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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.08.2025

Mit Längen und nicht ganz so gut wie Teil 1

Yrsa. Die Liebe der Wikingerin
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Yrsa hat es geschafft: Sie darf mit Gunnar und seinen Männer mit ins Frankenland segeln und als Kriegerin an ihrer Seite auf Raubzug gehen. Über der Fahrt liegt immer noch der Schatten des Verrats, der ...

Yrsa hat es geschafft: Sie darf mit Gunnar und seinen Männer mit ins Frankenland segeln und als Kriegerin an ihrer Seite auf Raubzug gehen. Über der Fahrt liegt immer noch der Schatten des Verrats, der im letzten Jahr die Unternehmung der Männer zum Scheitern brachte. Die Verräterin war eine Frau. Das macht Yrsas Stand unter den Männern nicht leichter. Und auch diesmal stehen die Sterne nicht günstig bzw. die alte Seherin Frida warnt Yrsa, ihren Geliebten Avidh vor den bösen Geistern zu bewahren.
Ähnlich zäh wie die Fahrt der Wikinger wegen mangelnden Windes gestaltete sich für mich der Einstieg in die Lektüre, ging es doch immer wieder und mehr ausführlich um die Beziehungsproblematik zwischen Yrsa und Avidh auf einer Fahrt mit lauter Kriegern auf Beutezug. Mir fehlte die aus dem ersten Teil so geschätzte Darstellung der Lebensart der Menschen damals. Noch Anklänge daran fanden sich in der Bemühung der Beseeltheit der Natur von Geistern, Elfen und Trollen, die aktiv in das Geschehen der Menschen eingreifen und die die Menschen bemüht sind, für ihr Schiksal gewogen zu stimmen, so z. B. mit Hilfe der Seherin Idun oder mit Hilfe des Steins des Eistrolles, den Avidh immer wieder bemüht, wenn er seine Fassung bewahren muss.
Als es dann zum Überfall auf Dorestad kommt und natürlich so einiges schief läuft, nimmt die Handlung deutlich an Fahrt auf, und dann ist es auch wieder sehr spannend zu lesen, insbesondere wie man sich das Leben auf einer fränkischen Festung vorzustellen hat.
Mir hat der erste Teil durchgängig besser gefallen, weil man in ihm so vieles über das Leben der Völker aus dem Norden, aus denen die Wikinger stammen, erfährt und es so plastisch in die Geschichte von Yrsa eingewoben ist. Der zweite Teil hat für mich einige Längen, da ich die Beziehung zwischen Yrsa und Avidh nicht so spannend finde. Aber als historischer Roman ist er nach einem eher gemächlichen Anfang ganz spannend zu lesen, auch wenn man den ersten Teil nicht kennt.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Wenn Häuser Geschichten schreiben

Treppe aus Papier
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In diesem Fall erzählt das Haus die Geschichte von der Schülerin Nele und der alten Dame, Irma. Sie begegnen sich im Treppenhaus. Irma wohnt schon ewig in dem Haus, schon zu Zeiten, als die Sternheims ...

