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Veröffentlicht am 17.08.2025

Ein großartiges Buch

Jella Lepman
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Bei diesem Buch ist alles wirklich exzeptionell: die Geschichte der Hauptfigur, Jella Lepman. Aus jüdischer Familie muss sie mit Aufstieg der Nazis aus Deutschland fliehen und wird nach dem Krieg von den ...

Bei diesem Buch ist alles wirklich exzeptionell: die Geschichte der Hauptfigur, Jella Lepman. Aus jüdischer Familie muss sie mit Aufstieg der Nazis aus Deutschland fliehen und wird nach dem Krieg von den Engländern beauftragt, bei der Umerziehung der Frauen und Kinder in Westdeutschland zu helfen. Daraus entsteht ihre Idee einer Internationalen Kinder- und Jugendbuchsammlung, da sie geistige Nahrung für genauso wichtig erachtet wie leibliche und da sie mit den Büchern zu Verständigung und Frieden beitragen möchte.
Der Schreibstil, der sowohl den jungen Leser gut da abholt, wo er mit seinen Kenntnissen steht, als auch den erwachsenen Leser noch immer anspricht.
Und natürlich die expressiven Illustrationen, die dem Buch Züge einer Graphic Novel verleihen und den Inhalt auf beeindruckende Art und Weise illustrieren. Der Zeichenstil ist sehr kunstvoll und beeindruckend und zugleich sehr ausdrucksstark, gleichgültig ob farbig oder schwarz-weiß. Oftmals ergänzen Originalaufnahmen das Gezeigte und bereichern das Buch.
Wer Bücher liebt, wird Jella Lepman sehr zugewandt sein und ihre Geschichte mit Faszination lesen und sich an diesem Bücherschatz in seinem Regal sicher lange erfreuen.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Beklemmende Schicksale

Wir sehen uns wieder am Meer
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Eins haben die drei recht unterschiedlichen Schicksale der drei Freundinnen gemeinsam, sie sind schwer und grausam.
Da ist das „Deutschenmädchen“ Tekla, die sich im besetzten Norwegen auf einen Besatzungssoldaten ...

Eins haben die drei recht unterschiedlichen Schicksale der drei Freundinnen gemeinsam, sie sind schwer und grausam.
Da ist das „Deutschenmädchen“ Tekla, die sich im besetzten Norwegen auf einen Besatzungssoldaten einlässt. Sie ist die eigentliche Hauptfigur des ersten Bandes dieser Trilogie von Trude Teige und hier eher lose mit der Handlung verbunden.
Dann gibt es noch die Zwangsarbeiterin Nadja, die aus der Ukraine in die norwegische Fischfabrik verschleppt wurde und sich dann in einen Kollaborateur verliebt.
Die eigentliche Hauptfigur aber ist Birgit, eine Krankenschwester, die im Krankenhaus mit dem inländischen Widerstand gegen die Besatzer in Kontakt kommt und heimlich einen entflohenen Kriegsgefangenen versteckt, einen Russen, in den sie sich verliebt.
Das Schicksal der drei Frauen reicht weit über die Besatzungszeit durch die Deutschen hinaus. Sie erleben die sich zuspitzende Situation, als die Deutschen den Krieg schon fast verlorenen haben und sich erbittert gegen die Niederlage wehren. Genauso wie ihre Unterstützer in Norwegen, deren Fanatismus im Angesicht des Untergangs ungebrochen ist. Aber es geht auch um die Nachkriegsjahre, um das Zusammenkehren des Scherbenhaufens, den der Krieg hinterlassen hat, um die Auseinandersetzung mit Schuld und Verstrickung, mit Verantwortung und der Suche nach einem Neuanfang.
Trude Teige hat sich wieder einen interessanten Schauplatz und ein weniger beleuchtetes Thema der Weltgeschichte ausgesucht und sie verleiht den Frauen, die in der Weltgeschichte immer nur sehr beiläufig vorkommen, eine wichtige Stimme. Es geht um ihr Schicksal, ihr Handeln, ihre Verantwortung, ihre Entscheidungen und ihr Los in einer Zeit, in der männliche Willkür mit am größten war.
Allerdings hat mich die Figur der Birgit nicht so ganz packen können. Das könnte auch an ihrer Begeisterung für Russland liegen, die für einen Norwegerin in der damaligen Zeit schon sehr ungewöhnlich gewesen sein muss, da die Norweger die Russen im Krieg kurz zuvor nicht in besonders guter Erinnerung dürften behalten haben. Und die Handlung zwischen Krankenhaus und Fischfabrik sowie Gefangenenlagern bleibt mir irgendwie fern und leer. Vielleicht stumpft man ab nach dem Lesen der immer wiederkehrenden Geschichten aus den Lagern der Gefangenen oder der Kranken. Aber gerade im dritten Band fehlt mir ein Spannungsbogen. Die Handlung dehnt sich, mal erhebt sie sich ein wenig, um dann schnell wieder abzufallen. Das Harren und Warten ist ein zentrales Motiv, das die Handlung aber auch hemmt und sich auf den Leser überträgt.
Für mich reicht der dritte Band nicht an die ersten beiden heran.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Ich hatte anderes erwartet

