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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2025

Luxusreise für Luxusprobleme

Das Geheimnis des Augenblicks
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Maelle ist erfolgreich und arbeitet viel, aber ist sie auch glücklich? Ihre Freundin erkrankt an Krebs und schickst sie mit einem Auftrag nach Nepal. Eigentlich passt das nicht in Maelles Zeitplan. Widerwillig ...

Maelle ist erfolgreich und arbeitet viel, aber ist sie auch glücklich? Ihre Freundin erkrankt an Krebs und schickst sie mit einem Auftrag nach Nepal. Eigentlich passt das nicht in Maelles Zeitplan. Widerwillig lässt sie sich darauf ein. Und dies Reise stellt ihr Leben auf den Kopf, denn arbeiten ist auf einmal nicht mehr alles.
Die Reiseeindrücke von Nepal sind beeindruckend und für mich auch das Interessanteste an dem Buch. Die Hauptfigur ist mir wenig sympathisch. Ich finde sie sehr selbstbezogen und ein wenig larmoyant auf hohen Niveau sowie sprunghaft. Hat sie gerade noch ein erhebende Erfahrung der Allverbundenheit, so verfällt sie fünf Minuten wieder in ihre alten Verhaltensmuster, geprägt von Gereiztheit und Enttäuschung, die sich in Ungeduld und Wut äußern. Die Lebensweisheiten, die sie hier weiter vermitteln will, kennt man von den Grundprinzipien her aus verschiedenen Lebensratgebern. Hier werden sie ziemlich aufgebläht in immer wieder neuen Worten aus unterschiedlichen Mündern mantraartig wiederholt. Das macht das Lesen im zweiten Teil ziemlich zäh. Der, der ernste Probleme hat, dürfte sich von der Predigt der allumfassenden Liebe, an die man nur glauben muss und dann existieren keine Probleme mehr und Angst ist sowieso nur eine Selbstbehauptungsstrategie des bösten Ego, nicht wirklich ernst genommen fühlen.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Mascha, wo bist du?

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
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Die Ich-Erzählerin liebt kleine Häuser am liebsten mit Reetdach, Kaffee und die Gedichte von Mascha Kaléko. Diese stellt sie jedem Kapitel ihrer Lebensgeschichte motivisch voran und nutzt sie weniger zum ...

Die Ich-Erzählerin liebt kleine Häuser am liebsten mit Reetdach, Kaffee und die Gedichte von Mascha Kaléko. Diese stellt sie jedem Kapitel ihrer Lebensgeschichte motivisch voran und nutzt sie weniger zum Dialog mit der Dichterin als zum Monolog, mit dem sie der Dichterin und dem Leser ihr Leben für die Füße schüttet. So muss man es fast sagen. Denn motiviert von einem ihrer Gedichte oder einem Vers darin, macht sich ein Wortschwall Luft, bricht es aus der Erzählerin heraus. Ihr Leben bisher, liebevolle Kindheit, plötzlicher Liebesverlust, Systemsprengerin, mit 14 raus aus dem Heim und als Punk auf der Domplatte, sexualisierte Gewalt, Missbrauch, dann die Kehrtwende, Buchhändlerlehre, und, sie glaubt es selbst kaum, doch noch das Abitur und dann das Studium. Bücher waren der jungen Treberin ohne Zuhause immer so etwas wie Heimat. Als sie während der Buchhändlerlehre im Antiquariat auf Kalékos Gedichte stößt, scheint sie eine Seelenverwandte gefunden zu haben. Sie findet in ihren Gedichten, in denen sie, ganz dem neusachlichen Programm entsprechend, die Themen des menschlichen Lebens und Alltags im Sinne der Gebrauchslyrik in wohl verständliche, zugleich aber sehr ergreifende Worte packt. Bei aller Bewunderung ist sich die Erzählerin zugleich bewusst, dass ihr Ausdruck eher das Pathos ist. Sie ist in allem, was sie tut, leidenschaftlich, vor allem leidenschaftlich wütend, panisch und liebend. Das sind die drei Grundmotive ihres Lebens, die sich wechselseitig bedingen.
Mit schonungsloser Offenheit lässt sie den Leser immer tiefer in die Abgründe blicken. Beginnt zunächst alles ein wenig harmloser mit ihrer Vorliebe für kleine Reetdachhäuser, weil diese eine glückliche Kindheit symbolisieren, so führt ihr Weg dann bald in die abgeranzten Wohnungen wenig vertrauenerweckender Punks, die ihre Unsicherheit, Suche nach Nähe sowie auch ihre Trunkenheit nutzen, um sie zu missbrauchen. Drogen kommen ins Spiel und Obdachlosigkeit. Auch am Ende, als sie die Liebe gefunden zu haben scheint, lässt das miese Schicksal sie nicht los. Nun heißt ihr Gegner die Diagnose Krebs bei ihrem Mann.
Bisweilen wird es dem Leser ein bisschen viel, das Pathos, das Drama und auch die Ambivalenz von Geliebt und Verlassen Werden, von Angst und Furchtlosigkeit, die manchmal in verwirrender Weise koexistieren. Man erahnt hinter den Zeilen der Erzählerin die Autorin selbst, wenn man das annehmen darf, und bewundert sie für ihre Ehrlichkeit und Bereitschaft zur Selbstpreisgabe. Mir allerdings stellt sich auch die Frage, ob man den Gedichten wirklich gerecht wird, wenn man sie als Anschubser für die eigene Lebensdarstellung nimmt. Natürlich darf jeder diese Texte subjektiv lesen. Mir aber fehlt bei all dem „du, Mascha“ eben diese Mascha. Wer die Dichterin, ihr Werk und ihr Leben nicht kennt, bekommt immer nur einzelne Brocken hingeworfen, die aber sofort in der Gleichsetzung mit dem doch so anderen Leben der Erzählerin verschwinden. Bei aller Seelenverwandtschaft sind die Lebensthemen doch sehr verschieden und schwer vergleichbar.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Geschmäht, gefeiert, geliebt und benutzt