In diesem Fall erzählt das Haus die Geschichte von der Schülerin Nele und der alten Dame, Irma. Sie begegnen sich im Treppenhaus. Irma wohnt schon ewig in dem Haus, schon zu Zeiten, als die Sternheims mit ihrer Tochter Ruth dort wohnten, bis die Nazis sie vertrieben. Auch wenn Nele eigentlich schon bei der Gründung der BRD im Geschichtsunterricht ist, fängt sie erst durch die Gespräche mit Irma an, Geschichte als einen lebendigen Prozess zu begreifen, der bis in die Gegenwart greift. Und so beginnt Nele Fragen zu stellen, unbequeme Fragen nach der eigenen Vergangenheit, und Irma beginnt noch einmal ihre Vergangenheit zu durchleben. Nur für das Haus gibt es keine Vergangenheit, in ihm ist alles Gegenwart. Und so sieht es die Existenz der jungen Irma und der jungen Ruth parallel zum Leben der alten Irma und der jungen Nele.
Irma und Nele sind zwei starke und berührende Charaktere. Beide haben es schwer, ihren Platz im Leben zu finden, aber beide machen es sich nicht bequemen. Sie versuchen, ehrlich zu sein mit sich und ihrer Umwelt, auch wenn das nicht immer auf Akzeptanz und Gegenliebe führt. Die beiden sind ein gutes Team, wenn es darum geht, junge Menschen auf den Weg zu bringen, danach zu fragen, was sie das alles angeht, das Vergangene. Und dass das Vergangene nicht vorbei ist, zeigen die Reflexionen des Hauses, eine interessante Perspektive, an die man sich als Leser erst gewöhnen muss und deren Passagen bisweilen ein wenig sperrig zu lesen sind. Zum einen weil die Perspektive bisweilen unvermutet wechselt ohne Ankündigung. Und zum anderen weil das Haus quasi ohne Punkt und Komma spricht bzw. denkt. Darin spiegelt sich die Selbstwahrnehmung des Hauses, die es gleich auf Seite 10 formuliert: „unsere Wahrnehmung ist wie ein Satz, der sich immer weiter windend einem kaum absehbaren, aber unausweichlichen Ende entgegenschlängelt, an dem sich, ist es erreicht, die Gesamtheit der Erlebnisse eimergleich über dich ergossen haben wird“.
In diesem Band kann man viel lernen über Geschichte und Geschichtsbewusstsein, über Menschlichkeit im Guten wie im Schlechten, die die sich gegen die Unmenschlichkeit stemmt und die, die die Neigung als menschlich ausweist, das Unbequeme und Ungeheuerliche zu verdrängen, um weiterleben zu können.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Vererbtes Trauma

Wie sehr ich dich finde
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Die Geschichte beginnt als historischer Roman zur Zeit des 2. Weltkriegs, die Protagonisten erleben verschiedene Traumata, Flucht, verborgene Existenz, Vergewaltigung und brutaler Mord. Die traumatischen ...

Die Geschichte beginnt als historischer Roman zur Zeit des 2. Weltkriegs, die Protagonisten erleben verschiedene Traumata, Flucht, verborgene Existenz, Vergewaltigung und brutaler Mord. Die traumatischen Ereignisse setzen sich in den nachfolgenden Generationen fort. Und die Wege der Protagonisten kreuzen sich über die Beziehungen ihrer Kinder und Kindeskinder. Jeder von ihnen trägt sein Päckchen mit sich, ohne häufig genau zu wissen, woher ihre Rastlosigkeit, ihre Bindungsunfähigkeit, ihre Schwermut, ihre Wut kommt. Sie gehen alle unterschiedlich damit um und schlagen unterschiedliche Wege ein, auch dadurch, dass sie aus unterschiedlichen Schichten kommen. Aber eines haben sie alle gemein: einen dunklen Fleck auf der Seele und mindestens einen Schicksalsschlag im Nacken.
Was als historischer Roman beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einer erotisch-esoterisch-spirituellen Lebensreise. Dass sich Schuld und Angst als traumatische Erlebnisse vererben und die Kriegskinder und -enkel in ihrem Leben beeinflussen können, ohne dass diesen das immer klar ist, ist mittlerweile ein ziemlich anerkannter Ansatz der Psychologie. Und auch ein sehr interessanter. Soweit ist der Roman noch nachvollziehbar. Allerdings wird dieses Modell im Buch in der ewigen Wiederholung der Abfolgen über drei Generationen ziemlich auf die Spitze geschrieben. Mir ist auch die federführende Rolle der Edelprostituierten, die den Sohn als Stammkunden hat und den Vater heiratet, mit ihren über Sex vermittelten Lebensweisheiten ein wenig zu viel des Guten, sodass mir die Entwicklung ähnlich befremdlich wird, wie es der etwas holprige Titel ist.
Wer einen historischen Roman erwartet, sollte besser zu einem anderen Buch über die Zeit greifen.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Eigentlich "Die Kriminalistin" - Solo für Lucia Specht

Die Kriminalistinnen. Der stumme Zeuge
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„Die Kriminalistinnen“ gehen ins Finale. Lucia Specht ermittelt gleich in zwei Fällen, zum einen eine Kindesentführung in Düsseldorf und zum anderen muss sie in Köln aushelfen und undercover im Drogenmilieu ...

