken und Kanten. Besonders Inge ist mir ans Herz gewachsen: Ich habe von Anfang an mit ihr mitgefiebert und ihre Lebensgeschichte als inspirierend und berührend empfunden. Ihre Gedanken, Zweifel, Trauer, aber auch ihr Mut, ihre Hoffnung und Beharrlichkeit haben mich fasziniert und tief ins Geschehen hineingezogen.

Auch die Beschreibungen der Natur und Schauplätze sind stimmungsvoll und detailreich – sie unterstreichen die besondere Atmosphäre des Romans auf eindrucksvolle Weise.

„Das Licht in den Wellen“ ist für mich ein echter Feelgood-Roman. An einigen Stellen hätte ich mir allerdings noch mehr emotionale Tiefe sowie stärkere innere und äußere Konflikte gewünscht, um die Geschichte noch authentischer und realistischer wirken zu lassen.

Dennoch kann ich diesen Roman allen empfehlen, die atmosphärische Familienromane schätzen und sich für Themen wie Zusammenhalt, Herkunft und Heimat, Freundschaft und Selbstverwirklichung interessieren.

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