Der ewige Tanz
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Steffen Schroeder legt eine bemerkens- und lesenswerte Romanbiographie über die Ausdruckstänzerin Anita Berber vor.
Als enfant terrible ihrer Zeit mag man sie zwar nur schwer bezeichnen, gab es davon in ...

Steffen Schroeder legt eine bemerkens- und lesenswerte Romanbiographie über die Ausdruckstänzerin Anita Berber vor.
Als enfant terrible ihrer Zeit mag man sie zwar nur schwer bezeichnen, gab es davon in den wilden Zwanzigern im Babylon Berlin doch einige. Aber die Berber sorgte dennoch immer wieder für Skandale. Vielleicht weniger mit ihren freizügigen Auftritten, Photos oder auch Gemälden als mit ihren Wutanfällen gegenüber einem Publikum, von dem sie sich als Künstlerin nicht ernst genommen fühlte, sondern zum reinen Sexobjekt degradiert. Sie nahm nie ein Blatt vor den Mund, strafte die Gesellschaft ihrer bigotten Moral wegen Lügen und führte ein rauschhaftes, exzessives Leben, das umso früher endete. Mit zunehmender Kokain- und Morphiumsucht begann der Niedergang ihrer Karriere auf der Bühne und beim Film, ihre finanzielle Not und ihr gesellschaftlicher Abstieg. Die Männer an ihrer Seite waren oftmals auch Künstler, allerdings häufig erfolg- und brotlos, mehr in sich verliebt und das schöne Leben, das Anita häufig mit finanzierte. Am Ende dieses kurzen Lebens steht die todbringende Schwindsucht wie das Resultat eines kräftezehrenden Lebens.
Schroeders Roman wirbt um die Sympathie für eine Frau, die schon als kleines Mädchen auf der Suche nach Liebe und Aufmerksamkeit war, die ihr aber nur selten ungeteilt und selbstlos zuteil wurde. Im Wechsel von Sterbebett und Erinnerung an das kurze, aber umso intensivere Leben lernt der Leser eine verletzliche Frau kennen, die nicht nur ihre Haus zu Markte, sondern auch ihr Herz auf Zunge trägt. Sie steht mutig zu ihrem unkonventionellen Lebenswandel, lebt die Liebe zu Männern und zu Frauen, zeigt die Natur des Menschen auf der Bühne bis auf den Wesenskern enthüllt. Nacktheit ist für sie nicht Mittel zum Zweck, sondern Ausdruck. Sie könne nicht anders, als so zu sein, wie sie ist, schonungslos und offen, entgegnet sie auf die Bekundung von Bewunderung für ihre offene, auch sich selbst gegenüber schonungslose Art. Aber dennoch ist diese Aufrichtigkeit nicht als Ausdruck eines Mangels, sondern als bewundernswerte Charakterstärke zu sehen. Die Anita Berber, die der Roman zeigt, ist eine verletzliche Frau, eine Künstlerin mit Idealen, voller Lebenshunger, niemals jammernd gibt sie nie auf, bekämpft ihre Einsamkeit, wenn auch bisweilen mit den falschen Mitteln, und trägt auch ihre Krankheit mit Würde.
Schroeder gelingt es nicht nur, dem Leser diese schillernde Person so nahe zu bringen, sondern er lässt ihre ganze Zeit so lebendig vor Augen erstehen, wenn er uns mitnimmt auf Shoppingtouren mit Anita, in ihre Shows, in die Salons und die privaten Räume großer Künstlerinnen und Künstler, denen sie begegnet. Zudem vermittelt der Autor spannende Einblicke in die Geschichte der Kinderstube des Films.
Nicht nur die profunde Kennerschaft, die lebendigen Schilderungen und der ansprechende Schreibstil machen dieses feine Buch über eine Frau, die man vielleicht nicht für so tiefgründig gehalten hätte, weil man nur ihre Skandale kennt, so lesens- und liebenswert.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Eine feine, leise Weise