„Die Kriminalistinnen“ gehen ins Finale. Lucia Specht ermittelt gleich in zwei Fällen, zum einen eine Kindesentführung in Düsseldorf und zum anderen muss sie in Köln aushelfen und undercover im Drogenmilieu ermitteln. Gleichzeitig ist sie auch noch dem Mörder ihrer Mutter auf der Spur. Und auch die Männer in ihrem Privatleben halten sie mehr auf Trag, als gut für sie ist.
Der dritte Band ist wieder gut erzählt und auf jeden Fall auch spannend zu lesen. Insbesondere die Kölnfans kommen auf ihre Kosten, da der Leser abtaucht ins Köln Anfang der 70er. Mit seinem dritten Band beweist Mathias Berg wieder einmal, dass ein packender Krimi kein Blutvergießen oder Exzesse körperlicher wie psychischer Gewalt braucht.
Was in diesem letzten Band der Trilogie um ersten Kriminalbeamtinnen der deutschen Polizei allerdings deutlich stärker in den Hintergrund tritt, ist das historische Kolorit. Lucia dominiert das Geschehen so sehr, da ist für ihre Kolleginnen wenig Platz. Die Besonderheit der Frauen bei der Polizei, wie sie den ersten und zweiten Band prägen, fehlt mir hier. Auch ist mir nicht zwingend ersichtlich, warum wir die zwei so unterschiedlichen Krimihandlungen brauchen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Auch Lucias Männergeschichten werden mir hier zu viel, zu viele Liebeleien, die ihr dann – welch Zufall – zum Verhängnis zu werden drohen. Auch scheint es nicht realistisch, dass eine Polizeianwärterin in Ausbildung schon jetzt zur allseits gefragten Expertin wird, der Grund, warum sie nach Köln beordert wird. Etwas weniger Lucia hätte mehr Raum geboten für ihre Kolleginnen, die in den ersten beiden Teilen einen nicht unwesentlichen Teil des Charmes der Handlung ausmachten.
Insgesamt auf jeden Fall ein gut lesbarer Krimi, vor allem für die, die auf Blut und Psycho gut verzichten können, aber nicht unbedingt der Abschluss, den ich mir für die Reihe gewünscht hätte, unabhängig davon, dass ich mir noch gar keinen Abschluss gewünscht hätte, hätten die 70er Jahre doch jede Mengen Stoff für Lucia und ihre Kolleg:Innen bieten können.

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Am Ende dann spannend

Das geheime Bildnis
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Die Kunststudenten Caroline und Patrick entdecken ein Tagebuch der surrealistischen Malerin Juliette Willoughby und darin Hinweise auf die Existenz ihres Hauptwerkes, das bei einem Brand in Paris im Jahre ...

Die Kunststudenten Caroline und Patrick entdecken ein Tagebuch der surrealistischen Malerin Juliette Willoughby und darin Hinweise auf die Existenz ihres Hauptwerkes, das bei einem Brand in Paris im Jahre 1938 eigentlich zerstört worden sein soll. Dieses Gemälde scheint eine Botschaft über ein Familiengeheimnis der Willoughbys zu enthalten. Und auch Jahrzehnte später sorgt das Gemälde für einen brutalen Mord, der Patricks und Carolines Leben zu zerstören scheint.
Der Krimi des Autorenduos, das unter dem Pseuconym Ellery Llyod veröffentlicht, spielt auf drei Zeitebenen. Über die ersten dreihundert Seiten zieht sich das Geschehen für mich ziemlich. Auf allen Ebenen ereignen sich Dinge, es gibt eine Geheimgesellschaft mit Ägypten-Kult, Menschen verschwinden, Kunsthändler suchen nach dem Fund ihres Lebens, eine junge Frau aus gutem Hause verursacht einen Skandal, zwei Menschen verlieben sich ineinander, die miteinander zu tun zu haben scheinen, aber vielfach ist nicht erkenntlich, was. Es werden immer neue Erzählfäden aufgegriffen und Geschehnisse aneinander gereiht, aber für mich entsteht kein spannender Erzählsog, wie bei einem Krimi, der nach Auflösung drängt. Erst im letzten vierten Teil fügen sich die Fäden zusammen und es kommt zu einigen überraschenden Wendungen, die den Leser zum Weiterlesen motiviert. Und zum Ende löst sich alles stimmig auf. Der Roman enthält einige interessante, wenn auch nicht originelle Ansätze, aber gleichzeitig auch zu viele, um von Anfang an eine Krimiatmosphäre aufzubauen. Bei der Vielzahl an Krimis fällt es schwer, hier einen ultimativen Pageturner zu sehen.

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