Die Frau des Farmers
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Als ich das Buch „Die Frau des Farmers“ sah und mich mit Hilfe von Klappentext und Leseprobe informierte, erwartete ich etwas über das Leben einer Farmersfrau auf einer Schaffarm in England zu erfahren. ...

Als ich das Buch „Die Frau des Farmers“ sah und mich mit Hilfe von Klappentext und Leseprobe informierte, erwartete ich etwas über das Leben einer Farmersfrau auf einer Schaffarm in England zu erfahren. Ich erwartete viele Naturbeschreibungen, einen besonderen Bezug zum Leben mit den Tieren und der Natur, vielleicht Bodenständigkeit und Erdung durch diese Verbundenheit mit dem Leben. Das Buch schildert sicher das Leben einer Frau, die sich Frau eines Farmers nennen kann, weil sie, entgegen ihres Vorhaben, als Tochter eines Farmers niemals einen Farmer oder einen Bauern, wie sie sagt, heiraten zu wollen, eben dann doch dies tut. Doch lange, bevor sie beide auf eine Farm ziehen und Schafe züchten, arbeitet ihr Mann in einem Büro und sie hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, bis sie Mutter wird und versucht, ein Heim für alle zu schaffen. Zwar gliedert sich das Buch in die Tageszeiten „Morgen“, „Nachmittag“, „Abend“, grob gesprochen, und die Kapitel beginnen dann auch mit Dingen, die die Frau des Farmers zu den entsprechenden Tageszeiten tut, z. B. Kinder in den Kindergarten bringen oder von der Schule abholen, einkaufen, Rechnungen bezahlen, alles Tätigkeiten, die auch Frauen von Nicht-Farmern tun. Doch diese Tätigkeiten dienen nur als lockere Assoziationskette, um dann von ihrem Leben zu plaudern, ihrer Schulzeit, ihrem Wunsch, ins Ausland zu gehen, den Wunsch, ihren James zu heiraten, ihr Kunststudium, ihre Arbeit in einem Kaffee, ihre Leidenschaft fürs Essen und fürs Kochen – das Buch enthält Unmengen an Rezepten, und ihrer Begeisterung, heruntergekommene Häuser zu kaufen, zu renovieren, um dann wieder ein neues zu kaufen.
Ihre Schreibstil ist dabei leicht zu lesen und das Ganze auch nicht ganz Uninteressant, aber eben anders, als erwartet. Und was mich eindeutig stört, ist der bekannte nölige Unterton beim Beklagen über Luxusprobleme, wie sie selbst einräumt, wenn sie schreibt: Von außen gesehen sind wir gesund, sehen gut aus, leben in einem schönen Haus und können uns ein gutes Leben leisten. Aber gleichzeitig jammert sie: sie studiert Kunst, auch wohl erfolgreich, aber betätigt sich nicht als Künstlerin. Sie backt und kocht gern, hat aber oft keine Lust oder Zeit, dann gibt es Fastfood und Ungesundes. Sie will unbedingt diesen Mann und sie will soooo sehr ein Kind, dann hat sie zwei und beklagt ihre Abhängigkeit und ihre Unfreiheit und die Abwesenheit ihres Mannes, der rund um die Uhr arbeiten muss, damit sie Häuser kaufen, aufwändig renovieren, luxuriös ausstatten können, obwohl sie ja eigentlich kein Geld haben. Und so kaufen und verkaufen sie in zwei Jahren drei Häuser. Worüber man sehr erstaunt ist, wenn man bedenkt, dass sich in der heutigen Zeit Familien mit zwei Verdienern häufig nicht einmal die Miete für eine adäquate Wohnung leisten können, geschweige denn ein Eigenheim.
Ich hatte anderes erwartet und hätte gerne anderes gelesen.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Besser als jeder Geschichtsunterricht