Für Polina
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Das Buch hat mich auf jeden Fall gepackt, an einem Tag begonnen, am anderen ausgelesen. Das liegt auf jeden Fall an Hannes und seiner Mutter, Fritzie Prager. Allein mit einem unehelichen Kind ohne Ausbildung ...

Das Buch hat mich auf jeden Fall gepackt, an einem Tag begonnen, am anderen ausgelesen. Das liegt auf jeden Fall an Hannes und seiner Mutter, Fritzie Prager. Allein mit einem unehelichen Kind ohne Ausbildung findet sie Zuflucht in der heruntergekommen Villa in einem Naturschutzgebiet bei dem kautzigen Lebenskünstler Heinrich. Mit diesen schlechten Rahmenbedingungen aber schafft sie für Hannes, dem Jungen mit dem besonderen Gehör, das Idyll einer Kindheit voller Liebe, Angenommensein und Zufriedenheit. Ein wichtiger Bezugspunkt seiner Kindheit ist auch Polina, mit der er von Klein auf aufwächst und mit der ihn ein besonderes Band verbindet. Doch als die Idylle zerbricht, verliert Hannes auch Polina und seine Musik. Es wird ein langer Weg zurück zur Musik, aber auch zu Polina?
Würger entwickelt faszinierende, vielfach liebenswerte Figuren. Sie haben alle ihre Stärken und ihre Geheimnisse und sie sind mehr oder weniger für Hannes da. Ohne Polina, ohne seinen Kumpel Bosch, den grobschlächtig wirkenden, aber so feinen Möbelpacker, mit dem er für eine Transportfirma Klaviere schleppt, ohne Heinrich, der sich auch zu verlieren droht und ohne einige schicksalshafte Wendungen hätte Hannes sich vermutlich verloren. Wenn auch einige der Figuren, wie sie biologischer Vater oder sein Chef ein wenig klischeehaft wegkommen und manche Fügungen doch ein wenig arg wundersamen erscheinen, hat mich das Buch mit ganz unterschiedlichen Gefühlen erfüllt: Traurigkeit über den Verlust, Sehnsucht, Einsamkeit, aber durch all das hindurch auch eine Ruhe, eine Stärke und eine Art Gewissheit, dass es im Leben ganz einfache Dinge gibt, ein Geruch, eine Melodie, Natur oder eine Stange saurer Rhabarber mit braunem Zucker, die Trost und Zuversicht und Heimat geben. Würgers Schreibstil entwickelt die anfangs beschriebene Wirkung. Es sind die leisen Töne und die Zwischenräume, die dem Leser Platz lassen für das Nachfühlen, Nachspüren und Nachdenken wie die Musik.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Nicht nur ein Leseabenteuer

FREI – Bester Sommer (FREI 1)
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Joshua ist Kummer gewöhnt. Immer wieder muss er mit seiner Mutter aus beruflichen Gründen umziehen. Freunde - Fehlanzeige, Zuhausefühlen - nicht wirklich. Doch jetzt hat seine Mutter den Vogel abgeschossen ...

Joshua ist Kummer gewöhnt. Immer wieder muss er mit seiner Mutter aus beruflichen Gründen umziehen. Freunde - Fehlanzeige, Zuhausefühlen - nicht wirklich. Doch jetzt hat seine Mutter den Vogel abgeschossen und ihn in das allerletzte Kuhkaff gesteckt. Was soll er hier mit sich anfangen? Ganz unerwartet ist es ausgerechnet Schule, die ihn hier, wo sich Hase und Igel gute Nacht sagen, in ein Abenteuer verwickelt, von dem er nicht zu träumen gewagt hätte: mehrere Tage in Keingruppen Gleichaltriger im Wald ohne Erwachsene. Und plötzlich ist so etwas wie Freundschaft und ein Gefühl von Zuhause zum Greifen nah. Dies könnte der beste Sommer seines bisherigen Lebens werden...
Ein tolles Leseabenteuer, lustig und humorvoll geschrieben. Aus der Sicht Joshuas, der uns gleich mit hinein nimmt in das große Sommerabenteur, das ihn und den Leser hier erwartet. Sehr authentisch schildert die Autorin die Gedanken und Gefühle, die Joshua bewegen. Eine klare Leseempfehlung für Jung und Alt!

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