Die Porzellanmanufaktur – Zerbrechlicher Frieden
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Das Hörbuch „Die Porzellanmanufaktur“ bietet ein großartiges Bild der frühen Nachkriegsjahre. Im Mittelpunkt des ersten Teils steht die Familie Thalmeyer, genauer gesagt, die beiden Schwestern Marie und ...

Das Hörbuch „Die Porzellanmanufaktur“ bietet ein großartiges Bild der frühen Nachkriegsjahre. Im Mittelpunkt des ersten Teils steht die Familie Thalmeyer, genauer gesagt, die beiden Schwestern Marie und Sophie. Im Jahr 1947 muss Marie in die Fußstapfen des verstorbenen Vaters treten und als junge Frau die Leitung der Firma übernehmen. Dabei hat sie zu kämpfen mit dem Mangel der Nachkriegsjahre und der Konkurrenz. Ihre Schwester dagegen ist die wildere, die endlich wieder leben will nach den Jahren des Schreckens und des Mangels. Der Bruder Joachim sitzt noch in russischer Gefangenschaft und hat kaum Hoffnung auf die Rückkehr nach Hause.
Eine Vielzahl unterschiedlichster Figuren kreuzt das Schicksal der Thalmeyer-Schwestern: Liebhaber, Konkurrenten, Altnazis und Besatzungssoldaten. Hinzu kommt die Bewohnerschaft des kleinen Örtchens, in der die Manufaktur angesiedelt ist, der nichts verborgen bleibt. Daraus entspinnt sich ein üppiger Handlungsreigen auf verschiedenen zeitlichen und räumlichen Ebenen, den jede Figur hat nicht nur ein gegenwärtiges Schicksal zu bewältigen, sondern auch eine bewegte Vergangenheit in Nazi-Deutschland bzw. den besetzten Gebieten. Das ist dann auch das einzig Schwierige an diesem mit angenehmer Stimme gelesenen Hörbuch, bei all den Figuren und Handlungsebenen sowie Schauplätzen nicht den Faden zu verlieren.
Mit großer historischer Kenntnis zeichnet der Autor ein lebendiges, vielschichtiges, detailreiches und anschauliches Bild dieser ereignisreichen Zeit und ersetzt somit eine Vielzahl trockenen Geschichtsunterrichts. Wer die Thalmeyer-Saga liest, lernt und versteht viel von jüngerer deutscher Geschichte und wie wir wurden, was wir sind.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Ein süßer Bilderbuchtraum

Der kleine Bubu. Mittagsschlaf ganz schnell und fix? Der Bubu, der kennt alle Tricks!
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Wer glaubt, dass Schäfchen beim Einschlafen helfen, kennt die Bubus noch nicht, zottige, tapsige Figuren, die die Aufgabe haben, die Menschen zum Mittagsschläfchen zu animieren. Gut hat es der große Bubu, ...

Wer glaubt, dass Schäfchen beim Einschlafen helfen, kennt die Bubus noch nicht, zottige, tapsige Figuren, die die Aufgabe haben, die Menschen zum Mittagsschläfchen zu animieren. Gut hat es der große Bubu, ist er doch für die Erwachsenen zuständig, die froh sind, wenn sie mittags ihr Nickerchen machen können. Der kleine Bubu dagegen hat es schwer, denn die lieben Kleinen haben alles andere im Sinn als einen Mittagsschlaf. Da muss er schon so einige Tricks anwenden, um die Kinder zum Schlafen zu bewegen.
In zauberhaften Reimen erzählt das wunderschöne Kinderbuch von den beiden Bubus. Auf jeder Seite finden sich dazu liebevolle Zeichnungen, die so viel zum Entdecken bieten, dass man sich gar nicht satt sehen kann. Ob das beim Einschlafen hilft, wage ich zu bezweifeln, denn wer möchte dieses Lesevergnügen schon verschlafen?

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